Sekten-Info NRW warnt vor „Alternativen Heilmethoden“, Geistheilern, Robert Betz und mehr!


Die Beratungs- und Informationstelle Sekten-Info Nordrhein-Westfalen hat ihren Jahresbericht 2013 veröffentlicht. Es gab 1.085 Anfragen, wobei bei 458 Fällen ein intensiverer und längerer Beratungsverlauf mit bis zu 22 Fachkontakten notwendig war. Die meisten Informationsanfragen bezogen sich auf religiös-fundamentalistische Gruppen (Salafisten und christliche Fundamentalisten) und der höchste Beratungsbedarf lag natürlich im Bereich der Esoterik. Hauptproblem dabei alternative Heilmethoden und Geistheiler mit ihren größenwahnsinnigen Versprechungen, alles heilen zu können und der Konsequenz, dass notwendige medizinische Behandlungen vernachlässigt wurden. Häufig waren es hier Angehörige, die Beratung brauchten. Daneben gab es einen auffälligen Beratungsbedarf zum Lebenshilfeguru Robert Betz, der aktuell auch im Chiemgau Gemseneier-Blog thematisiert wurde.

An zweiter Stelle stehen die Anfragen aus dem Bereich der Esoterik. Hier fällt auf, dass die Beratungsfälle die Anfragen übertreffen. Die Fülle der Anfragen und Beratungsfälle zusammen zeigt, dass dieser Bereich momentan in unserer Gesellschaft am meisten wächst und häufig nicht rechtzeitig als gefährlich angesehen wird.

Viele esoterische Lebenshilfe-Anbieter setzen auf die Wirkung des positiven Denkens. Ihre Grundaussage ist, wer positiv denkt, bei dem wird alles gut. Man muss nur intensiv an ein langes glückliches Leben denken, dann klappt das auch. Viele esoterische Gurus haben mit dieser These in Selbsthilfebüchern und Seminaren ein Vermögen verdient. Ein Forschungsteam von der Universität Erlangen-Nürnberg hat allerdings herausgefunden, dass ältere Menschen, die ihrer Zukunft eher pessimistisch entgegensehen, bessere Chancen auf einen gesunden Lebensabend haben. Die Forscher griffen auf Daten einer deutschen Langzeitstudie mit 40.000 Teilnehmern zurück. Die Teilnehmer wurden regelmäßig in Jahresabständen befragt. Gerade jene Befragten, die sich ihr künftiges Leben sehr schön ausgemalt hatten, trugen das größte Risiko, dass es umgekehrt eintraf. In dieser Gruppe zählten die Forscher mehr Todesfälle und Behinderungen als bei den Pessimisten. Die Erklärung der Forscher zu diesem Ergebnis: Zukunftspessimismus scheint Menschen zu veranlassen, vorsichtiger und gesundheitsbewußter zu leben. (fau.de/news/2013/02/28/langzeitstudie-pessimisten-leben-langer/).

Aber nicht nur die Vertreter des positiven Denkens irren, auch die Astrologen, Hellseher und Wahrsager lagen mit ihren Prognosen für 2013 wieder mal völlig daneben. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) in ihrer Ende Dezember veröffentlichten Auswertung. Das Lieblingsthema aller Hellseher sind Erdbeben, Überschwemmungen und Terroranschläge, allerdings sind diese wertlos, wenn niemand voraussagen kann, wann und wo sie sich ereignen werden. Konkretere Vorhersagen, dass z.B. ein zweiter Atomunfall in Japan und ein Vulkanausbruch in den USA passieren werden, sind nicht eingetroffen. Und bedeutsame Ereignisse, wie der Papstrücktritt und der Meteoritenabsturz in Rußland, wurden erst gar nicht vorhergesehen. So zeigt die Auswertung, die von dem Mathematiker Michael Kunkel durchgeführt wurde, „Astrologen, Hellseher und Wahrsager können keineswegs in die Zukunft sehen.“

Die Auszeichnung „Das goldene Brett vorm Kopf“ wurde diesmal von der GWUP am 2. Dezember 2013 der Organisation „Homöopathen ohne Grenzen“ verliehen. Mit der Auszeichnung soll auf den erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unsinn des Jahres hingewiesen werden. In diesem Fall ging es aber nicht nur um wissenschaftlichen Unsinn, sondern um lebensgefährlichen Unsinn. Die Organisation „Homöopathen ohne Grenzen“ hat in Krisengebieten in Afrika und Asien versucht, ihre wirkungslosen Zuckerkügelchen zu verteilen, und schreckte dabei nicht einmal davor zurück, eine Wirksamkeit gegen Malaria und Aids zu behaupten


Beratungsfälle 2013

Der seit Jahren große Bedarf an Beratung in der Esoterik hat sich auch 2013 nicht verändert. Es konnten 155 Beratungsfälle gezählt werden, die sich auf 60 verschiedene Anbieter verteilen. Bei der Vielfältigkeit esoterischer Angebote bietet es sich an, diese in drei bzw. vier Bereiche zu unterteilen. Wir unterscheiden:

1. die Lebensberatung, sie umfasst viele Angebote vom Familienstellen über Engelseminare und Channeling bis zu Verschwörungstheorien und Schenkkreisen.
2. die Zukunftsdeutung, dazu zählen Astrologie, Wahrsagen, Hellsehen, Kartenlegen.
3. die Heilung von körperlichen Beschwerden, Geistheiler oder Schamanen bieten Hilfe zur Heilung von körperlichen Krankheiten an, Reiki oder Homöopathie ebenfalls.
4. sektenähnliche Gruppierungen, die ein esoterisches Gedankengut vertreten, die sich aber aufgrund ihrer Größe von den drei anderen Bereichen unterscheiden.

Zahlenmäßig sind die Bereiche eins und drei fast gleich, sie machen jeweils ein Drittel der genannten Beratungsfälle aus. Die beiden anderen Bereiche teilen sich das letzte Drittel. Berücksichtigt man jedoch, dass es eine eigene Kategorie „Heilergruppen“ mit in diesem Jahr 31 Beratungsfällen zuzsätzlich gibt, wird deutlich, dass der Markt der alternativen Heilmethoden und der Geistheiler die meisten Problemfälle verursacht. Viele Geistheiler versprechen, auch schwerwiegende Erkrankungen wie z.B. Krebs, Asthma, Psychosen heilen zu können und es werden äußerst fragwürdige Behandlungsmethoden angeboten. Manche Klienten berichten, dass eine liebevolle Atmosphäre sie dazu verleitet hat, dem Geistheiler völlig zu vertrauen. Die Hoffnung auf Heilung hat sie dazu verleitet, notwendige medizinische Behandlungen zu vernachlässigen, was letztlich Menschen in eine lebensgefährliche Lage bringen kann. Häufig sind es die Angehörigen, Geschwister oder Partner, die unsere Beratungsstelle verzweifelt um Hilfe bitten. Neben der Unverfrorenheit vieler Anbieter auf dem Heilermarkt mit dem Leid kranker Menschen Geld zu verdienen, stimmt es noch nachdenklicher, dass Ordnungsbehörden und Gesundheitsämter nicht häufiger einschreiten, obwohl sie von den Vorkommnissen durch unsere Beratungsstelle informiert werden.

Innerhalb des ersten Bereiches der Esoterik ragte ein Lebenshilfeguru im letzten Jahr besonders heraus. 21 Beratungsfälle standen im Zusammenhang mit dem deutschen Psychologen Robert Betz. Er bietet eine neue von ihm selbstentwickelte Transformationstherapie an, die mit wissenschaftlicher Psychologie, wie sie an Universitäten gelehrt und in der Praxis angewandt wird, nicht viel zu tun hat. Er behauptet, dass seine Therapie Menschen in die Lage versetze, Leidenszustände aller Art zu verwandeln. Die Menschen werden dabei begleitet von der Kraft der Engel und Ahnen. Er zieht Menschen in seinen Bann, indem er ihnen schnelle, umfassende märchenhafte Hilfe verpricht und mit kumpelhaften Sprüchen suggeriert, er sei der gute Freund, dem man vertrauen kann. (Siehe Robert Betz und die Transformationstherapie – eine esoterische Pseudotherapie im Focus der Kritik) … zum JAHRESBERICHT

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2 Gedanken zu “Sekten-Info NRW warnt vor „Alternativen Heilmethoden“, Geistheilern, Robert Betz und mehr!

  1. „stimmt es noch nachdenklicher, dass Ordnungsbehörden und Gesundheitsämter nicht häufiger einschreiten,“ …in Traunstein sind die sogar im gleichen Haus… Das Gesundheitsamt und das neue Hogwarts…

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