AfD: klerikal und asozial – die neue politische Heimat der Fundi-Christen


Nachdem die AfD am letzten Sonntag in drei Bundesländern einen enormen Wahlerfolg verbuchen konnte, fragt man sich schon, ob es die Masse dieser Wähler je interessiert hat, was die Partei neben Rechtspopulismus, völkischem Nationalismus und Propaganda gegen Flüchtlinge noch so treibt. Wer sich zudem von der AfD mehr soziales Engagement und Verbesserungen für das biodeutsche Prekariat erhofft, der hat mit seinem Kreuzchen einen richtigen Schuss in den Ofen gesetzt.

Der Soziologe Andreas Kemper hat bereits 2014 die klerikal-aristokratischen Vernetzungen rund um die Bundesvorsitzende Beatrix von Storch aufgedeckt und mittlerweile konnte jeder längst in Erfahrung bringen, dass die AfD völlig antiquierte Wertvorstellungen vertritt, gerade wenn es um Familie und Gesellschaft geht. Die Parallelen zu Evangelikalen und Ultra-Katholiken sind wirklich nicht zu übersehen.

… Thomas Klatt ist Protestant, Theologe und Journalist. Ihn wundert es nicht, dass die AfD und ihre Protagonisten in Publikationen wie „ideaSpektrum“, im TV-Ableger „ideaHeute“ auf Bibel TV und in den Texten der hauseigenen Nachrichtenagentur idea, deren Meldungen auch katholische Plattformen wie kath.net übernehmen, großen Raum einnehmen. „Das sind Medien mit ähnlich konservativem Stallgeruch und da fühlen sie sich auch irgendwo sicher und wohl“, sagt Klatt zu ZAPP. „Da sind irgendwo auch die eigenen Leute – ohne jetzt in Personalunion dieselben zu haben, aber von der gedanklichen Ebene her.“

So umstritten die AfD auch sein mag: Mit wertekonservativen Christen hat sie Gemeinsamkeiten, mit erzkatholischen ebenso wie mit den sogenannten Evangelikalen. Sie machen sich unisono stark für das traditionelle Familienbild ohne Homo-Ehe, wollen eine Welt ohne Abtreibungen und verhindern, dass Schwule und Lesben Kinder adoptieren. Dabei treten sie sogar gemeinsam auf. Bei der „Demo für alle“ etwa applaudierten die Teilnehmer der Vorsitzenden nicht nur Christdemokraten, sondern auch einer Vertreterin der „Christen in der AfD“. Dazu kommt die gemeinsame Angst vor Überfremdung, auch vor religiöser Überfremdung.

„Wichtig sind da Personen wie die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch, die ja sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland als auch den Zentralrat der deutschen Katholiken als zu liberal betrachtet“, sagt der Soziologe Andreas Kemper, der die Verbindungen zwischen AfD und Kirche seit Monaten analysiert. Wenn Kemper klassische Medien mit konservativ-christlichen vergleicht, stellt auch er fest, dass sie „sehr viel näher an der AfD dran sind als die ’normalen‘ Medien“. Kemper spricht im Interview mit ZAPP von einem „sehr großen Konsens“ und erklärt aufgrund seiner Forschungsergebnisse: Für die AfD seien christliche Medien wie „kath.net“ und „idea“ sehr wichtig, da sie „die Ideen der AfD noch mal publik machen, weil’s deren eigenen Ideen auch sind.“ … zum ARTIKEL

 

Nun gibt es auch noch einen Entwurf für ein AfD-Grundsatzprogramm, der sehr schön zeigt, welche asozialen Tendenzen diese verkannte „Bürgerpartei“ zu bieten hat.

Hier einige Punkte daraus, ebenfalls von Kemper veröffentlicht:

  • Arbeitgeberanteil bei Arbeiten im Rentenalter streichen,
  • späteres Renteneinstiegsalter,
  • Arbeitgeberanteil bei ALG 1 streichen,
  • ALG 1 privatisieren,
  • gesetzliche Unfallversicherung abschaffen,
  • Gewerbe- und Erbschaftssteuer abschaffen,
  • Banken- und Steuergeheimnis wieder einführen,
  • Rettungsprogramme für überschuldete Kommunen und Länder verbieten,
  • keine Finanzierung Alleinerziehender,
  • Schuldprinzip bei Ehescheidungen wieder einführen,
  • Gesetzesverschärfung zum Schwangerschaftsabbruch,
  • traditionelle Geschlechterrollen bewahren,
  • Gender-Forschung abschaffen,
  • Anti-Diskriminierungsgesetz und Diversity-Programme abschaffen,
  • Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks,
  • “sicherheitspolitischer Befreiungsschlag”:”Systemwechsel hin zu” “Ausländerbehörden, Polizei und Strafverfolgung”,
  • Strafmündigkeitsalter auf zwölf Jahre senken,
  • Dienstpflicht für Frauen/ Wehrpflicht für Männer,
  • keine “verengte” “Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus”,
  • Grundrecht auf Asyl abschaffen,
  • jüdische und islamische Praktiken einschränken (Jungenbeschneidung, Schächtung),
  • “der Islam gehört nicht zu Deutschland”,
  • AKW-Laufzeitverlängerung
  • Schluss mit der Klimaschutzpolitik
  • Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abschaffen

„Verantwortliche der Programmkommission ist Alice Weidel. Sie ist Volkswirtin, hatte in Bayreuth bei Peter Oberender studiert und wurde von ihm protegiert. Peter Oberender hatte den Studiengang „Gesundheitsökonomie“ initiiert und war ein neoliberaler Volkswirt, der für die stärkere Privatisierung des Gesundheitwesens eintrat. Bekannt wurde er für seine Aussage, dass Arbeitslose ihre inneren Organe verkaufen sollen, wenn sie in finanzieller Not seien: “Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben.“ …

Die libertäre US-Tea-Party lässt grüßen und man kann nur hoffen, dass es bei dem Entwurf bleibt und die Leute schnell aufwachen!

Das absurde Wahlprogramm der AfD

2 Gedanken zu “AfD: klerikal und asozial – die neue politische Heimat der Fundi-Christen

  1. Der unheilvolle Einfluss von fundamentalistischen christlichen Kreisen auf das aktuelle politische Geschehen
    zeigt leider erschreckende Tendenzen auf, So richtig deutlich wird dies z.B. am christlich sozialen bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer. Sein Verhalten in der Flüchtlingsfrage ist offensichtlich weder christlich noch sozial. Dass die große Zahl der Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak für das vereinte Europa ein großes kaum zu bewältigendes Problem darstellt, steht außer Frage. Das aber kann und darf kein Grund sein, vor dem Schicksal der vom Krieg bedrohten Menschen die Augen zu verschließen. Jedenfalls sind die mitleidslosen (unchristlichen) Reaktionen auf diese Herausforderung eine Schande sowohl für Seehofer als auch für seine Brüder im Geiste in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Aber auch das Verhalten der österreichischen Regierung in dieser Frage kann man mit den vielfach beschworenen christlichen Werten nicht in Übereinstimmung bringen.

    Der Wahlerfolg der AfD beweist einmal mehr den unheilvollen Einfluss der Religion auf die Politik. Es bleibt die Hoffnung, dass dieser „Erfolg“ eine hoffentlich zeitlich begrenzte Dauer haben wird. So gar mancher der im Grunde unpolitischen AfD-(Protest)Wähler hat zweifellos auch nicht bedacht, dass sie mit ihrer Stimme unserem Land in vielfacher Hinsicht geschadet haben. Sie haben mit ihrer Stimme zum Erstarken rechtspopulistischer Politik beigetragen. Dieses Zusammengehen von extremen rechtspopulistischen und rückwärts gerichteten christlich-fundamentalistischen Positionen ist erschreckend und wird im Ausland sehr wohl registriert werden. Das kann durchaus negative Auswirkungen auf die deutsche Exportwirtschaft nach sich ziehen. Kein Zweifel: AfD-Wähler haben offensichtlich ihre Geschichtslexikon nicht gelernt.

    Noch vor kurzer Zeit hätte ich nie gedacht, dass ich jemals zum Unterstützer unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel werden könnte. Ihre starke Haltung in der Flüchtlingsfrage verdient unsere vollste Anerkennung. Nicht sie darf in der Flüchtlingsfrage Zielscheibe der Kritik sein, sondern vielmehr ihre Gegner, die sich einer gesamteuropäischen Lösung in dieser Frage in den Weg stellen.

    Etwas Gutes hat das aktuelle politische Geschehen bewirkt: Die Heucheleien christlich-fundamentalistischer Protagonisten wurden als extrem inhumanes Verhalten entlarvt. Wir wissen jetzt, dass zwischen den wertekonservativen Christen, den rückwärts gerichteten Evangelikalen und erzkatholischen Christen, sowie den rechtspopulistischen Brandstiftern erschreckende Gemeinsamkeiten bestehen. Extrem deutlich wird dies beim katholischen Polen, aber auch am unchristlichen Verhalten des bayrischen Ministerpräsidenten Seehofer. Für diesen Politiker sind die Begriffe christlich und sozial zweifellos nur leere Worthülsen.

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