Rezension: „Gibt es Gott und wenn ja, warum nicht?“ von Uta Griechen und Johannes Schneider


In einem religionsphilosophischen Briefwechsel zwischen der atheistischen Biochemikerin Uta Griechen und dem katholischen Religionslehrer Johannes Schneider wird die Frage gestellt: „Gibt es Gott und warum nicht?.“ Mit dem Untertitel „Atheistin und gläubiger Katholik im Briefstreit“ erschien dieser Diskurs, basierend auf einem realen Briefwechsel zwischen 2009 und 2011, im Jahre 2013 im Tectum Verlag, Marburg. Anlass für den Austausch bot die Lektüre eines Buches des Religionslehrers durch die Koautorin, dessen bibliographische Angaben leider nicht erwähnt werden, wohl weil der Autor nicht unter seinem Realnamen erscheinen will (vgl. S. 14).

Der Titel greift, nicht ungeschickt, die gegenteiligen Positionen der beiden Kontrahenten auf, wenn auch durch die Formulierung die atheistische Position in gewisser Weise das letzte Wort behält. Dass die Kontroverse letztlich nicht zu einem greifbaren Ergebnis führt, indem der einer der beiden Recht behält oder klein beigibt, liegt auf der Hand. Schließlich können der Glaube oder die Existenz Gottes nicht widerlegt noch bewiesen werden, da sie sich einer rationalen Beurteilung naturgemäß völlig entziehen müssen. Was das Bändchen naturgemäß nicht sein will und sein kann, ist eine Art Entscheidungshilfe für den quasi unentschlossenen Leser, der ergebnisoffen eine Orientierung für sein eigenes Leben sucht. Somit bleibt das Unternehmen ein intellektuelles Spiel mit der Plausibilität der Überzeugungen der beiden Briefschreiber. Die Leser werden sich in ihrer jeweiligen Position wohl eher bestärkt fühlen, als einer Argumentation zu folgen, die ihrer ursprünglichen Haltung widerspricht. Gleichzeitig gibt die Kontoverse ein Psychogramm der beiden Autoren bei der Argumentationsweise ihrer jeweiligen Positionen und der Art, wie sie mit ihrem Kontrahenten umgehen. Beide nehmen dabei eine klare Position ein. Während Johannes Schneider ein recht kirchentreuer, orthodoxer Schreiber ist, der die katholischen Dogmen und Glaubensüberzeugungen samt und sonders verteidigt und rechtfertigt, verficht die Autorin einen streitbaren Atheismus, der freilich manchmal der Tendenz erliegt, die Kontroverse unter den Etiketten intellektuell versus unmündig, Wissen versus Aberglauben, Faktizität versus Hirngespinst zu subsumieren. Zwar ergibt sich im Laufe des Briefwechsels ein freundschaftliches Verhältnis der beiden Kontrahenten, doch durchzieht den Dialog eine gewisse freundliche Herablassung gegenüber dem katholischen Briefpartner, die freilich gerade durch dessen kirchenfromme, dogmen- und wundergläubige Position besonders herausgefordert wird.

Es fällt weiter auf, dass die Autorin mittels vieler Zitate eine Vielzahl gewichtiger, religionskritischer Denker von der Antike bis zur Gegenwart hinter sich versammelt und an deren Spitze streitbar zu Felde zieht.

Alles in allem ist das Buch ein unterhaltsamer, stellenweise witziger Diskurs zwischen zwei religiös-philosophisch interessierten Menschen, die es verstehen, über alle Kontroversen hinweg eine freundschaftliche persönliche Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Das Buch ist keine Lektüre für einen Leser, der eine fundierte religiöse oder philosophische Diskussion erwartet, sondern für jemanden, der bereit ist, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, dabei aber auch unterhalten werden will.

„Gibt es Gott, und wenn ja, warum nicht? – Atheistin und gläubiger Katholik im Briefstreit“ erschienen im Tectum Verlag

Ein Gedanke zu “Rezension: „Gibt es Gott und wenn ja, warum nicht?“ von Uta Griechen und Johannes Schneider

  1. Was für eine Frage ? Ist doch klar, dass es keinen Gott gibt, oder ist irgendjemand anderer Meinung ?

    Haben Sie’s auch schon bemerkt ? Bei Fußballspielen kann man es häufig erleben, dass sich Spieler vor dem Betreten des Spielfeldes bekreuzigen. Sie tun dies in der Hoffnung, dass der liebe Gott – wenn es ihn denn gibt – ihrem Team den Sieg bescheren möge. Es bekreuzigen sich aber nicht nur die Spieler einer Mannschaft, sondern auch deren jeweilige Gegner. Dieses Verhalten muss doch den lieben Gott unter Garantie in höchstem Maße verwirren. Wem soll denn nun der angebliche Schöpfer von Himmel, Erde und des gesamten Kosmos seine besondere Gunst schenken ? Der Mannschaft in den roten Hemden, oder deren Gegner im blauen Trikot ?

    Was kann man an diesem Beispiel ablesen und erkennen ? Nun, es zeigt sich aufgrund dieses allseitig praktizierten Bekeuzigungsrituals, dass die betreffenden Spieler weder den Kern der göttlichen Botschaft noch den der Religion unterstellten Sinn für Ethik und Moral begriffen haben. Es zeigt sich bei dieser Handlungsweise lediglich ein selbstsüchtiges und egoistisches Wunschdenken, wobei man sich mit Hilfe eines praktizierten Rituals einen Vorteil erhofft oder gar erwartet. Ist das der wahre Sinn einer religiösen Handlung, sich einen Vorteil zu verschafffen ?

    Das hier dargestellte Beispiel ist letztlich ein beredter Beweis dafür, dass der Gottglaube – und alle damit verbundenen Rituale – nichts anderes sind, als ein verlogener, hohler Popanz. Ein Popanz, der dazu angetan ist, das gutgläubige Volk in Abhängigkeit zu halten, weil es sich im Zustand religiöser Verblendung (oder hätte ich vielleicht Verblödung schreiben sollen ?) leichter manipulieren lässt. Um diesen Zustand zu erreichen und zu erhalten, wurden Rituale, wie z.B. das Beten und das Bekreuzigen erfunden. Solche suggestiv und hypnotisch wirkenden Rituale sind ein probates Mittel, die Gottgläubigen zur Selbsttäuschung anzuleiten. Und – wie man sieht: Dieser Trick funktioniert noch immer glänzend. Lediglich einigen zum eigenständigen Nachdenken befähigten Individualisten ist es gelungen, ihren Kopf von religiösen Beeinflussungsmechanismen zu befreien und sich diesen Manipulationsversuchen zu entziehen. Diese Menschen leben übrigens genauso nach ethischen und moralischen Grundsätzen und sind somit auch gottlos glücklich.

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