Neue Metaanalyse: Homöopathie wirkt und rosa Einhörner existieren!


Es gibt eine neue Metaanalyse, die nun endlich und ohne Zweifel die Wirksamkeit der Homöopathie belegen soll. Den Namen Mathie (et al.) sollte man sich gut merken, denn man wird ihn in Zukunft überall um die Ohren gehauen bekommen, wenn es um die ach so tolle Homöopathie geht.

Der faule Zauber, der sich dahinter verbirgt, wurde von Edzard Ernst, Norbert Aust und dem Bullshit Blog in allen Einzelheiten aufgedeckt und im GWUP Blog gibt es dazu eine kurze Zusammenfassung.

Der Dienstarzt fragt sich:

  1. Welche klinische Relevanz hat ein knapp positives Ergebnis, das aus Studien mit niedrigem Evidenzgrad herausgerechnet wurde?
  2. Welche klinische Relevanz hat ein knapp positives Ergebnis, wenn die wenigen verfügbaren Studien mit hohem Evidenzgrad ausgeschlossen wurden?
  3. Welche klinische Relevanz hat ein knapp positives Ergebnis, wenn die Kriterien zur Auswahl der eingeschlossenen Studien nur begrenzt nachvollziehbar sind?
  4. Welche klinische Relevanz hat ein knapp positives Ergebnis, wenn bei den Autoren kuschelige Nähe zur “magical sugarpilleary industry” vermutet werden muss (Autoren sogenannter “schulmedizinischer” Studien müssen diese Interessenkonflikte deklarieren)?

Und Excanwahn kommentiert:

… Selbst wenn Studien – solche, bei denen es darum geht, spezifische Wirkung homöopathischer Arzneien nachzuweisen – überzeugend positive Werte als Ergebnis vorweisen könnten (was ihnen aber nicht gelingt), so würde es sich immer um Zufallsergebnisse, schwerwiegende Fehler oder Datenmanipulation handeln.

Immer – es sei denn, unserer naturwissenschaftliches Weltbild wäre in wichtigen Aspekten “falsch oder doch zumindest grob unvollständig” …

Insoweit ist das Ärgerliche an Mathies Machwerk nicht das zu vermutende ergebnisorientierte Kalkül bezüglich der Studien-Auswahl in seiner Exploration – dergleichen ist man ja gewohnt. Wobei die Raffinesse, mit der vorgegangen wurde, schon beeindruckend ist.

Aber es geht ja auch, nachdem in die Homöopathie Großbritannien schwer zerzaust wurde, um sehr viel – vor allem um das nackte Überleben.

Und wen interessiert unter solchen Bedingungen noch so etwas wie wissenschaftliche Ethik?

Die Deutschen Homöopathen befinden sich dagegen noch in einer komfortablen Situation: Die gesetzlichen Regelungen zu den besonderen Heilverfahren schützt vor zu viel Unbill.

In Deutschland führt man deshalb eher einen Glaubenskrieg, bei dem es vor allem um die geschickte Nutzung der Affektlagen der potentiellen Klientenschaft geht.

Allerdings führen beide Perspektiven zum selben Ergebnis: Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen.(Oder es sind komplette Idioten, die man dummerweise zu Oberärzten, akademischen Leitern oder Stiftungsprofessoren gemacht hat; was ich aber für wenig wahrscheinlich halte.)

Und genau das ist das wirklich Ärgerliche an Mathies Metaanalyse: Sie diskreditiert die wissenschaftliche Methode RCT, und untergräbt damit das notwendige Vertrauen in die medizinische Forschung.

Marcus Hammerschmitt, Autor von Instant Nirwana und anderen Publikationen, die sich mit den skurrilen Weltsichten unserer Zeit auseinandersetzen, hat es in einem Kommentar auf Edzard Ernsts Blog auf den Punkt gebracht (sinngemäße Übersetzung):
„Ich muss gestehen, ich bin beunruhigt durch das Ausmaß der Betrügerei.
Ich habe, als Journalist, immer wieder über die Bemühungen der Homöopathen berichtet, ihre Verfahren respektabel erscheinen zu lassen, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich nicht in der Lage, die Scharade hier zu durchschauen, auch wenn ich das Papier von der ersten bis zur letzten Zeile lese.“

Wie können Nicht-Experten den Wert der medizinischen Informationen beurteilen, wenn schlechte Wissenschaft/ Pseudowissenschaft über Seiten hinweg sich bemühen, die Verfälschungen ihrer Ergebnisse zu verschleiern?“

In der Medizin gehört ehrliche Aufklärung zum unabdingbar Notwendigkeiten: Jeder soll wissen, als Grundlage seiner eigenverantwortlichen Entscheidungen, wann er eine Therapie wählt, die naturwissenschaftlichen Kenntnissen widerspricht.
Es kann nicht sein, dass ein Patient sich nicht bewusst ist, wann ihm sein Arzt eine evidenzbasierte und wann eine widerlegte Therapie anbietet.

Insoweit müssen medizinische Studien – egal von wem sie angefertigt werden – zuerst einmal ehrlich sein – und von Ehrlichkeit ist Mathies Studie wenigstens so weit entfernt, wie ein Globuli von spezifischer Wirkung.

Homöopathie ent-täuscht“ lautet der Titel eines Vortrags von Norbert Aust, den er am Donnerstag in Würzburg und am Freitag in Nürnberg hält. Ich komme nach Würzburg, vielleicht trifft man sich🙂

12 Gedanken zu “Neue Metaanalyse: Homöopathie wirkt und rosa Einhörner existieren!

  1. Ich habe leider keine Gelegenheit, am Donnerstag 9.1.15 nach Würzburg zu kommen. Ich hoffe, dass bei diesem Treffen auch die Frage diskutiert wird, wie es um die medizinische Ausbildung von Ärzten steht. Da ist in der Vergangenheit offenbar an den Universitäten so einiges schief gelaufen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass derzeit allein in Deutschland rund 8.000 an Unis ausgebildete Ärzte die Homöopathie als ernsthafte Alternative bewerten. Eine Rückbesinnung auf die weltweit geltenden wissenschaftlichen Regeln, Richtlinien und Kriterien wären bei der Bewertung von Therapien und Medikamenten doch sehr zu wünschen.

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  2. Ich habe in meinem langen Leben die Homöopathie bei mir selbst und bei meinen Katzen sehr viele Male eingesetzt und immer gute Wirkungen damit erzielt. Nein, das ist keine Placebo-Wirkung, ich bin ein sehr skeptischer Mensch und glaube nichts, bevor das Resultat da ist. Ich bin keine Esoterikerin, nur ein ziemlich praktisch denkender Mensch. Die bösartige Schärfe, mit der man diese Heilweise angreift stört mich sehr. Ich denke auch, dass man die Versuche einmal völlig anders gestalten müsste. Ich halte nichts mehr von der angeblichen Unvoreingenommenheit der Wissenschaft – es ist zuviel Häme da. Ich habe eine umfangreiche homöopathische Hausapotheke und bin froh darüber. Außerdem: Viele Ärzte haben schon die Wirksamkeit beobachtet und getrauen sich nicht, gegen die große Herde anzureden. Das bringt nur Nachteile. Nein, Ich kann eine echte Objektivität bei diesem Thema leider nicht sehen.

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    • Wenn meine Katzen kränkeln, bekommen sie immer ein paar Leckerli. Ich konnte viele Male feststellen, dass das wirkt. Ihnen geht es bald wieder besser. Aufbauend auf dieser Erfahrung gönne auch ich mir die Leckerlis, wenn ich krank bin und es hilft ebenso. In meiner Hausapotheke dürfen Leckerlis nie fehlen. Nur weil die Wissenschaft so voreingenommen ist, wollen sie keine Methode entwickeln, die die Wirksamkeit meiner Leckerlis nachweist. Das ist eine bodenlose Frechheit und viele Leckerli-Überzeugte trauen sich nicht gegen die große Herde der Ignoranten anzureden. Deswegen ist uns die Wissenschaft auch wurscht, denn wir wissen es schließlich besser, AMEN!

      Homöopathie & Co leben seit Jahren von Leuten, die so oder ähnlich „argumentieren“. Es ist immer die gleiche Leier, von Wissenschaft keine Ahnung, aber so tun als ob und sich dabei auch noch erhaben und gebildeter fühlen. Ich gönne natürlich jedem sein Leckerli, aber ohne die Verbreitung von Verschwörungstheorien und nicht auf dem Rücken der Wissenschaft. Jeder darf an rosa Einhörner glauben!

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    • Liebe Frau Kühne,

      ich muss Ihnen zuerst gestehen, dass mein Haushalt weder Globuli noch irgendwelche anderen homöopathischen Präparate beherbergt. Mein Medikamentenverbrauch ist marginal, vllt. mal ne Aspirin oder n´ Rückengutzi wenn es mal notwendig sein sollte. Dabei ist mir folgendes aufgefallen:
      1. Die meisten Beschwerden verflüchtigen sich von selber, bei Erkältungen tut es auch ne heiße Zitrone, ein wohliges Bad und natürlich mein Immunsystem.
      2. Trockene Haut, gerötete Augen, gelegentliche Atemnot konnte ich für mich in Richtung „Jahreszeitbedingt“ verorten und nehme es gelassen, in der Regel ändern sich die Jahreszeiten
      3. Unruhe, Schlafunregelmäßigkeiten ect. sind für mich lediglich Befindlichkeiten die sich bei Veränderung von Tagesabläufen in Wohlgefallen auflösen – manchmal dauerts ein paar Tage
      ….
      Was habe ich daraus gelernt? Heureka, ich benötige keine Globuli, es geht wirklich ohne. Hätte ich eine „umfangreiche homöopathische Hausapotheke“ würde ich mir das Zeugs natürlich bei all den genannten einpfeifen – zum einen, weil allein zu diesem Zwecke käuflich erworben, zum anderen um mir und meiner Gesundheit was gutes tun zu wollen. Wahrscheinlich wäre auch ich dabei der Globuligläubigkeit erlegen und hätte den natürlichen Heilverlauf dem überteuerten hahnemannschen Zückerli zugeschrieben. Aber wie oben beschrieben vertraue ich auf mein Immunsystem und bin wahrscheinlich gut darauf konditioniert.
      Mir drängt sich aber beim lesen Ihres Kommentares folgend auf, das Sie mittlerweile in einer ähnlichen Art einer Medikamentenabhängigkeit auf Globuli konditioniert wurden, gebrieft durch die blumigen Heilsaussichten der Werbung rund um Globuli & Co.

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      • Das was BSR schreibt entspricht auch meiner Erfahrung: Mein Medikamentenbedarf ist Null, keine Ahnung, wann ich das letzte mal etwas nahm. Das ist natürlich Glück und sicher auch einem entsprechenden Lebenswandel geschuldet. Was ich in meinem Leben gelernt habe: Befindlichkeitsstörungen verschwinden von allein, etwas Ruhe usw. genügen. Globuli habe ich noch nie genommen.

        Ich kenne auch das Gegenteil: Ein geliebter Mensch hatte eine Hirnblutung und Jahre später eine sehr schwere Lungenentzündung nur knapp überlebt. Ich empfinde eine tiefe Anerkennung für die wissenschaftiche Medizin, die Ärzte, die Pfleger, die das Überleben ermöglichten. Die sonst so gescholtene „Apparatemedizin“ war die Rettung.

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  3. natürlich existieren rosa Einhörner und selbstverständlich wirkt Homöopathie, damit stimmt auch Vordenker überein.
    http://www.swr.de/landesschau-rp/couchgespraech/markus-gabriel-professor-philosoph/-/id=5661010/nid=5661010/did=12642352/drxcjv/index.html

    Ansonsten kann ich nur immer wieder auf folgendes Wiki-Zitat verweisen, dass die Sache doch kurz und knapp auf den Punkt bringt:
    „Metaphysische und erkenntnistheoretische Prämissen[Bearbeiten]
    Die Zielsetzung der Naturwissenschaften – die Erforschung der Natur – setzt als metaphysische Grundannahme voraus, dass die Natur existiert, und dass natürliche Vorgänge gesetzmäßig ablaufen.[12][13] Weiterhin gehen Naturwissenschaftler von der erkenntnistheoretischen Prämisse aus, dass die systematische Generierung von Wissen über die Natur innerhalb bestimmter Grenzen möglich ist.[14] Zu der Frage, wo genau diese Grenzen liegen, gibt es verschiedene Standpunkte,….“

    Das kann doch nun auch jeder mit ein wenig Denkvermögen verstehen, also noch mal, zum auf der Zunge zergehen lassen: Die Naturwissenschaft als Ganzes beruht auf einer metaphysischen Grundannahme – *lol*

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  4. @Hannelore Hühne:

    Werfen sie einmal einen Blick auf die Seite 131 dieses Dokumentes:

    https://archive.org/stream/logicoffiguresor00brad#page/131/mode/1up

    Dort werden Todesfälle bei Cholera in der Zeit um 1850 behandelt. (Vielen Dank an Norbert Aust, bei ihm habe ich diesen Link gefunden.)

    Die Zahlen sprechen für sich:
    Schulmedizin 54% Todesfälle, Homöopathie 29%. Klingt gut, der Verzicht auf Aderlass usw. war gut für die Patienten.

    Nun schauen wir mal bei Wikipedia, Cholera: Todesrate heute unter 1%

    Würde man Cholera heute rein homöopathisch behandeln, dann würden von 100 Personen ca. 29 an dieser Behandlung sterben. Das finde ich besonders interessant, weil eine Suche im Netz haufenweise Seiten findet, die die besondere Wirksamkeit der Homöopathie bei Cholera herausstellen.

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  5. Ich: Januar 7, 2015 um 1:01 nachmittags: Du bist unredlich, weil Du Äpfel mit Birnen vergleichst.
    Du vergleichst die Homöopathie des Jahres 1850 mit der modernen Schulmedizin!

    Samuel Hahnemann war 1850 erst ein paar Jahre tot und die Homöopathie befand sich noch in der Entwicklung. Die Homöopathen haben auch dazugelernt. Heute kann man Medikamente testen. Das geht u.a. über den Hautwiderstand; also wissenschaftlich.

    Gebe der Homöopathie bitte eine Chance.

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    • Welche Tests meinst du genau ? EAV-„Resonaztests“ ? Nur weil Menschen mit Messgeräten rumhantieren bedeutet das noch lange nicht, dass sie Wissenschaft betreiben. Informiere dich mal außerhalb deiner Filterblase über die Seriosität deiner Quellen. Hier gibt es ein paar interessante Verweise zu dem Thema:

      https://www.psiram.com/ge/index.php/Elektroakupunktur_nach_Voll#Wirksamkeitsnachweise_und_Kritik_an_der_EAV

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    • @wilhelm25
      Nein, die Homöopathie hat sich nicht weiterentwickelt. Es gelten immer noch Arzneimitteprüfung, Simile Prinzip, Potenzierung. Ich sehe da keinen Fortschritt. Leider wäre es ethisch nicht vertretbar, Cholerapatienten heutzutage nur homöopathisch zu behandeln – warum eigentlch nicht, wenn sie doch soooooo wirksam ist????

      Wissenschaftlich ist da auch nichts. Man informiere sich nur einmal über die Beliebigkeit der Ergebnsse bei der Arzneimittelprüfung. Der Blog von Norbert Aust wäre da eine lesenswerte Quelle

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