BfArM verheimlicht nun Warnung vor bestimmten homöopathischen D-Potenzen von 2012?


BfArM, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (02/2014):

„Im Rahmen der Überwachung von Arzneimittelnebenwirkungen zu homöopathischen Arzneimitteln sind uns weder zu niedrigen, noch zu Hochpotenzen unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW), wie z.B. eine massive Metastasenaussaat bei Krebserkrankungen, gemeldet geworden.“

Die Aussage bezieht sich auf eine Anfrage und bitte um Stellungnahme zu einem Zitat des Heilpraktikers Josef-Karl Graspeuntner, den „Fachbereichsleiter für Theorie und Praxis der Homöopathie“ der Homöo-Akademie Traunstein:

„… Trotzdem werden Hochpotenzen, wie die C 1000 oder C 10.000, von manchen Therapeuten bei schweren Erkrankungen jeden 2. Tag – oder einmal wöchentlich gegeben. Dr. Spinedi sah in seiner Klinik, das dies massiv zu Metastasenaussaat bei Krebserkrankungen führen kann – er empfiehlt es nie.”

Ach, und mit niedrigen Potenzen gab es auch noch nie unerwünschte Arzneimittelwirkungen??

Was war dann das (12/2012):

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) will die Registrierung von homöopathischen Arzneimitteln widerrufen, die Schimmel- und Hefepilzextrakte in niedrigen Potenzen enthalten. Die Behörde begründet diesen Schritt damit, dass die Extrakte in diesen Arzneimitteln so hoch konzentriert sind, dass sie Allergien auslösen können. Um unerwünschte Immunreaktionen auszuschließen, sollen daher entsprechende Homöopathika bis zu einer Potenz von D8 vom Markt genommen werden.

Dem BfArM liegen zwei Fallberichte vor, in denen es nach Einnahme des Präparats Notakehl® zu einer akuten interstitiellen Nephritis kam. Dabei handelt es sich um eine entzündliche, häufig allergisch bedingte Nierenerkrankung. Notakehl ist eine homöopathische Zubereitung aus dem Schimmelpilz Penicillium chrysogenum. Bei bekannter Penicillin-Überempfindlichkeit ist die Einnahme kontraindiziert. In dem einen, erst kürzlich in der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift« publizierten Fall, erhielt eine 70-jährige Patientin das Präparat Notakehl D4 auf Anordnung ihres Hausarztes, obwohl bei ihr ein Jahr zuvor eine Behandlung mit Penicillin aufgrund einer Allergie abgebrochen werden musste. Infolge der sechsmonatigen Notakehl-Einnahme kam es bei der Patientin zu einem akuten Nierenversagen infolge interstitieller Nephritis (doi: 10.1055/s-0030-1255140).

Nach dem Willen des BfArM sollen alle homöopathischen Arzneimittel vom Markt genommen werden, die folgende Ausgangsstoffe bis zu einer Potenz von D8 enthalten: … WEITER

Vergessen? verdrängt? zurückgezogen?

Jedenfalls findet man sowohl in Internet-Apotheken als auch beim Hersteller Sanum-Kehlbeck, der sich voll und ganz der Isopathie widmet, noch viele der Mittelchen und Ausgangsstoffe ab D 3.

UPDATE:

Der Pressesprecher des BfArM hat hier in einem Kommentar klargestellt, dass sich auch die niedrigen Potenzen (im Zitat ganz oben) einzig und allein auf die massive Metastasenaussaat bezogen. Somit ging es nicht darum, dass es generell keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei Niedrigpotenzen gäbe.

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4 Gedanken zu “BfArM verheimlicht nun Warnung vor bestimmten homöopathischen D-Potenzen von 2012?

  1. Eine Anmerkung zum Zitat von Graspeuntner:

    Egal welche Hochpotenzen und egal wie viele Globuli davon ein Homöopath täglich verabreicht, es handelt sich immer nur um reinen Zucker und absolut null Ausgangsstoff. Wenn es zu einer „massiven Metastasenaussaat “ kommt, dann immer nur, weil eine effektive medizinische Behandlung ausblieb, oder weil die Krebserkrankung so weit fortgeschritten ist, dass auch effektive Therapien nicht mehr helfen können, oder dass es sich um eine Krebsform handelt, bei der es sowieso schlechte Chancen auf Heilung gibt.

    Was hier von Graspeunter wiedergegeben wird, ist nichts anderes als ein hömöopathischer Infight, nach dem Motto: wer ist der beste Krebsheiler mit NICHTS an Wirkstoff! Dass dazu schlimmste Nebenwirkungen aus der Kiste gezogen werden, spricht wohl Bände.

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  2. Aus Sicht des BfArM weise ich darauf hin, dass sich die hier zitierte BfArM-Antwort ausschließlich auf die uns von Dr. Kuhn gestellte Frage bezieht, ob dem BfArM Verdachtsmeldungen zu Metastasenaussaat durch homöpathische Hochpotenzen vorliegen. Das BfArM hat auf diese Frage geantwortet: „Im Rahmen der Überwachung von Arzneimittelnebenwirkungen zu homöopathischen Arzneimitteln sind uns weder zu niedrigen, noch zu Hochpotenzen unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW), wie z.B. eine massive Metastasenaussaat bei Krebserkrankungen, gemeldet geworden.“ Diese Antwort ist von Dr. Kuhn auch an anderer Stelle so veröffentlicht worden.
    Im Artikel des Autors „Elke“ wird nun ein Zusammenhang mit einer Maßnahme des BfArM aus 2012 zu Schimmel- und Hefepilzextrakten in niedrigen Potenzen hergestellt. Dieses Verfahren steht jedoch nicht im Zusammenhang mit der von Dr. Kuhn angesprochenen Fragestellung nach Metastasenaussaat durch homöpathische Hochpotenzen. Informationen dazu sind auf der BfArM-Internesteite veröffentlicht:
    http://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/DE/RV_STP/stp-penicillium-neu.html
    Mit freundlichen Grüßen, Maik Pommer, Pressesprecher BfArM

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    • Sehr geehrter Herr Pommer,

      danke für Ihre Klarstellung.

      Zu den Schimmel- und Hefepilzextrakten in niedrigen Potenzen lese ich in Ihrer verlinkten Pdf den Widerruf für z.B. „Mucor mucedo in allen Zubereitungen“ und „Mucor racemosus in allen Zubereitungen“. Wie kann es dann sein, dass Sanum-Kehlbeck dazu unter der Bezeichnung „Mucokehl®“ noch viel zu bieten hat?
      http://www.sanum.com/22/produkte:2.html

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      • @Elke,
        das kann ggf. kommerzielle Gründe haben. Schau Dir mal das Netzwerk genauer an welches hier aktiv ist. Stichwort Sanum, Akademie IM Leben Greiz, Paracelsus Academy Schweiz. In einer Melange anerkannter Therapieverfahren und quacksalbenden Hokuspokus ist hier einiges vertreten was die Kassen klingen läßt. Für einige Präparate besteht keine Zulassung in Deutschland – na und, wird man eben Globalplayer, das Zeugs kommt schon zum Kunden, und wenn es über den einfältigen Heulpraktiker sein sollte. Darüber hinaus läßt sich mit Kursen und Schulungen eine Menge Geld verdienen, darüber auch ein recht schlichtes Gedankenspiel sogenannter alternativer Angebote etablieren. Geschädigter kann der Patient sein. Mitunter erliegen Krebspatienten ihrem Leiden und werden somit kaum Gelegenheit zur Klage haben.
        http://www.medizin-imleben.de/index.php/therapien-heilverfahren/biologische-krebstherapie/
        Meine Glaskugel hatte mir verraten, dass in diesem Kontext schon Vasallen dieses Gewölles auf ihren Besen bei Hogwards an der Oder – auch Viadrina genannt – gesichtet wurden. 😉

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