EUH: Homöopathie ist RATIONALE Heilkunst, besser als Medizin, basta!


Nicht erst seit gestern kann jeder auf einfache Weise nachlesen, was von den vielen einzelnen Studien zur Homöopathie wirklich zu halten ist. Norbert Austs Buch In Sachen Homöopathie – eine Beweisaufnahme dazu, ist vor genau einem Jahr erschienen und auch sein Blog bietet einen recht guten und zudem kostenlosen Einblick in die Materie. Erst vor kurzem wurde die von Homöopathen viel zitierte Analyse von Hahn, die zu einem angeblich positiven Ergebnis kam, eingehend von Aust betrachtet . Es zeigt sich, dass trotz des großen Rummels, diese Studie eigentlich nichts wirklich Neues enthält und die bekannte Metaanalyse von Shang, die für die Homöopathie vernichtend ausfällt, nun sogar einen Kritiker mehr hat, denn wie es aussieht sind auch die von Shang positiv bewerteten Studien nur wenig aussagekräftig. Herr Aust arbeitet gerade an einer Neubewertung. Der bisherige Eindruck bestätigt sich allerdings auch hier: je genauer man sich mit den vielen homöopathischen Studien beschäftigt, desto mehr fallen durch, weil sie einer Qualitätsprüfung nicht standhalten.

Da zudem die Prinzipien der Homöopathie wie Ähnlichkeitsprinzip, Potenzierung, verreiben, verschütteln, Wassergedächnis und Informationsübertragung der Physik und den Naturgesetzen widersprechen und man es so verstehen muss, als hätte man über viele Jahre hinweg Studien gemacht, die überprüfen sollen, ob das rosa Einhorn, der Osterhase und der Weihnachtsmann irgend eine Wirkung haben. Hier würde die Allgemeinheit immer behaupten, dass doch jeder wisse, dass die genannten ins Reich der Fabeln, Mythen und Märchen gehören und dass es somit völlig lächerlich und Geld-und Zeitverschwendung sei eine Wirkung der bereits anerkannt nicht existenten Wesen zu untersuchen. Wer noch alle Tassen im Schrank hat, würde auch nicht behaupten wollen, dass die Zeit noch kommen könnte, in der man nachweisen würde, dass es diese Wesen gibt.

Außerdem:

1828 bis 1830 veröffentlichte Hahnemann sein Werk Die chronischen Krankheiten. Spätestens hier verlässt er den Bereich experimenteller Medizin und ergeht sich in Spekulationen. Zu den chronischen Krankheiten zählte er die Geschlechtskrankheiten Syphilis und die Gonorrhoe. Alle anderen sah er nur als Erscheinungen eines Miasma (Ausdünstung, Verunreinigung) namens Psora. Er sah darin eine Mangelkrankheit, dem Organismus fehlte also irgendetwas, was ihm zugeführt werden müsse. Nur durch lange experimentelle Therapien auf Grundlage seiner homöopathischen Arzneimittellehre könne der Arzt das richtige Heilmittel finden. Erst jetzt ergänzte Hahnemann seine Therapie um die Idee, dass eine mehrfache enorme Verdünnung sinnvoll ist. Die Wirkung soll erhalten bleiben, die Nebenwirkungen aber abnehmen. Dazu müsste das Mittel aber wissen, welches seiner vielen Wirkungen Haupt- oder Nebenwirkung sein soll.

Ab der vierten Auflage des Organon behauptete Hahnemann: „Einzig die krankhaft gestimmte Lebenskraft bringt die Krankheit hervor.“ Hier trifft sich seine experimentelle Lehre mit esoterischen Vorstellungen … ZUM ARTIKEL

Dass die Homöopathen heute nicht gerne Grundlagenforschung betreiben, leuchtet ein, denn die Unwirksamkeit wiegt so schwer wie die Nichtexistenz der genannten Chimären.

Und trotzdem gibt man seit über 200 Jahren keine Ruhe, weil man nicht wahrhaben will, dass Hahnemanns „Entdeckungen“ zwar medizingeschichtlich sehr interessant sind, mehr aber nicht. Die Forderung nach noch mehr Forschung ist schon aufgrund der vielen negativen Erwähnungen überaus peinlich.

Homöopathen ignorieren und verschweigen alles, was ihnen nicht in den Kram passt und natürlich auch oder gerade eine Zeit, in der die Homöopathie in jeder Beziehung optimale Möglichkeiten hatte, sich unter Beweis zu stellen. Es fehlte ihnen an nichts, um wissenschaftliche Forschung im großen Stil zu betreiben, was auch getan wurde. Es waren ausgerechnet die Nazis, die sich nichts sehnlicher wünschten als eine „Germanische Heilkunde“ und sie setzten ihre ganze Hoffnung in die Homöopathie des deutschen Hahnemann als Gegenpol zur „verjudeten Schulmedizin“.

SPON 2010:

1937 begann das Reichsgesundheitsamt, die Homöopathie „in denkbar größtem Stile“ zu überprüfen. Mehrere hundert Millionen Reichsmark sollten zur Verfügung stehen. Mit dabei: der Arzt Fritz Donner, der damals am Stuttgarter Homöopathischen Krankenhaus tätig war. Er war einer der wenigen Homöopathen, denen ehrlich an einer wissenschaftlichen Überprüfung der Methode gelegen war.
Fast 30 Jahre später, 1966, im Ruhestand, verfasste Donner für das Bundesgesundheitsamt einen Bericht über die Untersuchungen der Nazis. Der „Donner-Report“, der erst 1995 veröffentlicht wurde, gibt einen eindrucksvollen Einblick, zu welch „totalem Fiasko“ für die Homöopathie die Untersuchungen wurden.

„Vollkommen negativ“ verliefen zum Beispiel die zahlreichen Arzneimittelprüfungen, mit denen die berühmten gleichnamigen Versuche Hahnemanns wiederholt werden sollten. Gesunde Versuchspersonen bekamen dabei homöopathische Globuli verabreicht – und sollten dann, entsprechend dem homöopathischen Grundsatz „Gleiches mit Gleichem heilen“, genau jene Symptome entwickeln, die das Mittel bei Kranken angeblich bekämpfen kann.

Anders als sonst üblich wurden diese Prüfungen unter Aufsicht der Nazis jedoch mit einer Placebokontrolle durchgeführt, also der Kontrolle mit einem Scheinmedikament – und prompt stellten die Ergebnisse die Basis der gesamten Homöopathie in Frage. „Während der Einnahme aus den Placebofläschchen bekamen unsere Prüfer reichlich Symptome, die bis zu 6 Seiten der Protokollhefte bei einigen füllten“, berichtet Donner.

Ähnlich katastrophal fielen die Ergebnisse der klinischen Prüfungen aus. Nicht selten behaupteten Ärzte damals zum Beispiel, Gonorrhoe-Patienten durch Homöopathie geheilt zu haben. Doch nun zeigte sich, dass die angeblich Geheilten in aller Regel doch weiter die gefährlichen Bakterien in ihren Harnröhrenabstrichen aufwiesen … ZUM ARTIKEL

Der Donner-Report, den man hier lesen kann, ist eine äußerst spannende Lektüre, denn er zeigt wie gut damals untersucht wurde, dass genau deswegen nach drei Jahren ein Stadium erreicht war, um eigentlich aufzuhören, weil alle Ergebnisse, wider hoffnungsvoller Erwartung, so niederschmetternd waren, dass man 100 prozentig wusste, dass Homöopathie keine Heilkunst sein kann bzw. die angenommene Wirkung oft bereits schon an der völligen Untauglichkeit hoch gepriesener homöopathischer Heilmittel scheiterte. Ein weiterer hoch interessanter Aspekt ist demzufolge, dass die damals entzauberten Heilmittel bis heute nie an positiver Bedeutung verloren haben. Man nutzt und empfiehlt sie nach wie vor.

Wer sich das alles durch den Kopf gehen lässt, dem muss es wie ein Wunder vorkommen, dass die Homöopathie einen so guten Stand in unserer Gesellschaft erreicht hat. Erklären lässt sich das natürlich nur damit, dass solange Leute gerne belogen und betrogen werden möchten, man sehr gute Chancen hat, hohe Anerkennung zu erlangen.

Wer in jüngster Vergangenheit angefangen hat, eine geniale Kraft von Einhörnern zu propagieren, der hat schon ganz gute Karten bei einer bestimmten Klientel, die wächst und wächst und nichts für unmöglich hält. Die gesellschaftliche Akzeptanz fordert jedoch zusätzlich eine Autorität, die die Verkündung einer Heilslehre einleitet. Samuel Hahnemann und Rudolf Steiner sind die Paradebeispiele, die heute Geltung haben und morgen werden es Geerd Ryke Hamer und Rüdiger Dahlke sein, die zu den Propheten zählen werden, sollte sich im Denken in unserer Gesellschaft nichts ändern.

Wer keine Wirksamkeit für seine angebotenen Methoden nachweisen kann, der hat trotzdem genug psychologisch greifende Mittel zur Verfügung, die Erfolg versprechen:

  • Man beziehe sich auf altes Wissen, das man damit in Zusammenhang bringt, dass Menschen auch vor der „Schulmedizin“ Heilung erfuhren bzw. besser geheilt wurden.
  • Man beziehe sich auf eine Autorität.
  • Man verweise auf unzählige angebliche Heilerfolge von Anwendern, die zwar niemals überprüft wurden, aber allein aufgrund der rein subjektiv empfundenen Kausalität eine objektive Rolle spielen sollen.
  • Man ignoriere und verschweige negative Erfahrungen und negative Ergebnisse mit Nachdruck.
  • Man nutze Begrifflichkeiten aus der anerkannten Wissenschaft, fülle sie teilweise mit neuen Inhalten und missbrauche sie.
  • Man kreiere Verschwörungstheorien, die ausführlich darlegen, warum die eigene Heilslehre bekämpft wird und wer dahinter steckt.
  • Man diskreditiere den Medizinbereich aufs Schärfste und stilisiere konkretes Fehlverhalten und Mängel der Medizin und Pharma zur Regel.
  • Man nutze für die eigene Heilslehre Begriffe wie: sanft, natürlich, ganzheitlich und nebenwirkungsfrei.

Nun aber wieder zurück zur Homöopathie:

Hier geht es also eindeutig um homöopathische Glaubenskrieger, die mit allen Mitteln für ihre Religion und gegen Wissenschaft kämpfen und der Höhepunkt ist mit den Forderungen und Zielvorstellungen der Europäischen Union der Homöopathie (EUH), die hinter der Homöo-Akademie in Traunstein steckt, erreicht!

Charta der E.U.H.

  • Die E.U.H. hat zum Ziel, den Berufsstand des Homöopathen in das europäische Gesundheitssystem einzuführen, um die Homöopathie als eigenständigen Heilberuf ausüben zu können.
  • Der Homöopath soll innerhalb des Gesundheitssystems die Kompetenz haben, gemäss den Prinzipien der Homöopathie frei arbeiten zu können.
  • Er richtet sich nach den Grundlagen, die Samuel Hahnemann in seinen Werken Organon und Chronische Krankheiten geschaffen hat.
  • Es werden jene Entwicklungen der Homöopathie in Lehre und Praxis der E.U.H. aufgenommen, die mit den Prinzipien Hahnemanns in Einklang stehen.
  • Die E.U.H. definiert den Ausbildungsstandard zum European Homoeopathic Degree (E.H.D.)

Hier noch die Ziele und weil das immer noch nicht reicht, fordert die EUH eine „RATIONALE Heilkunst“:

Mit einer Art Grundlagenpapier plädiert die EUH für eine „Rationale Heilkunde im Sinne Samuel Hahnemanns“.[4] Diese Heilkunde gehe „über die Grenzen der arzneilich-homöopathischen Therapie“ hinaus. Anzustreben sei, Hahnemanns „Methodik in unserer Zeit anzuwenden, d.h. seine Denk- und Arbeitsweise zu übertragen in unsere heutige Welt.“ Als Beispiel werden „seine Ausführungen zur Natur von Krankheiten und zur Entstehung chronischer Krankheiten“ genannt. In der Medizin finde derzeit ein „kolossaler Wertewandel“ statt: „Die Heilkunde wird zunehmend verdrängt von Überlegungen, wie mit dem menschlichen Körper maximal Profit erwirtschaftet werden kann. Nicht mehr Heilung steht als Ziel im Vordergrund, sondern die chronische Krankheit verspricht sogar mehr Profit.“ Die Rationale Heilkunde sei deshalb ein notwendiger „Gegenentwurf“.

Im „Plädoyer für eine moderne Rationale Heilkunst“ steht auch:

Aber was die chronischen Krankheiten betrifft, stehen wir heute weiter vor einer riesigen und wachsenden Herausforderung. Diese nehmen, durch die immer höhere Lebenserwartung, unsere heutige Lebensweise und zum Teil auch durch medizinische Massnahmen, stetig zu. Die Medikamente gegen diese Krankheiten wirken zum grössten Teil rein palliativ und nicht kurativ und machen dadurch kränker (im Sinne einer Unterdrückung) … Ein anderer Teil der chronischen Krankheiten wird ausgelöst durch schädliche Einflüsse von aussen, die es zu erkennen gilt: Schadstoffe verschiedener Natur
(chemisch, physikalisch, energetisch), aber auch Medikamente und medizinische Therapien. Diese modernen schulmedizinischen Therapien sind sehr differenziert zu betrachten und zu beurteilen ist ebenso Aufgabe einer Rationalen Heilkunst.

Gnädigerweise dürfen die Chirurgie und eine „oft lebensrettende Intensivmedizin in der Akutmedizin“ weiter praktizieren, den Rest übernehmen dann die Homöopathen! Damit werden viele Errungenschaften der Medizin, für die wir extrem dankbar sein müssten, zum Wurmfortsatz einer obskurantischen Glaubensbewegung erklärt. Grotesker könnte eine Anmaßung gar nicht sein!

8 Gedanken zu “EUH: Homöopathie ist RATIONALE Heilkunst, besser als Medizin, basta!

  1. Jammerschade, dass man alle diese homöopathischen Scharlatane nicht ungestraft er…….. darf ! Dann könnte man nämlich darauf hoffen, dass dieser total hirnrissige Schwindel endlich mal ein Ende hätte !

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  6. die rationale Heilkunde ist immernoch die evidenzbasierte Medizin, und die wird ausgehebelt wenn Pharmafirmen (beispielsweise die der sog. „Alternativmedizin“) mit Esoterik und Desinformationsmethoden daherschwurbeln. Bei normalen Pharmafirmen passiert dies eben manchmal, bei den Homöopathen praktisch immer.

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