Placebo-Effekt – was ist das??

Es sieht ganz so aus, als ob viele nicht so recht wissen, was der Placebo-Effekt eigentlich bedeutet.

Ich nehme mal die Fragen einer Kommentatorin hier im Blog zum Anlass, um etwas mehr Licht in die Thematik zu bringen und beantworte diese in mehreren Beiträgen.

Die Fragen:

“Was genau ist der Placeboeffekt? Warum wird dieser bei manchen Menschen z.B. nicht von einer Chemotherapie ausgelöst, in die ein Patient zunächst ja auch alle Hoffnungen setzt, und später aber z.B. durch Homöopathie? Wenn z.B. die Homöopatie in solch einem Fall nicht besser wirkt als eine vorangegangene Maßname, löst sie somit also bessere Placeboeffekte aus? Investieren Krankenkassen jetzt schon in Placeboeffekte oder finanzieren diese nur wissenschaftlich abgeklärte Therapieformen?”

Was genau ist der Placebo-Effekt?:

Der Effekt ist keine Erfindung der alternativen Heil-Szene, sondern seit Urzeiten bekannt. Er lässt sich auch nicht auf bestimmte Menschen, Präparate  oder Methoden begrenzen. Psychische Faktoren bewirken beim Patienten somatische Veränderungen und welche Auslöser eine Rolle spielen ist eigentlich individuell und rein subjektiv zu betrachten, wobei man Tendenzen, die einer momentanen Mainstreamauffassung entsprechen und eine Konditionierung auslösen, pauschaler analysieren kann.

Placeboeffekte können durch Erwartungshaltungen oder durch einen konditionierten Reiz ausgelöst werden. Die neuronalen Aktivierungen im Gehirn können den Stoffwechsel beeinflussen und dadurch körperliche Reaktionen bewirken.

Ergo, geht es einerseits um das Verhalten, den berufliche Status oder den guten Ruf des Behandlers. Einer, der sich für den Patienten Zeit nimmt, empathisch auf ihn eingeht und sich von seiner Behandlung überzeugt zeigt, stärkt die Erwartungshaltung des Patienten.

Andererseits wecken invasive Maßnahmen wie Injektionen oder operative Eingriffe eine größere Erwartungshaltung als die orale Verabreichung von Medikamenten, beziehungsweise Placebos. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Eigenschaften wie Größe, Farbe, Preis, Art der Verabreichung und Geschmack die positiven Effekte von Placebos beeinflussen. Demnach sind große bunte Kapseln wirkungsvoller als kleine weiße Tabletten. Dementsprechend werden Medikamente und Placebos auch hergestellt. Experimentell konnte 2008 nachgewiesen werden, dass auch allein der angegebene Preis eines Scheinpräparates die Placebowirkung beeinflusste. Ein hoher Preis bewirkte dabei einen stärkeren Placeboeffekt als ein geringerer.

… und neue Erkenntnisse

Die Hirnforschung brachte jetzt hochinteressante neue Erkenntnisse über physiologische und biochemische Abläufe und deren Zusammenhang mit Stimmungen und Denkmustern, sodass man nun gute Vorstellungen über Wirkaspekte von Placeboeffekten und ihre Ursachen hat. Grundvoraussetzung für einen Placeboeffekt ist, dass beim Patienten bewusst die Erwartung einer Schmerzlinderung entsteht. Die weitere zentrale Verarbeitung unseres Denkens und Fühlens können die Forscher heute eindeutig bestimmten Hirnarealen (limbisches System) zuordnen, die auch bei Stress- und Schmerzverarbeitung eine wesentliche Rolle spielen. Hier erklärt sich einerseits, warum Ablenkung, Erwartungen, Suggestion, Stressfaktoren, Entspannung u.ä. schmerzlindernd oder -verstärkend wirken. Andererseits finden sich in diesen Zentren u. a. Verbindungen zum körpereigenen Opiatsystem, dem Endorphinsystem: Seelische Verarbeitung wird hier in biochemische Wirkungen umgesetzt. Da sich die schmerzlindernde Wirkung von Placebos durch den Opiatgegenspieler Naloxon blockieren lässt, muss ein wesentlicher Wirkmechanismus von Placeboeffekten bei Schmerz über das Endorphinsystem erfolgen.

Eine Pille – viele Wirkungen

Vergleichsuntersuchungen haben gezeigt, dass Placeboeffekte bei verschiedenen Symptomen (z.B. Schmerz, Bluthochdruck, Parkinson) über unterschiedliche Nervenzentren vermittelt werden.. In einer aktuellen Studie löste eine grüne Traubenzuckertablette mit der Instruktion “dies wird ihre Schmerzen im Arm lindern” über das Endorphinsystem eine entsprechende Wirkung aus. Die gleiche Tablette bewirkte bei einem Parkinsonpatienten (“dies wird die Beweglichkeit Ihres Armes verbessern”) eine deutliche Besserung seiner Parkinsonsymptomatik. Diesmal wirkte die Instruktion auf das Dopaminsystem.

Weißgrün wirkt am besten gegen Schmerz

Das Ausmaß der Schmerzlinderung wird durch verschiedene Faktoren bestimmt: Größere Pillen wirken besser als kleinere, Kapseln besser als Tabletten, noch besser wiederum wirken Pflaster und Spritzen. Blaue Präparate wirken beruhigend, gelbe stimulierend, weißgrüne besonders schmerzlindernd, Medikamente mit spürbaren Nebenwirkungen haben auch eine höhere Wirksamkeit. Besonders hohe Placeboeffekte lassen sich mit technischen oder invasiven Maßnahmen erzielen (z.B. Akupunktur). Auch Operationen sind nach einer schwedischen Studie an mehreren tausend Bandscheibenoperierten sehr wirksam – als Placebo. Persönlichkeitsfaktoren des Patienten spielen zwar auch eine Rolle – z. B. sprechen ängstliche Menschen besonders gut an. “Sie wurden jedoch bisher grundsätzlich überschätzt: Es gibt keine ‘placeboanfällige’ Persönlichkeit!”, betont Dr. Derra. Wichtigster Faktor für die Placebowirkung ist der Behandler: Ein empathischer, optimistischer Arzt, der eine vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung herstellen kann, von seiner Behandlungsstrategie überzeugt ist und gute Aufklärung leistet, kann nicht nur beim Patienten subjektiv, sondern auch objektivierbar erstaunliche Effekte erzielen (z.B. Reduzierung des Analgetikabedarfes, Verkürzung von Krankenhausaufenthalten). Interessanterweise haben Ärzte eine deutlich höhere Placebowirkung als das Pflegepersonal.

Placeboeffekt unterstützend einsetzen

Die hohe Placeborate bei Schmerz (teilweise über 50 Prozent der Wirkung) bezieht sich auf alle Schmerzursachen, vom psychogenen bis zum Tumorschmerz. Es muss allerdings eine gewisse zentrale Verarbeitung des Schmerzerlebens stattgefunden haben. Plötzliche Schmerzen wie etwa Clusterkopfschmerz haben deutlich geringere Placeboresponse. “In Anbetracht des heutigen Wissensstandes wären Schmerztherapeuten gut beraten, Placeboeffekte intensiver und gezielter zur Behandlung besonders bei chronischen Schmerzen zu nutzen”, so Dr. Derra. Die Möglichkeit, medizinische und psychotherapeutische Interventionen durch unspezifische Maßnahmen zu verstärken, könne nicht nur zu höherer Patientenzufriedenheit führen, sondern auch die Arzt-Patient-Beziehung stärken und dadurch in Chronifizierungsprozesse positiv eingreifen. “Der heimliche Einsatz von Placebos anstatt einer spezifisch wirksamen Therapie ist jedoch abzulehnen”, so Dr. Derra: “Die Vertrauensbasis zum Patienten ist die wichtigste Grundlage der Therapie.”

© 03.06.03 MEDI-NETZ, Köln.

Soweit, so gut. Man weiß auch schon lange, dass es den “Placebo-Effekt empfänglichen Typ Mensch” nicht gibt. Der Patient kann sich ergo nicht darauf verlassen, ob und in wie weit der Effekt bei ihm wirkt. Es dürfte aber nun klar sein, dass der Effekt das gesamte Leben begleitet und deswegen nicht selektiv gesehen werden darf. In Bezug auf jegliche Behandlung im Krankheitsfall spielen immer die individuellen subjektiven Erwartungen, die bis dato gemachten guten Erfahrungen mit einem Medikament,einer Behandlung,einem Arzt,Heilpraktiker, etc., eine ausschlaggebende Rolle. Wird therapeutisches Neuland betreten, spielen wiederum die gesamte Atmosphäre des unbekannten Behandlers (Kontext-Effekt), das Einfühlungsvermögen inklusive Zeitaufwand, Empathie, gute Informationspolitik und natürlich der Rang und Berühmtheitsgrad der Person und Empfehlungen, die man dazu erhalten hat, sowie die Würdigung der vorgeschlagenen Therapie in der Gesellschaft und die Höhe des Preises eine Rolle.

Dass bei all dem immens große Unterschiede in der Wahrnehmung der Patienten existieren, dürfte klar sein. Somit ist es ein Glücksspiel, auf genau den Behandler zu treffen, der alle subjektiven Wunschkriterien zu 100 % erfüllt, um die besten Voraussetzungen für einen optimalen Placebo-Effekt zu erhalten. Das gilt natürlich sowohl für bewusste Erwartungen, als auch für unbewusste Konditionierungen und Assoziationen, die bestimmte Gefühle auslösen, die bewusst zu keiner Erklärung führen.

Vielleicht mal ein Beispiel, wie irrational es dabei zugehen kann:

Frau Müller fühlt sich generell unwohl, ist schlapp und hat Allergien plus häufig auftretende Kopfschmerzen. Sie sucht nach einem Behandler, der ihr Leiden komplett abklärt und ihr hilft. Sie fängt an, sich umgehender zu informieren und sie fragt im Freundeskreis nach, wer welche  Erfahrungen gemacht hat und welcher Behandler für sie speziell in Frage kommen könnte.

Bei ihrer Recherche stößt sie immer wieder auf alternative Therapien, über die sie so viel Gutes liest und für die immer mehr Positives in den Mainstream-Medien gebracht wird. Ihre Freundinnen berichten ebenso davon und einstimmig von nur guten Erfahrungen. Frau Müller ist hin und her gerissen, denn sie hatte bisher nur Erfahrungen mit der konventionellen Medizin, der sie an sich schon vertraut, aber die sie schon einige Male enttäuscht zurückließ.

Was tun, ist die große Frage und letztendlich ringt sich Frau Müller durch und öffnet sich für einen Termin bei einem Homöopathen, den ihre Freundinnen ihr wärmstens empfehlen.  Ihren  ersten positiven Eindruck erhält sie nach einem Telefonat mit dem Behandler wegen eines Termins. Bisher war sie es gewohnt Termine erst in Monaten zu bekommen und hier geht es innerhalb einer Woche und das noch ohne Wartezeit vor Ort, wurde ihr zugesagt.

Beim Homöopathen und Heilpraktiker angekommen, verwirklicht sich das Versprechen auch und zudem ist die Atmosphäre ganz anders, als bei jedem Arzt, den sie bisher besucht hatte. Alles ist so freundlich und nichts steril. Die Wände sind orange gestrichen, ihre Lieblingsfarbe, und es duftet überall nach Rosen, sie liebt Rosenduft. Der Homöopath wirkt sehr entspannt und ist leger gekleidet, es gibt eigentlich kein Indiz, das darauf schließen lassen könnte, dass er sich irgendwie als etwas Besseres oder Besonderes darstellen möchte. Im Behandlungszimmer rieselt hörbar das Wasser aus einem Edelsteinbrunnen, der von wunderschönen Amethyststeinen umrandet ist. Frau Müller fühlt sich rundherum wohl. Sie bekommt auch noch einen Wellness-Tee angeboten, den sie sehr gerne annimmt.

Die Behandlung beginnt und da Frau Müller nicht exakt wusste, was auf sie zukommen würde, hat sie frisch geduscht und ihre Wäsche komplett gewechselt, da es für sie schon immer peinlich war,wenn sie sich bei einer Untersuchung ausziehen musste, ihr Übergewicht empfand sie nicht gerade als Augenfang und deswegen wollte sie zumindest das, was zu optimieren war, erledigt haben.

Mit Freuden stellt sie fest, dass es keinen Bedarf gibt, ihre Schamgrenze zu verletzen.  Viele Fragen werden an sie gestellt und diese kann  sie ohne Probleme beantworten.  Der Homöopath notiert alles mit und als sie das erste Mal auf die Uhr sieht, sind sage und schreibe zwei Stunden um, solange hat sie noch NIE im Behandlungszimmer eines Arztes verbracht. Ihre Begeisterung für diese ihr neue Art von Behandlung ist schon voll und ganz ausgeprägt. Dann fängt der Behandler an, ihr zu erklären, wie Homöopathie funktioniert und da denkt Frau Müller nur, kann mir eigentlich egal sein, ist gar nicht so wichtig, denn ich fühle mich hier zum ersten Mal so richtig wohl und geborgen. Wenn mir jemand helfen kann, dann ist es mit Sicherheit dieser Mann.

Ergo, die Erklärung ging an ihr relativ vorbei und der Behandler verwies sie danach auf einen Termin in sechs Wochen, an dem sie ihr Konstitutionsmittel bekommen sollte, das er in der Zwischenzeit aufgrund ihrer individuellen Persönlichkeit mit ganz viel Aufwand exakt bestimmen würde.

Dieses Mittel soll all ihre Probleme gleichzeitig  lösen können, denn diese würden in einem Zusammenhang stehen, was natürlich von der Schulmedizin bis heute nicht erkannt worden sei, da man in diesem Fachgebiet nur Symptome sehe und bekämpfe und den Menschen als ganzes Individuum immer noch  komplett vernachlässige. Der Mensch in der Arztpraxis sei nicht mehr, als eine Nummer, bzw. würde betrachtet werden wie ein Fahrzeug, das weder Gefühle, noch eine Psyche hätte und daran würde die Schulmedizin unendlich kranken und genau deswegen würde sie  in vielen Bereichen komplett versagen.

Frau Müller war rundum begeistert von der Fürsorge, der Zuwendung, der Atmosphäre und der Art und Weise, wie die neue Therapie gehandhabt wird.

Sechs Wochen später bekam sie ihr homöopathisches Konstitutionsmittel und sie wurde noch darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Erstverschlimmerung geben könne, es könnten nochmals  Symptome auftauchen, die sie bereits hatte, die jedoch nie wirklich ganzheitlich auskuriert, nein, die  nie wirklich Heilung erfahren hätten und die deswegen nochmal hochkommen könnten um ein für alle Mal abzuheilen. Das wäre jedenfalls  ein positives Zeichen und würde immer bedeuten, dass das Mittel richtig gewählt worden sei und wirke. Die Symptomatik wäre allerdings nur von sehr kurzer Dauer, weil sie schließlich im Zusammenhang mit dem Heilungsprozess stehe und deswegen auch sehr schnell wieder abklingen würde.

Alles kam für Frau Müller so, wie vorhergesagt, sie hatte noch einmal einen kurzen Schub ihrer früheren Migräne, längst vergessene Rückenschmerzen und eine leichte Angina, die sie zur Genüge aus ihrer Kindheit kannte. Nach wenigen Tagen fühlte sie sich aber so wohl, wie schon lange nicht mehr, sie hatte Energie und einen unstillbaren Tatendrang, von den Allergien spürte sie kaum noch etwas und der Kopfschmerz war wie weggeblasen.

Es war einfach herrlich und dabei ging alles so unkompliziert und die Heilung folgte so schnell.

Ein halbes Jahr später bekam Frau Müller am Wochenende Kopfschmerzen, die nicht mehr erträglich waren und ihr Mann brachte sie  in Notaufnahme eines  Klinikums.  Dort stellte man nach eingehenden Untersuchungen fest, dass sie einen Hirntumor hatte, der schon länger am Wachsen war und der mittlerweile eine Größe erreicht hatte, die in Bezug auf eine Heilung äußerst bedenklich erschien.

Frau Müller starb nach 4 Monaten im Krankenhaus, weil der Tumor zu spät entdeckt wurde und deswegen keine medizinische Intervention mehr Rettung bieten konnte.

Verwandte und Freunde trauerten sehr um die Tote und alle waren sich einig, dass die Schulmedizin sie auf dem Gewissen habe,  und wenn man sie nicht in die Klinik gebracht hätte, sondern zum ihrem Homöopathen, dann würde sie heute noch leben.

Das Beispiel ist konstruiert, es soll aber auch deutlich machen, dass der Placebo-Effekt eine Selbsttäuschung auslösen kann, die wichtige biologische Schutzmechanismen, wie bei der Einnahme von Opiaten, einfach ausschaltet.

Das heißt, dass man sich wohler, bzw. gesund FÜHLT, das  aber, obwohl sich die körperlich krankhafte Anomalie nicht verbessert hat.

Desweiteren ist es wichtig zu wissen, dass viele Symptome über eine gewisse Zeitspanne ohne jegliche Behandlung von selbst abheilen, bzw. wieder verschwinden und dass sich Menschen in Behandlung begeben, wenn es ihnen schlecht geht und dass der Verlauf des Befindens von Kranken immer zyklisch verläuft, das heißt es gibt Höhen und Tiefen, was vollkommen normal ist, wobei Höhen letztendlich fälschlicherweise einer alternativen Therapie zugeschrieben werden.

Ergo, der Placebo-Effekt ist kein Mysterium, sondern ein Faktor, der stets und ständig eine Rolle bei jeglichen menschlichen Aktionen spielt und der eher auf die Befindlichkeit und den Umgang mit vermeintlichen Unannehmlichkeiten abzielt, als der tatsächlichen und nachweislichen Verbesserung oder Lösung eines Problems zu dienen.

Jede bestätigte Spontanremission war lediglich ein Glücksfall, wobei es natürlich auch hier ganz schwierig ist, einen  kausalen Zusammenhang zwischen Placebo-Effekt und Heilung festzumachen, denn der normale “Selbstheilungsprozess” muss dabei auch immer mit einbezogen werden.

Fortsetzung folgt.

Teil II:

Nun haben wir noch das weit verbreitete Gegenargument, dass es schließlich bei Tieren und Kleinkindern keinen Placebo-Effekt gebe und dass dies ein Indiz dafür sei, dass alternative Therapien wirken würden.

Auch diese Annahme ist grundfalsch.  Bereits in den 60er Jahren konnte man den Effekt bei Tieren nachweisen und bis heute gibt es dazu nicht wenige Reviews, die dies ebenfalls bestätigen.

Die Erwartungshaltungen des Tierhalters, der Mutter, des Vaters, des Arztes, etc. spielen hier die ausschlaggebende Rolle. Sie fungieren unbewusst als Überträger, wobei auch ein vertrauensvoller Umgang zwischen dem Behandler und dem Tierbesitzer, den Eltern zu einer konditionierten Reaktion beim Tier, Kind führen kann.  Hier ein schöner ausführlicher Artikel dazu bei Plazeboalarm.

Die nächsten beiden Fragen “Warum wird dieser (der Placebo-Effekt) bei manchen Menschen z.B. nicht von einer Chemotherapie ausgelöst, in die ein Patient zunächst ja auch alle Hoffnungen setzt, und später aber z.B. durch Homöopathie? Wenn z.B. die Homöopatie in solch einem Fall nicht besser wirkt als eine vorangegangene Maßname, löst sie somit also bessere Placeboeffekte aus?

dürften anhand des vorangegangenen Textes schon mal teilweise beantwortet sein.  Zum vollen Verständnis muss man jedoch noch ausführlich auf den Nocebo-Effekt eingehen, den sogenannten Gegenspieler des Placebo-Effekts.

Für mich persönlich ist dies der weit interessantere Effekt, weil er der Auslöser von Leid und Symptomen sein kann, die über mehr Wissen vermieden werden könnten.

Suggestionen und erlernte Konditionierungen beeinflussen unser Befinden viel mehr, als wir denken und es spielen eben nicht nur bewusste Erwartungen eine Rolle, sondern unser Unterbewusstsein kann uns auch übel mitspielen.

Wer Medikamente einnehmen muss, wird vom Arzt oder über den Beipackzettel über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Dadurch entsteht bei manchen Patienten eine regelrechte Erwartung, dass Nebenwirkungen auftreten. Je größer hier die bewusste Erwartung, desto wahrscheinlicher auch die entsprechenden Symptome.  Das gleiche Phänomen zeigt sich aber auch bei der Einnahme von Placebos, die für ein nebenwirkungsträchtiges Medikament gehalten werden. Der Nocebo-Effekt kann sogar eine Ausprägung erreichen, die mit Symptomen einhergeht, die auf einen baldigen Tod schließen lassen:

Der 26-jährige Derek Adams wollte seinem Leben ein Ende setzen. Seine Freundin hatte ihn verlassen. Er schluckte 29 Kapseln eines Antidepressivums und bekam Todesangst. Nach der massiven Überdosis sackte sein Blutdruck ab, er kam in die Klinik und konnte trotz intravenöser Infusionen nicht stabilisiert werden.

Die fraglichen Tabletten hatte er im Rahmen einer Medikamentenstudie bekommen. Wie üblich, waren der Hälfte der Teilnehmer echte Medikamente, den anderen nur Placebos verabreicht worden. Und natürlich wussten die Versuchsteilnehmer nicht, zu welcher Gruppe sie gehörten – die Studie war ordnungsgemäß “verblindet”. Nach der Einlieferung in die Notfallstation stellte sich heraus, dass Adams zur Placebogruppe gehörte. Als er erfuhr, dass er nur ein Scheinpräparat geschluckt hatte, verschwanden seine Beschwerden binnen kurzem. Der junge Mann war körperlich kerngesund.

Das Beispiel zeigt ganz deutlich, dass damit nicht zu spaßen ist und deswegen möchte ich nun nochmals an meinen konstruierten Fall weiter oben im Text zum Placebo-Effekt erinnern. Der alternative Behandler in dem Beispiel kommt in der Erklärung zu seiner Methode nicht umhin, auf die für ihn negativen Aspekte der “Schulmedizin” hinzuweisen. Dass die Gegenüberstellung von ganzheitlicher Behandlung und lediglicher Symptombekämpfung vollkommener Humbug ist, weil wissenschaftlich völlig unhaltbar, spielt für den Grad der Suggestion keine Rolle.

Wenn man nun bedenkt,  wie sehr unsere Realität bereits durch entsprechende Suggestionen aus der alternativen Heiler-Szene geprägt ist, muss man sich auch nicht wundern, wenn Nocebo-Effekte immer mehr um sich greifen.

Was haben wir da denn noch alles Schönes:

Medikamente sind per se giftig, weil chemisch. Nebenwirkungen sind so extrem, dass dadurch weitere neue Krankheiten erzeugt werden. Die Pharmaindustrie ist mafiös, denkt nur an ihren finanziellen Gewinn und will Menschen bewusst krank machen und krank halten. Die schleichende Vergiftung, bzw. Krankmachung hat in der Medizin System, das passiert auch durch Impfungen, Methylphenidat Verordnungen bei ADHS (ist sowieso eine Krankheitserfindung), Cholesterinsenkern, etc.pp. Fehldiagnosen, Fehlbehandlungen und Abzocke über nicht nötige Behandlungen und Operationen stehen im Medizinbetrieb auf der Tagesordnung. Alternative Heilmethoden werden nur deswegen als unwirksam abgestempelt und zu wenig erforscht, weil Ärzte, Kliniken und Pharma keine finanziellen Einbußen akzeptieren und ihre Lobby groß genug ist, dies auch durchzusetzen.

Und, und, und …

Untermauert wird das gesamte Bashing natürlich durch die angeblichen Vorteile der alternativen Therapien, die zudem bei ALLEN Krankheiten Abhilfe böten und die im Besonderen durch blumige Adjektive wie sanft, natürlich, ganzheitlich und nebenwirkungsfrei umschrieben werden.

Will mir jetzt jemand widersprechen, wenn ich sage, dass ein Großteil unserer Gesellschaft schon regelrecht konditioniert ist, was diesen ganzen Mist angeht?

Die eigentliche Konditionierung geht natürlich mit der eigenen Erfahrung einher. Bleiben wir bei der Frage zur Chemotherapie, bedeutet das, dass Symptome, die zu Beginn auftauchen, im weiteren Verlauf auch entstehen können, bevor die Chemotherapie überhaupt Nebenwirkungen auslösen könnte. Der Gedanke daran oder das Wahrnehmen des damit verbundenen Umfeldes reichen völlig aus, um sich unwohl zu fühlen und dass ein Nocebo-Effekt eintritt.

Soweit so gut, nur ist unser Unterbewusstsein nicht mittlerweile generell schon vollgestopft mit negativen Vorstellungen zu Medizin und Pharma und einer damit einhergehenden Angst? Ist es nicht auch so, dass in jedem von uns die Manipulation von einer guten, sanften und allzeit wirksamen Alternative schlummert?  Überwiegen dabei die vielen schönen positiven Anekdoten gerade deshalb über nachweisliche Wirksamkeitsbelege, weil sich jeder wünschen würde, dass es so einfach wäre?

Ich denke jedenfalls, dass die Unsicherheit zum Thema heute sehr weit verbreitet ist, so dass die genannten Suggestionen tief sitzen, was letztendlich auch dazu führen kann, dass man positive oder negative Reaktionen auf bestimmte Behandlungen  entwickelt, die man weder bewusst erwartet hätte, noch dass es dafür bereits eigene persönlichen Erfahrungen gibt. Hier noch ein empfehlenswerter und aktueller  Bericht über den Nocebo-Effekt:

“Die Macht der bösen Gedanken; Wie der Geist den Körper krank macht”

Die letzte Frage “Investieren Krankenkassen jetzt schon in Placeboeffekte oder finanzieren diese nur wissenschaftlich abgeklärte Therapieformen?”

lässt sich dagegen relativ einfach beantworten.  Der Placebo-Effekt ist ja keine eigene  Therapieform, das dürfte nun klar sein, deswegen würde er nie unter eine gesonderte Finanzierung von Krankenkassen fallen.

Geforscht wird jedoch auf dem Gebiet schon lange. Die Professoren Fabrizio Benedetti, Paul Enck und Manfred Schedlowski haben dazu auch gute Beiträge geleistet.

Und vom März 2010 gibt es eine Stellungnahme der Bundesärztekammer zum Thema mit dem Titel “Placebo in der Medizin” (150 Seiten).

Darin heißt es:

Diese Stellungnahme des AK Placebo soll dazu beitragen, das Bewusstsein in der Ärzteschaft dafür zu schärfen, dass der Placeboeffekt bei jeder Behandlung, auch bei einer Standardtherapie auftritt.

Deshalb empfiehlt die Arbeitsgruppe, Ärztinnen und Ärzten bereits in der Ausbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung tiefergehende Kenntnisse der Placeboforschung zu vermitteln, um erwünschte Arzneimittelwirkungen zu maximieren, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten zu verringern und Kosten im Gesundheitswesen zu sparen.
Diese Stellungnahme des AK Placebo soll dazu beitragen, das Bewusstsein in der Ärzteschaft dafür zuschärfen, dass der Placeboeffekt bei jeder Behandlung, auch bei einer Standardtherapie auftritt. Deshalb empfiehlt die Arbeitsgruppe, Ärztinnen und Ärzten bereits in der Ausbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung tiefergehende Kenntnisse der Placeboforschung zu vermitteln, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu maximieren, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten zu verringernund Kosten im Gesundheitswesen zu sparen.

Zudem darf man natürlich nicht vergessen, dass Placebos die tragende Rolle in der Medizin spielen, um die Wirksamkeit von Medikamenten und Therapien nachzuweisen. Ohne doppelt verblindete Studien im Placebo Vergleich gäbe es auch keine Evidenz basierte Medizin.

Sind wir mal gespannt, was noch alles kommt!

Stand Ende 2014:

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