Buch-Tipp: „Rudolf Steiners langer Schatten“ von Irene Wagner


Irene Wagner: Rudolf Steiners langer Schatten

Viele Menschen kennen die Waldorfschule, kaufen Biogemüse von Demeter oder Arzneimittel von Weleda. Sie verbinden diese mit wohlklingenden Begriffen wie „Erziehung zur Freiheit“, Landwirtschaft „im Einklang mit der Natur“ und „ganzheitliche Medizin“. Die okkulten Hintergründe dieser „alternativen“ Angebote sind hingegen den wenigsten bekannt. Doch die Wurzeln von Waldorf & Co liegen in der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie.
Irene Wagner wirft einen kritischen Blick auf die Aktivitäten der Anthroposophen in Pädagogik, Biolandbau und Alternativmedizin und untersucht, inwieweit sich Steiners Auffassungen in der Arbeit der heutigen Konzerne niederschlagen. Besonders Theorie und Praxis der Waldorfschule werden einer umfassenden Analyse unterzogen. Dabei zeigt sich, dass die positiven Aspekte wenig originell sind und die fragwürdigen pädagogischen Vorstellungen nicht aufwiegen können.

Irene Wagner, geboren 1943, unterrichtete als Lehrerin an verschiedenen Schularten, absolvierte ein Studium zur Diplom-Pädagogin und promovierte in Pädagogik. Ihre Erfahrungen mit Lernbehinderten sensibilisierten sie für soziale Zusammenhänge und führten zu der Erkenntnis, dass die ungleichen Chancen aufgrund der jeweiligen Familienverhältnisse durch unser Bildungssystem verstärkt werden. Sie engagierte sich bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und beteiligte sich ehrenamtlich an einem Projekt des Kinderschutzbundes.

Probekapitel

Inhaltsverzeichnis

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10 Gedanken zu “Buch-Tipp: „Rudolf Steiners langer Schatten“ von Irene Wagner

  1. Seit wann müssen pädagogische Ansätze “ witzig und originell“ sein?
    Als ob es sich bei der Kindererziehung primär um hippen Zeitgeist handeln kann!

    Sozialkompetente, friedlichkeitsliebende, usw., etc … kreative Ex- Waldorfschüler, die in allen Bereichen der Gesellschaft mitarbeiten, die gerade erst in einer empirischen Studie ihre Zufriedenheit über ihre Schulzeit bildhaft belegt haben – das sind doch die wirklichen “ positiven Aspekte“, die auch durch diese Buch nicht weggeleugnet werden können. Und das diese Schüler auch noch behaupten, sie wurden n i c h t mit anthroposophischen Inhalten indoktriniert, dass ist ja beinahe “ the straw that brakes the camels back“. 😉
    Es mutet doch schon immer merkwürdigan, wenn die angeblichen Fachleute vollkommen vergessen zu erwähnen, wo es überall sonst noch Verfehlungen ( tendenziellen Rassismus, Anijudaismus und ähnliches gegeben hat: Voltaire, Kant, Adorno – um nur einige zu nennen.

    Schon in der Ankündigung ist dieses Buch interesant für mich. Da werde ich mir doch eher eine wirkliche kritische Neuerscheinung zulegen. http://waldorfblog.wordpress.com/category/anthroposophie-rassismus/

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    • Eine junge Kollegin und ehemalige Waldorfschülerin im Gespräch zu mir: „Wäre ich damals als Kind nicht so stabil gewesen, ich hätte dort den ganzen Mist geglaubt. Sicher war nicht alles schlecht, aber Steiners Lehre war immer unterschwellig mit dabei, die Lehrer glaubten scheinbar selber daran und erzählten uns bei jeder Gelegenheit davon, auch als wir noch kleiner waren….“ Ebenso erfuhr ich in diesem Gespräch von – recht kreativen Bestrafungen, um es salop zu umschreiben. Das bekannte und demütigende „Kaugummikratzen“ gehört immer noch zum Repertoire. Es ist NICHT Aufgabe der Schüler zu differenzieren welche Aussage der Lehrer richtig oder falsch ist, Pädagogen haben verläßliche Inhalte zu bieten, Waldorflehrer haben nichtmal immer eine pädagogische Ausbildung.

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    • „Anthroposophie und Nationalsozialismus: „Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft“

      … Anthroposophen arbeiteten in allen für sie wichtigen Praxisfeldern mit nationalsozialistischen Organisationen zusammen, im Überblick:

      – Waldorfschulen: „Das Motto der Waldorfbewegung im »Dritten Reich« lautete: »Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft.«1

      Ihrer Selbstdarstellung zufolge lieferte die anthroposophische Pädagogik einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des neuen Deutschlands durch »die Pflege des völkischen Gedankens und die Betonung des Wesens und der Aufgaben des deutschen Geistes« und stand damit »im Einklang mit der Grundgesinnung des nationalsozialistischen Staates«.2“3

      – Anthroposophische Medizin: „Die Vereinigung anthroposophischer Ärzte stellte eine Hauptstütze der NS-treuen »Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde dar«.“4

      – „Biologisch-dynamische“ Landwirtschaft: „1935 wurde der »Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise« korporatives Mitglied der nationalsozialistischen »Deutschen Gesellschaft für Lebensreform« (Motto: »Die Weltanschauung der Deutschen Lebensreformbewegung ist der Nationalsozialismus«).“5 …“

      http://blog.psiram.com/2012/07/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft/

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      • „Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute

        „Rudolf Steiner war ein wahrhaft idealer Vorläufer des neuen Europa von Mussolini und Hitler. Ziel dieser Schrift war es, den Geist und die Figur dieses grossen, modernen, deutschen Mystikers für die Bewegung zu beanspruchen – eine Bewegung, die nicht nur politisch, sondern auch spirituell ist – eingeführt in die Welt von den zwei parallelen Revolutionen, der Faschistischen und der Nationalsozialistischen Revolution, denen Rudolf Steiner als echter Vorläufer und spiritueller Pionier in idealer Weise angehört“(4).

        So das Fazit von Ettore Martinolis Artikel „Ein Vorankünder des neuen Europa: Rudolf Steiner“, in dem er vor allem die perfekte Übereinstimmung zwischen Rudolf Steiners Denken und den grundlegendsten Tendenzen des Faschismus und Nationalsozialismus im politischen, sozialen, und spirituellen Feld betont(5). Martinoli berichtet auch, dass Rudolf Steiner in seiner Wiener Periode „als Anti-Semit wohlbekannt wurde“(6).

        Ettore Martinoli war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der italienischen Anthroposophie. Als Rechtsanwalt verantwortete er das Zustandekommen und Fortbestehen der „Anthroposophischen Gesellschaft Italiens“ [„Società Antroposofica d’Italia“], deren Sekretär er seit ihrer Gründung 1931 war.

        Martinoli sah sich in einem Kampf auf Leben und Tod zwischen Faschismus und Judentum, einem Kampf, den der Faschismus gewinnen musste, wenn er sein Ziel, ein „Neues Europa“ zu schaffen, verwirklichen wollte.

        Martinoli war nicht nur Autor unzähliger Propagandaschriften gegen die „Jüdische Verschwörung“, sondern betätigte sich als Gründer und Direktor des „Zentrum für das Studium des jüdischen Problems“ [„Centro per lo studio del problema ebraico“] auch praktisch in der Judenverfolgung, indem er jüdische Einwohner von Triest identifizierte und Listen über sie erstellte. Nach der Besetzung Norditaliens durch die Deutschen wurden Martinolis Listen und gesammelte Dokumente „das Todesurteil für Hunderte und Hunderte von Juden“, so Giuseppe Mayda.

        Die Gründung der „Repubblica Sociale Italiana“, „RSI“, einem faschistischen Staat in Norditalien unter der militärischen Protektion des Deutschen Reichs im Jahre 1943, führte zu einer Beförderung Martinolis in den Apparat der RSI. Das „Zentrum für das Studium des jüdischen Problems“ wurde 1944 in „Zentrum für die Rasse“ [„Centro per la Razza“] umbenannt und seine Arbeit fortgesetzt, selbst dann noch, als Triest im Januar 1944 als „judenrein“ erklärt worden war …“

        http://blog.psiram.com/2012/03/hitler-steiner-mussolini-anthroposophie-und-faschismus-gestern-und-heute/

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    • @ Sodele

      Von „witzig“ ist gar nicht die Rede, mit „originell“ ist unverwechselbar, einzigartig gemeint. Somit zielt diese Bemerkung auf Aspekte ab, die die Waldorfpädagogik von anderen (u.a. dem staatlichen Regelschulsystem) pädagogischen Modellen entscheidend abheben. Heißt eben auch, gut geklaut weist noch lange nicht auf den erfinderischen Reichtum Steiners hin. Und Steiners Ideenkosmos ist nichts anderes als ein abstruser Gemischtgedankenladen aus vielerlei philosophischen Strömungen und geschichtlichen Epochen. Wie gesagt, gut geklaut… aber Täuschung und Selbsttäuschung hat immer schon zur stilbildenden Grundausstattung der Anthroposophie gehört.

      „Sozialkompetent, friedlichkeitsliebend, kreativ…“ Schlag auf Schlag inhaltsleere Phrase auf Phrase, die gefühlte Überlegenheit auf essentiellen Gebieten wiederkäut, Avantgarde impliziert, um das eigene elitäre Bewusstsein in der Realität zu verankern. Bloß: Was da erneut an angeblich herausragenden Merkmalen, an angeblich zwangsläufigen Ergebnissen der Waldorfpädagogik herausgestellt wird, für das findet die Realität an zig anderen Stellen ebensolche Belege idealistischer Bemühungen. Waldorfpädagogik generiert nicht per se bessere Menschen, sondern vermutet es bloß aufgrund eines sich weithin überlegen fühlenden Welt- und Menschenbildes. Waldorf-PR funktioniert in der Hauptsache nach einem Prinzip:
      Positiv konnotierte Begriffe als eigentlich erst im Waldorfkontext aufblühende Produkte vermitteln, deren alltägliche Handhabung ohne Rückgriff auf eine waldorfpädagogische „Erziehungskunst“ nicht wirklich funktioniert.

      Was die zitierte Studie anbelangt: Die weist nicht nur erhebliche methodische Schwächen auf, sondern ist darüberhinaus maßgeblich beeinflusst von anthroposophischer Interessenlage, hier die „Alanus Hochschule“. Einer der Mitverfasser dieser Studie, Prof. Dirk Randoll, Erziehungswissenschaftler an eben jener „Alanus Hochschule“, muss sogar selbst einräumen, „das es Waldorfschulen letztlich mit Schülern aus gut situierten Elternhäusern zu tun haben.“ Und kommt deshalb um das Fazit nicht herum: „Dies zeigt sich natürlich auch in ihrem Sozialverhalten.“ Soviel Ehrlichkeit kann an sowieso schon empfindlichen Stellen weh tun, wenn man sie nur zulässt. Nur ist soviel zweifelsfreie Darstellung wohl nicht „wirklich kritisch“, also lässt man sie besser erst gar nicht zu. Bindet man sich eben auch weiterhin langfristig an eine überzeugend scheinende Waldorf-PR, so – nicht oder kaum hinterfragt – phrasenhaft, inhaltsleer und frontal selbstverliebte Motive ansprechend sie auch daherkommen mag.

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    • @ „Gott“

      Ja, ich kenne das Buch: „Hitler, Steiner, Schreber. Ein Beitrag zur Phänomenologie des kranken Geistes“ von Wolfgang Treher.

      Das Buch bietet gute Denk-Anregungen, ist meines Erachtens aber nicht auf dem aktuellen Stand der psychiatrischen Forschung.

      Fragt sich natürlich generell, ob man Psychiater sein muss, um folgendes als „Wahnsinn“ einzustufen, Zitat Rudolf Steiner:

      „(…) So daß also ein Schwarzer in Afrika ein Mensch ist, der möglichst viel Wärme und Licht vom Weltenraum aufsaugt und in sich verarbeitet. Dadurch, daß er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls so. (Es wird gezeichnet.) Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammen hängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn. (…)

      „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.“

      Rudolf Steiner, „Vom Leben des Menschen und der Erde – Über das Wesen des Christentums“, GA 349, Dritter Vortrag, Dornach, 3. März 1923

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  2. „Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’

    Bei Diskussionen mit Befürwortern der Waldorfschule bekommt man immer wieder Standard-Antworten zu hören, wie sie der ehemalige Waldorfschüler Lukas Böhnlein in seinem „Waldorfschulen Bullshit-Bingo“ festgehalten hat. Sehr beliebt dabei: „Du hast noch nie eine Waldorfschule von innen gesehen!“ Kritik VON AUSSEN wird damit jegliche Berechtigung abgesprochen. Aber daraus ergibt sich auch die Frage: „Was können Eltern und Schüler IN DER WALDORFSCHULE eigentlich sehen, wenn sie nichts über Rudolf Steiners ‘Anthroposophie’ wissen, auf der die gesamte Waldorfpädagogik basiert?“ (…)“

    weiterlesen beim Blog „Ruhrbarone“: http://www.ruhrbarone.de/geschichte-in-der-waldorfschule-atlantis-und-die-rassen/

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