Homöopathie: Symptome sind alles und alles ist ein Symptom!


Wie konnte die Menschheit seit Hahnemanns „Erkenntnissen“ nur überleben???

Hahnemann schreibt im „Organon der rationellen Heilkunde“, Dresden : Arnold, 1810 :

„Bios der Komplex aller Symptomen einer Krankheit repräsentirt diese Krankheit in ihrem ganzen Umfange.“ (Seite 10)

„Es fehlt sogar noch die Uebereinkunft, welche Charakterzüge und Symptomen in die‘ Fieberdefinition aufgenommen werden sollen und können, und welche auszuschliefsen sind, und es ist keine unter der grofsen Zahl der Fieber-Theorien und Definitionen , welche nicht Zufalle in sich begriffe, die auch in den fieberlosest geachteten Krankheiten mehr oder weniger statt finden.“ (Seite 42)

„Anm. Einige dieser, Krankheit vorbereitenden oder einzelne Seelenkräfte besonders erregen oder ermüden sind: z.B. den oder erzeugenden Einflüsse sind z. B. die unzählige Menge mehr oder weniger schädlicher Ausdünstungen aus leblosen und organischen Substanzen —; die so verschiedentlich reitzenden mancherlei Gasarten, die in der Atmosphäre, in ünsern Werkstätten und Wohnungen auf unsre Nerven ändernd oder zerstörend wirken, oder uns aus Wasser, Erde, Thieren, Pflanzen entgegen strömen—; Thieren, Pflanzen entgegen strömen—; Mangel an dem unentbehrlichen Nahrungsmittel für unsere Vitalität, der reinen, freien Luft —; Uebermaas oder Mangel des Sonnenlichts—; Uebermaas oder Mangel der elektrischen Stoffe —; abweichende Druckkraft der Atmosphäre, ihre Feuchtigkeit oder Trockenheit — ; die noch unbekannten Eigenheiten und Nachtheile hoher Gebirgsgegenden und dagegen die der niedrigen Orte und tiefen Thäler —; die Eigenheiten der Klimale und andrer Ortslagen auf gvofsen Ebenen, auf gewächs – oder wasserlosen Einöden, gegen das Meer hin, gegen Sümpfe, Berge, gegen das Meer hin, Wälder oder gegen die verschieduen Winde —; Einflufs sehrveränderlicher oder allzu gleichförmig lange anhaltender Witterung; Einflufs der Stürme und mehrerer Meteore —; allzu grofse Wärme oder Kälte der Luft, Blöfse, oder übertriebne künstliche Wärme unsrer Körperbedeckung oder-der Stuben; Beengung einzelner Glieder durch verschiedne Anzüge —; der allzu hohe Grad der Kälte und Wärme unsrer Nahrungsmittel und Getränke; Hunger oder Durst oder Ueberfüllung mit Speifsen und Getränken und ihre schädliche arzneiliche, den Körper umändernde Kraft, die sie theils vor sich besitzen (Wein, Branntwein, mit mehr oder weniger schädlichen Krautern mehr oder weniger schädlichen Krautern gewürzte Biere, mit fremdartigen Stoffen geschwängertes Trinkwasser, Kaffee, Thee, ausländische und inländische Gewürzkräuter und die damit reitzend gemachten Speisen, Saucen, Liqueure, Schokolade, Kuchen; die unerkannte Schädlichkeit einiger Gemüfse und Thiere im Genufse) — theils sie durch nachlässige Zubereitung, Verderbnifs, Verwechselung oder Verfälschung bekommen (z. B. schlecht gegohrnes und nur halb ausgebackenes Brod, halbgekochte Fleisch – und Gewächsspeisen, oder andre vielfach verdorbne, gefaulte, verschimmelte Nahrungsmittel, in metallenen Geschirren zubereitete oder aufbewahrte Speisen und Getränke, gekünstelte, vergiftete Weine, mit ätzenden Substanzen verschärfter Essig , Fleisch kranker Thiere, mit Gyps oder Sand verfälschtes Mehl, mit schädlichen Samen vermischtes Getreide, mit gefährlichen Gewächsen aus Bosheit, Unwissenheit oder Dürftigkeit vermischte oder vertauschte Gemüfse) —; Unreinlichkeit des Körpers, der Körperbedeckungen der Wohnungen —; nachtheilige Substanzen, die durch Unreinlichkeit oder Nachlässigkeit bei der Nahrungsmittel gerathen —; Einhauchung schädlicher Dünste in Krankenstuben, in Bergwerken, Pochwerken, Rösten und Schmelzhütten —; der auf uns eindringende Staub mancherlei schädlichen Gehalts von den Stoffen unsrer Fabrikationen und Gewerbe — ; Vernachlässigungen mehrerer Anstalten der Polizei zur Sicherheit des allgemeinens Wohls —; allzu heftige Anspannung unsrer Körperkräfte, allzu schnelle aktive oder passive Bewegung, übermäsige Exertionen einzelner Körpertheile oder Sinnorgane, mancherlei unnatürliche Lagen und Stellungen, welche die verschiednen Arbeiten der Menschen mit sich bringen —; Mangel des Gebrauchs einzelner Theile oder allgemeine unthätige Körperruhe —; ungeregelte Zeiten der Ruhe (langer Mittagsschlaf), der Mahlzeiten, der Arbeit, Uebermaas oder Mangel des Nacht – Schlafs —; Anstrengung in Geistesarbeiten überhaupt, oder in solchen, welche widrig und gezwungen sind, oder einzelne Seelenkräfte besonders erregen oder ermüden, empörende, gewaltsame Leidenschaften, Zorn, Schreck, Aergernifs, oder entnervende Leidenschaften durch wollüstige Leserei, Erziehung, Angewöhnung und Umgang erregt —; Misbrauch des Geschlechtstriebes — ;Gewissensvorwürfe, Furcht, Gram, u.s.w. Daher die unaussprechliche Zahl ungleichartiger Leibes – und Seelengebrechen, Welche unter sich so verschieden sind, dafs genau genommen, jedes derselben vielleicht nur ein einziges Mahl in der Welt existirt“ (Seite 58 bis 62)

„Anm. Den entehrenden, etwanigen Veranlassringen, welche die Kranken oder die Angehörigen nicht gern, wenigstens nicht Ton freien Stücken gestehen, mufs der Arzt durch klägliche Wendungen der Fragen, oder durch andre Privaterkundigungen auf die Spur zu kommen suchen; dahin gehören: … Onanie, Ausschweifungen in gewöhnlicher oder unnatürlicher Wollust, … unglückliche Liebe, Eifersucht, Hausunfrieden, und Gram über ein Familienunglück, erlittene Mishandlung, verbissene Rache, gekränkter Stolz, Zerrüttung des Vermögenszustandes , abergläubige Furcht, … , ein Vorfall, u.s.w.“ (Seite 72/73)

Kategorie: Samuel Hahnemann

3 Gedanken zu “Homöopathie: Symptome sind alles und alles ist ein Symptom!

  1. Aus dem persönlichen Erleben:
    In einem Café mit Verwandten. Eine Person bestellt sich unter anderem einen Tee, einen Pfefferminztee. „Ach nein, darf ich ja nicht, ich nehme ja homöopathische Arzneimittel…“. Nun, gut, das kann ich nicht unkommentiert lassen. „Du ahnst gar nicht, was Du sonst alles nicht darfst“ und ich zähle ein paar der Dinge aus dem Organon auf. Gegenfrage an mich: „Was ist das Organon??“ „Ein 200 Jahre altes Buch, in dem die Homöopathie beschrieben wird.“ Entgegnung: „Jaaaa, aber das ist inzwischen ja alles weiterentwickelt worden!“ Mein Kommentar, nein, das sei es nicht, alles basiere auf diesem Buch wurde mehr oder weniger ignoriert.

    Zwei Dinge erschrecken mich einmal mehr: Die Überzeugung, bei Homöopathie handele es sich um Medizin. Und die vollkommenen Abwesenheit von Neugier. Eine Diskussion ist unerwünscht. Etwas in der Art habe ich schon mehrfach in meinem Umfeld erlebt. Und ich finde es immer wieder frustrierend, diese Abwesenheit von Neugier und „mehr wissen wollen“.

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    • Du, Ich, hast noch etwas vergessen, was ziemlich erstaunlich, aber aufschlussreich ist:

      Meistens kennen sich die Ablehner sehr viel besser in der Homöopathie aus, als deren Befürworter. Erschreckend im Anschluss daran ist wiederum, dass man als Skeptiker damit nichts ausrichten kann. Stochert man etwas zu tief, so tritt ein Immunisierungs-Automatismus in Kraft. Gerade so, als habe man einen höchstpersönlichen Schatz angebohrt, den die HP-Anhänger im Herzen tragen.

      Es ist vermutlich die Illusion, etwas wertvolles und wichtiges verstanden zu haben, wozu der eigene Verstand eben ausreicht – ohne zu überblicken, dass man nur eine Scheinkompetenz erworben hat. Das Gefasel von Feinstofflichkeiten und dergleichen mehr, für anspruchsvolle Gemüter auch gerne angereichert mit etwas Quantenquatsch, ist intuitiv viel zugänglicher als beispielsweise die Biochemie einer Autoimmunreaktion. So gesehen ist es das reduktionistische Erfolgsmodell aller Doktrinen, Sekten, Religionen und anderen Glaubensgemeinschaften, das die Anhänger der HP sich so gegen Neugier und Aufklärung abkapseln lässt: die Vermittlung von einfach fassbaren Erklärungsmodellen, die zumindest den Anschein von Ebenbürtigkeit oder Überlegenheit verschaffen. Wehe, da rührt jemand dran!

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  2. Deinem zweiten Satz muss ich besonders zustimmen, entspricht auch meiner Erfahrung. Die Homöopathiekritiker wissen wesentlich mehr über das Thema. Dazu kommt dann auch noch die sehr unterschiedliche Qualität der Argumente. Die Kritiker bringen die bekannten wissensbasierten Argumente, dem die Befürworter nichts substantielles entgegenzusetzen haben.

    Beispiel:
    http://dzvhae-homoeopathie-blog.de/?p=6043#comment-17486
    Herr Aust stellt Fragen, der DZVhÄ weicht aus.

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