Homöopathie: Christian Weymayr über scheinbare Wunder, wirkstofffreie Globuli und forschende Homöopathen


Schönes Interview mit Christian Weymayr in der Badische Zeitung :

BZ: Aber vielleicht kennen wir noch nicht alle Abläufe. Kann es nicht Heilmittel geben, die sozusagen über andere, der Wissenschaft unbekannte Wege wirken?
Weymayr: Wenn ich jemandem nur noch ein reines Zuckerkügelchen gebe, wo soll da die Wirkung sein? Und welche geistigen Informationen und Energien soll dieses Zuckerkügelchen übertragen? Die Homöopathie definiert die Wirksamkeit ihrer Mittel, indem sie sie am Gesunden ausprobiert. Zum Beispiel indem jemand zwei Tage lang Kochsalz C30 zu sich nimmt – das ist eine Verdünnung von 1 zu 10 hoch 60 – und zwei Tage lang aufschreibt, was mit ihm passiert. Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann hat auf diese Weise allein 50 Seiten voller Symptome notiert, die alle auf die Einnahme von verdünntem Kochsalz zurückgehen sollen – von schrundigen Lippen über schlechte Träume bis zu sexueller Hyperaktivität und üblem Körpergeruch. Er schloss daraus, dass man einen Kranken, der genau diese Symptome zeigt, umgekehrt auch durch die Gabe von stark verdünntem Kochsalz heilen kann. Im Prinzip ist das nichts anderes, als wenn ich ein Blatt Papier auf den Tisch lege und zwei Tage lang notiere, was in der Weltgeschichte passiert: Eine Wahl in Nordamerika, ein Umsturz in Afrika, ein Vulkanausbruch auf Sizilien. Und dann bei der nächsten Hungersnot daraus schließe, dass ich sie allein dadurch bekämpfen kann, dass ich einen leeren Umschlag auf den Tisch lege, in dem einmal dieses Blatt Papier gelegen hat. Ich denke, es leuchtet jedem schnell ein, dass das nicht funktionieren kann – aber genau das macht die Homöopathie.

BZ: Aber der Andrang in deutschen Homöopathenpraxen spricht doch dafür, dass mache Leute mit solchen Methoden gute Erfahrungen machen?
Weymayr: Meistens reicht es auch, gar nichts für seine Gesundheit zu tun, um wieder gesund zu werden. Das ist kein Hokuspokus, die Selbstheilungskräfte unseres Körpers sind manchmal sogar in der Lage, scheinbare Wunder zu vollbringen. Und deshalb ist der Fall eines Menschen, der nach der Einnahme von homöopathischen Mitteln gesund wird, nur die Dokumentation eines natürlichen, wenn auch manchmal überraschenden Krankheitsverlaufs.

BZ: Aber vielleicht ist es manchen Menschen auch völlig egal, wie wissenschaftlich erforscht ein Heilmittel ist. Für viele ist Medizin auch eine Glaubenssache? Kann man das ignorieren?
Weymayr: Nein, natürlich nicht. Es sei jedem auch unbenommen, was er glaubt. Ich wehre mich nur dagegen, dass behauptet wird, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass dieser Glaube eine reale Grundlage hat. Wenn in einem konfessionellen Krankenhaus der Patient gerne beten möchte und die Pflegekraft unterstützt ihn dabei, gerne. Aber wenn der Arzt sagen würde: „Ich spreche ein Gebet mit Ihnen und damit vertreiben wir Ihren Krebs?“, dann würde ich das für eine Katastrophe halten.

BZ: Sie würden aber niemand das Recht absprechen, diese Globuli zu schlucken?
Weymayr: Nein, um Gottes willen, selbstverständlich nicht. Den Hang zur Spiritualität sollte man akzeptieren. Aber ich habe ein Problem damit, wenn jemand – der mit einem Dr.med. seine akademische Ausbildung dokumentiert – verspricht, mit Globuli zu heilen. Und das viele Krankenkassen dies auch noch bezahlen, ist ein Armutszeugnis und vermutlich eine reine Marketingmaßnahme, um finanzkräftige und gesundheitsbewusste Kunden zu gewinnen … zum INTERVIEW

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