Esoterikbranche glaubt selbst nicht an ihr „Produkt“


Nur ein Geschäft

Esoterikbranche glaubt selbst nicht an ihr „Produkt“

Die Geschäftemacher glauben nicht an Esoterik, sondern „transformieren das Geld ihrer Kunden in bare Energie“, so der österreichische Psychologe Johannes Fischler.

„Wir haben eine hochnarzistische Gesellschaft“, sagt er. Im Esoterischen könne „man von sich behaupten, man sei ein atlantischer Wiedergeborener oder ein Lichtarbeiter der neuen Zeit“. Die Umsätze der Esoterikbranche wachsen: 2000 waren es 9 Milliarden Euro, 2010 bereits 20 Milliarden; für 2020 werden 35 Milliarden Euro prognostiziert.

Immer mehr glauben an Wunder und Wiedergeburt
Esoterische Vorstellungen sind bundesweit auf dem Vormarsch. So zeige sich inzwischen jeder vierte Deutsche aufgeschlossen gegenüber Wunder- und Geistheilern, meldet im Mai 2013 die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ unter Berufung auf Zahlen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (Allbus).

Demnach halten 40 Prozent der Bevölkerung etwas von Astrologie oder New Age, mehr als die Hälfte äußern Sympathie für Anthroposophie und Theosophie. Im Westen Deutschlands liegen laut Studie die Zustimmungswerte höher als im Osten. Jeder zweite Westdeutsche glaube an Wunder, ungefähr jeder Vierte an die Wiedergeburt.

VIDEO zum BEITRAG

Johannes Fischler: „New Cage – Esoterik 2.0. Wie sie die Köpfe leert und die Kassen füllt“

4 Gedanken zu “Esoterikbranche glaubt selbst nicht an ihr „Produkt“

  1. Selbstverständlich wissen die meisten Esoterik-Anbieter, wie z.B. die Dach-Organisation „Questico“, dass sich in ihrem Kreise lauter bekloppte Kleinstunternehmer wie Astrologen, Kartenleger, Wahrsager, Geistheiler, Lichtarbeiter usw. tummeln. Einige dieser selbsternannten Menschheitsbeglücker glauben allerdings tatsächlich an ihre übersinnlichen Fähigkeiten. Wenn sie dann auf Kunden mit einem identischen Intelligenz-Level treffen, steht der Geschäftsbeziehung nichts mehr im Wege.

    Für auf dem Boden der Realität stehenden Leute, die mit der Esoterik rein gar nichts am Hut haben, ist es fast schon eine Zumutung, dass sie gezwungen sind, die gleiche Luft atmen zu müssen, wie diese im Geiste total verarmten Esoterik-Gläubigen. Man könnte wirklich den Glauben an die Menschheit verlieren, wenn man das Ausmaß sieht, welches der Esoterik-Wahn im angeblich aufgeklärten 21.
    Jahrhundert bereits angenommen hat.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass der technologische Fortschritt der Menschheit doch sehr beachtlich ist und einen ziemlich hohen Stand erreicht hat. Der geistige und philosophische Fortschritt hingegen scheint offenbar im tiefsten Mittelalter stehen geblieben zu sein.

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  2. Zahlen die überhaupt Steuern? Immerhin werden für „Energieausgleich“ und sogenannte „Spenden“ in der Regel keine Quittungen und Belege ausgestellt. Überhaupt läge in überwiegenden Fällen ein Sittenwiedriges Rechtsgeschäft vor (http://dejure.org/gesetze/BGB/138.html). Der Fiskus dürfte demnach daraus keinen Ertrag für sich erzielen – oder sehe ich da was falsch? Wäre doch mal Grund für eine Anfrage an das zuständige Resort, Wirtschaft/ Finanzen der künftigen Regierung. 😉 Bei sogenannten esoterischen „Therapien“ gibt es nicht wie bei ärztlicher Therapie üblich eine Dokumentationspflicht (siehe Heilpraktikerunwesen).

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    • Das betrifft doch alle reinen Dienstleistungen und ein Graubereich ist hier immer vorprogrammiert. Da, wie Argus schon sagte, selbst Verstöße gegen HWG und den unlauteren Wettbewerb bei den Staatsanwaltschaften ins Leere laufen, sehe ich da wenig Hoffnung. Wohl gemerkt, z.B. Fernheilung kann mit einem Bußgeld bis 50.000 Euro bestraft werden. Gerade in Bayern hat man nicht einmal ein Anliegen große Steuersünder zu ermitteln, denn es fehlen ganz gewollt ohne Ende Steuerfahnder, die dazu nötig wären.

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  3. @ BSR

    Eine berechtigte Frage, denn es ist zu vermuten, dass die esoterischen
    „Dienstleister“ nicht alle Einnahmen korrekt versteuern. Ob in diesem Falle der Paragraph 138 BGB, der sich auf sittenwidrige Geschäfte beruft, zur Anwendung kommen könnte, müsste man eigentlich vermuten. Ich befürchte jedoch, dass die Gerichte esoterische „Dienstleistungen“ als Grundrecht gemäß § 4 des Grundgesetzes einstufen, welches die Glaubens- und Gewissensfreiheit garantiert.
    Nur in seltenen Ausnahmefällen wurden bisher Anbieter esoterischer
    „Dienstleistungen“ offiziell von der Staatsanwaltschaft angeklagt und verurteilt.

    Vor geraumer Zeit habe ich mal eine Anbieterin der sog. Phi-Lambda-Technology bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, weil sie u.a. einen Aura-Akku-Balance Chip zum Kauf anbot. Mit dem Ergebnis, dass die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren ohne Gründe zu nennen, eingestellt hat. Dieser völlig wirkungslose Aura-Chip ist, obwohl er eine nicht zu beweisende therapeutische Wirkung verspricht, auch heute noch auf dem Markt käuflich zu erwerben. Da bleibt der Verbraucherschutz einmal mehr auf der Strecke.

    Bereits mehrfach habe ich in diesem Blog berichtet, dass es in 2003 einen Entwurf der bayerischen CSU (ausgerechnet von der CSU !) für ein sog. Lebensbewältigungshilfegesetz (Gesetz zur Regelunge des Psychomarktes) gab. Dieser Gesetzesentwurf scheiterte seinerzeit in der rot-grünen Regierung allerdings am Widerstand der Partei Bündnis90/Die Grünen. Deren Verstrickung in okkulte, pseudowissenschaftliche Lehren wie die Homöopathie und die Steinersche Anthroposophie und deren Neigung zur Esoterik ist für mich längst kein Geheimnis mehr. Seitdem habe ich diese Partei nie wieder gewählt. Kurz vor der diesjährigen Bundestagswahl habe ich dem örtlichen CDU-Bundestagskandidaten das Versprechen abgenommen, dass er sich dieser Sache annimmt. Ich werde ihn zu gegebener Zeit an sein Versprechen erinnern.

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