Katholische Kirche: „Pille danach“ – Meisners Alptraum!


Zur Sendung vorgestern bei Jauch:

[…]Wir erinnern uns: Einer vergewaltigten Frau wurde in einer katholischen Klinik in Köln die Behandlung verweigert. Corpus delicti war die „Pille danach“, für die Chefgynäkologen im Vatikan ein Abtreibungspräparat und damit ein No-Go. Lohmann, offenbar genauso kundig in der Biologie wie in der Theologie, erklärte den feinen Unterschied, der für die Kirche eine ganze Lebensanschauung ist: Verhindert eine solche Pille nur die Befruchtung, wäre das noch okay. Zerstört sie aber ein schon befruchtetes Ei, ist sie verboten. Man muss sich diese Haarspalterei auf der Zunge zergehen lassen und sich dazu eine eben misshandelte Frau vorstellen, die voller Angst und mit großen Schmerzen auf eine Behandlung wartet.

Wenn Theologen zu Biologen werden
Doch die Farce bei „Günther Jauch“ ging noch weiter. Minutenlang debattierte die Runde darüber, wie die Stellungnahme des Kölner Erzbischofs Kardinal Meisner nach dem Vorfall zu deuten sei, in der er den Einsatz der Pille unter gewissen Umständen erlaubte. Das gelte nur für einen bestimmten Tablettentypus, da war sich Lohmann sicher, der das schon befruchtete Ei nicht angreife. Aber gibt es ein solches Präparat überhaupt schon auf dem Markt? Ratlose Gesichter allenthalben. Was sich keiner fragte: Wie kann bei diesem Thema die Meinung eines 79-jährigen Mannes wie Meisner maßgeblich sein? Wieso ist der eigentlich nicht schon längst in Pension wie andere Männer seines Alters auch?[…]

Gute Frage, nur nützt es uns wenig, die Anschauung des alten Herren zu ignorieren, solange es der Staat zulässt, trotz staatlicher Vollfinanzierung, dass katholische Unwürdenträger, die im Mittelalter hängen geblieben sind, eine religiöse Ärzte-Ethik definieren können. Betroffen von solchen Auswüchsen sind schließlich nicht nur Katholiken sondern die gesamte Bevölkerung.

Also, was erlaubt nun Meisner und was nicht?

Im Kölner Stadtanzeiger steht dazu heute:

[…]Das Erzbistum Köln zeigt sich einigermaßen überrascht von der hitzigen Debatte. „Um es ganz klar zu machen: Der Kardinal kennt ernstzunehmende Studien, die besagen, dass es eine so genannte ‚Pille danach‘ gibt, die allein die Wirkung hat, eine Befruchtung zu verhindern“, sagte Bistumssprecherin Nele Harbeke zum „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Die Studien besagen, dass diese Pille also nicht nidationshemmend sei, demnach also nicht die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle verhindert.“ Der Kardinal stütze sich bei seiner Entscheidung auf aktuelle medizinische und pharmazeutische Studien und Erkenntnisse, erklärte Harbeke. Es existiere auch eine Stellungnahme des Bundesverbandes der Gynäkologen vom 24. Januar, die zwei entsprechende Präparate nennt. „Herr Lohmann saß auf eigene Rechnung im Studio und nicht im Auftrag des Kardinals“, machte das Bistum deutlich.[…]

Seltsamerweise heißt es in der Stellungnahme des Berufsverbandes der Gynäkologen wirklich: „Wenn der Eisprung bereits erfolgt ist, die Eizelle sich aus dem Eierstock gelöst hat und im Eileiter oder in der Gebärmutter befindet, so verhindert die „Pille danach“ weder die Befruchtung dieser Eizelle noch die Einnistung in der Gebärmutter.“

Genau das stimmt aber so nicht, denn die „Pille danach“ hemmt definitiv auch den Transport einer befruchteten Eizelle im Eileiter und verhindert damit das Einnisten in die Gebärmutter. Eine bereits eingenistete Eizelle wird von der Pille jedoch nicht tangiert.

Ob die Formulierung des Berufsverbandes nur einfach missglückt oder warum auch immer missverständlich ist, wissen die Götter. Für Meisner ist es zwingend relevant, dass es unter keinen Umständen einer befruchteten Eizelle an den Kragen gehen darf, denn genau diese sieht er bereits als Mensch und sie darf sich auch gerne erst im Eileiter oder eben außerhalb der Gebärmutter befinden. Wer es also wagt, die befruchtete Eizelle an der Einnistung zu hindern, betreibt bereits Abtreibung und damit Mord.

Dass aus medizinischer Sicht der „Pille danach“ diese Leistung nicht zugeschrieben wird, ist nicht verwunderlich, denn Schwangerschaft definiert sich durch eine Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter und dazu kommt es erst ca. 9 bis 10 Tage nach der Befruchtung.

Die indizierte Einnahme der Pille beschränkt sich auf 72 Stunden nach Geschlechtsverkehr und sie wirkt wie folgt:

Findet der Eisprung erst nach 5 Tagen dieses Missgeschicks statt, kann es immer noch zu einer Schwangerschaft kommen. Spermien überleben 3 bis 5 Tage im Eileiter und befruchten dann die Eizelle. Genau hier setzt die Wirkungsweise bei der „Pille danach“ an.

Das gestagenartige Hormon Levonorgestrel verhindert unabhängig vom Zyklustag der Einnahme die Reifung der Eizelle sowie den Eisprung unter der Voraussetzung, dass dieser noch nicht stattgefunden hat. Der Transport der Eizelle im Eileiter sowie die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter werden mit diesem hochwirksamen Medikament verhindert.

Die Pille danach ist keine Abtreibungspille wie, z. B. das Präparat Mifigyne. Sie wirkt nicht, wenn sich das Ei bereits in der Gebärmutter eingenistet hat, da die Wirkungsweise die Einnistung verhindert. Eine Gefährdung für das ungeborene Leben besteht bei der Einnahme des Medikamentes nicht …

… Je zeitnaher die Pille danach nach der Verhütungspanne eingenommen wird, umso sicherer ist die Wirkungsweise.

Studien haben gezeigt, erfolgt die Einnahme innerhalb von 24 Stunden, besteht ein Schutz vor ungewollter Schwangerschaft zu 95%. Nach 24 Stunden ist die Wirksamkeit auf 85% gesunken und nur noch eine Wirkung von 58% weist das Präparat bei der Einnahme von 48 bis 72 Stunden auf.

(Es gibt mehrere Präparate auf dem Markt, die sich jedoch in der hier relevanten Wirkung nicht unterscheiden)

Somit hatte Lohmann in der Jauch-Sendung doch Recht und es bleibt abzuwarten, wann Meisner merkt, dass er einem Missverständnis auf den Leim gegangen ist und wie er dann agiert 😉

(In der aktuellen Printausgabe des SPIEGEL 6/2013 „Verwirrung im Unterleib“ heißt es auch: „… Mediziner wundern sich über die Erklärung Meisners zur „Pille danach“… Auch auf dem deutschen Markt sind allerdings nur zwei Produkte erhältlich ( elleOne und PiDaNa) beide verhindern aber nicht nur einen Eisprung, sondern können auch bereits befruchtete weibliche Lebenskeime vernichten. Genau das gilt Meisner freilich weiterhin als Sakrileg …“ [in der Grafik steht unter anderem: „Ist das Ei bereits befruchtet, wird das Wandern zur Gebärmutter und die dortige Einnistung verhindert“])

Nichtsdestotrotz kann es natürlich nicht angehen, dass es auch nur ein einziges Krankenhaus in Deutschland geben darf, welches vom Staat finanziert wird und eigene Regeln aufstellt, die die Versorgung gefährden.

Hier ist die Politik gefragt und um sie in dem Fall richtig zu fordern, braucht es Kirchenaustritte ohne Ende!, denn je weniger Kirchenmitglieder, desto geringer die Durchsetzungskraft des Machtanspruchs der Kirche.

2 Gedanken zu “Katholische Kirche: „Pille danach“ – Meisners Alptraum!

  1. Wer heutzutage immer noch Kirchensteuer bezahlt und sich als Mitglied einer christlichen Kirche (egal, ob evangelisch oder katholisch) bekennt, macht sich an Verbrechen und Unterlassungen mitschuldig, wie sie die katholische Kirche in diesem Fall zu verantworten hat. Das sind keine Menschenfreunde, sondern lediglich ignorante, religiotische Verwalter von falschen Prinzipen !

    Argumente zu dieser Wertung finden sich massenweise in den beiden hier gezeigten Videos.

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