5.Februar 2011 – Massensterben durch homöopathische „Überdosis“?


Massen-„Überdosis“ soll Nutzlosigkeit der Homöopathie demonstrieren

Aktion mit dem Slogan „Homöopathie – Nichts drin, nichts dran!“

In 16 Ländern Europas, darunter die Schweiz, Österreich und Deutschland, wollen Verbraucherschützer die Nutzlosigkeit der Homöopathie aufzeigen. Demonstranten in Berlin, Essen, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Wien und Zürich nehmen am 5. Februar 2011 um 10 Uhr 23 ganze Fläschchen homöopathischer Mittel ein, unter anderem hochpotenziertes Quecksilber, Eisenhut, Tollkirche und Brechnuss. Die Aktion ist Teil der internationalen 1023-Kampagne, die bis zur Antarktis reicht.

Die Aktion soll zeigen, dass homöopathische Mittel häufig so hoch verdünnt sind, dass nichts mehr von den Grundsubstanzen enthalten ist. „Für Lösungsmittel oder Zucker ohne Inhalt sind fast 10 Euro ein stolzer Preis“, so Amardeo Sarma, der Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) e.V., die die Aktion in Deutschland koordiniert.

Zur gleichen Zeit findet die Aktion auch vor dem europäischen Parlament in Brüssel mit anschließender Pressekonferenz statt: Dort wird gegen die gesetzlichen Sonderregelungen für die Homöopathie und anthroposophische Medizin protestiert, bei denen Deutschland eine unrühmliche Rolle spielt. Kritisiert wird, dass in neuen europäischen EU-Richtlinien objektive Qualitätsmaßstäbe in der Medizin speziell für homöopathische und anthroposophische Mittel außer Kraft gesetzt wurden und damit die Arzneimittelsicherheit nicht mehr gegeben ist. Der Lobby der Hersteller solcher Mittel ist es gelungen, zahlreiche Ausnahmen in der Gesetzgebung durchzusetzen. „Ein solches Einknicken zugunsten der Selbstbedienung einer Herstellerlobby ist ohne Beispiel in Deutschland und Europa“, so Sarma. Eine ausführliche  Erläuterung findet sich HIER.Bereits 1976 führte Deutschland den Binnenkonsenses für „besondere“ Therapien ein und setzte objektive Prüfkriterien für diese Bereiche außer Kraft.

Der Name der Kampagne „1023“ leitet sich von der Avogadro´schen Zahl ab, einer chemischen Stoffmengengesetzmäßigkeit, nach der bei einer Verdünnung von mehr als 1: 1023 statistisch gesehen kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr in der Lösung vorhanden ist.

gwup

Weitere Artikel zum Thema Homöopathie aus dem Blog der GWUP:

Homöopathie: Unmögliches muss man nicht erklären


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Ein Gedanke zu “5.Februar 2011 – Massensterben durch homöopathische „Überdosis“?

  1. Wie der Zufall es will, erhielt ich am 4.02.2011 von der Bundestagsfraktion „DIE GRÜNEN“ die nachstehende (verspätete) Anwort auf eine E-Mail, die ich im Juli 2010 an deren Bundestagsfraktion übermittelt hatte:

    Sehr geehrter Herr…….
    Sie hatten uns aufgrund des Artikels „Der große Schüttelfrust“ im Spiegel 28/2010 beziehungsweise der sich daran anschließenden Berichterstattung in den Tageszeitungen am 13. und 14. Juli 2010 angeschrieben. Entschuldigen Sie bitte meine späte Antwort. Ihre Mails wurden bei uns leider falsch eingeordnet. Ich möchte Ihnen aber unsere Position nicht vorenthalten.

    Wir Grünen machen uns für die Komplementärmedizin stark. So heißt
    es im bündnisgrünen Bundestagswahlprogramm 2009 „Patientinnen und Patienten müssen darüber hinaus Wahlmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Behandlungsarten auch unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden haben. Naturheilmedizin und komplementärmedizinische Angebote müssen einen gleichberechtigten Stellenwert in der gesundheitlichen Versorgung erhalten.“

    Ein Ausdruck davon ist, dass in der rot-grünen Regierungszeit der § 2 (Leistungen) im SGB V (das Sozialgesetzbuch für die gesetzliche Krankenversicherung) ergänzt wurde. Ende 2003 wurde der Satz zu den besonderen Therapierichtungen eingefügt. § 2 (1) SGB V lautet: „Die Krankenkassen stellen den Versicherten die im Dritten Kapitel genannten Leistungen unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebots (§ 12) zur Verfügung, soweit diese Leistungen nicht der Eigenverantwortung der Versicherten zugerechnet werden. Behandlungsmethoden, Arznei- und Heilmittel der besonderen Therapierichtungen sind nicht ausgeschlossen. Qualität und Wirksamkeit der Leistungen haben dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen und den medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen.“

    Diese Einfügung wurde und wird von verschiedenen Seiten kritisiert. Zum einen erfolgt die Kritik von GegnerInnen (wie aktuell im Spiegel) zum anderen von den BefürworterInnen der Komplementärmedizin, denen die Formulierung „nicht ausgeschlossen“ zu restriktiv ist.

    Wir Grünen erwarten, dass Medikamente der „Schulmedizin“ nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie ihre Evidenz nachgewiesen haben und stehen dazu, dass im Arzneimittelmarkt (zum Beispiel via Festbeträge) nur für Medikamente mit echtem Zusatznutzen höhere Preise durch die Krankenkassen gezahlt werden. Konsequenterweise können und wollen wir – trotz hoher Sympathie für die Komplementärmedizin – dieser keinen Blankoscheck ausstellen. Auch hier ist für die Erstattung im GKV-System ein Wirksamkeitsnachweis notwendig. Dabei müssen Ansätze gefunden werden, die den komplementär-medizinschen Vorgehensweisen – aber auch vielen anderen Bereichen des Gesundheitswesens (zum Beispiel Psychotherapie, Ergo- und Physiotherapie) eher gerecht wird.
    Zu dieser Fragestellung hat die grüne Bundestagsfraktion im April 2008 ein Fachgespräch „Komplementärmedizin auf dem Prüfstand“ durchgeführt. Mehr dazu unter: http://www.gruene-bundestag.de/cms/gesundheit/dok/230/230375.komplementaermedizin_auf_dem_pruefstand.html

    Dass der Nachweis von Wirksamkeit und Qualität eindrucksvoll gelingen kann, zeigen die Ergebnisse der Modellversuche zur Akupunktur in Deutschland. Diese ist der schulmedizinischen Standardtherapie bei Knie- und Rückenproblemen deutlich überlegen. Bei der Entscheidung zur Übernahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen stellte sich jedoch die Frage, ob mit zweierlei Maß gemessen werde. Zwar scheiterten die Versuche, der Akupunktur die Aufnahme zu verweigern, jedoch führte dies nicht dazu, die bestehende – im Behandlungsergebnis deutlich schlechtere – leitliniengerechte Behandlung in Frage zu stellen.

    Mehr Informationen zu dieser Entscheidung finden Sie unter http://www.g-ba.de/informationen/aktuell/pressemitteilungen/83/ Die Details zur Richtlinie und den tragenden Gründen finden sich unter: http://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/295/

    Das von Herrn Lauterbach geforderte Verbot der Erstattung der Homöopathie durch die GKV (Frau Reimann hat sich für die SPD-Bundestagsfraktion bereits davon distanziert) ist für uns Grüne nicht akzeptabel. Verwunderlich ist auch die Argumentation, dass man damit Kosten sparen kann. Vielleicht glauben die Kritiker der Homöopathie bei ihren ökonomischen Betrachtungenja doch an homöopathische Dosen: Denn nur 0,08 Prozent der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Kassen und 0,11 Prozent der Ausgaben der ambulanten Behandlungskosten entfallen auf die Homöopathie.

    Mit freundlichen Grüßen
    C. Ilawa
    Bündnis 90/Die Grünen
    Bundestagsfraktion
    Info-Service

    Ich lasse diese bescheuerte Antwort mal so stehen und komme in Kürze darauf zurück. Ich muß diese schwachsinnige Antwort erstmal verkraften !

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