Homöopathie ist bei der Behandlung von Erkrankungen nicht wirkungsvoll


Das National Health and Medical Research Council in Australien hat heute eine neue Studie zur Homöopathie mit dem Ergebnis veröffentlicht, dass es nichts gibt, was außerhalb des Placebo-Effektes wirken könnte. Die Studienautoren sprechen zugleich Warnungen aus:

Based on the assessment of the evidence of effectiveness of homeopathy, NHMRC concludes that there are no health conditions for which there is reliable evidence that homeopathy is effective.

Homeopathy should not be used to treat health conditions that are chronic, serious, or could become serious. People who choose homeopathy may put their health at risk if they reject or delay treatments for which there is good evidence for safety and effectiveness. People who are considering whether to use homeopathy should first get advice from a registered health practitioner.* Those who use homeopathy should tell their health practitioner and should keep taking any prescribed treatments.

The National Health and Medical Research Council expects that the Australian public will be offered treatments and therapies based on the best available evidence … WEITER

ORF.at titelt:

„Risiko für die Gesundheit“

„Homöopathie ist bei der Behandlung von Erkrankungen nicht wirkungsvoll“ – das ist die Quintessenz einer Studie, die von der australischen Gesundheitsbehörde am Mittwoch veröffentlicht worden ist. Darin wurden die Ergebnisse von 1.800 wissenschaftlichen Artikeln und 225 Studien zusammengefasst, die sich mit der Wirkweise von homöopathischen Mitteln beschäftigten. „Personen, die sich für Homöopathie entscheiden, riskieren ihre Gesundheit“, so die Warnung der Studienautoren. Befürworter der alternativen Behandlungsmethode bemängeln hingegen deutliche Schwächen im Studiendesign.

Das war allerdings nur die Einleitung zu einem weiteren Artikel, der auch den Geschäftsführer des Homöopathiemarktführers Dr. Peithner KG und den österreichischen Ober-Homöopathen Michael Frass zu Wort kommen lässt, um ihre gewinnbringende und geliebte Homöopathie zu verteidigen. Das übliche Blablabla, interessanter jedoch die Forderungen der australischen Gesundheitsbehörde:

Forderung nach Verbot von Unikursen

In Australien, wo Homöopathie weniger streng geregelt ist, erhoffen sich die Behörden durch die Studie ein Umdenken. „Wir hoffen, dass immer mehr vernünftige Menschen vom Verkauf oder der Einnahme dieser Mittel Abstand nehmen“, zitiert der britische „Guardian“ den Vorsitzenden der NHMRC-Arbeitsgruppe Homöopathie, Paul Glasziou. Als in Großbritannien 2010 ein ähnlicher Bericht veröffentlicht wurde, gingen die Homöopathieverkäufe signifikant zurück, diesen Effekt erhofft sich nun auch Australien.

Auch werden in Australien Rufe laut, wonach staatliche Universitäten Kurse zu Homöopathie abschaffen sollen. „Ich habe kein Problem damit, wenn private Universitäten Studenten Tausende Dollar abknöpfen für Kurse wie ‚Glaskugelschauen‘, ‚Iridologie‘ (Irisdiagnostik, Anm.) oder ‚Homöopathie‘“, sage Glasziou gegenüber dem „Guardian“, „aber wenn diese Kurse von staatlicher Stelle abgesegnet werden, ist das eine andere Geschichte und ein Problem.“ Ähnliche Forderungen werden auch in Österreich immer wieder laut, wo Homöopathie an der Medizinischen Universität in Wien aber nur als Wahlfach angeboten wird … zum ARTIKEL

Mit Michael Frass kann man am Donnerstag zwischen 16.00 und 18.00 Uhr auf KURIER.at zum Thema diskutieren. Hier sind natürlich positive Erfahrungen gefragt, die viel mehr wiegen als Belege über Studien, die sowieso niemand braucht, wenn es doch geholfen hat😉

Professor Frass und die Nebenwirkungen der Homöopathie im Praxistest
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6 Gedanken zu “Homöopathie ist bei der Behandlung von Erkrankungen nicht wirkungsvoll

  1. Habe mir die Diskussion angesehen. Dabei ist mir etwas besonders unangenehm aufgefallen.

    Ein Fallbeispiel, todkranker Patient überlebt dank Globuli!?:

    Zitat Anfang

    „60-jähriger männlicher Patient, der unmittelbar nach einem Zusammenbruch auf offener Straße in bewusstlosem Zustand in die Klinik eingeliefert wurde. Die einliefernden Sanitäter berichteten nach Informationen von Passanten, dass der Patient wie vom Blitz getroffen zusammengebrochen und sofort in tiefe Bewusstlosigkeit gefallen sei. Der Patient wurde sofort an ein EKG-Überwachungsgerät angeschlossen, das einen ausgedehnten transmuralen Vorderwandinfarkt als Ursache des plötzlichen Kreislaufversagens anzeigte. Bei einer ersten klinischen Begutachtung fielen sofort die nach außen verdrehten Augen mit starren Pupillen, eine allgemeine Puls- und Reflexlosigkeit sowie die schwache und oberflächliche Atmung auf. Der Zustand schien anzudeuten, dass bereits tiefe Hirnzentren ausgefallen waren. Dies deutete auf eine primäre Mitbeteiligung des Zentralnervensystems beim akuten Herzinfarkt-Geschehen hin. Das EKG-Bild war beherrscht von einer plateauartigen ST-Hebung, die keine weitere Differenzierung zeigte. Eine Thrombolysebehandlung sollte eingeleitet werden. (…)
    Der Patient erhielt eine Gabe (2 Streukügelchen) Naja tripudans C30, oral. Innerhalb von Minuten normalisierte sich das EKG-Bild, komplett mit Sinusrhythmus, P-, Q-, R-, S-, und T-Zacken, kein Hinweis mehr auf das „akute Herzinfarktbild“. Kurz darauf erwachte der Patient, war ansprechbar und erklärte, es gehe ihm gut und er habe keine Schmerzen oder sonstige Beschwerden. Auf die vorbereiteten Injektionen wurde verzichtet und der Patient konnte auf die Normalstation gebracht werden, wo er 8 Tage unter Beobachtung stand. Die Ausheilung erfolgte vollständig ohne Komplikationen, so dass der Patient ohne Medikation und ohne weitere Behandlungsvorschläge entlassen werden konnte.“

    ….

    Die Antwort auf eine Nachfrage:
    …danke für den Hinweis, dass hier möglicherweise der konventionelle Teil zu kurz gekommen ist.Da dieses Buch primär für Ärzte geschrieben ist, wurde vorausgesetzt, dass eine intensivmedizinische Behandlung die Basis bei solchen Krankheitsbildern darstellt…

    Zitat Ende

    Zu kurz gekommen?

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  2. Mein persönliches Highlight bei der Diskussion mit Herrn Frass war:

    „Eine Frage noch zu den Widersprüchen zum gesicherten Wissen der Naturwissenschaften: Ihnen ist bewusst, dass die Annahme, Stoffe könnten in völliger Abwesenheit gezielt wirken, mit unserem naturwissenschaftlichen Wissen nicht __mehr__ in Einklang zu bringen ist?“

    Antwort: „Deshalb rate ich naturwissenschaftlich geprägten Menschen lediglich Tiefpotenzen zu verwenden. Damit ist für diese Menschen das Problem vom Tisch.“

    Nett war aber auch:
    „Schon die Annahmen der Homöopathie, stärker verdünnte Mittel würden eine stärkere Wirkung entfalten entbehrt doch jeder Logik, das werden sie doch nicht abstreiten? “

    Antwort: „Ich pflichte Ihnen bei, dass Millionen-Beträge notwendig sind, um in einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Physikern, Chemikern, Pharmazeuten, Biologen, Ärzten etc. die Wirkung der Homöopathie zu erklären.“

    Das von mir zitierte Fallbeispiel stammt übrigens aus Frass‘ eigenem Buch und ist in der „Blick ins Buch“-Vorschau auf amazon auf Seite 4 einsehbar. Nur um zu belegen, dass ich da nicht die Stellen, in denen die medizinischen Maßnahmen beschrieben werden, in meiner Frage einfach weggelassen habe.

    http://www.amazon.de/Hom%C3%B6opathie-Intensiv-Notfallmedizin-Michael-Frass/dp/3437572601/ref=cm_rdp_product_img#reader_3437572601

    Grüße

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    • Hallo Ute,

      es ist schon aber auch erschreckend anzusehen, wie sehr selbst ein Prof. Dr. der Medizin von so einer kognitiven Dissonanz befallen sein kann, wobei Frass wahrscheinlich längst jegliches medizinisches Fahrwasser verlassen hat und in dieser Richtung nie mehr Fuß fassen können würde, siehe HIER, Seite 12/13

      Danke für Dein Engagement!

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  3. Ja, das „hä?“ steht mir noch vor Augen🙂

    Auch verlangte Herr Frass mehr Forschung.
    Aber, wenn 1982 die Karl und Veronica Carstens-Stiftung gegründet wurde, dann hat sie mittlerweile über 30 Jahre geforscht. Was ich vermisse, ist irgendein konkretes Forschungsergebnis, dass die Homöopathie tatsächlich bestätigt.

    Wie wäre es zum Beispiel mit einer Arzneimittelprüfung, Hochpotenz, nach allen Regeln der Kunst, die reproduzierbar ist? DAS wäre doch etwas? Man möge mich korrigieren, aber ich bemerke nicht, dass über 30 Jahre Forschung echte Belege gebracht haben.

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  4. Ich meine, den letzten Versuch einer Reproduktion hat die Carstens-Truppe mit der Absicht initiiert, den äußerst peinlichen Rattendarm-Belladonna-Unsinn der Leipziger Uni-Pharmazeuten um Dr. Wolfgang Süß und Dr. Karen Nieber zu rehabilitieren.

    Ging jedoch schief.

    Das lag aber wahrscheinlich nur an den zu dösigen Veterinären der tiermedizinischen Fakultät der FU Berlin, die seinerzeit die zweifelhafte Ehre hatten, eine ausgesprochene Dummheit ein zweites Mal als ausgesprochene Dummheit zu identifizieren.

    Danach ist die Carsten-Stiftung mit Reproduktionsversuchen meines Wissens zurückhaltender geworden, und hat stattdessen wieder in den „Erstversuch“ investiert; z.B. in eine Arzneimittelprüfung von Okoubaka, Veronika Carstens Lieblingsschlangenöl.

    Ging auch schief, obwohl die halbe Belegschaft der Carstens-Stiftung – inklusive des großen Häuptlings Henning Albrecht – dran beteiligt war.

    Nun ist allerdings der langjährige, hochgradig erkenntnisresistente Strippenzieher der Carstens-Stiftung, endlich im Ruhestand. Man darf gespannt sein, ob sich unter der neuen Führung die Einsicht durchsetzt, dass es besser ist, die Finger von Studien zu lassen, die oft so furchtbar konkret in ihren Ergebnissen sind – und vielleicht doch besser in Propaganda zu investieren. Denn die bringt – im Gegensatz zu wissenschaftlichen Studien – wenigstens Erfolgserlebnisse für die Freunde der Zuckerkugel; und ist auch noch deutlich preiswerter.

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