Homöopathie – Pseudowissen und Verdummung!


Ein sehr guter Artikel im GWUP-Blog, der mir gerade wunderbar in den Kram passt, da es in letzter Zeit wieder stark vermehrt um das Endlosthema Homöopathie geht. Ich dachte eigentlich, dass mittlerweile der Letzte wissen müsse, dass es sich dabei nicht um Naturheilkunde oder Pflanzenkunde handelt, wie Glaubuli hergestellt werden und was man unter dem Placebo-Effekt zu verstehen hat. Weit gefehlt, dem ist natürlich nicht so, den uferlosen HÖ- und Heilpraktiker-Werbebotschaften in den Medien sei Dank! Ergo müssen wir das Rad wieder neu erfinden und nicht müde werden aufzuklären.

Man beachte bitte die vielen Links im Text:

Placebos: Die immerselben Denkfehler der Homöopathen

Auch wenn sogar Zeit-Online meint, das Berufsbild des Heilpraktikers mit einem Beitrag adeln zu müssen – es ist immer wieder erschreckend, mit dem Kenntnisstand von Vertretern dieser Zunft konfrontiert zu werden.

In der Südwest Presse schwurbelt eine Heilpraktikerin aus Nattheim fröhlich vor sich hin:

Ein Baby oder ein Kleinkind kann noch nicht glauben. Naturheilkunde hat also definitiv nichts mit Glauben zu tun. Und zum Placebo-Effekt sage ich nur: Wer heilt, hat Recht.”

Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: die medizinisch-wissenschaftliche Unbedarftheit der Frau Heilpraktikerin?

Oder aber ihre Fähigkeit, in drei Mini-Sätzen mindestens fünf inhaltliche Unrichtigkeiten unterzubringen?

Man muss dazusagen, dass die Dame auf diese Interview-Frage antwortet:

Wissenschaftler konnten bisher keine Wirksamkeit nachweisen. Dennoch hört man immer wieder, dass die Homöopathie den Menschen hilft. Glaube? Placebo-Effekt?”

Noch mal die Antwort:

Ein Baby oder ein Kleinkind kann noch nicht glauben. Naturheilkunde hat also definitiv nichts mit Glauben zu tun. Und zum Placebo-Effekt sage ich nur: Wer heilt, hat Recht.”

Ah ja.

Zum einen setzt die Heilpraktikerin also Homöopathie mit Naturheilkunde gleich. Das ist falsch.

Zum anderen strapaziert sie die Phrase “Wer heilt, hat Recht”. Auch diese ist unzutreffend, wie wir hierhier und hier ausführlich dargelegt haben.

Außerdem hat die Linderung von Symptomen nichts mit “Heilung” zu tun.

Viertens gibt es den Placebo-Effekt auch bei Kleinkindern, Babys und sogar bei Tieren.

Und fünftens beruht der Placebo-Effekt (also der einzige Wirkmechanismus der Homöopathie) nicht auf dem “Glauben” daran.

Zu diesem Thema ist heute in dem Blog Wissenschaft und Schreie der Beitrag“Unbewusster Placebo-Effekt” erschienen, der auf eine aktuelle Studie verweist.

Außerdem fand vergangene Woche in Tübingen ein großer Placebo-Kongress statt.

In der Augsburger Allgemeinen gab es dazu ein Interview mit Tagungspräsident Prof. Dr. Paul Enck, Professor für Psychosomatische Medizin und
Psychotherapie an der Uni-Klinik Tübingen.

Frage: Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Wirksamkeit von Mitteln wie Globuli oder Bachblüten? Oder für irgendwelche Geistheiler?

Enck: Globuli und Bachblüten helfen, Symptome zu bessern. Wenn das nicht so wäre, wären auch nicht so viele Menschen von solchen alternativen Methoden überzeugt. Das bedeutet: Das hilft gegen Beschwerden – aber es heilt keine Krankheiten.

Und der große Unterschied zwischen uns Ärzten und irgendwelchen Geistheilern ist, dass wir nicht glauben, dass wir mithilfe von Placebo Krankheiten umkehren können. So etwas kann sehr gefährlich sein.”

Frage: Es gibt Studien, denen zufolge Placebos auch bei Tieren helfen. Wie ist diese Wirkung möglich?

Enck: Bei Tierversuchen gibt es ja immer auch eine Testgruppe, bei der etwa ein Teil der Ratten nur eine Kochsalzlösung gespritzt bekommt – eben weil man um das „Weißkittelsyndrom“ weiß. Das bedeutet, dass allein der Kontakt zu einem Arzt eine Wirkung hat. Und das funktioniert sogar bei Tieren, wenn die darauf konditioniert sind.”

Zum Weiterlesen:

  • Die informierte Ministerin, dieausrufer am 29. Januar 2013
  • Das falsche Signal: Der Nocebo-Effekt, SZ-Magazin 4/2013
  • Placebo: Lustige bunte Pillen, Augsburger Allgemeine am 22. Januar 2013
  • Warum Homöopathie zu wirken scheint, GWUP-Blog am 9. Oktober 2011
  • Homöopathie und Co.: “Bei mir wirkt es aber …”, GWUP-Blog am 18. Februar 2012
  • Erfolge der Homöopathie – nur ein Placebo-Effekt? GWUP-Informationen
  • Trittbrettfahren mit Placebos, GWUP-Blog am 11. Dezember 2011
  • Placebo-Effekt und Evolution, GWUP-Blog am 7. September 2012
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4 Gedanken zu “Homöopathie – Pseudowissen und Verdummung!

  1. Morgen,

    Eine kleine Anmerkung zu der Studie die bei ‚Wissenschaft und Schreie‘ erwähnt wird. Der Autor der Studie, ‚Ted Kaptchuk‘, ist bereits in der Vergangenheit durch etwas weitgehende Schlüsse aus relativ schlecht durchgeführten Studien aufgefallen. Siehe auch hier: http://www.sciencebasedmedicine.org/?s=kaptchuk
    Besonders, dass Teil des Experiments Reize sind, die so kurz gezeigt werden, dass sie nicht bewusst wahrgenommen werden mach mich misstrauisch…
    In den USA geht der Trend in der CAM-Szene dahin, den Placebo-Effekt zu einer magischem Eierlegenden Wollmilchsau zu machen und Kaptchuk ist ein prominenter Verteter.

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  2. Auch von mir der wiederholte Hinweis, dass die Partei „Bündnis90/Die Grünen“ die Förderung der Homöopathie sogar im Parteiprogramm stehen hat. Siehe hierzu: http://www.gruene.de/…/BTW_Wahlprogramm_2009

    Hier ein Auszug aus diesem Programm:

    „Patientinnen und Patienten müssen darüber hinaus Wahlmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Behandlungsarten auch unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden haben. Naturheilmedizin und komplementärmedizinische Angebote müssen einen gleichberechtigten Stellenwert in der gesundheitlichen Versorgung erhalten.“

    Da ist anzumerken, dass es „anerkannte alternative Behandlungsmethoden“ schlichtweg nicht gibt. Die Homöopathie ist nun mal keine anerkannte Wissenschaft, weil dafür jedwelche Wirksamkeitsnachweise fehlen. Das wiederum bestritt die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Birgitt Bender (MdB Stuttgart) vehement, als ich sie vor geraumer Zeit zu dieser Thematik anschrieb.

    Zum Thematik „Homöopathie“ wandte ich mich seinerzeit über http://www.abgeordnetenwatch.de auch an die Gesundheitsministerin in NRW, Barbara Steffens. Ich wies sie darauf hin, dass es bisher keine wissenschaftlich relevanten Wirkungsbeweise für die Homöopathie gebe. Ihre sinngemäße Antwort: „Dann müssen eben die Prüfkriterien entsprechend verändert werden, damit Wirkungsbeweise möglich werden !“ Bei soviel blauäugiger Dummheit sah ich von weiteren Kontakten zu dieser Dame ab.

    Fakt ist auch, dass sich in der Partei „Die Grünen“ eine große Zahl von Heilpraktikern (ich bezeichne diese Leute auch als Schmalspurmediziner) gut aufgehoben fühlen.

    Kaum bekannt ist übigens die Tatsache, dass im Falle eines Kunstfehlers nach homöopathischer Diagnostik keinerlei Kunstfehler auf gerichtlichem Wege einklagbar sind, weil weder medizinische noch ethische Standards definiert sind ?

    Abschließend noch der Hinweis, dass wir uns tatsächlich im aufgeklärten 21. Jahrhundert befinden ! Bedauerlicherweise haben dies aber einige Zeitgenossen noch nicht mitbekommen !

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