Homöopathie-Kritik: Marburger Erklärung, Konsumentenbund und CDU-Politikerin Mechthild Heil


Der Fachbereichsrat Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg gab bereits 1992 eine fundierte Erklärung zur Homöopathie ab, die heute wichtiger ist denn je zuvor:

Nach den Plänen des Institutes für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen soll die „Homöopathie“ Teil des Gegenstandskataloges für das Medizinstudium werden. Wir sagen hierzu nein.
Der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg verwirft die Homöopathie als eine Irrlehre. Nur als solche kann sie Gegenstand der Lehre sein. In diesem Sinne reicht das Lehrangebot in Marburg aus. Wir sehen jedoch die Gefahr, dass man von uns „Neutralität“ und „Ausgewogenheit“ in diesem Stoffgebiet fordern wird, und sind nicht bereit, unseren dem logischen Denken verpflichteten Standpunkt aufzugeben zugunsten der Unvernunft. Wir betrachten die Homöopathie nicht etwa als eine unkonventionelle Methode, die weiterer wissenschaftlicher Prüfung bedarf. Wir haben sie geprüft. Homöopathie hat nichts mit Naturheilkunde zu tun. Oft wird behauptet, der Homöopathie liege ein „anderes Denken“ zugrunde. Dies mag so sein. Das geistige Fundament der Homöopathie besteht jedoch aus Irrtümern („Ähnlichkeitsregel“; „Arzneimittelbild“; „Potenzieren durch Verdünnen“). Ihr Konzept ist es, diese Irrtümer als Wahrheit auszugeben. Ihr Wirkprinzip ist Täuschung des Patienten, verstärkt durch Selbsttäuschung des Behandlers.

Wir leugnen nicht, dass sich mit „Homöopathie“ mitunter therapeutische Wirkungen erzielen lassen, wobei es sich um so genannte Placebo-Effekte handelt. Nun könnte man einwenden: was scheren uns Wirkprinzip und geistiges Fundament, wo es doch allein auf den Effekt ankommt. Nach dieser Logik müssten unsere Medizinstudenten auch in folgenden Gegenständen unterrichtet und geprüft werden; Irisdiagnostik; Reinkarnationstherapie; astrologische Gesundheitsberatung (Bedeutung der Sternzeichen für die Neigung zu bestimmten Krankheiten). Mit all diesen Methoden, deren Wirkprinzip die Täuschung ist, lassen sich nicht nur therapeutische Effekte, sondern auch beträchtliche Umsätze erzielen . Mit den geistigen Grundlagen der Philipps-Universität Marburg sind diese Methoden ebenso wenig vereinbar, wie es die „Homöopathie“ ist.

Wir behaupten keineswegs, dass die von uns vertretene Wissenschaft alles erforschen und erklären kann; wohl aber versetzt sie uns in die Lage zu erklären, dass die Homöopathie nichts erklären kann. Ein der Allgemeinheit von interessierter Seite eingeredeter Aberglaube mag dies anders sehen und sich Ausgewogenheit und Zusammenarbeit zwischen „Homöopathie“ und „Allopathie“ wünschen. Richtschnur unseres Handelns ist aber nicht ein in der Bevölkerung lebender und publizistisch geschürter Aberglaube, sondern die menschliche Vernunft, die uns sagt, dass die Worte„Homöopathie“ und „Allopathie“ nicht etwa einen Gegensatz, sondern eine einzige unsinnige Begriffswelt bezeichnen. Wir weisen darauf hin, dass an der Philipps-Universität Marburg auch keine „Allopathie“ gelehrt wird. Wenn unsere Universität sich dazu zwingen ließe, den Lehrgegenstand „Homöopathie“ in neutralem Sinne anzubieten, würde sie ihren Auftrag verraten und ihre geistige Grundlage zerstören. Eine neutrale Ausbildung in „Homöopathie“ findet deshalb nicht statt und ist auch nicht einklagbar. Die Philipps-Universität Marburg wird darüber wachen, dass ihren Studenten aus dieser Haltung keine Nachteile bei Prüfungen erwachsen.

Der Deutsche Konsumentenbund, eine Interessenvertretung für Verbraucherschutz, der diese Erklärung veröffentlichte, setzt sich jetzt nicht nur mit Esoterik, sondern auch generell mit der Homöopathie auseinander und dazu gibt es eine eigene Themenseite, die für Aufklärung sorgt.

Und oh Wunder, Mechthild Heil, verbraucherpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,

will sich für mehr Transparenz bei homöopathischen und esoterischen Heilmitteln einsetzen. Sie dringt darauf, dass die Inhaltsstoffe homöopathischer Produkte künftig auch auf Deutsch auf der Verpackung angegeben werden müssen.

„Die lateinischen Begriffe sind vom Laien nicht zu verstehen“, argumentiert Heil. Auch bei anderen Produkten will sie durchsetzen, dass Verbraucher besser informiert werden. Die CDU-Politikerin sieht Regelungsbedarf, weil sich in homöopathischen Mitteln teils abenteuerliche Inhaltsstoffe fänden wie Kakerlaken, Kellerasseln, Krötengift oder faules Rindfleisch. Der Verbraucher müsste verständlich darüber informiert werden, was er zu sich nimmt … Grundsätzlich bezeichnet sie die Gesetzeslage im Bereich der Heilmittelwerbung als gut. Mehr Information ist aus ihrer Sicht aber durchaus angebracht. „Gerade wenn Menschen krank sind, sind sie besonders verletzlich und anfällig für alternative Heilsversprechen“, meint Heil. Die Behandlung koste dann aber oft „nicht nur unnötig Geld, sondern manchmal kann es fatale gesundheitliche Folgen haben, weil dringend notwendige medizinische Behandlung nicht oder zu spät erfolgt“.

Es scheint sich endlich etwas in die richtige Richtung zu bewegen!

CDU-Politikerin sieht “Regelungsbedarf” bei der Homöopathie
Kurzstellungnahme zum Stand der verbraucherschützenden Arbeit im Bereich der Esoterik und der Heilmittelwerbung (1/2014)

9 Gedanken zu “Homöopathie-Kritik: Marburger Erklärung, Konsumentenbund und CDU-Politikerin Mechthild Heil

  1. Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass mir die Christenunion mal sympathisch wird.

    Die Erklärung des Ober-Lobbyisten der Homöopathen zu dem Vorstoß von Frau MdB Heil schießt den Vogel ab:

    „Beim Verband klassischer Homöopathen Deutschlands, bei dem 1400 Heilpraktiker vertreten sind, weist man die Kritik zurück. Vorsitzender Ralf Dissemond erklärt: „Die Substanz wird ja nur zur Herstellung verwendet. Sie wird im Herstellungsverfahren so hoch verdünnt, dass kein Molekül davon mehr in dem Mittel ist“, so Dissemond. Eine Kennzeichnung auf Deutsch „bringt nicht mehr Klarheit, sondern nur Abschreckung“, meint der Heilpraktiker. Die Wirkung der Mittel entstehe schließlich erst durch das Herstellungsverfahren. „Nur die Information des Ausgangsstoffes bleibt in der Arznei enthalten.“

    Jetzt sehen wir doch alle viel klarer, was es mit den Kügeli auf sich hat! Das, was draufsteht, ist nicht drin; wäre es drin, müsste man sich davor fürchten. Was wirkt, ist weder das, was drin ist, noch das, was nicht drin ist, sondern die Information dessen, was nicht drin ist. Das wiederum steht nicht drauf.

    Um den, der sich hier nicht veräppelt vorkommt, muss man wohl alle Hoffnung fahren lassen.

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  2. “Nur die Information des Ausgangsstoffes bleibt in der Arznei enthalten.”

    JAWOLL, das selbe Prinzip trifft auch bei meiner alternativspirituellen Heilmethode genannt FSMoPathie zu. Ich habe gestern ein Paket unarzneilicher Globuli erhalten und habe die ganze Nacht lang die Heilinformationen des FSMs auf diese Rohglobuli aufgesprochen. Echt.

    Nun ist es an der Zeit, meine FSMoPathika in Apotheken zu vertreiben.

    Ich bitte um Eure Hilfe: Wer von Euch, liebe JüngerInnen kennt sich gut mit dem deutschen Gesetz aus? Wir haben ja den Binnenkonsens, welcher regelt, dass Homöopathika, Anthroposophika und grobstoffliche Pflanzenmittel nicht der normalen (SCHUL-)Wirkungskontrolle unterliegen. (Ich weiss aber nicht, warum man die grobstofflichen (SCHUL-)Pflanzenstoffe in diese esoterische Kategorie aufgenommen hat. )

    Egal, ich hätte gerne, dass meine neuen FSMoPathika ebenfalls in den Binnenkonsens aufgenommen werden! Wer kann MIR sagen, wie und wo ich das beantragen kann?

    Ramen, Schwestern und Brüder, unser Prophet Bobby hat bei einer US-Schulbehörde beantragt, dass sein alternativer Kreationsmythos ebenfalls im Biologieunterricht gelehrt werden soll – deswegen will der neue Prophet MIR für seine alternativspirituellen FSMoPathika die Aufnahme in den Binnenkonsens beantragen. Ramen.

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  3. Ich finde den Vorstoß von Mechthild Heil ja gut. Am liebsten wäre mir noch eine Ergänzung auf dem Etikett, nämlich die Mengenangaben der Inhaltsstoffe. „1 Gramm enthält 0,999999999(….)g Zucker und 0,0000000(…)1g Kellerasseln“.

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  4. Das hielte ich auch auf jeden Fall für sinnvoll:
    Deutsche Namen auf das Etikett!!
    Zusammensetzung (ggfs. halt „unter Nachweisgrenze“ oder ähnlich) Da steckt der Teufel natürlich im Detail, wenn das Mittelchen „Uran“ heißt, und dann draufsteht, „kein Uran drin“. Da macht das Wort „Nachweisgrenze“ nicht so richtig Sinn.

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