Kindeswohlgefährdung durch Psychogruppen und religiöse Fundis nehmen Ämter kaum wahr


Ein sehr interessantes Interview bei TELEPOLIS mit der Weltanschauungsbeauftragten der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zu „Sekten“ und Kindswohlgefährdung, fehlenden Info-Stellen und fehlendem Personal, und der Ignoranz und dem mangelnden Wissen bei Ämtern.

Religion zum Wohl – oder Unwohl – des Kindes

„Das Kindeswohl gegen religiöse Vereinnahmung und Einschränkung zu verteidigen, halte ich für eine der wichtigsten und zugleich unersprießlichsten Aufgaben in meiner Arbeit. Man erreicht mit sehr viel Aufwand oft sehr wenig und macht sich die erbittertsten Feinde.“

Das sagt die evangelische Pfarrerin Annette Kick – und zwar bei einem Vortrag auf einer Jahrestagung der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Die Tagung stand unter dem Thema: „Zwischen Anpassung und Emanzipation. Kindererziehung in religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften“. Vorträge dieser Tagung werden im EZW-Text 225 unter dem Tagungstitel zusammengefasst.

Frau Kick, Sie schreiben, dass es in Ihrem Bereich wichtig und schwierig ist, das Kindeswohl zu verteidigen, dass man wenig erreicht und sich Feinde macht. Warum ist das so?

Annette Kick: Das hat mehrere Gründe. Wenn es um Sorgerecht und Kindeswohl geht, stehen vor allem zwei Grundrechte gegeneinander: auf der einen Seite meist das Grundrecht auf freie Religionsausübung der Eltern bzw. eines Elternteils. Und auf der anderen Seite das Kindeswohl, das weltanschaulich neutral zu formulieren ist, also das Recht auf freie Entfaltung, das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit und so weiter. Vor der Religionsfreiheit haben aber gerade Ämter viel Respekt und wollen da nicht in Konflikte kommen.

Nun aber sind wir eine kirchliche, also religiös motivierte Beratungsstelle und müssen weltanschaulich neutrale Ämter an die Grenzen der Religionsfreiheit erinnern. Das ist eine komplizierte Ausgangslage.

Wenn es um das Kindeswohl geht, dürfen wir unabhängig von dem, was wir theologisch von einem religiösen Angebot halten, nur das berücksichtigen, was gegen allgemein gesellschaftlich anerkannte und staatlich vorgegebene Rechte des Kindes verstößt. Denn wir können sofort verdächtigt werden, aus Konkurrenzgründen zu argumentieren: Also, dass wir religiöse Gruppen kritisierten, um ein religiöses Monopol zu stützen.

Da merken wir auch allmählich die Säkularisierung: Früher hat man nicht trotz, sondern wegen des kirchlichen Hintergrunds unseren Stellungnahmen fast immer ein vertrauenswürdiges und seriöses Interesse unterstellt. Aber das ist jetzt nicht mehr so selbstverständlich. Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall. Da wird dann auch mal eine Stellungnahme als „nicht objektiv“ weggewischt, weil im Briefkopf „Evangelische Landeskirche“ steht.WEITER

Ein Gedanke zu “Kindeswohlgefährdung durch Psychogruppen und religiöse Fundis nehmen Ämter kaum wahr

  1. Unsere Gesellschaft ist sehr wohl in der Lage mit dem Leid der Kinder in totalitären Systemen zu fühlen wenn diese global weit entfernt oder/ und in der Zeit zurückliegen. Das Leid der Kinder in totalitären, pseudoreligiösen oder psychokultischen Gruppen mitten in unserer Gesellschaft hingegen kratzt nur allzudicht an der eigenen Komfortzone und wird bei den meisten schlichtweg verdrängt.
    Wie sonst war es möglich, das Akten der Lonnerstädter Kinder gelöscht werden konnten? Zu unbequem? Die Kinder der Sektengemeinschaft „Zwölf Stämme“ – erst ein beherzter Journalist deckte diesen Skandal auf. Die Nachbarn sahen zwar diese „Sonderlinge“, sensibilisiert waren sie dafür nicht und noch weniger wussten sie sicher davon, dass es in Sachsen Anhalt eine staatliche Kontakt- und Beratungsstelle gibt. Kinder, deren Eltern (-teile) im Esoterikmarkt versunken sind und lieber einem spirituellem Hype nach dem anderen hinterherhetzen und darüber die Sorge um die eigenen Kinder vergessen oder diese schlimmstenfalls mit ihrem Aberglauben indoktrinieren.
    http://www.youtube.com/watch?v=Tnj6COmS4ow – diesen Brückenschlag erlaube ich mir.

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