Homöopathie: Die „Traumeel“-Verarsche!


Es ist immer das Gleiche …

Ein sehr guter Artikel zum schamlosen Verhalten der Homöopathie-Lobbys und ihrem unverantwortlichen Umgang mit Wissenschaft und Studien:

Traumeel: Hilft ein homöopathisches Mittel bei Sportverletzungen?

Wer am 8. April zu Zeitungen griff, konnte den Eindruck bekommen, es habe eine medizinische Sensation gegeben – den Nachweis, dass Homöopathie wirkt. Die Presseaussendung einer Homöopathie-Vereinigung hatte durchschlagenden Erfolg. Gute Studien waren für die geglückte Pressearbeit nicht notwendig.

Zeitungen übernehmen gerne Meldungen in denen eine einzelne neue Studie präsentiert wird. Selbstverständlich können neue Studien interessant sein, aber es macht keinen Sinn, die Aussage „Homöopathie wirkt“ an einer einzigen neuen Studie fest zu machen, wenn zahlreiche Übersichtsarbeiten existieren. Die in der Pressemeldung angesprochene Studie zu Traumeel bei verstauchtem Knöchel ist aus dem Jahr 2013 [1] und beantwortet nicht ob Homöopathie wirkt – sie beantwortet nicht einmal, ob Traumeel bei einem verstauchten Knöchel hilft.

Schwierige Vergleiche

Traumeel ist eine Mischung aus verschiedenen homöopathischen Mitteln, die als Salbe oder Gel bei Sportverletzungen angewendet wird. In der Studie von 2013 verglichen die Forscher drei Gruppen: eine Gruppe wurde mit Traumeel Salbe behandelt, eine mit Traumeel Gel und eine mit Diclofenac Gel. Diclofenac ist ein häufig eingesetzter Wirkstoff bei Schmerzen von Muskeln und Gelenken und gehört zu den nicht-steroidalen Entzündungshemmern.

Ziel der Studie war es zu zeigen, dass Traumeel gleich wirksam ist wie Diclofenac. Und das war auch Ergebnis der Studie, alle drei Gruppen zeigten auf den ersten Blick einen gleich guten Heilungsfortschritt. Wissen wir damit, dass Traumeel wirkt? Nicht wirklich, denn selbst wenn die Studie gut gemacht wäre, ist sie kein Wirknachweis; dafür geht sie von zu vielen Annahmen aus, auf die man sich nicht verlassen kann: So behaupten die Autoren, dass Traumeel schon in früheren Studien bewiesen habe, dass es bei verstauchtem Knöchel wirksamer sei als Placebo. Diese Studien [2][3]sind allerdings aus mehreren Gründen nicht aussagekräftig, diese Annahme steht also auf zu dünnen Beinen (mehr dazu im nächsten Abschnitt).

Auch wird davon ausgegangen, der Wirkstoff Diclofenac sei besser als Placebo. Hier gibt es tatsächlich eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration, die das bestätigt [4]. Unterschiedliche Salben und Gele sind schwierig gegeneinander zu vergleichen, weil sie sich nicht nur in einem Wirkstoff unterscheiden, sondern meist auch darin, wie sie sich anfühlen. In der Cochrane Übersichtsarbeit wurde dieses Problem umgangen und der Wirkstoff wurde jeweils mittels eines Pflasters aufgebracht – Diclofenac-Gel in der Form wurde also gar nicht getestet.

Bei einem genauen Blick offenbaren sich deutliche methodische Mängel [1]: So waren alle Teilnehmer berechtigt, im Notfall zusätzlich Paracetamol als Schmerzmittel zu verwenden. Die Teilnehmer mit Traumeel-Behandlung griffen häufiger zu Paracetamol als diejenigen, die das Diclofenac-Gel verwendeten. Ob das einen Einfluss auf das Studienergebnis gehabt haben könnte, haben die Autoren nicht beachtet. Auch das Schmerzausmaß zu Beginn der Studie unterscheidet sich in den Gruppen. Die Teilnehmer in der Diclofenac-Gruppe zeigten bereits zu Studienbeginn weniger Schmerzen als ihre Kollegen in der Traumeel-Gel-Gruppe; auch das kann das Ergebnis verzerren … WEITER

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10 Gedanken zu “Homöopathie: Die „Traumeel“-Verarsche!

  1. Vielen Dank für diese Klarstellung, leider kann man viel zu selten klare Aussagen dazu lesen.
    Salbentherapie ist selbst mit chemischen Wirkstoffen eher wenig bis gar nicht wirksam.
    Die Presse liebt unerwartete Meldungen wie „Mann beißt Hund“, umgekehrt ist es keine Meldung wert. Das gilt auch für die Wirksamkeit von Heel-Produkten, deren es leider noch einige mehr gibt, alle teuer und unwirksam. Dass es nicht über Placebo-Niveau wirkt, nicht wirken kann (nur Placebo kann und muss billiger sein!), wissen auch gut ausgebildete Journalisten, wie sie auch wissen, dass ein Mann keinen Hund beißt, wenn er nicht geisteskrank und der Hund dazu verhaltensgestört ist, sonst würde er schneller und effektiver beißen.
    Doch wie will man argumentieren in einem Staat, der Kirchensteuer einzieht, für Organisationen, deren Geschäftsgrundlage durch absolut nichts untermauert ist. Wie will man in dieser Gesellschaft gegen Heel vorgehen, in der Kirchen-Abzocke staatliche sanktioniert ist.
    Aber vielleicht können wir vielen Tropfen eines Tages doch den tumben Stein höhlen, langsam auflösen….

    Dr. Peter Pommer

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  2. Das absurde ist ja, dass hier ein Produkt welches in vielerlei Hinsicht der klassischen Homöopathibe widerspricht (keine Hochpotenzierung, mehrere Ausgangsstoffe etc.) als Beweis für die selbe herangezogen werden. Wenn dann zusätzlich noch ein Studiendesign gewählt wird, das wohl eindeutig die Absicht dieser Leute erkennen läßt, zeigt wie bescheuert und dämlich die ganze Sache ist. Hauptsache es gibt immer noch eine Studie, die noch nicht wiederlegt ist. …und nach dem System was die fahren wird die immer geben. Forschung für Homöopathie abschaffen! kostet nur Geld, ist in letzter Konsequenz ungesund, hilft nicht den Patienten sondern nur der esoterischen Pharma-Lobby.

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  3. Die Homöopathie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip und auf der Steigerung der Wirkung durch Potenzierung. Wenn man also nachweisen wollte, dass ‚die Homöopathie‘ wirken kann, dann müsste das den Nachweis umfassen, dass diese beiden Grundprinzipien zumindest unter bestimmten Umständen zutreffen. Das heißt, dass auf diese Weise wirksame Mittel hergestellt werden können und die Verordnung nach dem Ähnlichkeitsprinzip zu einer zutreffenden Verordnung führt. Beide diese Annahmen sind aber mit Traumeel nicht prüfbar, da dieses Arzneimittel ja 7 (von 14) Wirkstoffen in Ursubstanz-Konzentration enthält. Sollte eine Wirkung tatsächlich nachweisbar sein, dann kann daraus nicht geschlossen werden, dass es die homöopathischen Bestandteile waren, die diese hervorgerufen haben, schon gar nicht, dass es die ‚ähnlichsten‘ gewesen sein sollen.

    Mithin können Zell Böhmer etc. zwar vielleicht nachweisen, ob Traumeel hilft oder nicht, das hat aber mit Homöopathie nichts zu tun. Merke: Wenn eine Katze in einem Kuhstall Junge kriegt – dann werden das Katzen, keine Kühe. Will sagen: Der Inhalt bestimmt, um was es sich handelt – nicht der Ort der Herstellung. Von daher ist Traumeel eher der Pflanzenheilkunde zuzuordnen als der Homöopathie.

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  4. Ich glaube nicht, dass die Menschheit in ihrer Gesamtheit überhaupt zu umfassenden Lern- und Erkenntnisprozessen fähig ist. Wenn es diesbezüglich überhaupt jemals zu Fortschritten kommt, dann werden wir dies im Verlauf unseres Lebens (leider) nicht mehr erleben. Fakt ist, dass der technologische Fortschritt wesentlich schneller voran schreitet als der geistig-philosophische Erkenntnisprozess. Den technischen Fortschritt kann man sehen, erleben und mit der Hand greifen, während ein nur durch eigenständiges Nachdenken zustande kommender Wissens- und Erkenntnis-Fortschritt wenigen menschlichen Individuen vorenthalten bleibt. Von diesen rein geistigen Fortschritten bleibt die Masse der Menschheit vorerst ausgeschlossen, denn diese allgemein festzustellende Trägheit der Masse basiert auf einem physikalischen Gesetz, demzufolge es das Bestreben von physikalischen Körpern ist, in ihrem Bewegungszustand zu verharren, solange keine Kräfte oder Drehmomente auf sie einwirken. Um diese Kräfte zu animieren und in Bewegung zu setzen, bedarf es nun mal erheblicher geistiger Anstrengungen. Da das intensive logische Nachdenken jedoch überaus mühsam ist, ersparen es sich die meisten Menschen.

    Wenn man bedenkt, dass uns seit nunmehr gut 2.000 Jahren die Existenz eines Gottes vorgegaukelt wird und diese Behauptung sogar von im Grunde genommen klugen, intelligenten Menschen geglaubt und mit hohem Aufwand weiter verbreitet wird, dann muss doch irgendetwas in unserem auf Logik ausgerichteten Denkapparat falsch verdrahtet worden sein !? Mit anderen Worten: Der Gottglaube ist alles andere als logisch, sondern eine vom Wahndenken produzierte, falsch verdrahtete Psychose.

    Vom selben Wahn geleitet war offenbar auch Samuel Hahnemann, der in der Folge auch seine Jünger vor gut 200 Jahren ebenfalls auf eine falsche Fährte gesetzt hat, denn mit gesunder Logik lässt sich nämlich seine abstruse, pseudowissenschaftliche Irrlehre nicht erklären.

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    • „Vom selben Wahn geleitet war offenbar auch Samuel Hahnemann, der in der Folge auch seine Jünger vor gut 200 Jahren ebenfalls auf eine falsche Fährte gesetzt hat (…)“

      Admin: Die Anmerkung wurde gelöscht, erstens trifft sie nicht zu und zweitens ließ sich nicht erkennen, dass sie ironisch gemeint sein könnte.

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  5. Mir gehen allein schon die Produktnamen fürchterlich auf den Sack… Traumeel, Zeel… von Heeeeeeeel… ich reagiere allergisch auf die Endung „eel“ – kommt wohl von „scheel“ (-> die Käufer; Wortspiel des Herstellers). Ich hasse es einfach!!

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  6. Der Effekt dieser Salben beruht auf der Kühlung durch das meist enthaltene Menthol bzw, dem Massageeffekt. Den schmerzstillenden Wirkstoff durch die Haut zu bekommen, damit kämpfen alle Pharmafirmen. Was dagegen wirklich zu helfen scheint, ist Arnikagel oder Pferdesalbe. Hochdosierter Arnikaextrakt reduziert Schwellungen und wenn ordentlich Menthol drin ist, funktioniert es auch durch Kühlung. Ist billiger als alles andere. 😉

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  7. Hallo,

    hier hat doch keiner wirklich sich mit der Wirkung von Homöopathie auseinander gesetzt. Natürlich wirkt sie! Sonst würden meine Tiere darauf gar nicht ansprechen, hier besteht auch kein Placebo oder Nocebo Effekt, weil es Tiere sind.
    Wer in homöopathischen Mitteln mit Mikroskop und Co. irgendwelche Wirkstoffe suchen will, dem ist nicht mehr zu helfen… Der hat es einfach nicht verstanden. Und die ganzen Studien werden doch nur gemacht um Alternatives schlecht darzustellen.

    Grüße Miri

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  8. @ Miri

    Jammerschade, dass es bisher keinen einzigen wissenschaftlich abgesicherten Wirkungsnachweis für die Pseudowissenschaft Homöopathie gibt. Das allerdings streiten die Homöopathie-Anhänger konsequent ab und führen dann jeweils einzelne Fallbeispiele an, die eine angebliche Heilung beweisen sollen.

    Dass die lieben Tiere auf Homöopathie angeblich ansprechen, beruht leider auf einen großen Irrtum. Die Sache ist nämlich die, dass ein hoher Prozentsatz an Krankheiten – vom simplen Schnupfen bis hin zur Krebserkrankung – vom Immunsystem selbsttätig geheilt werden. Das gilt sowohl für Menschen als auch für Tiere, den sowohl Menschen als auch Tiere verfügen über ein höchst wirksames Immunsystem. Gäbe es dieses Immunsystem nicht, hätte die Menschheit vermutlich nicht bis ins 21. Jahrhundert überlebt. Unsere steinzeitlichen Vorfahren wurden zwar nur ca. 30 – 35 Jahre alt, aber dank des Immunsystems erreichten sie zumindest das Zeugungsalter und sorgten so für den Fortbestand der Menschheit.

    Diese durch das Immunsystem bewirkten Heilungen schreiben die Homöopathie-Anhänger fälschlicherweise ihren völlig unwirksamen Globuli zu. Deine Ansichten über die Homöopathie strotzen nur so von Arroganz und erschreckender Unwissenheit. Ich gehe jede Wette ein, dass du von wissenschaftlichem Denken und arbeiten nicht den Hauch einer Ahnung hast, sonst würdest du nicht so einen hanebüchenen Unsinn in einem öffentlichen Blog posten. Es ist zwar keine Schande, etwas nicht zu wissen, aber wenn man sich gegenüber den fachkundigen Belehrungen und Argumenten von Fachleuten verschließt, kann dies sehr wohl zu einer Schande werden.

    Hättest du in diesem Blog nach den vielen vorhandenen Beiträgen zur Homöopathie gesucht, wäre die eine öffentliche Blamage erspart geblieben. Es gibt hier nämlich sehr wohl Leute, die über etwas mehr Kenntnisse in diesem Bereich verfügen als du.

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