Ayurveda: Auch Schwermetalle haben „Heilkraft“!


Ein interessanter Vortrag auf der kommenden SkepKon 2014:

Bleivergiftung? Fragen Sie doch mal Ihren Ayurveda-Experten…

Jasmin Barman-Aksözen*

Vergiftungen mit Blei äußern sich durch schwere Bauchkoliken, neurologische Probleme, Nierenschäden und Blutarmut. Ein Teil dieser Symptome entsteht, weil Blei an verschiedenen Stellen die Blutbildung stört. Da unser Labor spezialisiert darauf ist, die Vorläufer des roten Blutfarbstoffs zu messen, werden wir bei Verdachtsfällen in der Schweiz hinzugezogen. In den drei in den letzten Jahren von uns abgeklärten Fällen mit Bleivergiftung konnte die Einnahme von ayurvedischen Heilmitteln als Ursache der Vergiftung identifiziert werden.

Ayurvedische Arzneimittel enthalten mitunter in hohen Konzentrationen Blei und andere Schwermetalle. Doch wie gelangt Blei in traditionelle Medizinprodukte? Anders als von der Allgemeinheit häufig angenommen, handelt es sich bei Schwermetallen in der Ayurveda nicht um Verunreinigungen in eigentlich rein pflanzlichen Rezepturen. Vielmehr werden Schwermetalle absichtlich zugesetzt, da ihnen eine bestimmte positive Wirkung zugeschrieben wird. Besonders in Produkten der sogenannten Rasa-shastra Ayurveda finden sich häufig Schwermetalle, da bei dieser Richtung pflanzliche Komponenten mit Mineralien gemischt werden.
So entsteht eine paradoxe Situation: Personen, die der „Chemie“ in der Schulmedizin misstrauen, laufen Gefahr sich mit vermeintlich nebenwirkungsfreien Alternativen schwere Vergiftungen zuzuziehen. Ein fatales Signal setzten zudem die Schweizer Politik und Krankenkassen, indem sie verschiedene Komplementärtherapien (wieder) in den Leistungskatalog aufgenommen haben. Die Gleichbehandlung von ausführlich geprüften Arzneimitteln mit nicht auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit hin getesteten Therapien suggeriert dem Verbraucher, dass hier eine qualitative Gleichheit besteht.
Dem Argument, der mündige Bürger könne selbst entscheiden, welche Art von Behandlung er wählen möchte, steht die leider verbreitete mangelhafte Kenntnis sowohl der Hintergründe der Komplementärtherapien als auch der wissenschaftlichen Vorgehensweise bei der Entwicklung und Prüfung medizinischer Produkte entgegen. Wir sehen hier insbesondere Apotheken, medizinisch tätiges Personal, Ausbildungsstätten und Krankenkassen in der Pflicht, Position zu beziehen, Aufklärungsarbeit zu leisten und die verantwortungslose Verwischung der Unterschiede zwischen auf Wirkung und Sicherheit getesteten Medikamenten und dogmatischen Weltanschauungen mit unseriösen und teilweise gefährlichen Heilsversprechen zu beenden.

*Der Vortrag beruht auf einer Arbeit, die unter Mitarbeit von Franziska Wegmann, Arun Barman und Elisabeth I. Minder entstanden ist.

Jasmin Barman-Aksözen hat in Heidelberg und Kuopio (Finnland) Biologie studiert. Seit 2007 erforscht sie am Triemlispital in Zürich eine Gruppe seltener Gendefekte, bei denen die Bildung des roten Blutfarbstoffs beeinträchtigt ist (Porphyrien). Skeptische Interessensgebiete sind kreationistische Weltanschauungen, die emotional aufgeladene Debatte um Grüne Gentechnik und vermeidbare Irrtümer sowohl in der Medizin als auch bei alternativ- und komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden.

Ayurveda
TCM – Meridiane, Akupunktur und Gifte plus Ekel pur!

Ein Gedanke zu “Ayurveda: Auch Schwermetalle haben „Heilkraft“!

  1. Am 17. Mai 2009 beschlossen die Schweizer Wähler im Rahmen einer Verfassungsinitiative mehrheitlich, dass die Kosten für alternative Medizin von den Krankenkassen übernommen werden müssen. Darüber berichtete das deutsche Ärzteblatt wie unter dem nachstehenden Link nachzulesen ist:

    Alternativmedizin kommt in der Schweiz zurück in die Grundversicherung

    Am 8.02.2011 hatte ich ins „Deutsche Ärzteblatt“ den folgenden Kommentar eingesetzt:

    Falschmeldung !
    Also, liebe Leute, ich will ja nicht unbedingt als der Klügste erscheinen, aber außer mir scheint noch niemand bemerkt zu haben, dass die Schweizer (meine früheren Landsleute) sich mit der Zustimmung zur sog. Komplementärmedizin-Initiative einen Schildbürgerstreich der ganz besonderen Art geleistet haben. Sie haben jetzt nämlich etwas in ihrer Verfassung stehen, was in der Realität schlicht und ergreifend nicht umsetzbar ist !

    Der frühere Bundesrat Couchpin, ein Gegner der Verfassungsinitiative, hat seinen Landsleuten nämlich vor seinem Ausscheiden aus dem Amt klugerweise einen hinterlistigen Text in die Verfassungsinitiative eingeschmuggelt, der vom Wählervolk in seiner faktischen Auswirkung nicht erkannt wurde. So forderte er z.B. dass die Kosten für die Alternativ- und Komplementärmedizin nur bezahlt werden sollten, wenn dafür wissenschaftlich relevante Wirkungsnachweise erbracht werden können. Dieser Zusatz steht so auch in der vom Wahlvolk angenommenen Verfassungsinitiative. Und exakt auf diesen Passus beruft sich jetzt die ELGK (Eidgenössische Kommission für Leistungen und Grundsatzfragen), indem sie als Begründung für ihre Stellungnahme anführt, „…dass die maßgeblichen Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) der komplementärmedizinischen Methoden nicht erfüllt seien.“

    Somit ist die Überschrift im Ärzteblatt „Alternativmedizin kommt in der Schweiz zurück in die Grundversicherung“ eine Fehlinterpretation des DZVhÄ, dem deutschen Zentralverband homöopathischer Ärzte. Nachdem es z.B. den Homöopathen in den 200 Jahren seit Bestehen dieser Pseudowissenschaft nicht gelungen ist, auch nur einen einzigen Wirkungsnachweis für die Homöopathie zu erbringen, dürfte dies auch in absehbarer Zukunft ein unerfüllbarer Wunschtraum der Homöopathen bleiben.

    Für mich stellt sich einmal mehr die Frage, ob die homöopathischen Ärzte nicht eine ernste Gefahr für ihre Patienten darstellen, wenn sie nach wie vor ihrer wissenschaftlich nicht haltbaren Irrlehre anhängen ! (Zitatende)

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