Die Machtfantasien der Esoteriker


Kann ich aus meiner Erfahrung nur voll bestätigen …

„Es gibt die Freiheit, Unsinn zu glauben“

Professor Hartmut Zinser forscht kritisch über Esoterik. Er erklärt, warum Pendel, Orakel und Jenseitskontakte zu Irrtümern führen – und wieso asiatischer Glaube so fasziniert

Wird Esoterik immer noch stärker?

Hartmut Zinser:

Esoterische und okkulte Vorstellungen sind zu einem Teil unserer Alltagskultur geworden. Dies könnte noch weiter zunehmen mit der Verschärfung der sozialen Fragen, also Arbeitslosigkeit, Orientierungs- und Perspektivlosigkeit.

Sind das Antriebe, Interesse an Esoterik zu zeigen?

Ich habe in Untersuchungen Menschen gefragt. Die Gründe waren im Wesentlichen: Interesse am Außergewöhnlichen. Neugier. Und Unterhaltung. Diejenigen, die tatsächlich esoterische Praktiken in Anspruch nehmen, nennen Orientierungs- und Entscheidungshilfe als Grund. Da die Frage „Wie soll ich etwas entscheiden?“ immer schwieriger wird in unserer Gesellschaft, fürchte ich, dass wir eine weitere Zunahme kriegen werden.

Und man gibt die Entscheidung ab?

Viele esoterische Praktiken sind Orakelpraktiken, also Divinationspraktiken, um den Willen der Götter einzuholen. Das habe ich bei Teenagern beobachtet, die mit dem Pendel entscheiden, ob der neue Freund, die neue Freundin richtig ist. Ich habe aber auch einmal im Hunsrück einen Unternehmer getroffen, der umbauen wollte, dann über den Plänen gependelt hat und den Auftrag nicht angenommen hat. Da war ich platt. Allerdings manipulieren die Esoteriker die Vorgänge auch und behalten sich damit ein Stück Selbstbestimmung. Sie schwanken zwischen abgeben und behalten …

WEITERLESEN

8 Gedanken zu “Die Machtfantasien der Esoteriker

  1. Ja, es gibt die Freiheit jeden Unsinn zu glauben. Es muß aber auch das Recht geben, den esoterischen Schwachsinn als Volksverdummung anzuprangern und ggfs. strafrechtlich zu verfolgen.

    Gefällt mir

    • Du schreibst: „Es muß aber auch das Recht geben, den esoterischen Schwachsinn als Volksverdummung anzuprangern …“

      findest du Professor Hartmut Zinser etwa unkritisch? Ich nicht …:

      Anthroposophie – kritische Reflexionen

      Tagung der Humboldt-Universität zum Thema Anthroposophie und Waldorfpädagogik

      (…)

      Prof. Dr. Hartmut Zinser, Religionswissenschaftler an der Freie Universität Berlin, ging in seinem Vortrag: „Rudolf Steiners ‚Geheim- und Geisteswissenschaft‘ als moderne Esoterik“ davon aus, dass die moderne Esoterik als Reaktion auf die sich ausdifferenzierenden Wissenschaften in der Moderne zu begreifen sei. Mit dem Postulat des ‚höheren Wissens‘ als Wissenschaft würden in der modernen Esoterik die modernen Kriterien der Wissenschaftlichkeit verändert, dies verbinde sich, wie Zinser am Beispiel Rudolf Steiners zeigte, mit einer „Polemik der Immunisierung“. Zweifel an der Wissenschaftlichkeit seiner ‚Geheim – und Geisteswissenschaft‘, der dieser zugrunde gelegten ‚Geistesschau‘ und ‚hellseherischen Forschung‘, dem ‚okkulten Sehvermögen‘ und ‚hellseherischen Bewusstsein‘ erkläre Steiner demnach u.a. durch eine mangelhafte Ausbildung der ‚höheren Organe‘. Den „erkenntnistheoretischen Grundfehler des modernen Okkultismus“ sah Prof. Dr. Zinser darin, dass nicht ausreichend zwischen „Wahrnehmung (hier: den Seelenerlebnissen)“ und „Deutung (hier: als übersinnliche Welt)“ unterschieden werde.

      Zum Vortragsmanuskript (pdf) von Prof. Dr. Hartmut Zinser

      Hartmut Zinser, „Rudolf Steiners ‘Geheim- und Geisteswissenschaft‘ als moderne Esoterik“, Auszug, Seite 8 – 9:

      „4. Zum Schluß: Zwei kritische Bemerkungen zu Steiners Konzept von Geist und Sinn

      R. Steiner artikulierte einen Einspruch und Protest gegen das mechanisch-materialistische Weltbild des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jh.s, in welchem der Mensch wie eine Maschine auf Funktionieren ohne Sinn und Verstand reduziert wird. Auf diesem Protest basieren auch viele der lebensreformerischen Anstöße und Projekte Steiners. Da er aber den Geist als Welt hinter der sinnlichen Welt konzipiert und diesen auf der gleichen Ebene wie die materiellen Gegenstände ansiedelt, macht er den Geist selber zu einem Gegenstand und Ding neben, bzw. hinter den Dingen. (Dabei wird Geist zugleich in Geister aufgelöst.) Wenn Geist als Ding, als einzelnes Seiendes, wenn auch hinter dem Sein angesehen und in der Hinterwelt gesucht wird, wird er erneut aus unserer Welt beseitigt. Der Protest widerspricht sich selber und wiederholt das, wogegen er Einspruch erhoben hatte. Kein Geist ist da und es bleibt R. Steiner nur, das Suchen nach dem Geist als Geist auszugeben.

      Nicht anders ergeht es dem Sinn, den R. Steiner verspricht. Daß es einen objektiven Sinn nicht gibt, hatte bereits Fr. Nietzsche deutlich herausgestellt. „Daß mein Leben keinen Zweck hat, ist schon aus der Zufälligkeit seines Entstehens klar; daß ich einen Zweck mir setzen kann, ist etwas anderes“.13 Unberührt davon bleibe aber, daß jeder einzelne Mensch sich einen Sinn seines Lebens setzen kann.

      Für eine Sinnsetzung aber muß sich der moderne Mensch – und dies wird in der Moderne von jedem gefordert – als Subjekt setzen. Eine Sinnstiftung aus den Hinterwelten mag viele Menschen entlasten, aber sie bleibt sinnlos, weil sie – um R. Steiner direkt anzugreifen – unsinnlich ist. Ein unsinnlicher Sinn ist sinnlos; Sinn und Sinnlichkeit haben mehr miteinander zu tun, als R. Steiner wahrhaben will.14 Eine Sinnstiftung mit und aus den Hinterwelten ist eine autoritäre Setzung, die einem angefochtenen Subjekt und Gewissen nicht helfen kann, weil es mit der Annahme einer solchen autoritativen Sinnstiftung sich als Subjekt aufhebt. Was Steiner als Sinnstiftung ausgibt, ist eine Verschiebung der Frage auf die Entwicklung von Zeiten und Wiedergeburten, des Verfalls und Evolution, d.h. der Unendlichkeiten und diese Antwort sagt eigentlich, daß man diese Fragen nicht stellen soll, da es für diese keine Antwort gibt, kein Sinn ist da – es sei denn, wie man solchen Konstruktionen entgegenhalten kann und muß, und dies gilt nicht nur für R. Steiner, sondern für die Esoterik insgesamt, daß sich die einzelnen Menschen den Sinn ihres Lebens selber setzen.“

      Gefällt mir

      • Lieber Andreas Lichte,

        Du hast mich offensichtlich gründlich missverstanden. Habe ich mich denn nicht klar ausgedrückt. Ich liege doch voll und ganz auf der Linie von Prof. Zinser.

        Was ich sagen wollte: Selbstverständlich dürfen Esoteriker jedwelchen Unsinn glauben und vertreten. Das kann man ihnen ja nicht verbieten. Diese Leute müssen sich dann aber auch gefallen lassen, wenn man ihren Schwachsinn aufdeckt und kritisiert. Nichts anderes habe ich doch mit meinem Kommentar zum Ausdruck gebracht.

        Gefällt mir

  2. Prof. Zinsers: “Es gibt die Freiheit, Unsinn zu glauben”

    gibt es fast wortgleich von Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien:

    Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein

    (…)

    Hopmann: Wir leben in einer freien Gesellschaft. Also hat jede/r das Recht, jeden Unfug zu glauben. Nur sollten sich Eltern, die ihr Kind einer Waldorfschule anvertrauen, darüber im klaren sein, dass sie dann einer Pädagogik vertrauen, die ein heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze über Drüsen, Zahnentwicklung, astrologischen Einflüsse und ähnliches ist, das von der modernen Kinderpsychologie und der aktuellen Lehr-Lern-Forschung durchweg als durch nichts begründbarer Unsinn abgelehnt wird. Entschiedene Waldorfianer wird das nicht anfechten: Wie alle Sekten sind sie gegen widersprechende Wissenschaft immun.

    (…)“

    zum vollständigen Interview über Waldorfschule, Rudolf Steiner und die Anthroposophie: http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/

    Gefällt mir

  3. Pingback: Die Freiheit, an jeden Unsinn zu glauben – oder warum Esoteriker tiefgläubig sind « Der Nesselsetzer

  4. @ Argus7

    ich habe dich nicht „gründlich missverstanden“: mir ging es nur um letzte Klarheit, darum, JEDEN Zweifel auszuräumen.

    Aber wenn ich dich beim Wort nehme, Zitat Argus, „Es muß aber auch das Recht geben, den esoterischen Schwachsinn als Volksverdummung anzuprangern und ggfs. strafrechtlich zu verfolgen“, dann stehst du vor einer AUFGABE … fang doch mal hier an:

    Andreas Stoch, SPD, neuer Baden-Württembergischer Kultusminister, schickt seine Kinder zur Waldorfschule

    Welches Vorgehen wählst du hier?

    – sagst du Stoch, dass er „Volksverdummung“ fördert

    – oder verfolgst du ihn strafrechtlich?

    Gefällt mir

  5. @ Andreas Lichte

    Ich hätte kein Problem damit, dem Herrn Stoch zu sagen, dass er als Befürworter der Waldorfschule der Volksverdummung – ob bewußt oder unbewußt sei mal dahin gestellt – Vorschub leistet ! In diesem Fall bestraft er nämlich auch seinen eigenen Nachwuchs. Als Kultusminister und Anhänger der Waldorfschule sendet er zudem ein äußerst bedenkliches Signal an die Eltern schulpflichtiger Kinder und somit an die gesamte Wählerschaft. der man nur den Rat geben kann, diesem Mann – und somit seiner Partei – die Gefolgschaft zu verweigern. Wer einen solch dümmlichen anthroposophischem Schwachsinn propagiert, an dessen fachlicher und politischer Kompetenz muß man doch sehr zweifeln. Dasselbe gilt aber auch für die Partei „Die Grünen“, in deren Reihen sich bekanntlich besonders viele Anhänger der Steinerschen Pseudowissenschaft tummeln. Da aber sowohl die CDU/CSU als auch die FDP für mich (aus vielen Gründen) ebenfalls nicht wählbar sind, bleibt einem nachdenklichen Wähler nur noch die Möglichkeit, sich der großen Zahl der Nichtwähler anzuschließen. (Anmerkung: Zeitlebens habe ich bisher keine einzige Wahl oder Abstimmung versäumt. Mehr und mehr verläßt mich allerdings der Glaube an die Politik, die es offenbar nicht schafft, die esoterisch motivierte Kriminalität wirksam zu bekämpfen. Ein im Jahre 2003 von der bayerischen CSU eingebrachter Gesetzesentwurf zur Regelgung des sog. Psychomarktes wurde seinerzeit von der Partei „Die Grünen“ im Parlament abgeblockt !!! Siehe Stichwort „Lebensbewältigungshilfegesetz im Internet !)

    Im Fall Stoch liegt zwar (leider !) kein einklagbarer strafrechtlicher Tatbestand vor, weil die menschliche Dummheit nun mal nicht vor Gericht zitiert werden kann. Die geht regelmäßig straffrei aus !!! Vor Gericht gestellt gehören allerdings die vielen professionellen Anbieter esoterischer „Dienstleistungen“ wie z.B. die Anbieter von Horoskopen, die Wahrsager, Kartenleger und die Vermittler von Jenseitskontakten, um nur einige dieser unseriösen Eso-Disziplinen anzuführen. Ja, selbst die scheinbar harmlosen Horoskope erfüllen häufig die Funktion einer Einstiegsdroge in noch weitaus problematischere esoterische Disziplinen. Wer sich zudem mal die eine oder andere Sendung von Astro-TV angesehen hat, kann einen erkenntnisreichen Eindruck über den Zustand der Aufklärung in unserem 21. Jahrhundert gewinnen !

    Im Fall Stoch werde ich mich mal an den mir persönlich bekannten SPD-Landtagsabgeordneten, Claus Schmiedel, wenden und ihm die Frage stellen, wie er die Haltung seines Parteifreundes Andreas Stoch in Bezug auf die Waldorfschule sieht. Claus Schmiedel ist derzeit Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. Sobald mir seine Antwort vorliegt, werde ich diese hier veröffentlichen.

    Gefällt mir

  6. „Allmachtsphantasien“ hat auch Rudolf Steiner, der von behauptet, er kenne Vergangenheit und Zukunft der Menschheit …:

    „Rudolf Steiners rassistischer Science-Fiction-Trash: ‘Aus der Akasha-Chronik’

    Rudolf Steiner (1861–1925) behauptete, Einblick in die „Akasha-Chronik“, ein geistiges Weltengedächtnis in der „Ätherwelt“, zu haben. Über diese „Chronik“, in der alle Ereignisse der Geschichte, alle Taten, Worte und Gedanken der Menschheit enthalten seien, schreibt Rudolf Steiner sein Buch …

    ‘Aus der Akasha-Chronik’(1). Ich versuche, einem Freund den Inhalt zu erklären:

    „Es ist die Geschichte der Menschheit, wie sie sich dem Eingeweihten zeigt. So eine Art ‘Evolutionsgeschichte’, nur dass der Eingeweihte auch in die Zukunft schauen kann. Die Menschheit entwickelt sich laut Steiner auf sieben Planeten. Von Planet zu Planet steigt das Menschengeschlecht höher in der Entwicklung. Dabei helfen ihm Führer, die selber schon auf einer höheren Entwicklungsstufe stehen. Es geht los auf dem Saturn, dann kommt die Sonne, der Mond und schließlich die Erde …”

    „Wieso Sonne und Mond – das sind doch keine Planeten?!”

    „Für den Esoteriker Steiner schon. Die Erde formt sich im nächsten Entwicklungsschritt in den Jupiter um, dann kommt die Venus und zuletzt der Vulkan. Sieben Planeten, und auf jedem Planeten durchleben die Menschen sieben mal sieben Entwicklungsstufen … Ja, ich weiß, das klingt nach Science Fiction … ich habe mich an die Perry Rhodan-Hefte erinnert, du weißt schon, diese Groschenromane.”

    „Mich erinnert das Ganze an ein Video-Game, wo man immer das nächsthöhere Level erreichen muss!”

    „Ja, stimmt, das ist großartig, das trifft’s genau! Weißt du, das ist so platt, dass mir gar nichts mehr dazu einfällt – aber richtig übel ist, wie die Entwicklung abläuft, das ist nur noch bösartig …” und wird deshalb hier im Original wiedergegeben:

    „Diese zweite Gruppe der Astralmenschen hat diese ihre höhere Fähigkeit aber nur dadurch erworben, dass sie einen Teil – die erste Gruppe – der astralischen Wesenheit von sich ausgeschieden und zu niedriger Arbeit verurteilt hat. Hätte sie die Kräfte in sich behalten, welche diese niedere Arbeit bewirken, so hätte sie selbst nicht höher steigen können. Man hat es hier also mit einem Vorgang zu tun, der darin besteht, dass sich etwas Höheres auf Kosten eines anderen entwickelt, das es aus sich ausscheidet.”

    Dieselbe „These” wiederholt Steiner mehrmals, bis er schließlich zusammenfasst: „Man sieht, der Mensch steigt in ein höheres Reich auf, indem er einen Teil seiner Genossen hinabstößt in ein niederes. Diesen Vorgang werden wir auf den folgenden Entwicklungsstufen sich noch oft wiederholen sehen. Er entspricht einem Grundgesetz der Entwicklung.”

    Schließlich stellt Steiner den Bezug zur Gegenwart her: „Man nennt sie in theosophischen Schriften die Lemurier. Nachdem diese durch verschiedene Entwicklungsstufen durchgegangen waren, kam der größte Teil in Verfall. Er wurde zu verkümmerten Menschen, deren Nachkommen heute noch als so genannte wilde Völker gewisse Teile der Erde bewohnen.“(2)

    (…)“

    weiter beim Ratgeber-News-Blog (mit Quellenangaben): https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2014/12/18/rudolf-steiners-rassistischer-science-fiction-trash-aus-der-akasha-chronik/

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s