Glaubuli-Akademie eröffnet in Traunstein


Globuli-Akademie

Über die Gründung privater Hochschulen erlangen Pseudowissenschaften höhere Weihen.

Bernd Kramer

In diesen Tagen ist die Freude in Traunstein groß. Die 18.000-Einwohner-Stadt in Oberbayern bekommt bald eine eigene Hochschule. Bloß was für eine? Im Ort soll die erste europäische Hochschule für Homöopathie eröffnen, getragen von der European Union of Homoeopathy, einem Lobbyverband der Alternativmedizin aus Freiburg. Die ersten Studenten werden im kommenden Jahr erwartet. Eines Tages sollen sie als Homöopathen mit Bachelor- und Mastergrad abschließen. Über das genaue Konzept hüllen sich die Hochschulgründer noch in Schweigen. Die Lokalpolitik ist dafür umso begeisterter: Einstimmig begrüßte der Kreisausschuss das Vorhaben. Landrat Hermann Steinmaßl sieht in der Homöopathie-Hochschule gar einen »wichtigen Baustein für die Bildung und die medizinische Versorgung im Landkreis«. Kritik? Fehlanzeige …

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Da kann man nur auf eine Neuerscheinung (9.Oktober 2012) verweisen:

Die Homöopathie-Lüge: So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen

Kurzbeschreibung:

Die weißen Kügelchen, die bei Schnupfen genauso helfen sollen wie bei Krebs, sind oft genug bittere Pillen. Teuer und wirkungslos wecken sie falsche Hoffnung und verhindern im schlimmsten Fall echte Therapien. Vor allem aber untergraben sie ein Denken, das auf rationalen Kriterien beruht – wer Homöopathie für möglich hält, muss alles für möglich halten. Christian Weymayr und Nicole Heißmann nehmen den Homöopathie-Hype auseinander. Patienten wollen sie, Ärzte bieten sie an, Kassen zahlen sie: Homöopathische Medizin hat sich wie selbstverständlich eingeschlichen in unser Gesundheitswesen. Der Schulmedizin fehlt es an Wärme und Menschlichkeit, gewiss, aber muss man deshalb an Hokuspokus glauben? Ein Wirkstoff, der bis zur Nichtexistenz verdünnt ist, kann nicht wirken. Wasser hat kein Gedächtnis, wie soll es sich da an eine »geistartige Heilkraft« erinnern? Die Wissenschaftsjournalisten Christian Weymayr und Nicole Heißmann stellen sich in diesem mutigen Buch gegen eine sehr mächtig gewordene Lobby. Sie zeigen, wie alternative Pharmafirmen zweifelhafte Medikamente vermarkten und warum Ärzte Globuli manchmal lieber verschreiben als echte Medizin. Und wie die Anhänger der Homöopathie massiv darauf drängen, ihre Glaubenslehre zu legitimieren – mit mysteriösen Heilerfolgen, aber ohne jeden wissenschaftlichen Beweis.

4 Gedanken zu “Glaubuli-Akademie eröffnet in Traunstein

  1. Was wiegt schwerer? Mrd. Euro für den BER in den märkischen Sand zu setzen oder wesentlicher Bestandteil einer Volksverdummung im Sinne einer homöopathischen Hochschule und Lobbyarbeit in Traunstein zu sein?
    Politiker sollten sich immer mal wieder fragen, welche gesellschaftliche Verantwortung sie tragen – Herr Steinmaßl jedenfalls genießt in diesem Fall mein persönliches Mißtrauensvotum an seiner Arbeit.

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  2. Bedeutender ist, dass die Unterwanderung der Universitäten systematisch und in großem Stil vorangetrieben wird, vor allem vom DZVhÄ, von Pharmafirmen und von Stiftungen. Schon 1995 meldete die Ärztliche Allgemeine (8/95, Seite 21): „Eines der wichtigsten politischen Ziele des DZVhÄ ist es jedoch, durch Überzeugungsarbeit bei Politikern und Hochschullehrern die Homöopathie endlich auch an den Universitäten zu etablieren.“ Heute kann die Erste Vorsitzende des DZVhÄ Cornelia Bajic mit konkreten Maßnahmen und Erfolgen aufwarten, wie sie in einem Interview im Jahresprogramm 2012 des DZVhÄ erklärt: So habe der Verein eigens zwei Projektleiter eingesetzt, die „sich um die Homöopathie an den Universitäten kümmern werden“. Auch sei sie zuversichtlich, dass es einen Masterstudiengang Homöopathie geben wird. „Wir sind hierzu mit mehreren Universitäten im Gespräch“, so Bajic. Bereits jetzt führt das Jahresprogramm neun Universitäten in Deutschland auf, die Vorlesungen, Seminare oder Praktika zur Homöopathie anbieten.

    Ziel der gemeinsamen Lobbyanstrengungen ist es, die Homöopathie fest an den Universitäten zu verankern. Das hat dreifachen Charme: Man bekommt Zugriff auf die Ausbildung angehender Mediziner, die später Hahnemanns Lehrer unter das Patientenvolk bringen und so den Absatz der Kügelchen und Fläschchen beleben können, man kann das Image der Homöopathie mit Professorentiteln und wohlklingenden Institutsnamen aufpolieren, und man erhält laufend neue Studien, von denen sich die ein oder andere trefflich im Sinne der Homöopathie interpretieren lässt.

    Einer der rührigsten Akteure auf diesem Gebiet ist die Karl und Veronica Carstens-Stiftung, die von dem ehemaligen Bundespräsidenten und seiner Ehefrau, einer Ärztin für Naturheilkunde, ins Leben gerufen wurde. Die Stiftung, die bislang über einen Gesamtetat von circa 30 Millionen Euro verfügte, baut ihren Einflussbereich an den Universitäten auf vielen Ebenen aus. An der Basis unterstützt sie Studierende: Sie fördert „studentische Arbeitskreis“, die es inzwischen laut DZVhÄ-Jahresprogramm an jeder dritten Universität gibt, sie gibt finanzielle und logistische Hilfe beim sogenannten Wilseder Forum, einem zweimal im Jahr stattfindenden Homöopathie-Camp, und sie sponsert Doktorarbeiten. Auf administrativer Ebene unterstütz sie Universitäten, die das Wahlpflichtfach „Homöopathie“ anbieten, und sie vermittelt Lehrbeauftragte.

    Quelle: „Die Homöopathielüge – So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen“, Christian Weymayr/ Nicole Heißmann, Seiten 114/ 115

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    • …. der Spass mit dem sich diese Leute lächerlich machen ist aber auch was Wert. Hier das „Traunsteiner Steinmaßl“ – ein regionales Messgefäß zur homöopatischen Potenzierung.
      Achtung – Satire!!!

      Traunsteiner Steinmaßl

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