Herstellung von Homöopathika – die Lizenz zum Gelddrucken!


Ich hatte mir vor Kurzem, angeregt durch eine Diskussion im Psiram-Blog, die Frage gestellt, woher Hersteller unserer lieben Homöopathika die gefährlichen und hochgiftigen Rohstoffe wie Plutonium, Radium, Anthrax, etc. und Dengue-Fieber, Ebola, etc. bekommen sollten, die ja für die „Urtinktur“ gebraucht werden. Da es in diesem Bereich keine Bezugsquellen geben kann, habe ich Norbert Aust gebeten, der Sache nachzugehen. Und hier das Ergebnis seiner Recherche mit abenteuerlichsten Resultaten, die auch aufzeigen, dass hier der Rubel durch Lug und Trug so rollt, wie ansonsten nur im illegalen Drogenhandel denkbar!

Materialwirtschaft in der Homöopathie

Quintessenz: Es reicht für die Homöopathen offenbar völlig aus, dass in dem Ausgangsstoff, den sie für die Herstellung der Urtinktur verwenden, der eigentliche Wirkstoff irgendwie auch enthalten war. Die Konzentration dieses Wirkstoffes im Ausgangsmaterial scheint keine allzu große Rolle zu spielen, denn dieser wird nach den Vorgaben des Homöopathischen Arzneibuchs nicht überprüft.

So können wir nun auch beantworten, wie die Hersteller an die ganz üblen Chemikalien und Stoffe gekommen sind. Anthracinum ist eben kein homöopathisch aufbereitetes Anthrax, des Erregers von Milzbrand. Die Remedia Homöopathie GmbH gibt an, dass Anthracinum aus einem Leberextrakt von an Milzbrand erkrankten Kaninchen hergestellt wird (Link). Ob man da überhaupt das Bakterium vorfindet – oder dessen Sporen – konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Im Wikipedia-Artikel über den Milzbrand (Link) wird die Leber nicht erwähnt, auch dass Kaninchen Milzbrand erleiden können, ist dem nicht zu entnehmen. Milzbrand ist ein ganz großes Problem der Huftiere (Pferde, Rinder, Schafe etc.) – und tiefer als Wikipedia gehen meine medizinischen Kenntnisse nicht. Für die Namensgebung des homöopathischen Mittels ‘Anthracinum’ reicht es offenbar völlig, dass man vermutlich irgendwie in die Nähe des Stoffes gekommen ist, dass dieser in die Urtinktur eingeflossen sein könnte.

Auch das Rätsel der angeblich plutoniumhaltigen Mittel löst sich so. Man braucht kein reines Plutonium hierzu, noch nicht mal ein Material, das in nennenswertem Umfang Plutonium enthält. Eine Schippe Erde aus der Umgebung von Tschernobyl oder von einem Ort, an dem früher Atomwaffentests durchgeführt wurden, reicht völlig. Da an diesen Orten Plutonium freigesetzt wurde, wird es auch dort in der Erde zu finden sein. Das Potenzieren wird dann schon die richtigen Eigenschaften verstärken, da kann man sich drauf verlassen, wie bei allen anderen Homöopathika sonst auch.

Fertig. So einfach ist das …

… Die Homöopathie zeichnet sich dadurch aus, dass in den angeblich wirksamen Arzneimitteln nur marginale Mengen an Wirkstoffen enthalten sind, wenn überhaupt. Wozu dann der hohe Materialeinsatz, wie ihn zum Beispiel die DHU als deutscher Marktführer angeblich betreibt? In ihrem Video (Link) wird angegeben, dass man Urtinkturen in Mengen bis zu 10.000 Litern herstellt. Wozu?

Plutonium als Beispiel wird von der Remedia Homöopathie als homöopathisches Mittel angeboten (Link). Die niedrigste Potenz ist C30, was einem Gramm Plutonium auf die 10.000-fache Masse des Universums entspricht, als Globuli dann noch auf die hundertfache Menge an Zucker aufgebracht. Wir können also sicher sein, dass kein einziges Plutonium-Atom aus einer Urtinktur das Herstellerwerk jemals verlässt, zumindest nicht in einem fertigen Produkt. Also braucht man eigentlich auch vorne keins reinzutun …

… Ist das nicht irre? Aus noch nicht einmal 13 g Rohstoff kann man so viel Produkt herstellen, dass es einen Marktwert von weit über zwei Millionen Euro erreicht? 13 g kann man sich etwa als vier Stück Würfelzucker vorstellen oder ein etwas mehr als halb volles Schnapsglas. Natürlich ist es eine Frage, ob die Nachfrage sich so gleichmäßig auf die Potenzen aufteilt wie hier angenommen. Möglicherweise müsste man noch ein paar Gramm in die Hand nehmen, um in den unteren Potenzen mehr zu produzieren, oder man muss die jeweils 80 g nicht wegwerfen, sondern verwendet sie für eine größere Menge in der nächsten Potenz. Aber viel mehr braucht es nicht.

Für die oberen D-Potenzen genügt es zur Bevorratung völlig, sich die vor-vorhergehende Potenz aufzuheben und nicht zu entsorgen, um für alle Bedarfe der Zukunft gerüstet zu sein. Hat man z.B. 0,09 l der D198 zurückbehalten, kann man weitere 9 l D200 erzeugen, woraus man 90.000 Fläschchen Globuli herstellen kann, Marktwert etwa € 1.300.000,-.

Was macht die DHU dann um Himmels Willen mit bis zu 10.000 Litern Urtinktur von einer Sorte? Jedes Jahr? Das reicht locker, Mittelmeer und Schwarzes Meer zusammen zu einer C6-Potenz zu verarbeiten. Was wiederum für 5.000.000.000.000.000.000 Fläschchen Globuli ausreichen würde, was in etwa einem Verkehrswert von 40 Trillionen Euro entspräche. Gibt es soviel Geld überhaupt? Würde jeder einzelne Erdbewohner etwa 700 Millionen Fläschchen kaufen und dafür rund fünf Milliarden Euro bezahlen? Jedes Jahr?

Ehrlich gesagt, ich bezweifle etwas die Sinnhaftigkeit des Unterfangens und des zugrundeliegenden Kalküls. Oder die Richtigkeit der Angaben.

Aber die DHU tut das, sagt sie, sie erzeugt diese irren Mengen Urtinktur, zumindest stellt sie es in ihrem Video so dar. Selbst ein Liter Urtinktur scheint nach dem oben Gesagten gut und reichlich, ein Unternehmen einmalig bis ans Ende seiner Tage mit Rohmaterial zu versorgen.

Das Märchen vom Rohmaterial

Wozu dienen die Informationen zum Arzneimittelanbau, die die DHU ihren Kunden und allen, die es wissen wollen, zur Verfügung stellt (Link)?

Einzig und allein dazu, eine Illusion einer heilen und ach so intakten Welt vorzutäuschen. Anders ist das jedenfalls nicht interpretierbar …

… Wer ein Fläschchen Globuli in der Apotheke kauft und irgendwo um die € 10,- dafür bezahlt, erhält ein Medikament, bei dem der Wert für den Wirkstoff bei weit unter € 0,05 liegt. Hinzu kommen Verpackung und Trägermaterial, das man sich auch als Privatmann für unter einen Euro kaufen kann. Ein Hersteller, der diese Komponenten in vieltausendfachen Mengen kauft, wird wohl auch nur einen Bruchteil dieses Preises bezahlen … zum langen ARTIKEL

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3 Gedanken zu “Herstellung von Homöopathika – die Lizenz zum Gelddrucken!

  1. Das ganze ist ein großangelegter, legaler Betrug. Wenn der Begriff Pharma-Mafia eine Sinn haben sollte, auf den Sektor Homöopathie trifft er hundert Prozent zu. Unsere überzogen liberale Gesundheitspolitik macht es möglich.

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  2. Pingback: Weleda: BWL statt Steiner @ gwup | die skeptiker

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