„Homöopathie ist institutionalisierter Geisterglaube“


„Homöopathie ist institutionalisierter Geisterglaube“

Harald Neuber 05.03.2013

Christian Weymayr zu alternativer Medizin, Geisterglauben und Anhängern der Lehre von Samuel Hahnemann
Christian Weymayr hat als Biologe promoviert. Er arbeitet seit 1987 als Wissenschafts- und Medizinjournalist für Unternehmen und verschiedene Medien. Gemeinsam mit Nicole Heißmann erschien von ihm zuletzt das Buch „Die Homöopathie-Lüge“.

Herr Weymayr, es gibt hunderte Bücher zur Homöopathie, darunter auch einige, die sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Was hat Sie dazu motiviert, noch ein Buch zu schreiben?
Christian Weymayr: In der bisherigen Auseinandersetzung ging es vor allem um die Frage, ob homöopathische Arzneien wirken können. Nicole Heißmann und ich handeln das relativ knapp in unserem ersten Kapitel ab. Davon ausgehend zeigen wir, wie etabliert die Homöopathie im Gesundheitswesen ist. Wir kritisieren diese Hinwendung, denn die Homöopathie ist keine Alternative und auch keine Ergänzung zur etablierten Medizin, also keine Medizin auf Augenhöhe, sondern Esoterik. Das war durchaus die Hauptmotivation für dieses Buch.

Bei der Homöopathie geht es im Kern um das sogenannte „Potenzieren“ oder „Dynamisieren“ bestimmter Substanzen. Erklären Sie uns das Konzept doch bitte kurz.
Christian Weymayr: Die Idee des Potenzierens ist, dass man die eigentliche Substanz verdünnt, ihre Wirkkraft aber verstärkt. Auch Samuel Hahnemann …

… der Begründer der Homöopathie …
Christian Weymayr: … wusste, dass die Stoffe soweit verdünnt werden, bis sie quasi nicht mehr vorhanden sind. Aber durch das Reiben und „Verschütteln“, so sagte er, würden geistartige Wirkkräfte frei. Auch aus Substanzen, die im nichtpotenzierten Zustand keine Wirkkräfte haben, also zum Beispiel aus Kochsalz oder Zwiebeln. Das sind Dinge, die man ohnehin in großem Maße zu sich nimmt. Wenn man Homöopathie also für möglich hält, dann muss man akzeptieren, dass es geistartige Wirkkräfte gibt …

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4 Gedanken zu “„Homöopathie ist institutionalisierter Geisterglaube“

  1. Ich habe eine ganz simple Antwort auf die Frage, ob Homöopathie wirkt oder nicht. Die Antwort lautet: Sie wirkt nicht ! Was hingegen in den meisten Fällen wirkt, ist das menschliche Immunsystem, welches rund 80 % aller Krankheiten – vom simplen Schnupfen bis hin zur Krebserkrankung – selbsttätig heilt.

    Worauf führe ich diese Erkenntnis zurück ? Ganz einfach. Die Spezies homo sapiens hätte nicht überlebt, wenn es das Immunsystem nicht gäbe. Unsere steinzeitlichen Vorfahren verfügten schließlich nicht über medizinisches Wissen, wie es den Menschen im 21. Jahrhundert zur Verfügung steht. Die Lebenserwartung unserer Vorfahren lag somit erheblich unter der Lebenserwartung in unserer Zeit. Unsere Urahnen wurden aber immerhin – dank des Immunsystems – so alt, dass sie Nachwuchs zeugen und somit den Fortbestand der Menschheit sichern konnten.

    Ich weiß längst nicht mehr, wie oft ich die hier vorgebrachten Argumente schon in diversen Diskussionen über dieses Streitthema erwähnt habe. So auch in einer früheren Homöopathie-Diskussion im Ratgebernewsblog. Dabei erwähnte ich auch, dass bei mir in 2005 eine Krebserkrankung (Plattenepithelkarzinom in der Leiste) diagnostiziert wurde. Da in meinem Fall der histologische Befund – trotz mehrtägiger, umfassender klinischer Untersuchungen – keinen Hinweis auf den Primärtumor gab, bot sich keine erfolgversprechende Therapie an. Der behandende Professor eröffnete mir daher, dass ich nur noch mit einer Lebenserwartung zwischen 6 bis 12 Monaten rechnen könne. Seine Diagnose lautete: CUP-Syndrom = Cancer unknown primary = Krebs unbekannter Herkunft. Im Internet kann man unter dem Stichwort „CUP-Syndrom“ nachlesen, wie dramatisch sich eine solche Diagnose darstellt, denn die Überlebenschance sind bei dieser Diagnose äußerst gering. So überleben nur 25 % der Patienten das erste Jahr. Als selbst eine PET (Positronen Emissions-Tomographie) in der Uniklinik in Tübingen keinen Hinweis auf einen Muttertumor ergab, äußerte mein Arzt sich vorsichtig dahingehend, dass evtl. auch eine Selbstheilung stattgefunden haben könnte. Wie man sieht, stellte sich die Ahnung des Arztes als richtig heraus, denn inzwischen sind immerhin acht Jahre vergangen, und ich weile immer noch unter den Lebenden.

    Hätte ich mich in 2005 einem Homöopathen anvertraut, hätte dieser mein Überleben unter Garantie als Beweis für die Wirksamkeit homöopathischer Globuli gewertet und dies lauthals als Erfolg verkündet ! Das aber tun die Homöopathen regelmäßig, indem sie solche und ähnliche – einzig und allein durch das Immunsystem bewirkte – Heilungen als Erfolg der Homöopathie verbuchen. Fürwahr, ein gewaltiger Irrtum und geradezu lächerlich anmutender Selbstbetrug ! Es ist mehr als nur bedauerlich, dass es inzwischen eine große Zahl von Ärzten gibt, die sich ebenfalls der Homöopathie verschrieben haben. Als ich meinen früheren Hausarzt mal fragte, weshalb er einem meiner Bekannten ein homöopathisches Mittelchen verschrieben habe, zuckte er mit den Achseln und meinte: „Wenn ich es nicht verschreibe, verschreibt es eben ein Kollege !“ Er bestätigte mir auf Nachfrage aber auch, dass er selbst nicht an die Wirkung homöopathischer Mittelchen glaube. Bleibt zu erwähnen, dass ich meinen Hausarzt unmittelbar danach gewechselt habe !

    Dass es mittlerweile auch homöopathische Mittelchen für Tiere gibt, belegt die Tatsache, dass die Produzenten homöopathischer „Medizin“ jede kommerzielle Chance zu nutzen verstehen. Heilerfolge gibt es auch in dieser Sparte zu vermelden, weil eben auch Tiere über ein selbtheilendes Immunsystem verfügen.

    Als Gipfel des Schwachsinns bewerte ich die Tatsache, dass die Partei DIE GRÜNEN sich zu den Befürwortern der Homöopathie und anderer alterntaive Therapiemethoden bekennt. Nachzulesen in deren Protokoll zur 32. Ordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz vom 19. – 21. November 2010:

    Es folgt ein Zitat aus diesem Protokoll:

    Wir GRÜNE machen uns für die Komplementärmedizin stark.
    Die Komplementärmedizin, wie Homöopathie, folgt dem Bedürfnis vieler Menschen nach einem
    umfassenden Gesundheitsbegriff, danach, dass die Gesamtpersönlichkeit wahrgenommen und
    die Selbstheilungskräfte angesprochen werden.
    PatientInnen sollten daher Wahlmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Behandlungsformen
    haben. Wir Grünen setzen uns dafür ein, dass Naturheilmedizin und komplementärmedizinische
    Angebote einen gleichberechtigten Stellenwert in der gesundheitlichen Versorgung erhalten.
    Auch die Komplementärmedizin muss den Nachweis der Wirksamkeit erbringen, um im
    Solidarsystem neben den schulmedizinischen Verfahren bestehen zu können. Daher setzen wir
    uns dafür ein, geeignete Methoden zum Wirksamkeitsnachweis für die Komplementärmedizin
    zu entwickeln. (Zitatende)

    Man beachte den letzten Satz in diesem Text ! Da es bekanntlich keinen einzigen wissenschaftlich fundierten, evidenzbasierten Wirksamkeitsbeweis für die Homöopathie gibt, fordern Die Grünen, dass dann eben „geeignete Methoden“ (!?) entwickelt werden müßten.“ Mit dem Satz „Auch die Komplementärmedizin muss den Nachweis der Wirksamkeit erbringen“ geben die Grünen indirekt zu, dass sie inzwischen dazu gelernt und erkannt haben, dass es für die Homöopathie überhaupt keine Wirkungsbeweise gibt. Das hat in früheren Verlautbarungen der Grünen noch ganz anders geklungen. Über Abgeordnetenwatch habe ich dann vor geraumer Zeit die NRW-Gesundheitsministerin, Barbara Steffens, zu diesem Thema angeschrieben, worauf sie mir die Antwort gab, wie sie nun im vorerwähnten Protokoll zu lesen ist. Nämlich…dass dann eben Prüfmethoden zu entwickeln seien, die Wirksamkeitsnachweise möglich machen !!! So ein hirnverbrannter Schwachsinn, aber gleichzeitig ein beredter Hinweis auf die Realitätsferne grüner Politiker, was deren Ignoranz im Bereich der Gesundheitspolitik anbetrifft. Ein Super-Beispiel für Freunde satirischer Komik !

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  2. Ich finde es furchtbar wie angebliche Wunderheiler versuchen, Menschen von reellen Krankheiten wie Diabetes oder Krebs zu heilen. Der Esoterik Markt ist ein boomender und erwirtschaftet Umsätze von rund 25 Milliarden im Jahr, Tendenz steigend. jedes Jahr kommen neue Produkte oder Präparate auf dem Markt, die unsere „Leiden“ kurieren sollen. Für viel Geld werden dann beispielsweise auf „Esoterik-Messen“ die Produkte für ungerechtfertigte Preise an den Mann, doch in der Regel an die Frau gebracht. Besonders alte Menschen werden von den Machenschaften der Esoteriker nicht verschont und nutzen die Leichtgläubigkeit dieser Menschen schamlos aus.

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    • Fred, warum nicht gleich 3 Liter? Wo sollte das Problem sein?!

      Q-Potenzen:

      Zunächst wird eine C3-Trituration angefertigt und diese für die Herstellung der Q1 zunächst im Verhältnis 1:500 aufgelöst. Danach wird 1 Tropfen dieser Lösung im Verhältnis 1:100 mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch verdünnt und 100 mal kräftig geschüttelt (nicht 10x wie bei den D- und C-Potenzen). 1 Tropfen dieser Lösung wird auf 500 Mikroglobuli aufgebracht

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