Vorsicht Tierheilpraktiker – Quacksalberei an Tieren


 

Ja, ja, der Tierheilpraktiker und Deutschland … In Österreich ist der „Beruf“ nach dem Tierärztegesetz verboten und gilt als Kurpfuscherei.

Colin Goldner hat sich bereits 2006 in einem Buch über die Gilde ausgelassen.

Der Beruf des „Tierheilpraktikers“ ist in keiner Weise reguliert: es gibt keine Aus- und Fortbildung, keine Qualitätskontrolle, keinen Schutz bei „Kunstfehlern“. Dabei ist das Angebot genauso groß (und unübersichtlich) wie auf dem Feld der „Humanheilpraktiker“. Colin Goldner wirft einen Blick auf diesen Beruf, die dort gepflegten Vorstellungen und den entstandenen Markt. Anhand ausgewählter Beispiele zeigt er die engen Grenzen solcher Behandlungsmöglichkeiten auf und ruft ins Bewußtsein, welche unvorstellbaren Quacksalbereien dort an Tieren praktiziert werden. Das Buch soll die Strukturen dieser Szene aufzeigen sowie Tierhaltern Informationen geben, wie sie unseriöse Angebote erkennen (und meiden) können.

In „Vorsicht Tierheilpraktiker“ lässt sich auch nachlesen, welche Behandlungs- und Diagnoseverfahren zur Anwendung kommen:

Aderlass/Schröpfen / Aloe Vera / Anthroposophische Heilkunde / Aromatherapie / Astrologie / Aura-Healing / Bach-Blütentherapie / Baunscheidtieren / Biochemie nach Schüßler / Bioresonanztherapie / Blutegeltherapie / Cantharidentherapie / Craniosakraltherapie / Edelstein-/Kristalltherapie /. Eigenblut-/Ozontherapie / Energetisiertes Wasser / Farbtherapie / Feng Shui / Homöopathie / Irisdiagnostik / Isopathie nach Enderlein / Kinesiologie / Kirlian-Photographie / Magnetfeldtherapie / Mondphasentherapie / Neuraltherapie / Numerologie / Organo-/Zelltherapie / Physiotherapie/Massage / Phytotherapie / Radiästhesie / Reflexzonentherapie / Reiki / Shiatsu/Akupressur / Silberkolloidtherapie / Spagyrik /Clustermedizin / Synergistische Nahrungsergänzungsmittel / Systemaufstellung / Tachyonen / Tierkommunikation / Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)/Akupunktur / TTouch / Urintherapie / Verhaltenstherapie/Tierpsychologie.

Im Prinzip natürlich nichts anderes als die Palette an Quacksalber-Methoden, die man vom Human-Heilpraktiker kennt und je höher der Zulauf hier desto mehr auch im Bereich Tier. Wobei es zur Pseudoversorgung von Tieren nicht einmal einer wie auch immer gearteten „Prüfung“ bei einem Veterinäramt bedarf. Dass immer mehr Menschen die Gesundheit ihrer Tiere so fahrlässig aufs Spiel setzen, die ansonsten nicht selten eine bessere Pflege als Kinder erfahren, liegt an den verbreiteten Missinformationen, die bereits beim äußerst lukrativen Geschäftsmodell „Ausbildung zum Tierheilpraktiker“ beginnen. Hauptakteure sind hier Institute, die Fernlehrgänge anbieten und die sich teilweise sogar erdreisten, sich als einzige zu bezeichnen, die staatlich zugelassen und kontrolliert seien. Zulassung und Kontrolle beziehen sich jedoch ausschließlich auf die „Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht“, deren Absegnung gegen Gebühren jedes entsprechende Unternehmen braucht, um öffentlich Werbung betreiben zu dürfen. Damit soll gewährleistet werden, dass sich Teilnehmer darauf verlassen können, dass die Firma auch liefert was angeboten wird. Die sogenannte „Lehrgangsplanung“ muss passen. Ergo, die Zentralstelle hat mit der inhaltlichen Ausrichtung der einzelnen Fernlehrgänge überhaupt nichts zu schaffen und alle Anbieter sind gesetzlich zu dieser Zulassung VERPFLICHTET, ansonsten drohen Bußgelder zwischen 1000 und 10.000 Euro, weil ordnungswidrig gehandelt wurde.

Dieser Verbraucherschutz scheint sich ja nicht einmal um die unlauteren Werbetexte der Branche zu kümmern, die die Verpflichtung verschweigen, bzw. so tun als sei es etwas besonderes eine staatliche Zulassung erhalten zu haben, was eindeutig doppelt in die Irre führt. Desweiteren wird auch im Rahmen der Quacksalber-Angebote auf staatliche Förderprogramme und Bildungsgutscheine aufmerksam gemacht, die es natürlich gibt, was allein schon ein Skandal ist und der Volksverdummung Vorschub leistet. Der Zusatzerwerb besonderer Zertifikate übergeordneter Verbände, teilweise mit exklusiven Zusatzbezeichnungen und angeblich zur Qualitätssicherung, sind alle das Papier nicht wert, denn dahinter stecken reine Quacksalberverbände. Auch hierfür gibt es natürlich keine staatliche Anerkennung.

Man kann es also niemandem übel nehmen, der sich für entsprechende „Ausbildungen“ interessiert. Beim Tierheilpraktiker werden teilweise auch noch durchschnittliche Verdienstperspektiven im Internet angegeben, die im Vergleich zum Verdienst eines Tierarztes (2500 Euro) bei 2100 Euro liegen sollen . Die geringe Spanne suggeriert natürlich wesentlich mehr als ein lukratives Nebeneinkommen. Man muss doch annehmen, dass man nach so einem läppischen Fernkurs und ein paar Praxistagen nicht wesentlich weniger qualifiziert sei als ein Tierarzt, der Jahre lang studiert hat.

Also muss es heißen: Vorsicht Tierheilpraktiker und Vorsicht Tierheilpraktikerausbildung!

4 Gedanken zu “Vorsicht Tierheilpraktiker – Quacksalberei an Tieren

  1. Kein Zweifel ! Deutschland hat ein akutes Bildungsproblem. Wer sein Tier nämlich einer Person anvertraut, die sich selbst veterinärmedizinisches Fachwissen zuerkannt hat, der muss zweifellos dem Kreis der bildungsfernen und beratungsresistenten Menschheit zugeordnet werden. Während die Regelstudienzeit für einen Tierarzt 5 Jahre und 6 Monate beträgt – nur unwesentlich kürzer als das Regelstudim für einen Hausarzt – kann sich hierzulande jeder Döskopp als Tierheiler aufspielen, ohne dafür wegen Quachsalberei belangt zu werden.

    Da aber in weiten Teilen der Bevölkerung die Sehnsucht betrogen zu werden, stark ausgeprägt ist, haben eben auch die Quacksalber hierzulande aussichtsreiche Berufs- und Karrierechancen. Bekannt ist übrigens, dass schon die alten Römer von dieser Lust betrogen zu werden wussten. Davon zeugt ja auch der lateinische Ausspruch „Mundus vult decipi, ergo decipiatur !“ (Die Welt will betrogen werden, folglich wird sie betrogen !)

    Und so kann es durchaus vorkommen, dass ein versäumtes oder nicht bestandenes Abitur von vielen Eltern heutzutage als gar nicht mal so tragisch empfunden wird. Da heißt es dann schon mal: „Mach dir nichts draus, liebe Tochter, lieber Sohn, du kannst ja immer noch Tierheiler werden !“

    Ist doch irgendwie tröstlich, das zu wissen. Finden Sie nicht auch ?

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  2. Pingback: Homöopathie für Tiere – Alles für die Katz! | Ratgeber-News-Blog

  3. http://dokumente.linksfraktion.net/drucksachen/7715254303_1605504.pdf

    http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/13/028/1302824.pdf

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/055/1605573.pdf

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/055/1605504.pdf (siehe erster genannter Link oben)

    Überdies lässt sich recht gut nachlesen, welche Stellungnahmen zum Beispiel zur Alternativmedizin, Esoterik, Homöopathie, ect vorliegen. Einfach mal das Suchfeld unter jenem Link bemühen -> http://suche.bundestag.de/search_bt.do

    Mal unter uns, bei einigen Dokumenten lassen sich prima Rückschlüsse zur Lobbyarbeit ableiten, wenn man die Fragestellung, Anfragende und weiteres Auftreten der Anfragenden abgleicht. 😉

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  4. http://www.kursnet.arbeitsagentur.de/kurs/kursDetail.do?seite=1&ue=50&bz=Heilpraktiker&rg=ro&anzahlGesamt=12&doNext=detail&anzahlProSeite=200&anzahlSeite=200&gv=B+81532-900&rs=Berlin&gpBy=gbZiel&ae=46&out=gbZiel

    …. gefördert durch Agentur für Arbeit

    Veranstaltungsort

    Straße des 17. Juni 135
    10623 Berlin
    Telefon: 04192/899558
    Telefax: 04192/8209
    E-Mail: atm@atm.de

    Beginn: Auf Anfrage
    U-Form: Auf Anfrage
    Kosten: 8.811,25 EUR
    Kosten-Bemerkungen:
    Variiert
    Förderung: Förderung mit Bildungsgutschein

    Bildungsanbieter

    Akademie für
    Tiernaturheilkunde
    ATM GmbH
    24576 Bad BramstedtTelefon: 04192/899558
    Telefax: 04192/8209
    E-Mail: atm@atm.de
    Internet: http://www.atm.de

    Ein Blick auf die Ausbildungsangebote genannter „Akademie“ spricht Bände und knapp 9.000 Euronen vom Arbeitsamt …… Das halte ich persönlich für Veruntreuung von Geldern!!!!

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