Ebola in Afrika – lebensgefährlicher Glaube an Magie und die generelle Bildungsfrage!


Da die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika sehr viel mit Aberglaube zu tun hat, hier ein Auszug aus einem Interview mit Leo Igwe, Vorsitzender der Nigerian Skeptics Society, der aktuell im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Bayreuth die Dynamik von Hexerei-Vorwürfen in afrikanischen Gesellschaften untersucht:

In Ihren Vorträgen und zahlreichen journalistischen Beiträgen betonen Sie die Notwendigkeit für eine Verbesserung der Bildung in afrikanischen Ländern, damit sich der weitverbreitete und lebensgefährliche Glaube an Magie verringert. In Europa finden wir solche Glaubensvorstellungen und Praktiken auch bei Menschen mit hoher Bildung. Wie bewerten Sie Ihre Plädoyers für bessere Bildung vor diesem Hintergrund?

Verbesserte Bildung ist notwendig, aber nicht ausreichend, um abergläubische Überzeugungen zum Verschwinden zu bringen. Viele Menschen besitzen diese Überzeugungen nicht nur aufgrund von Furcht, sondern auch aufgrund von Unwissenheiit. In Afrika werden Krankheiten oftmals durch Hexerei erklärt, weil wissenschaftlich-medinizisches Wissen fehlt. Es heißt, Ignoranz und Unwissenheit sind eine Krankheit. Glaubensvorstellungen, die darauf basieren, verdunkeln deshalb die Gesellschaft. Sie gefährden das Leben von Menschen.

Nicht nur in Europa, auch in Afrika besitzen viele hochgebildete Menschen abergläubische Überzeugungen. Eine der Ursachen dafür ist das schlechte Bildungssystem. Viele Schulen, Hochschulen und Universitäten sind entweder im Besitz religiöser Organisationen oder werden von solchen betrieben und kontrolliert. Obwohl es einige Beispiele für säkulare Hochschulbildung gibt, ist diess in der Grundschulbildung nicht der Fall. Religiöse Indoktrination ist immer noch Teil des Schulsystems und sie formt die Geister und intellektuellen Einstellungen der gebildeteren Menschen.

Eine andere Ursache ist, dass auch höhere Bildung nicht Antworten und Lösungen für alle Fragen und Probleme liefert. Tatsächlich ruft höhere Bildung manchmal zusätzliche Probleme hervor. Sie verkompliziert Dinge und lässt Verständnis dafür entstehen, wie komplex und tiefgreifend viele Dinge und Sachverhalte sind und sein können. Es gibt immer noch Unbekanntes, ungelöste „Mysterien“ und Dinge, die wir noch nicht begreifen. Und viele höher gebildete Menschen versuchen, Sinn im Leben zu finden, indem sie auf die Wette der tröstlichen religiösen Lösungen zurückgreifen, statt sich für den unkomfortableren, unsichereren und offenen Ansatz von Neugier, Erforschung und Entdeckung zu entscheiden.

Falls der Glaube an übernatürliche bzw. überempirische Akteure und das Bedürfnis nach Spiritualität ein normaler Teil der menschlichen Natur sind, die in einzelnen Menschen mehr oder weniger stark zum Ausdruck kommen – was würde das bedeuten?

Dass der Glaube an übernatürliche Akteure oder Metaphysik natürlich sein soll – das ist eine oberflächliche Schlussfolgerung, die leicht gezogen werden kann. Doch ist das nicht ein Widerspruch? Negiert nicht das eine das andere? Stellt es nicht eher eine Erweiterung des „Natürlichen“ dar, statt eine Sache des Übernatürlichen, wenn Spiritualität normal ist?

Aufgrund der Beschaffenheit ihres Gehirns können Menschen mit Hilfe von Abstraktion und Überlegung Dingen, Ereignissen und Erfahrungen einen Sinn verleihen. Sie lassen sich von Fantasien begeistern, identifizieren Muster, schaffen Verbindungen zwischen Ereignissen – sogar wenn Ereignisse nicht verbunden sind. Menschen beurteilen Wirkung und Ursache. Auf dieser Ebene lauert das „Spirituelle“ und „Übernatürliche“ – für diejenigen, die den abstrakten Dingen – Dingen, die den Sinnen nicht unmittelbar zugänglich sind – Namen geben, damit sie ihrem Leben und ihren Erfahrungen einen Sinn verleihen können … zum ARTIKEL

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8 Gedanken zu “Ebola in Afrika – lebensgefährlicher Glaube an Magie und die generelle Bildungsfrage!

  1. Augenblick mal ! Der Aberglaube ist doch auch in unseren Breitengraden weit verbreitet und tief verwurzelt. Es waren doch europäische Missionare, welche total abergläubischen Nonsens in Afrika verbreiteten. Somit besteht nicht nur in Afrika, sondern auch hierzulande (eigentlich auf allen fünf Kontinenten) in dieser Hinsicht erheblicher Bildungsmangel. Die Volksverblödung durch Religion und Esoterik ist doch weltumfassend und auch in der europäischen Tradition fest verankert.

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    • wer, meinst du, betreibt in Schwarzafrika Schulen? Das sind vor allem die Kirchen.

      Ich habe an einem Schulprojekt für Sierra Leone mitgearbeitet: http://www.schule-fuer-afrika.de/

      Die einzigen Schulen, die die – wenigen auserwählten – Kinder besuchen konnten, waren kirchliche Schulen.

      (steht auch ähnlich im Artikel, oben: „… Viele Schulen, Hochschulen und Universitäten sind entweder im Besitz religiöser Organisationen oder werden von solchen betrieben und kontrolliert. Obwohl es einige Beispiele für säkulare Hochschulbildung gibt, ist diess in der Grundschulbildung nicht der Fall …“)

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  2. Man muss auch mit indirekten Opfern von Ebola rechnen. So etwas führt z.B. dazu, dass die ohnehin mäßige Bereitschaft, Schwarzafrikaner aus dem Mittelmeer zu retten, noch weiter nachlässt.

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  3. Mal grundsätzlich gefragt:

    Hat „der Kapitalismus“ überhaupt ein Interesse daran, daß in Afrika wirklich handlungsfähige, souveräne Staaten entstehen?

    Souveräne Staaten, die ihre Interessen wirklich vertreten können, z.B. Rohstoffpreise selber bestimmen können, z.B. Rohstoffe selber zu Zwischen- und Endprodukten weiterverarbeiten können, um sie mit mehr Gewinn zu verkaufen …

    Welcher westliche Kapitalist hat daran ein Interesse? Ist doch viel besser, wenn in den afrikanischen Staaten das Chaos herrscht, vielleicht ein unendlicher Bürgerkrieg, oder ethnische Konflikte vor sich hin schwelen, und die Gegner ihr Coltan quasi verschenken müssen …:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Coltan#Folgen_des_Abbaus_im_Kongo

    „Folgen des Abbaus im Kongo

    Coltan wird als Konfliktmineral eingestuft. Die Arbeitsbedingungen (inklusive Kinderarbeit) gelten als sehr inhuman.[5] Der Coltan-Boom hat für die Bevölkerung ähnliche soziale Folgen wie ein Goldrausch: Die Felder liegen brach, weil die Menschen sich vom Bergbau kurzfristigen Reichtum erhoffen. Der Verdienst ist in den Bergarbeitercamps tatsächlich bis zu fünfmal höher als in der Landwirtschaft, demgegenüber sind die Lebenshaltungskosten und die Konsumorientierung deutlich höher, so dass nichts für die Zukunft übrig bleibt. Gleichzeitig entstand eine akute Nahrungsmittelknappheit in den Dörfern und über 30% der Kinder gehen auf Geheiß ihrer Eltern in die Minen statt zur Schule. Die negativen Folgen für die lokale Wirtschaft sind absehbar.[6]

    Die hohen Gewinne für die Konzerne und die mangelnde staatliche Überwachung während des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo führten zu völlig planlosen Bergbauaktivitäten. Gravierende Umweltschäden waren die Folge. Unter anderem wurden größere Flächen des schon stark reduzierten Lebensraumes der Gorillas zerstört.[7]

    Gleichzeitig ermöglichen die Einnahmen aus dem Bergbau und mangelhaft kontrollierte Embargos den lokalen Milizführern – vor allem Rebellen des Rassemblement Congolais pour la Démocratie (RCD, „Kongolesische Vereinigung für Demokratie“) – die Bezahlung von Soldaten, den Kauf von Waffen und die Fortsetzung des Bürgerkrieges. Als Geschäftsführer setzte die RCD eine in der ganzen Region berüchtigte Frau ein: Aziza Gulamali Kulsum, die schon seit Jahren einen Großteil des Handels mit dem begehrten Erz dominiert. Sie war jahrelang die Hauptgeldgeberin der Hutu-Rebellen in Burundi, die inzwischen vom benachbarten Kongo aus operieren. Einem kongolesischen Forschungsinstitut (Pole Institut – Institut Interculturel dans la Région des Grands Lacs) zufolge ist Gulamali eines der zentralen Glieder des Netzes aus Waffenhändlern und Schmugglern in der Region.

    Rund die Hälfte des weltweiten Coltans wird von H. C. Starck, bis 2006 eine hundertprozentige Tochterfirma der Bayer AG, aufgekauft und verarbeitet.[8] Weitere wichtige Verarbeiter sind Treibacher (Österreich), Cabot (USA), Mitsui (Japan) und Ulba (Kasachstan).[1]

    Eine NGO-basierte Studie von 2010 weist auch der Firma Glencore mit Sitz in Baar/ZG in der Schweiz eine bedeutende Rolle im Coltan-Abbau in Zentralafrika zu. Laut der Studie plant Glencore über die Tochterfirma Katanga Mining Limited zum weltgrößten Förderer von Coltan zu werden. Die Schürfmengen sollen bis 2015 auf 30.000 t gesteigert werden. Gemäß der Studie arbeitet Glencore mit ungerechten Verträgen, Missachtung von Menschenrechten und Steuerunterschlagung.[9][10] Glencore bestreitet alle Vorwürfe und bezeichnet die Studie als fehlerhaft.[11]

    Der Dodd–Frank Act Title XV (Sec. 1502) erlegt den US-Unternehmen, die bestimmte Materialien verwenden, Dokumentations- und Publizitätsverpflichtungen auf, die sicherstellen sollen, dass keine Materialien wie Coltan verwendet werden, die dazu dienen, den bewaffneten Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo oder einem angrenzenden Land zu finanzieren.[12][13]

    Raul Sanchez de la Sierra, Doktorand der New Yorker Columbia University, schilderte 2013 in seiner Studie On the Origin of States: Stationary Bandits and Taxation in Eastern Congo die historische Entwicklung bis hin zu den Banditenstaaten des Jahres 2013.[14]“

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    • … ohne wirkliche Souveränität der afrikanischen Staaten – ohne eine bedeutende wirtschaftliche Entwicklung Afrikas – kann es auch kein funktionierendes Bildungssystem geben.

      Der „Glaube an Magie“ mag die afrikanische Misere verstärken, ist aber nicht ihre Ursache.

      Optimisten können aber sehr gerne – einigen wenigen – afrikanischen Kinder einen Schulbesuch ermöglichen, hier: http://www.schule-fuer-afrika.de/

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  4. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mal erwähnen, dass die LMU München eine solche Schwachsinns Schamanen Veranstaltung
    veranstaltet. Ja die renommierte UNI LMU, lesen Sie mal bei Psiram den Artikel darüber. Und in Zeiten von Ebola scheint sich keiner so richtig darüber aufzuregen.

    ………..Bei der Gelegenheit wünschen wir den pittoresken “Schamanen”, die uns im Herbst an der LMU München mit flauschigen Tanzeinlagen von den Segnungen der “Heilsysteme ursprünglicher Kulturen” überzeugen wollen, recht viel Spaß und frohes Jauchzen!…………..

    https://blog.psiram.com/2014/07/lmu-eine-uni-wird-geraeuchert/

    http://blog.gwup.net/2014/08/01/ebola-und-aberglaube/

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  5. Wir, die Europäer exportieren Aberglauben nach Afrika! Und zwar viel mehr als andersrum! Anstatt diese Leute aufzuklären machen religiöse und esoterische Gruppen Afrika zu ihrem Missionsgebiet! Anstatt sie aufzuklären und sie dadurch aus der Misere zu holen wird Afrika zum Ausweich-Schauplatz metaphysischer europäischer Überzeugungen. Das Dilemma fängt an beim afrikanischen Schamanenglauben und wird von homöopatischen Virusleugnern ergänzt oder abgelöst. Und zwischendurch gibts noch Chlorbleiche mit albino-körperteilen. Unsere europäische verantwortung liegt eigentlich darin, afrika aus diesem scheiß-aberglauben rauszuholen! … anstatt ihn zu tauschen und zu ergänzen! Nur traut sich kein politiker in europa das zu fordern!

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