Das Image-Problem des Esoterikers Rudolf Steiner


Hartmut Traub, Alanus Hochschule und Rudolf Steiner

Jeder Mensch ein Wissenschaftler!

 

Von Andreas Lichte, veröffentlicht im hpd

Die anthroposophische „Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft“ kämpft um eine Anerkennung der „Waldorfpädagogik“ als Erziehungs-„Wissenschaft“1. Dazu muß zunächst für Rudolf Steiner, Begründer der „Anthroposophie“ und Waldorfschulen, ein neues, positives und neutrales Image erschaffen werden: weg vom „verstörenden“ Esoteriker Steiner, hin zum bedeutenden Philosophen Steiner 2. Hartmut Traub, Lehrbeauftragter der Alanus Hochschule, hielt dazu im Mai 2016 einen Vortrag, in dem er Steiner wie gewünscht „wissenschaftlich-philosophisches Denken“ bescheinigt.

In seinem Vortrag „Wissenschaft, Mythos und andere unproduktive Etikettierungen …“ zitiert Hartmut Traub auf 15 Seiten nicht ein einziges Mal Rudolf Steiner, und das, obwohl er Steiners „Anthroposophie“ die einzigartige Eigenschaft zuspricht, Mythos und Wissenschaft in sich zu vereinen, Zitat Traub, Seite 7:

Der vermeintlich mythologische Charakter der Anthroposophie ist danach die veranschaulichende, didaktisch methodologisch explorierte Weiterentwicklung des philosophischen Denkens, das selbst in der ‘Hochphase’ der Anthroposophie sein mythologiekritisches Potential nicht verliert (Traub 2014, S. 149ff.).

Das Mythologische wird bei Steiner somit weder reflexiv verwissenschaftlicht, noch verhüllt es das wissenschaftliche Denken, sondern dem Mythologischen ist das wissenschaftlich-philosophische Denken explizit immanent. Und das heißt, die Anthroposophie ist ihrem Wesen und Anspruch nach kein mythologisches Denken, und schon gar keine Rückkehr zum Mythos, sondern die weiterentwickelte, veranschaulichte und methodologisch didaktisierte Philosophie Rudolf Steiners.

Unterstützer der Anthroposophie wie Hartmut Traub vermeiden, Rudolf Steiner selber sprechen zu lassen, es sei denn, in kurzen, sinnentstellenden Zitaten.

Wo ist in Steiners Aussagen das „wissenschaftlich-philosophische Denken“, die „weiterentwickelte, veranschaulichte und methodologisch didaktisierte Philosophie Rudolf Steiners“?

Um zu konkretisieren, wie weit sich Hartmut Traubs Interpretation von Rudolf Steiner entfernt, hören wir, was Steiner wirklich selber sagt, ein für ihn typisches Zitat:

(…) Und so kann man sagen: Die Weißen können überallhin, können heute sogar nach Amerika hinüber. Alles dasjenige, was an weißer Bevölkerung in Amerika ist, das ist ja von Europa gekommen. Da kommt also das Weiße hinein in die amerikanischen Gegenden. Aber es geschieht ja etwas mit dem Menschen, wenn er von Europa, wo er dazu natürlich gebildet ist, daß er alles im Innern entwickelt, nach Amerika hinüberkommt. Da ist es so, daß gewissermaßen schon etwas sein Hinterhirn in Anspruch genommen werden muß. In Europa, sehen Sie, hat er als Europäer hauptsächlich das Vorderhirn in Anspruch genommen. Nun, in Amerika, da gedeihen diejenigen, die eigentlich zugrunde gehende Neger einmal waren, das heißt sie gedeihen nicht, sie gehen zugrunde, die Indianer. Wenn man dahin kommt, da ist eigentlich immer ein Kampf zwischen Vorderhirn und Hinterhirn im Kopf. Es ist das Eigentümliche, daß wenn eine Familie nach Amerika zieht, sich niederläßt, dann bekommen die Leute, die aus dieser Familie hervorgehen, immer etwas längere Arme. Die Arme werden länger. Die Beine wachsen auch etwas mehr, wenn der Europäer in Amerika sich ansiedelt, nicht bei ihm selber natürlich, aber bei seinen Nachkommen. Das kommt davon, weil die Geschichte mehr durch das Mittelhirn hindurch nach dem Hinterhirn sich hinzieht, wenn man als Europäer nach Amerika kommt. (…) 3

„Typisch“ an der oben vorgestellten Textpassage ist, dass Rudolf Steiner seine Zuhörer bzw. Leser mit „unerhörten“ geistigen Tatsachen überrascht. Das kann Steiner, da er Einblick in die „Akasha-Chronik“, ein geistiges Weltengedächtnis in der „Ätherwelt“ („akasha“, Sanskrit: Äther) hat. In dieser „Chronik“ seien alle Ereignisse der Geschichte, alle Taten, Worte und Gedanken der Menschheit enthalten, die dem „Geistesforscher“ – also ihm selber – zur Verfügung stünden. Steiner sagt über seine Rolle als „Seher“: „Meinen Schauungen in der geistigen Welt hat man immer wieder entgegengehalten, sie seien veränderte Wiedergaben dessen, was im Laufe älterer Zeit an Vorstellungen der Menschen über die Geist-Welt hervorgetreten ist (…) Meine Erkenntnisse des Geistigen, dessen bin ich mir voll bewusst, sind Ergebnisse eigenen Schauens“. 4 Und: „Das müssen wir uns immer wiederum vor die Seele stellen, dass wir nicht aus Urkunden schöpfen, sondern dass wir schöpfen aus der geistigen Forschung selbst und dass wir dasjenige, was aus der Geistesforschung geschöpft wird, in den Urkunden wieder aufsuchen (…) Was heute erforscht werden kann ohne eine historische Urkunde, das ist die Quelle für das anthroposophische Erkennen“. 5

Das „anthroposophische Erkennen“ bezeichnet Steiner selber als „Okkultismus“:

Nun glaubt die Wissenschaft, daß das Herz eine Art von Pumpe ist. Das ist eine groteske phantastische Vorstellung. Niemals hat der Okkultismus eine solch phantastische Behauptung aufgestellt wie der heutige Materialismus. Das, was die bewegende Kraft des Blutes ist, sind die Gefühle der Seele. Die Seele treibt das Blut, und das Herz bewegt sich, weil es vom Blute getrieben wird. Also genau das Umgekehrte ist wahr von dem, was die materialistische Wissenschaft sagt. 6

Das Prinzip, jede bekannte – auch wissenschaftlich anerkannte –Tatsachen als „falsch“ hinzustellen, um das genaue Gegenteil als „wahr“ zu erklären, zieht sich wie ein roter Faden durch Rudolf Steiners Werk. Falls es Steiners Ziel war, sein Publikum durch seine „Originalität“ zu verblüffen, so ist ihm das zweifellos gelungen … WEITER

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16 Gedanken zu “Das Image-Problem des Esoterikers Rudolf Steiner

  1. Anthroposophen versuchen mit aller Macht, aus dem Esoteriker Rudolf Steiner einen Philosophen zu machen, besonders hervorzuheben dabei auch:

    Christian Clements ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners‘ (SKA)

    Des Steiners neue Kleider

    BERLIN. (hpd) Die Anthroposophie versucht seit Jahren, Rudolf Steiner ein neues, positives und neutrales Image zu geben: weg vom „verstörenden“ Esoteriker Steiner, hin zum bedeutenden Philosophen Steiner. Dass sich ein nach aussen hin renommierter Verlag, der „Frommann-Holzboog Verlag“, an dem anthroposophischen Betrug beteiligt, überrascht.

    (…)“

    weiter bei hpd, „Humanistischer Pressedienst“: http://hpd.de/artikel/11618

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  2. Steiner ist nicht nur ein durchgedrehter Esoteriker, Judenhasser und Rassist, sondern auch ein pseudowissenschaftlicher Wirrkopf. Erstaunlich, dass er immer noch soviel Ansehen genießt.

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  3. Mehr Raum für Anthroposophie-Propaganda:

    „Erweiterungspläne in Alfter

    Alanus Hochschule wird weiter wachsen

    07.09.2016 ALFTER. Auf dem Campus II an der Villestraße sollen neue Atelierbauten entstehen. Grund sind die stark gestiegenen Studierendenzahlen. Der Baubeginn ist für 2017 geplant.

    (…)

    Gekauft wurde das fünf Hektar große Gelände nach Angaben der Hochschule für einen „zweistelligen Millionenbetrag“ von der [anthroposophischen] Darmstädter Software-AG-Stiftung, dem Hauptförderer der Alanus Hochschule.

    (…)

    Ebenso beteiligt sei die [anthroposophische] Triodos Bank.

    (…)“

    Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/alfter/Alanus-Hochschule-wird-weiter-wachsen-article3351265.html

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    • … eine eigene Hochschule für die Anthroposophie Propaganda … und in blogs schreiben Anthroposophen massenhaft fake-Kommentare, um von Kritik an der Waldorfschule abzulenken – bei diesem Artikel:

      „‘Ich würde mein Kind nie an einer Waldorfschule anmelden’

      Heidrun G. war ein Jahr lang Lehrerin an einer Waldorfschule im Ruhrgebiet. Heute unterrichtet sie an einer staatliche Schule und blickt kritisch auf ihre Zeit als Waldorfschullehrerin zurück.

      (…)

      „Die Waldorfpädagogik legt keinen Wert darauf, an den wissenschaftlichen Diskursen der Pädagogik teilzunehmen. Man hat ja Steiners Lehre.“ Waldorfschulen, das würden viele Eltern unterschätzen, seien vor allem die Schulen der anthroposophischen Bewegung.

      (…)

      In den unteren Klassen haben die Kinder Epochenunterricht über Zwerge und Gnome gehabt. Atlantis und Sagen waren Stoff im Fach Geschichte.

      (…)“

      zum vollständigen Artikel: http://www.ruhrbarone.de/ich-wurde-mein-kind-nie-an-einer-waldorfschule-anmelden“/1952

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  4. Christian Clement, Herausgeber der „Rudolf Steiner kritische Ausgabe“, besitzt die Unverfrorenheit, nach zahlreichen „Sockenpuppen“-Kommentaren, die er auf diesem Blog schrieb, weiter Werbung für seine Steiner-Propaganda zu machen, siehe Clements Kommentar:

    https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2015/04/14/christian-clements-kritische-ausgabe-der-schriften-rudolf-steiners-ska-des-steiners-neue-kleider/#comment-7855

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  5. … die Waldorfschule ist Rudolf Steiner ist Anthroposophie …:

    „100 Jahre Waldorfschule 2019:

    100 Jahre Pädagogik aus dem Esoterik-Baukasten

    Im Jahr 2019 wird die Waldorfschule hundert Jahre alt. Gibt es eine andere Schulform, die so starr an den Vorgaben ihres Begründers festhält, wie die Waldorfpädagogik an der Anthroposophie Rudolf Steiners?

    (…)“

    weiter bei „Humanistischer Pressedienst“, hpd: https://hpd.de/artikel/100-jahre-paedagogik-dem-esoterik-baukasten-15645

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  6. „Hartmut Traub“

    hat eine „Honorarprofessur für Philosophie und Didaktik“ an der anthroposophischen „Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft“ bekommen, laut Pressemitteilung vom 13.05.2019: https://idw-online.de/de/news715587

    Das sei hier vermerkt, weil bei Wikipedia über „Hartmut Traub“ gestritten wird, bzw. über „Andreas Lichte“ als Quelle für Traubs anthroposophischen Arbeitgeber:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Philosophie_der_Freiheit#Hartmut_Traub_„Anthroposophie_und_Philosophie“:_Geeignete_Quelle

    „Hartmut Traub „Anthroposophie und Philosophie“: Geeignete Quelle [Quelltext bearbeiten]

    Nach ‘Lectoriums’ Bearbeitung vom 20.12.16 [3] soll Hartmut Traub in der Alanus Hochschule arbeiten. Dies ist zwar in der derzeitigen von ‘Lectorium’ zu verantwortenden Version des Artikels zur Philosophie der Freiheit unbelegt, wenn man dann aber nach „Belegen“ sucht, findet man diese nicht auf der Webseite der Alanus-Hochschule sondern z.B. in einem Blog von Andreas Lichte im humanistischen Pressedienst [4] (…)“

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    • Hartmut Traub macht das, was von ihm für die Professur an der anthroposophischen Alanis Hochschule erwartet wird …

      Propaganda vom PROFESSOR Hartmut Traub:

      „Wie Aufklärung ohne Kant

      „Waldorfpädagogik ohne Steiner.“ Dafür plädiert Matthias Drobinski in seinem Leitartikel „Erfolg in Pastell“ zu 100 Jahren Waldorf-Pädagogik. Der Grund für dieses bemerkenswerte Statement, zur Emanzipation der Waldorfpädagogik von ihrem Begründer, sind dessen „skurrile“ bis anstößige Theorien. In diesem Fall insbesondere seine „rassistische Lehre“ von den Wurzelrassen.

      Waldorfpädagogik ohne Steiner? Ich gebe die Frage einmal weiter: Protestantismus ohne Luther – wegen dessen heute kaum noch zitierfähigen antisemitischen Formulierungen gegen das Judentum? Aufklärung ohne Kant. Wegen dessen ebenso wenig salonfähigen Urteilen über Schwarzafrikaner, die er natürlich nicht so, sondern politisch unkorrekt Neger nennt? Würde jemandem heute so etwas einfallen? Ich glaube kaum.

      Bei Steiner, der Anthroposophie und den aus ihr begründeten Anwendungsfeldern, der Medizin, Landwirtschaft, Pädagogik usw., soll das gut gehen und empfehlenswert sein? Es geht so wenig gut wie bei Luther und Kant und den von ihnen her begründeten oder beeinflussten geistes- und kulturgeschichtlichen Einflüssen.

      Dass die seriöse Steiner-Forschung unkritisch mit kritischen Themen der Weltanschauung Rudolf Steiners umgehen würde, lässt sich heute meiner Ansicht nach nicht mehr behaupten. Es sei hier auf die Arbeiten von A. Martins oder H. Zander oder auf die kritische Werkeausgabe im angesehenen Wissenschaftsverlag Frommann-Holzboog verwiesen.

      Noch bedeutsamer als die Schulpädagogik ist insbesondere gegenwärtig (Thunberg-Effekt) Steiners naturphilosophische, ökologische Lebensräume berücksichtigende Sicht der Dinge. Wie meilenweit wir davon entfernt sind und wie dringend wir die Steiner’sche Sicht der Dinge in dieser Sache nötig hätten, zeigt die Ignoranz der Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung, etwa bei der Verlängerung der Anwendung von Glyphosat. Artensterben – egal, krebserzeugend – egal. Bis 2023 wird das Glyphosatprogramm durchgezogen – im Übrigen wider besseres Wissen, nämlich im Hinblick auf die proökologischen Auswirkungen der biodynamischen Land- und Viehwirtschaft nach den anthroposophischen Demeter-Standards.

      Dieser Diskurs ließe sich auch auf andere Anwendungsfelder der Anthroposophie ausdehnen (Komplementärmedizin usw.). Selbstverständlich ist es einfacher, sich der gängigen Klischees über Steiner und die Anthroposophie weiter zu bedienen und sein ja nicht immer falsches von anthroposophischen Fundamentalisten geprägtes Bild weiter zu pflegen. Auf der Höhe der Zeit und Diskussion um das Werk Rudolf Steiners ist man damit nicht mehr.

      Prof. Dr. Hartmut Traub, Mülheim/Ruhr“

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  7. … Prof. Hartmut Traub von der anthroposophischen Alanus Hochschule arbeitet für eine „Sekte“, wenn man den Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7.9.2019 ernst nimmt:

    „100 Jahre Waldorfschule

    „Waldorf hat den Charakter einer Sekte“

    (…)

    Nicholas Williams, Jahrgang 1981, kennt die Binnensicht gut. Er war Waldorflehrer in Baden-Württemberg – und hat der Schule inzwischen den Rücken gekehrt. Ein Protokoll.

    (…)

    Was ich da zuletzt erlebt habe, hat mich verstört: Es geht in den Waldorfschulen viel esoterischer zu, als ich mir das früher je gedacht hätte. Waldorf hat den Charakter einer Sekte, und mittlerweile bin ich überzeugt: Waldorf richtet Tag für Tag Schaden an.

    (…)“

    zum vollständigen Artikel der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/bildung/100-jahre-waldorfschule-erfahrung-kritik-1.4588339

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