Homöopathie für Tiere – Alles für die Katz!


Aus ZEIT-online von 2010:

„In der Datenbank, in der die Carstens-Stiftung bis jetzt rund 250 veterinärhomöopathische Studien zusammengetragen hat, finden sich bisher gerade einmal fünf Untersuchungen, bei denen Hahnemanns Arzneien gegen Placebos und eine nicht weiter behandelte Kontrollgruppe getestet wurden. Das Ergebnis dieser fünf Studien fällt überwiegend negativ für die Homöopathie aus.“

Alles für die Katz?

Auch bei Haustieren helfe Homöopathie, so argumentieren viele Anhänger. Experimente zeigen, was bei Hund, Katze und Pferd tatsächlich wirkt VON FRANZISKA BADENSCHIER

Globuli für Haustiere sind en vogue. Dutzende Bücher über Homöopathie für Hund, Katze, Pferd und andere Haustiere gibt es – vom Nachschlagewerk bis zum Schmunzel-Ratgeber mit Cartoons. Mittlerweile bieten sogar einige Volkshochschulen Homöopathiekurse für Tierhalter an. Doch nicht nur bei Herrchen und Frauchen sind Tropfen und Globuli beliebt. Jeder zweite deutsche Tierarzt arbeite nach Hahnemanns Lehre, schätzt der Tierhomöopath Stefan Wesselmann aus Wallhausen in Baden-Württemberg. Und 217 der rund 17.000 in Deutschland praktizierenden Tierärzte führen laut Bundestierärztekammer die Zusatzbezeichnung »Homöopath«. Dieser Titel wird nach einer mehrjährigen Weiterbildung und einer Abschlussprüfung vor der zuständigen Landestierärztekammer vergeben.

Wie groß die Nachfrage nach den Kügelchen und Tropfen für das Haustier ist, verdeutlichen Zahlen der Firma Heel, die zu den weltweit größten Herstellern homöopathischer Arzneimittel gehört: Jede zehnte Packung, die verkauft wird, ist für Tiere gedacht. Dabei hat Heel gerade einmal 30 Veterinär-Homöopathika neben 600 Human-Präparaten im Sortiment.

Widerlegt das nicht alle Kritik an der Kügelchen-Medizin? »Die Tatsache, dass unsere Präparate hervorragend bei Tieren wirken, ist ein Argument gegen Placebo-Effekte«, heißt es etwa beim Hersteller Heel. Das sehen auch viele Anhänger der Homöopathie so. Schließlich könne man Tieren nicht einreden, dass eine homöopathische Arznei besser sei als ein Scheinmedikament; deshalb könne bei ihnen auch nicht die Rede von einem Placebo-Effekt sein. Ergo sei das der beste Nachweis, dass die Globuli unabhängig von jeder Erwartungshaltung wirkten.

Das klingt schlüssig. Allerdings hat diese Logik eine Schwäche: Tiere sprechen nämlich durchaus auf Scheinpräparate an, wie der Harvard-Psychologe Richard J. Herrnstein schon vor fünf Jahrzehnten nachwies. Nachdem er seine Versuchsratten entsprechend konditioniert hatte, reichte bereits das Verabreichen einer Spritze, um eine biologische Wirkung zu erzielen – unabhängig davon, ob sie einen Wirkstoff oder reine Kochsalzlösung enthielt … WEITER

Bei Tieren kann es keinen Placeboeffekt geben – ein Beweis für die Homöopathie?
Vorsicht Tierheilpraktiker – Quacksalberei an Tieren
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3 Gedanken zu “Homöopathie für Tiere – Alles für die Katz!

  1. Ich finde, zwei wesentliche Punkte sind nicht erwähnt (oder hatte ich sie überlesen?):
    1. Wie werden Arzneimittelprüfungen an Tieren durchgeführt? Oder werden einfach die für Menschen übernommen?
    2. Wie macht man die Anamese beim Tier? Der Mensch wird eine Stunde lang ausgefragt, das Tier auch?

    Aus meiner Sicht entspricht dieses Vorgehen der Tierhomöopathie nicht dem, was im heiligen Organon vorgeschrieben ist. Damit müsste es aus der Sicht eines ernsthaften Homöopathen abgelehnt werden. Aber Geld verdienen geht wohl vor.

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  2. Da hast Du im Prinzip natürlich Recht, aber bedenke, Babys können auch keine Arzneimittelprüfungen machen und eine Anamnese geht bei ihnen auch nicht. Hier macht man dann eben eine Scheinanamnese und befragt die Mutter bzw. den Tierhalter. Außerdem dürfte es nach Hahnemann überhaupt keine Kompexmittelhomöopathie geben und auch keine D-Potenzen, die Reste vom Wirkstoff enthalten. Ein klassischer Homöopath setzt in der Regel Potenzen ab C 200 ein, wenn er die Sache ernst nimmt. Auch homöopathische Hausapotheken und alle neuen Richtungen der Homöopathie sind eine Beleidigung für Hahnemann und trotzdem verweist jeder auf ihn. Die niedrigen D-Potenzen und Komplexmittel werden ja rein allopathisch angewendet und beziehen sich wie Medikamente auf bestimmte Wehwehchen. Damit wird ja massig Kohle gemacht. Ohne diese Mittelchen wäre der Produktverkauf Globuli wesentlich geringer. Homöopathie und Hahnemann sind eben Werbeetiketten, die Erfolg versprechen.

    Bei den Texten im Artikel geht es um die gesamte Homöopathie, nicht nur die klassische und ja speziell um den Placebo-Effekt und den Nachweis, dass dieser bei Tieren existiert. Somit ist das Argument für alle Homöopathen und Anhänger hinfällig, die meinen, es sei der Beweis für Homöopathie, dass es bei Tieren wirke. Ferner heilen die meisten Krankheiten auch bei Tieren von selbst aus, das kommt ja noch dazu.

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  3. Einmal mehr und zum wiederholten Male: Auch Tiere verfügen, so wie wir Menschen, über ein selbsttätig wirkendes Immunsystem. Dieses System ist die Ursache für die meisten Heilungen.

    Sollten Sie trotzdem Ihr Lieblingstier mal einem Tier-Homöopathen anvertraut haben, der Ihnen für die Behandlung, sagen wir mal, 100 Euro Honorar abverlangt, dann geben Sie ihm einfach einen Euro und empfehlen ihm, diesen Euro doch durch Schütteln und Klopfen zu potenzieren. Dies nach dem Hahnemann’schen Prinzip ähnliches mit ähnlichem zu behandeln.

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