Autorin Claudia Barth über Esoterik, Braune Esoterik und Anthroposophie


 

Rezension auf Amazon.de zum Buch „Über alles in der Welt – Esoterik und Leitkultur: Eine Einführung in die Kritik irrationaler Welterklärungen“, von Claudia Barth:

„… Wen wundert es da, dass sich Angebote zur Suche nach vermeintlich höherem Erkenntnisgewinn immer stärker durchsetzen. Jüngst wurde in Regierungskreisen beispielsweise ein Verbot der Gentechnologie in der Landwirtschaft laut. Dieses wird aber etwa nicht wissenschaftlich, sondern als abzulehnender Eingriff in die „Schöpfung“ begründet. Die Esoterik ist also längst auch in den Eliten dieser Gesellschaft angekommen. Konzerne wie Bertelsmann oder Siemens unterstützen anthroposophische Projekte. Etwa 230 Millionen Euro fließen jährlich aus Staatsmitteln an Waldorfschulen. Unter esoterischen Aufrufen findet man die Unterschrift von Bundestagsabgeordneten und Gewerkschaftern.

Der Gefährlichkeit dieser Entwicklung widmet die Autorin Claudia Barth dem Hauptteil ihres Buches. Dieser gliedert sich grob in zwei Stränge: Einen historischen und einen, der sich mit der Gegenwart nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Dabei geht sie auf prominente Vertreter wie Blavatsky, Steiner, Capra oder auch den Dalai Lama ein und beleuchtet Verbindungen wie die Wandervogelbewegung oder das Thule-Seminar.

Der Rückgriff der heutigen esoterischen Vertreter auf die gleichen Konstrukte ihrer Vorgänger verblüfft. Das beunruhigt, weiss man um die menschenverachtenden und rassistischen Auswüchse dieser Überzeugungssysteme.

Die Kompatibilität zwischen Esoterik und Faschismus wird anhand gemeinsamer zentraler Denkmuster herauskristallisiert . Die große Frage die Barth hierbei in den Raum stellt, ob die gleichen ideologischen Wegbereiter des Faschismus von einst, wieder dazu bedient werden, die bürgerliche Demokratie auszuschalten …“

LESEPROBE:

… Ziel dieses Buches soll sein, in der esoterischen Vielfalt die gemeinsamen gedanklichen Elemente aufzuzeigen und darzulegen, dass die Esoterik eine irrationale Ideologie mit strömungsübergreifenden Grundannahmen darstellt. Um zu einem besseren Verständnis der aktuellen Situation zu gelangen, ist ein Blick auf die historischen Vorläufer der New Age-Bewegung speziell in Deutschland aufschlussreich. Verblüffende Ähnlichkeiten zeigen sich im historischen Vergleich, bei dem die heutigen Ausformungen wie eine simplifizierte Kopie des Altbewährten erscheinen. Die geschichtliche Herausbildung des esoterischen Gedankens ist in den westlichen Industrienationen keineswegs gleichförmig verlaufen. In Deutschland basiert das New Age auf einer mehr als hundertjährigen spezifischen Entwicklung, die der Esoterik-Rezeption hierzulande ihr besonderes Gepräge und ihre Traditionshaftigkeit verleiht. Diese eigene Entwicklung im deutschsprachigen Raum kann nur im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung begriffen werden, besonders mit der „verhinderten Revolution“ und der romantischen Kapitalismuskritik. Im zweiten Teil des Buches wird anhand ausgewählter Vertreter des New Age deren irrationales Grundmuster dargestellt, wobei offenkundig wird, in welch verhängnisvoller Tradition die neuen Heilsbringer stehen …

Ein weiteres Buch von Claudia Barth: „Esoterik – die Suche nach dem Selbst“ Sozialpsychologische Studien zu einer Form moderner Religiosität.

Esoterische Angebote bieten Lebenshilfe: Sie dienen den Einzelnen dazu, in der flexiblen, hybriden Moderne zurechtzukommen. Sie fördern das Gefühl der Authentizität, liefern Erklärungen und Entlastung für Erfahrungen des Scheiterns und verschaffen scheinbare Erleichterung angesichts des Gefühls von Entfremdung und Selbstentfremdung. Neben einer Einführung in religionspsychologische Theorien stellt Claudia Barth auch eine Genealogie moderner Identitätsvorstellungen vor und macht anhand der Analyse von Gesprächen mit Esoterikern deutlich, welche Anstrengungen Menschen unternehmen, um unter diesen Anforderungen an das Subjekt zu bestehen.

LESEPROBE

Advertisements

13 Gedanken zu “Autorin Claudia Barth über Esoterik, Braune Esoterik und Anthroposophie

  1. Hallo Elke,

    ich war ja gerade auf einem Vortrag von Frau Barth, und hab mir dort auch das Buch gekauft und zu einem Drittel durchgelesen.
    Frau Barth hat ein unheimliches Recherche-Wissen aus dem Beginn der modernen Esoterik:
    die Verknüpfung von Karma und Rassenlehre mit den Theorien des Sozialdarwinismus (die mit Darwin nicht wirklich viel zu tun haben)
    … rüber zu totalitären Systemen und den durch die Esoterik wieder-erstarkenden Nationalsozialismus heute.

    Wollte eigentlich auch noch einen Artikel über den Vortrag schreiben,
    bin aber zeitlich einfach noch nicht dazu gekommen, da der Vortag so informativ war,
    das ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll.

    Ich kann das Buch sehr empfehlen, die Dichte an Informationen ist hervorragend, die geschichtlichen Zusammenhänge sind sehr prägnant wiedergegeben. Unbedingt lesen!

    Da hat der Steinerimbrett wirklich etwas versäumt, der wollte eigentlich mitgehen;-)

    LG, Jemseneier

    Gefällt mir

  2. Danke für diesen Hinweis. Das Buch scheint sehr gut recherchiert zu sein. Jede fundierte Attacke auf Esoterik und damit so oft verbundene (meist faschistoide) Ideologien ist wichtig. So viele auch ansonsten intelligente und gebildete Leute lassen sich diesen Quatsch erzählen und schlucken unkritisch diesen widerlichen Brei. Man kann nicht oft genug sagen, dass eine wissenschaftlich-rationale Weltsicht der einzige Weg ist, auf dem wir hoffen können, etwas Wesentliches über die Welt zu lernen.

    Gefällt mir

  3. „Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute

    Waldorfschulen und Anthroposophie versuchten, mit den Nationalsozialisten zusammenzuarbeiten, wie es in einem Memorandum der Vereinigung der Waldorfschulen an Rudolf Hess offenbar wird:

    Man erklärte, dass Waldorfschulen „in kleinem Maßstab das verwirklichten, was die Volksgemeinschaft im nationalsozialistischem Staat im Großen anstrebt“.1 Wurde die Anthroposophie von den Machthabern in Deutschland letztlich als weltanschauliche Konkurrenz wahrgenommen, so war sie in Italien eine willkommene „spirituelle“ Ergänzung des Faschismus. Hier konnten Anthroposophen ihren Traum von der „überlegenen arischen Rasse“2 ausleben, und daran arbeiten, Rudolf Steiners programmatische Aussage „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse“3 zu verwirklichen. Zur Anthroposophie im italienischen Faschismus und ihrer anthroposophischen Rezeption heute. Von Andreas Lichte.

    „Rudolf Steiner war ein wahrhaft idealer Vorläufer des neuen Europa von Mussolini und Hitler. Ziel dieser Schrift war es, den Geist und die Figur dieses grossen, modernen, deutschen Mystikers für die Bewegung zu beanspruchen – eine Bewegung, die nicht nur politisch, sondern auch spirituell ist – eingeführt in die Welt von den zwei parallelen Revolutionen, der Faschistischen und der Nationalsozialistischen Revolution, denen Rudolf Steiner als echter Vorläufer und spiritueller Pionier in idealer Weise angehört.“4 (…)“

    zum vollständigen Artikel mit Quellen und links: http://www.ruhrbarone.de/hitler-steiner-mussolini-anthroposophie-und-faschismus-gestern-und-heute/

    Gefällt mir

  4. „Anthroposophie und Nationalsozialismus: ‘Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft’

    Die Anthroposophie hatte als konkurrierende Weltanschauung erbitterte Gegner innerhalb des nationalsozialistischen Machtapparats. Sie fand aber auch zahlreiche einflussreiche Förderer und Unterstützer, unter diesen am bekanntesten der „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß. Was machte die anthroposophischen Angebote aus Sicht ihrer nationalsozialistischen Unterstützer attraktiv? Gibt es eine Kontinuität vom „Dritten Reich“ bis in die Gegenwart? Von Andreas Lichte.

    Anthroposophen arbeiteten in allen für sie wichtigen Praxisfeldern mit nationalsozialistischen Organisationen zusammen, im Überblick:

    – Waldorfschulen: „Das Motto der Waldorfbewegung im »Dritten Reich« lautete: »Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft.«1 Ihrer Selbstdarstellung zufolge lieferte die anthroposophische Pädagogik einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des neuen Deutschlands durch »die Pflege des völkischen Gedankens und die Betonung des Wesens und der Aufgaben des deutschen Geistes« und stand damit »im Einklang mit der Grundgesinnung des nationalsozialistischen Staates«.2“3

    – Anthroposophische Medizin: „Die Vereinigung anthroposophischer Ärzte stellte eine Hauptstütze der NS-treuen »Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde dar«.“4

    – „Biologisch-dynamische“ Landwirtschaft: „1935 wurde der »Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise« korporatives Mitglied der nationalsozialistischen »Deutschen Gesellschaft für Lebensreform« (Motto: »Die Weltanschauung der Deutschen Lebensreformbewegung ist der Nationalsozialismus«).“5

    Was machte die anthroposophischen Angebote für ihre nationalsozialistischen Unterstützer attraktiv? (…)“

    weiter: http://www.ruhrbarone.de/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft/

    Gefällt mir

  5. „‘Töne wie aus einer undichten Gummizelle!’

    (…)

    Bernd Durstewitz: „Haben Sie etwas dagegen, mit der Waldorfschule in Verbindung gebracht zu werden?“

    Harry Rowohlt: „Alles. Wegen der ewigen Verwechselung habe ich mich mal mit den Schriften Rudolf Steiners beschäftigt. Da fand ich eine schöne Textstelle: ‘Der Blonde, Blauäugige ist dem Dunkelhaarigen, Braunäugigen intellektuell überlegen, weil bei Letzterem zuviel Geisteskraft in die Pigmentierung fließt’. Das wäre geeignet gewesen für ein Quellenverzeichnis von Hitlers ‘Mein Kampf’. Töne wie aus einer undichten Gummizelle!“

    (…)“

    zum Artikel bei hpd: https://hpd.de/artikel/10216

    Gefällt mir

    • seltsame Anregung:

      warum schreibst Du nicht selber den Kommentar (im Soester Anzeiger), wenn er Dir so wichtig erscheint?

      ( P.S.: meine Kommentare scheinen ja mächtig Eindruck zu machen, wenn Dir die wenigen Zeilen als „Quadratmeter“ erscheinen – Danke! – vielleicht liest du einfach mal die dazugehörigen Artikel, dieser ist für den Anfang auch nicht schlecht: Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’ )

      Gefällt mir

      • Ich kennte mich nicht so gut in der Steinerei aus wie du. Deshalb würde ich das Kommentieren eines solch posititven Presseartikels über einen Walldorf-Kindergarten lieber einem Experten überlassen. Es verwundert mich deshalb etwas, dass du meine diesbezügliche Anregung als seltsam empfindest. Oder bist du kein Experte in Sachen Anthroposophie? Beschränkst du deine Aktivitäten etwas darauf, immer wieder die gleichen Texte zu kopieren? Wenn ja, wäre das verschwendete Zeit. Ein solches Vorgehen nutzt sich ab, ist zahnlos. Wenn man diesem Mist an den Kragen will, muss man offensiv werden. So ein Presseartikel fordert doch geradzu dazu heraus. Also ran an den Speck und Butter bei die Fisch!

        Gefällt mir

  6. @ Jan Hardo

    Du schreibst: „Ich kennte mich nicht so gut in der Steinerei aus wie du (…)“

    ich bin sicher, dass es Dir gelingt, einen kritischen Kommentar über „Rudolf Steiner, einen der größten Scharlatane und Rassisten des zwanzigsten Jahrhunderts“ zu schreiben – und falls Dir gar nichts Neues und Eigenes einfallen sollte: copy & paste von dem, was ich gerade in Anführungszeichen gesetzt habe …

    passend dazu auch noch:

    “Der Begründer der anthroposophischen Bewegung war als Dichter ein stümpernder Epigone, als Mystiker ein Hochstapler, als Philosoph eine Null, als Naturforscher ein Scharlatan und nur als Sektenpriester ein Genie.”

    Gerhard Henschel

    Gefällt mir

    • … stellt sich auch noch die grundsätzliche Frage, warum man in einer Lokalzeitung (hier: im „Soester Anzeiger“) unter einem alten Artikel (28.10.2014) überhaupt noch einen Kommentar schreiben sollte – was wäre Dein Ziel? Was willst Du erreichen?

      Ich hab das früher hin und wieder gemacht, in der Regel ohne jedes messbare Ergebnis. Lediglich in der „Badischen Zeitung“ habe ich eine Zeitlang regelmässig kommentiert, mit Ergebnis – ein Kommentar ist indirekt bei SPIEGEL online gelandet:

      SPON, „Heute in den Feuilletons: ‘Die Angst vor der Gurukratie hat sich gelegt‘

      Aus den Blogs, 25.10.2011

      Andreas Lichte von den Ruhrbaronen ist nicht so einverstanden mit Peter Sloterdijks Rudolf-Steiner-Exhumierung. Zu Sloterdijks Behauptung, Steiner ermögliche eine Koexistenz der Menschen auf dem Planeten, stellt er Steiners Zitat über Menschen in Afrika: “Sehen wir uns zunächst die Schwarzen in Afrika an. Diese Schwarzen in Afrika haben die Eigentümlichkeit, dass sie alles Licht und alle Wärme vom Weltenraum aufsaugen. Sie nehmen das auf. Und dieses Licht und diese Wärme im Weltenraum, die kann nicht durch den ganzen Körper durchgehen, weil ja der Mensch immer ein Mensch ist, selbst wenn er ein Schwarzer ist… Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.” Und später dann: “Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.”

      Gefällt mir

  7. Spannend, dass sich Frau Barths Ansichten zu Bert Hellinger in wesentlichen Bereichen relatviert haben (S. 132, S. 135). Das ist zu würdigen. Danke Frau Barth, dass sie nicht festgehalten haben! Liebe Grüße CGB.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s