Studien zu „Alternativmedizin“ – entweder schlecht gemacht oder bewusst nicht vorhanden!


Gerald Gartlehner ist Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin (EbM) und Klinische Epidemiologie der Donau-Uni Krems, Direktor der österreichischen Cochrane-Zweigstelle und Vize-Direktor des Research Triangle Institute – University of North Carolina Evidence-based Practice Center, USA. Er leitet die Plattform medizin-transparent.at und nimmt auf derStandard.at regelmäßig aktuelle Studien unter die Lupe.“

Er schreibt aktuell:

Studien zu Alternativmedizin: Beweis oder Bluff?

Die Wirkung von Schüßler Salzen wäre in Studien einfach zu überprüfen – dass dies nicht geschieht, liegt vor allem am fehlenden Willen der Hersteller

Die meisten Krankheiten heilen wieder. Das Problem dabei: Wenn wir gesund werden, wissen wir nicht, woran das liegt: Hat ein Medikament geholfen, war es die Bettruhe, die Hühnersuppe oder wäre die Krankheit sowieso von selbst vergangen? Jede Form von Scharlatanerie lebt davon, dass wir im Nachhinein betrachtet nie wissen, was uns gesund gemacht hat – vielleicht war es ja das Zaubermittel.

Kein Vergleich

Was wirklich wirkt, lässt sich in Studien herausfinden. Doch während es da meist Vergleichsgruppen gibt, fehlt uns im echten Leben der Vergleich: Was wenn wir das Medikament nicht genommen hätten? Was, wenn wir ein anderes Medikament genommen hätten?

Wenn wir in einer Studie genügend Menschen das eine Medikament geben und einer anderen Gruppe ein Scheinmedikament, dann erfahren wir etwas über Wirkung und Nebenwirkungen des Medikaments (ja, das ist eine starke Vereinfachung, natürlich sind bei diesen Studien unzählige methodische Dinge zu beachten). Studien sind für die Zulassung von Medikamenten Voraussetzung, doch wie sieht es in der Alternativmedizin aus?

Fehlender Willen

Die Behauptung, alternative Methoden ließen sich mit Studien nicht überprüfen, wird zum Glück immer seltener, denn das ist Unfug. Wissenschaftliche Studien sind nichts anderes als der Versuch, Wirkung objektiv zu testen. Mit etwas methodischem Geschick kann für jede Behandlung eine Studie entwickelt werden.

Ob Kranke durch homöopathische Zuckerkügelchen schneller gesund werden als durch die Einnahme von gewöhnlichem Zucker ist nicht schwieriger zu testen als bei üblichen Medikamenten (Besonderheiten wie beispielsweise die individuelle Verschreibung der Mittel in der Homöopathie sind leicht zu berücksichtigen). Es fehlt nur oft am Willen der Hersteller, und die Studienlage zu den meisten alternativen Heilmethoden ist entsprechend dünn.

Nichts zu Schüßler Salzen

Die Wirkung von Schüßler Salzen wäre beispielsweise in Studien einfach zu überprüfen. Sie sind im deutschsprachigen Raum sehr beliebt und somit auch ein großes Geschäft – doch es findet sich nicht eine einzige Studie zur Wirksamkeit. Die Hersteller dürften daran auch wenig Interesse haben, wenn sich die Mittel auch ohne Beweise glänzend verkaufen.

Neue Alternativmethoden, die nicht auf Tradition setzen können, werfen gerne mit wissenschaftlich klingenden Behauptungen um sich und sind erstaunlich kreativ, wenn es darum geht, zu erklären, warum sie funktionieren. Da werden Biophotonen bemüht, Laserhologramme vermitteln nicht näher erklärte Informationen und wenn das alles noch nicht überzeugt, liegt es eben an der Quantenphysik … WEITER

Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. S.144 ff: Sepsis-Versuche:

„Während der Ära des Nationalsozialismus wurde die Anwendung der Schüßler-Salze staatlicherseits gefördert. Schüßler-Laienbehandler wurden nun zu zugelassenen Heilpraktikern. Der „Biochemische Bund“ orientierte sich zunehmend am Nationalsozialismus und wurde in die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise“ eingegliedert, während „nicht arische“ Mitglieder ausgeschlossen wurden.

1942 versuchte der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, der ein Anhänger der Naturheilkunde war, die Wirksamkeit zu belegen. Im KZ Dachau wurden Experimente an 40 katholischen Priestern durchgeführt, indem z.B. durch Einspritzen von Eiter Blutvergiftungen hervorgerufen wurden. 10 Personen starben. Schüßler-Salze erwiesen sich, wie damals eigentlich schon bekannt war, als völlig wirkungslos.“

Schüßler-Salze
Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie

2 Gedanken zu “Studien zu „Alternativmedizin“ – entweder schlecht gemacht oder bewusst nicht vorhanden!

  1. 1942: … erwiesen sich als völlig wirkungslos …
    Und heute?
    Millionen scheißen anscheinend auf die jahrzehntealte Erkenntnis (s.o.) und behaupten weiter, es wirkt (irgendwie)
    Wie bescheuert muß mensch sein, um solchen Blödsinn weiter zu verfolgen?

    Gefällt mir

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