Wahrsagern und Kartenlegern wird das Geschäft erschwert


Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit einem am Donnerstag verkündeten Urteil Wahrsagern und Kartenlegern das Geschäft erschwert. Dem Urteil zufolge sind Honorarverträge, die mit Kunden in „schwierigen Lebenssituationen“ oder psychisch labilen Menschen abgeschlossen wurden, sittenwidrig und nichtig.

Wahrsager, Kartenleger und andere angeblich mit übernatürlichen Kräften versehene Lebensberater müssen bei ihrem Geschäft mit der Zukunft künftig empfindliche Einbußen in Kauf nehmen. Ihre Honorarverträge sind sittenwidrig und nichtig, wenn sie mit Kunden in „schwierigen Lebenssituationen“ oder psychisch labilen Menschen abgeschlossen wurden, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem am Donnerstag in Karlsruhe verkündeten Urteil. Geschädigte können dann gezahlte Gelder zurückverlangen. (AZ: III ZR 87/10)

Im vorliegenden Fall hatte ein Messebauer nach der Trennung von seiner Freundin solch großen Liebeskummer, dass er eine Kartenlegerin im Raum Stuttgart aufsuchte, die „Life-Coaching“ anbot und mit ihren angeblich übernatürlichen Fähigkeiten warb. Nach den Worten seines Anwalts Alfred Steudel wurde der Mann dann aber von der Frau „wie in einer Sekte“ in ihre Welt hinein gezogen und „wie eine Weihnachtsgans ausgenommen“: 2008 zahlte er mehr als 35.000 Euro dafür, dass seine Freundin zu ihm zurückkehren sollte.

Erst Anfang 2009 kam der Mann nach einer Sektenberatung der Stuttgarter Aktion Bildungsinformation zur Besinnung und verweigerte die Zahlung von weiteren knapp 7000 Euro. Die Kartenlegerin suchte deshalb weltliche Hilfe und zog vor Gericht. Ihre Tätigkeit falle unter die Berufsfreiheit, und für ihre Leistung könne sie ebenso Geld verlangen wie etwa ein Priester, der ein Haus mit Weihwasser segnet, argumentierte ihr Anwalt vor dem BGH.

Das Gericht stimmte dem zunächst grundsätzlich zu: Ist ein Kunde, der magische Leistungen einkauft, sich seines irrationalen Verhaltens bewusst, muss er wegen der gesetzlich geschützten Vertragsfreiheit dafür auch bezahlen. Dies gilt allerdings nicht, wenn Leichtgläubige oder Menschen in schwierigen Lebenssituationen solche Verträge schließen, entschied der BGH.

Nun muss das Landgericht Stuttgart dem Urteil zufolge prüfen, ob die Kartenlegerin die Zwangslage und das mangelnde Urteilsvermögen ihres Kunden ausgebeutet und damit gegen „die guten Sitten“ verstoßen hat.

8 Gedanken zu “Wahrsagern und Kartenlegern wird das Geschäft erschwert

  1. Eine sensationelle Nachricht, wenn man sie richtig liest:

    „Honorarverträge sind sittenwidrig und nichtig, wenn sie mit Kunden in „schwierigen Lebenssituationen“ oder psychisch labilen Menschen abgeschlossen wurden, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem am Donnerstag in Karlsruhe verkündeten Urteil. Geschädigte können dann gezahlte Gelder zurückverlangen. (AZ: III ZR 87/10)“

    „schwierige Lebenssituation“, oder „psychisch labile Menschen“, trifft sicher auf den grössten Teil der „Kunden“ der Esoterik-Branche zu …

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  2. Eine leider sehr schwammige und vielseitig auslegbare Entscheidung des Bundesgerichtshofes. Weshalb werden eigentlich die allzu gutgläubigen, uninformierten Menschen (davon gibt es leider viel zuviele!) nicht generell vor diesen esoterischen, betrügerischen Abzockern durch eine eindeutige gesetzliche Regelung geschützt ? Nur ein striktes Verbot für esoterische Dienstleistungen, die mit unlauteren Versprechen erschlichen werden, schützt die Menschen vor diesen offensichtlichen Betrügereien.

    Im Jahre 2003 war es ausgerechnet die bayerische CSU, die im Bundestag einen Gesetzesentwurf zur Regelung des Psychomarktes einbrachte. Dieser unter dem Begriff
    „Lebensbewältigungshilfegesetz“ bekannt gewordene Gesetzesentwurf
    fand jedoch in der damaligen rot-grünen Koalitionsregierung unter Gerhard Schröder keine Zustimmung. Einmal mehr war es die Alles-Verweigerer-Partei DIE GRÜNEN, die diesem Entwurf die Zustimmung versagte. (Übrigens: Die Grüne Rente Künast ist auch eine Verfechterin alternativer Medizin wie die Homöopathie.)

    Nachzulesen unter http://www.AGPF.de – Stichworte „Psychomarkt und Lebensbewältigungshilfegesetz“.

    Wie mir der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete, Dr. Stefan Kaufmann, auf Anfrage mitteilte, ist derzeit keine neue Initiative für ein solches Gesetz geplant.

    Während Maßnahmen zum Verbraucher- und Konsumentenschutz für Lebensmittel längst selbstverständlich sind, bestehen für den Esoterikmarkt kaum, bzw. nur ungenügende Schutzvorschriften. Ein Verbot, wie es z.B. für Drogen besteht, existiert für die Droge „Esoterik“ leider nicht.

    Fakt ist, dass z.B. die als harmlos bewertete Esoterikdisziplin
    „Astrologie“ (nachweislich eine Pseudowissenschaft) für labile Gemüter die Funktion einer Einstiegsdroge in weitere, abstruse und seelische Abhängigkeiten verursachende Esoterikdisziplinen hat. Die daraus resultierenden psychischen Schäden werden von der Politik und der Öffentlichkeit weitgehend verharmlost und ignoriert.

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  3. Es wird letztendlich darauf hinauslaufen, dass sich jeder esoterische Anbieter einen Vordruck unterschreiben lässt, der genau die Punkte ausschließt, die riskant sein könnten.

    Schwierig wird die Umsetzung nur am Telefon. Vielleicht lässt man da dann ein Band ablaufen und zeichnet die akustische Zustimmung des Kunden auf.

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  4. @ Elke

    „Es wird letztendlich darauf hinauslaufen, dass sich jeder esoterische Anbieter einen Vordruck unterschreiben lässt, der genau die Punkte ausschließt, die riskant sein könnten.“

    „schwierige Lebenssituation“, oder „psychisch labile Menschen“, läßt sich nicht vertraglich ausschliessen:

    jeder kann sich vor Gericht darauf berufen, dass er zur Zeit der Vertragsunterzeichnung in einer „schwierigen Lebenssituation“ oder „psychisch labil“ war. Auch wenn er vertraglich etwas anderes erklärt hat: „Ich stand dermassen unter psychischem Druck, dass ich unterzeichnen musste …“

    Ich sehe allerdings das Problem, dass die meisten Esoterik-Fans dermassen stark von ihrem Glauben abhängig sind, daß sie gar nicht erst klagen werden. Würde ja die eigenen Ansichten – und das eigene Leben – in Frage stellen. Psychiatrisches Gutachten inbegriffen.

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    • ………„Es wird letztendlich darauf hinauslaufen, dass sich jeder esoterische Anbieter einen Vordruck unterschreiben lässt, der genau die Punkte ausschließt, die riskant sein könnten.“……

      Das ist wie im Krankenhaus vor einer Behandlung (Operation)! Es gibt im Bereich des Ausschließens somit keinen Unterschied! Wo allerdings sehr wohl ein Unterschied besteht ist in der Tragweite eines Ausschlußes im Krankenhaus, kein weiteres Kommentar!

      Wie allerdings eine „..schwierige Lebenssituation“ oder ein …“psychisch labiler Mensch“ von solchen Scharlatanen erkannt werden kann, steht in den Sternen, wie soll auch ein psychisch gestörter Mensch einen anderen ebenfalls psychisch gestörten erkennen können!

      Aus Konsumentenseite sehe ich eine einfache Möglichkeit, das wäre ein Hinweis, dass die zu gewünschte Leistung objektiv nicht erbracht werden kann!
      Das würde allerdings auch für alle anderen Leistungen gelten, die, nur als Beispiel genannt: …vom Himmel kommen, oder Beichte….! Da ist dann das Ende der Möglichkeiten erreicht, denn da spielen die, welch eine Ironie,anerkannten Religionen nicht mit!
      Daher wird und kann sich ja gar nichts ändern, solange die Verbundenheit zwischen Staat und Kirche existiert! Leider….!

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