Irene Schlingensiepen: „Homöopathie für Skeptiker“ – selten so gelacht!


Die Ärztin und Homöopathin Irene Schlingensiepen, die in der vorletzten hart aber fair Sendung so wunderbar für sich, ihr Buch und die Homöopathie werben durfte, hat nun gute Chancen mit ihrem rein pseudowissenschaftlichem Werk zur Lichtbringerin der Homöopathie zu avancieren. Jede Glaubensrichtung braucht eine eigene „Bibel“ und nur damit lässt sich das Schriftstück „Homöopathie für Skeptiker“ vergleichen. Der vielversprechende Titel hat rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun, denn gerade Skeptiker können nur mit dem Kopf schütteln, wie hier alle ewig anhaltenden Mythen zur Homöopathie gebetsmühlenartig wiederholt werden und sich längst entlarvte Studien wie ein Wurm durch das gesamte Buch ziehen, um mit angeblich wissenschaftlichen Erkenntnissen die Homöopathie belegen zu wollen.

Dass sich die Wahrnehmung von Frau Schlingensiepen nicht mehr auf das, was man unter Wissenschaft und wissenschaftlichem Arbeiten versteht ausrichtet, ist definitiv Fakt. Sie hat ein großes Problem damit, eine Blockade, sich ihrer spirituell-esoterischen „Entwicklung“ und damit Wandlung voll und ganz zu bekennen und somit versucht sie ihr neues Denken mit Händen und Füßen auf wissenschaftliche Beine zu stellen. Ein ganz besonders eindrucksvolles Beispiel von kognitiver Dissonanz und Wahn:

 

Das Video sagt eigentlich alles, Herrn Plasberg scheint eine genauere Recherche für seine Sendung jedoch wahrlich nicht interessiert zu haben, um Schlingensiepen ein entsprechendes Werbeforum  zu bieten.

Die besondere „homöopathische Quellenmethode“ von Schlingensiepen könnte man ja noch als Versuch einer Psychotherapie durchgehen lassen, da sie jedoch angeblich als Ärztin nur noch schwerst Kranke behandelt, muss man einen ganz dicken Hals bekommen und dass genau sie, wie bei Plasberg mehrmals behauptet, genau weiß, wann „Schulmedizin“ unabdingbar nötig ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Sie hat schließlich ein Heilmittel, eine eigene Wahrheit erfunden!

Wer ganz genau wissen möchte, was von der Nepper-, Schlepper-, Bauernfängerei von Schlingensiepens „Bibel“ zu halten ist, der lese diese zahlreichen Rezensionen bei Amazon zu einzelnen Kapiteln des Buches „Homöopathie für Skeptiker“, geschrieben von dem GWUP-Mitglied Ute Parsch, die im Netz außergewöhnliches Engagement zeigt und überall dort wissenschaftlich, fachmännisch, sachlich und mit unendlicher Ausdauer kommentiert, wo es um Homöopathie-Mythen geht. Ihre Rezensionen bei Amazon sollte sich jeder kopieren, der stichhaltige Argumente gegen Homöopathie sucht und braucht, denn sehr viel mehr gibt es dazu wirklich nicht zu sagen!

Auch Christian Weymayr hat eine Rezension zum Buch verfasst, die im GWUP-Blog ganz nachzulesen ist und der ich nur zustimmen kann:  „Eine üble Mogelpackung: „Homöopathie für Skeptiker“:

Dieses Buch ist gefährlich. Es verbreitet nicht nur irrationales Gedankegut, es behauptet dabei, rational zu argumentieren. Dieses Buch beweist einmal mehr, wie Homöopathen die Wissenschaft missbrauchen.

Schlingensiepen sagt, sie betreibe einen „faktenbasierten rationalwissenschaftlichen Diskurs“ – und ich fürchte, das meint sie wirklich ernst.

„Hart aber fair“ hat dem Buch Verkaufszahlen beschert, die „Die Homöopathie-Lüge“ zu ihren besten Zeiten nicht hatte (nach Amazon-Rang). Gefährlich finde ich das Buch und die Autorin, weil es auf bedrückende und alarmierende Weise zeigt, wie leicht sich rationale Argumente weglachen und weganekdotieren und eines Tages vielleicht auch wieder wegblaffen und weghetzen lassen, wenn am Ende nur die gefühlte Wahrheit zählt.

Irene Schlingensiepen ist studierte Medizinerin und sie war auch einmal an einem Max-Planck-Institut.

Sie sagt, sie hat dort geforscht.

Viel Niederschlag hat diese Forschung allerdings nicht gefunden – internationale Forschungsdatenbanken wie Medline führen ganze zwei wissenschaftliche Arbeiten, an denen sie vermutlich beteiligt war.

Wissenschaft heißt für sie, sich die wenigen Grundlagen- und Patientenstudien mit positiven Ergebnissen für die Homöopathie herauszupicken und den Rest zu ignorieren. Nach diesem Schema gehen auch die anderen Verquerdenker und Verschwörungstheoretiker vor.

In ihrem Buch schreibt Schlingensiepen viel über Studien und deren Qualität, um in der nächsten Zeile mit der ihr eigenen Unbekümmertheit von ihrem Erweckungserlebnis zu erzählen, das sie von der Schulmedizinerin zur Homöopathin werden ließ: die „Heilung“ ihres asthmatischen Sohnes.

Und so geht es in einem fort mit ihren grotesken Verdrehungen.

Nur drei Beispiele: … WEITER

Die Masche ist und bleibt immer die Gleiche und damit lassen sich Menschen gerne belügen und betrügen und opfern ihr letztes Geld in der Erwartung, dass Wunder existieren und für sie selbst wahr werden.

Ich habe so oft hier betont, dass sich unser Gesundheitssystem ändern muss, weil es mehr bezahlte Zeit für Patientengespräche braucht, dies hat aber rein gar nichts damit zu tun, dass ein Patient seinen Arzt als seelischen Mülleimer benutzen dürfen sollte, weil er sonst niemanden zum Reden hat oder dass ein Arzt die intimsten Details abfragen müsste, um eine Diagnose zu erstellen.

Zeit und Zuwendung im medizinischen Betrieb bedeuten, dass auf Ängste und Nöte des Patienten eingegangen wird und dass ihm genau erklärt wird, was von seiner Erkrankung zu halten ist und welche Abhilfen es gibt. Grundlage sind hierfür wissenschaftliche Erkenntnisse zu Krankheitsursachen und entsprechende Diagnosemethoden, die heute besser sind denn je.

Der esoterische Gegenspieler setzt insgesamt auf eine andere und völlig unwissenschaftliche Erklärung zur Entstehung von Krankheiten. Die „negative“ psychische, geistig-seelische Verfassung müsse hier immer Auslöser von jeglicher Krankheit sein, die sich erst dadurch physisch manifestiert.

Wissenschaftliche Nachweise gibt es dafür natürlich nicht, aber wer dies verbreitet, kann allein mit verbalem Geschwurbel und ohne Angst vor rechtlichen Schritten sein Auskommen sichern.

Die Verblödung ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass nur noch ganz triviale und damit einfachste Lösungsmöglichkeiten Geltung bekommen und vom Mainstream angenommen werden. Verschwörungstheorien sind in einer satten Gesellschaft wie der Deutschen en vogue, ansonsten hat man nicht gerade die Welt zum aufbegehren, obwohl es wohl noch einiges gäbe, dass ernsthaft zu kritisieren wäre.

Es geht den meisten Leuten auf alle Fälle zu gut, um zu realisieren, was Medizin bedeutet und was diese von Psychotherapie und schon gar von Scheintherapien unterscheidet.

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2 Gedanken zu “Irene Schlingensiepen: „Homöopathie für Skeptiker“ – selten so gelacht!

  1. Mir ist schon während der Sendung aufgefallen, dass Frau Schlingensieben ihre Pro-Homöopathie-Argumentation hauptsächlich auf die angebliche Heilung ihres asthmatischen Sohnes mittels homöopathischer Globuli stützt. Eine – wie allgemein bekannt – total unwissenschaftliche Beweisführung, weil aus einem Einzelfall nun mal keine Regel abgeleitet werden kann. Sie vernachlässigt dabei die längst nachgewiesene Tatsache, dass die meisten Erkrankungen durch das Wirken des menschlichen Immunsystems selbsttätig geheilt werden. Diese Tatsache dürfte auch für diesen Fall Geltung haben.

    Diese Wahrheit muss man vermutlich noch öfter verkünden, weil große Teile der Menschheit offenbar eine nicht zu stillende Sehnsucht nach Selbstbetrug verspüren.

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  2. Pingback: Feuerwächter » Auch in Australien ist Homöopathie Unsinn

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