Gefährliche Vollwerternährung und Vollwertkost – die ungesunde Ideologie!


Die Vollwerternährung nach dem Nazi, „Rassenhygieniker“ und Eugeniker, Werner Kollath, auch durch den ideologisch Gleichgesinnten Max Otto Bruker als Vollwertkost bekannt (nicht zu verwechseln mit vollwertiger Ernährung, das Mischkost-Konzept, das die „Deutschen Gesellschaft für Ernährung“ empfiehlt) hat an Attraktivität nicht verloren.

Wen es heute immer noch nicht tangiert, dass dieses braune Gesocks einen gesunden „Volkskörper“ schaffen wollte, was neben der Ausschaltung „unwerten Lebens“ eine Ernährungsideologie erforderte, der sehe sich doch zumindest den unwissenschaftlichen Ernährungskäse mit offenen Augen an.

A la Rudolf Steiners Eingebungen werden hier Lebensmittel in „Wertstufen“ unterteilt, nach dem Motto: je weniger bearbeitet, desto wertvoller und gesünder. „Lebende Kost“ neben „toter Nahrung“.

Kollaths Einteilung der Lebensmittel in 6 Wertstufen ist schon nicht immer nachvollziehbar: So gilt z. B. Muskelfleisch als hitzebehandelt (Wertstufe 4), Innereien aber werden zu den isolierten Substanzen (Wertstufe 6) gezählt; blanchierte Hülsenfrüchte gelten als unerhitzt (Wertstufe 1), Fruchtsäfte dagegen als erhitzt (Wertstufe 4); Früchtetee wird als unerhitzt, Malzkaffee als erhitzt eingestuft und Muscheln werden als mechanisch verändert eingeordnet.

Tja, und viele Nahrungsmittel sind für den Menschen überhaupt nur verträglich, weil dieser im Laufe der Geschichte gelernt hat, diese entsprechend zuzubereiten. Die Unverträglichkeit von Rohkost, die sich in Blähungen und Verdauungsstörungen äußert und nicht wenige plagt, ist ein weiteres Problem. Dann sollte man sich aber auch noch über die unzähligen „Fressfeindgifte“ bewusst sein, die Pflanzen produzieren und die noch wenig erforscht sind. Borretsch, Huflattich und Beinwell sollte man deswegen überhaupt nicht essen und viele Kräuter und Tees, die man kaufen kann, sind kontaminiert, weil im Anbau giftproduzierende Pflanzen mitwachsen, die zum Teil mit abgeerntet werden und letztendlich so auch in den Verkaufsprodukten landen. (Der Bia-Anbau lässt dabei besonders grüßen, denn da darf ja alles wachsen) Diesen Bericht (mit Video) des WDR dazu sollte man sich nicht entgehen lassen und im Anschluss daran auch noch dieses Video.

Dieses ewige Bambi-Syndrom nervt ungemein und allein die Tatsache, dass Pflanzengifte wie sie im Borretsch vorkommen teils giftiger als chemisch hergestellte Pflanzenschutzmittel sein können, müsste eigentlich manche Gemüter aufrütteln.

Denn es hat seinen Grund, weshalb der Mensch seine Nahrung vor dem Verzehr verarbeitet: erst dadurch macht er Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder Getreide genießbar. Im unbehandelten Zustand enthalten die meisten Gemüse und Cerealien eine Reihe von Abwehrstoffen, die den Appetit potenzieller Fraßfeinde verderben sollen. Viele dieser Substanzen beeinträchtigen die menschliche Verdauung und senken den Nährwert (zum Beispiel Enzyminhibitoren, Alkylresorcine oder Phytinsäure), andere wiederum sind sogar giftig (wie etwa Lektine, Mykotoxine oder Solanin). Verhängnisvollerweise tummeln sie sich gerade in der als „gesund“ geltenden Randschicht der Getreidekörner, die von Rohköstlern möglichst „natürlich“ mitgegessen wird. Weil schädliche Proteine wie Enzyminhibitoren reich an essenziellen Aminosäuren sind, erweckt Getreideprotein in Nährwerttabellen den Anschein, es sei besonders hochwertig – ein doppelter ernährungswissenschaftlicher Irrtum angesichts der Tatsache, dass es nicht nur selbst größtenteils unverwertbar ist, sondern auch die Verfügbarkeit anderer Nährstoffe verhindert.

Unangenehme Blähungen, die für den Einstieg in die Vollwertkost meist typisch sind, zählen zu den eher harmlosen Nebenwirkungen der Antinutritiva. Über einen längeren Zeitraum konsumiert, können sie gar eine intestinale Autointoxikation hervorrufen, also eine Selbstvergiftung, die vom Darm ausgeht. Der Grund: Sobald Amylaseinhibitoren aus dem Vollkorn körpereigene Enzyme regelmäßig an der Stärkeverdauung hindern, bleibt diese den Darmbakterien überlassen. Dadurch kommt eine regelrechte „Zuckerfabrik“ in Gang, die schließlich zur Bildung von giftigen und stark riechenden Stoffen bzw. Gasen führt, unter anderem von Gärungsalkoholen, Fuselölen und Fäulnisstoffen wie Indol, Kresol oder Skatol sowie jeder Menge biogener Amine. Die das Erbgut verändernden Zellgifte schädigen Schleimhaut, Drüsen, Muskeln, Nerven und Immunsystem des Darms. Nach Angaben von Karl Pirlet, dem ehemaligen Ordinarius an der Uniklinik Frankfurt und seit Jahrzehnten ärztlich und wissenschaftlich mit den Folgen der Vollwerternährung beschäftigt, hat die Giftwirkung nicht nur Erkrankungen der Verdauungsorgane zur Folge: Sie kann auch zu chronischen Katarrh- und Infektionszuständen führen, zur arteriellen Gefäßsklerose sowie zu entzündlichen und degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Dass stetiger Vollkornverzehr den Verdauungstrakt langfristig überfordert, liegt auf der Hand. Schließlich hat der Mensch im Vergleich zu typischen Pflanzenfressern wie Rindern oder Federvieh weder Pansen noch Kropf, die ihm dabei helfen, Körner aufzuschließen und bekömmlich zu machen. Er nutzt Getreide erst seit rund 10.000 Jahren in nennenswerter Menge als Nahrungsmittel und musste aufwändige Verarbeitungsmethoden wie Mahlen, Fermentation und Backen entwickeln, um es verdauen und seine Nährstoffe verwerten zu können. Im Gegensatz zum modernen Rohköstler haben sich selbst unsere frühen Vorfahren nicht mit rohen Getreidekörnern verköstigt. Zu den Prozeduren, denen bereits einfache Breie und Fladen – also die Vorstufen des Brotes – unterworfen waren, gehörten das Rösten und Zerstoßen der Körner. Dazu griff der Mensch in der Stein- und Bronzezeit auf einfache Mahlsteine und Mörser zurück. Der Röstvorgang verbesserte die Verdaulichkeit der Produkte, indem er einen erheblichen Teil der sekundären Pflanzenstoffe zerstörte. Auch die Römer rösteten ihr Getreide. Damit erleichterten sie nicht nur das Marschgepäck der Legionäre, sondern schützten das Gut zudem vor Schimmel und Fäulnis.

Davon, wie gefährlich unverarbeitete Fasernahrung ist, zeugen nicht zuletzt die erschreckenden Ergebnisse einer Gießener Studie: Der langjährige Verzehr von Rohkost (70 bis 100 Prozent der Nahrungszufuhr) äußerte sich bei den über 500 Teilnehmern in einem starken Gewichtsverlust. Innerhalb von knapp vier Jahren büßten die männlichen Probanden durchschnittlich fast zehn und die weiblichen zwölf Kilogramm Körpergewicht ein. Bei nahezu einem Drittel der Frauen unter 45 Jahren blieb die Regelblutung aus, rund 70 Prozent klagten über Menstruationsbeschwerden. Untergewicht und Amenorrhoe korrelierten positiv mit der Höhe des Rohkostverzehrs. Die Autoren verweisen in diesem Zusammenhang auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Osteoporose. Dass sie dennoch mit der Bemerkung schließen, ein Rohkostanteil von 50 Prozent der zugeführten Nahrungsmenge sei „für die Gesundheit unter normalen Bedingungen optimal“, dürfte wohl daran liegen, dass Claus Leitzmann die Untersuchung betreute.

Wie ungesund Rohkost auf Dauer sein kann, mussten die meisten Anhänger der Vollwertlehre letztlich am eigenen Leib erfahren. Von den Tücken der Körner blieben nicht einmal ihre Aufklärer verschont: viele griffen – im stillen Kämmerlein, versteht sich – auf Altbewährtes zurück, weil sie ihre propagierte Kost selbst nicht mehr vertrugen. Natürlich finden sich unter den Ernährungsextremisten mitunter auch solche, die besonders verdauungsstark sind und längere Zeit mit Fasernahrung zurechtkommen. Dass aber die allermeisten Zeitgenossen an Rohkost scheitern oder daran erkranken, scheint die Prediger nicht weiter zu kümmern. Im Gegenteil: „Vom Prinzip her gelten diese Empfehlungen nicht nur für Gesunde, sondern auch für Kranke…“, verkündet Leitzmann in seinem Lehrbuch Vollwert-Ernährung – Grundlagen einer vernünftigen Ernährungsweise … zum ARTIKEL

Claus Leitzmann
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7 Gedanken zu “Gefährliche Vollwerternährung und Vollwertkost – die ungesunde Ideologie!

  1. Vielleicht auch ein Gesichtspunkt, den man nicht ganz unbeachtet lassen sollte: die Keimbelastung. Gekochtes, Gebratenes, Gebackenes ist, wenn es auf den Tisch kommt, ziemlich steril. Rohes ist alles andere als das. So kommt es, dass die Mehrzahl der schweren Gastrointestinalinfektionen und der darauf beruhenden Epidemien aus genau diesen angeblich so gesunden Kostformen stammen. Zur Erinnerung: EHEC war pflanzliche Rohkost, Noro war auf rohen TK-Erdbeeren, und die größte Zahl der nachverfolgten Salmonellosen wird keineswegs auf das notorische Geflügelfleisch zurückgeführt, sondern auf kontaminierte Rohkostsalate. Wenn man so will: schon Thomas Mann hat der Rohkost-Verblendung ein großes literarisches Autotdafé verliehen: im „Tod in Venedig“. Wer’s gelesen hat, weiß, warum. Überhaupt fällt es mir schwer, mir so etwas wie die Rohkost in Zeiten der Cholera vorzustellen… EHEC hat mehrere Dutzend Schwersterkrankte und eine erkleckliche Anzahl von Todesfällen verursacht – selbst die blödsinnigen „Dioxin-Eier“ keinen einzigen, und zwar noch nie.

    Höchste Zeit, dass der Aberglaube, es gebe schlechthin „gesunde“ Lebensmittel, verschwände. Ich fürchte nur, die Zahl der abwegigen Lehren wird eher noch zunehmen.

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  2. Ich meine, die Überschrift ist nicht ganz passend. Wenn man mal hier nachliest: http://www.antiveganforum.com/wiki/Vollwertern%C3%A4hrung#Vollwertkost , dann ist die Vollwertkost kritisch zu betrachten. Eine vollwertige Ernährung dagegen klingt recht vernünftig.

    Also sollte meiner Meinung nach das „Vollwerternährung“ aus der Überschrift raus, um Vollwertkost nicht in die Nähe der vollwertigen Ernährung zu rücken.

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    • Hallo Ich, eben nicht und in Deinem Statement steht ja auch warum nicht 😉

      Vollwerternährung wird synonym zu Vollwertkost verwendet und „eine vollwertige Ernährung ist etwas ganz anderes. Das hatte ich ja deswegen auch im ersten Absatz in Klammern erwähnt. Auch „Vollwert-Ernährung“ ist wieder anders zu verstehen und als Begriff von Leitzmann geprägt. Dass diese Wortspielchen irritieren, ändert nichts daran, dass es so ist. Solange unter dem Begriff Vollwerternährung die Vollwertkost beschrieben wird und das ist in der Regel der Fall, wobei das Wort Vollwertkost oft gar nicht erwähnt wird, muss das auch in den Titel rein.

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  3. Hmmm, jaaaaa, wenn ich den ersten Absatz noch einmal durchlese, da ergibt sich doch die eine oder andere neue Erkenntnis, z.B. hier und da eine Randbemerkung in Klammern… 😉 Da kann ich mich dem letzten Nebensatz Deiner Antwort durchaus anschließen 🙂

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