Maischberger: Übersinnliche Kräfte, Mysterium oder Mumpitz?


Das Eis der Esoterik bietet eine große Fläche zum Tanz der Scharlatane und ist ebenso dünn wie ihre obskuren pseudowissenschaftlichen Erklärungsmodelle. Dies zeigte sich auch in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ vom 16. November 2010 in der ARD.

Zum Auftakt der Sendung ein Gongschlag zum Raumclearing, Nora Rhiola Klee schlug mit dieser Nummer zwar nicht ein wie eine Granate, vielmehr schepperte der eher blecherne Klang auf´s Trommelfell und wurde im Anschluss nur noch vom sonoren Beat einer Bergkristallklangschale übertönt, was schließlich den letzten bösen Geist im Studio zur Flucht ins Walhalla veranlasst haben könnte. Die Wirksamkeit mitgebrachter 12 Flusskiesel dürfte hierbei in etwa so gering sein wie der marktübliche Preis von ca. 24 Franken je Kubikmeter dieses eher kühlen Gerölls.Genau so dünn die Aussagen zu imaginären Energien von Herrn Rüdiger Dalke welche wohl auf sein letztes luminizenzbasierte Menü der Lichtnahrung zurückzuführen war. Aalglatt und dünn wie Flundern seine Statements auf denen er sich kaum festnageln ließ. Rhiola Klee´s schepperndes Potpory vermochte es nicht einmal seinen behandlungsresistenten dünnen Geist in die Flucht zu schlagen und so verweilte dieser esoterisch dauersmilend in der Sendung.

Kim-Anne Jannes beeindruckte mit der esoterischen Variante von Ghostbusters und jagte Seelenanteile und „geistige Fragmente“ des längst verstorbenen Ministerpräsidenten Uwe Barschel, über den eigentlich schon einiges Gras gewachsen sein sollte, durchs Studio. Mit dieser Nummer dürfte sie sich in den Reigen jener (Un)- Heilpraktiker (in ihrem Fall eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie) einreihen, welche ihr eigenes Ego mehr pflegen als sich selbstkritisch mit ihrem innewohnenden Helfersyndrom auseinander zu setzen. Übrigens Heilpraktiker, jenes Relikt aus Bismarcks Zeiten welches ehemals der Volksgesundheit dienen sollte. Eine echte Prüfung im herkömmlichen Sinne hierzu gibt es übrigens nicht, vielmehr ist es Bestandteil einer Durchführungsverordnung zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung, so Amtsdeutsch nüchtern.

Ernüchternd übrigens auch Frau Kim-Anne Jannes` weitere „Qualifizierungen“ nach denen sie sich dazu berufen fühlt an der Psyche ihrer ohnehin schon geschwächten Klienten herum zu experimentieren. Trauer- bzw. Sterbebegleitung kann im Prinzip jeder leisten der etwas Einfühlungsvermögen inne hat und nicht völlig asozial lebt. Qualifizierungen hierzu kommen ohnehin meist nicht über das Niveau eines Kurscharakters hinaus. Dementsprechend druckste Jannes auch herum und die Antwort darüber glich eher dem Ergebnis einer schweren Geburt bei der Maischberger und der Psychologe Collin Goldner ihre rhetorischen Hebammenqualitäten zum Einsatz bringen mussten.

Im großen und ganzem reicht es immer wieder wenn man Goldner zitiert und feststellt, dass es zwei Kategorien von Esoterikern gibt – die eine ist ein akuter Fall für die Psychologen, die andere für den Staatsanwalt. Ausschnitte zur Sendung findet man auf YouTube, die volle Packung erhält man hier in der Mediathek.

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5 Gedanken zu “Maischberger: Übersinnliche Kräfte, Mysterium oder Mumpitz?

  1. Es ist eine absolute Frechheit, dass esoterisch vernebelte Schwachköpfe ihre Absurditäten im Fernsehen überhaupt darstellen dürfen. Dahlke, Klee und Jannes schwafeln Blödsinn, stellen absurde Behauptungen in den Raum, ohne diese gleichzeitig in irgendeiner Form auch nur ansatzweise nachweisen zu müssen.

    Die Sendung war wieder einmal ein Musterbeispiel dafür, dass anscheindend die Gier nach hohen Einschaltquoten wohl über den Nutzen im Sinne von Aufklärung für die Zuschauer gestellt wird. Und Frau Maischberger macht sich damit – ob sie es will oder nicht – zur Unterstützerin einer aktiven Volksverdummung.

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  2. Ich kann „Homer“ nur zu 100 Prozent zustimmen. Mit dieser Sendung hat die ARD ihren Bildungsauftrag einmal mehr missachtet und es zugelassen, dass leichtgläubige Menschen sich in ihrem esoterischen Glauben bestätigt fühlen dürfen. Es ist leider so, dass die Gesprächsführung durch Frau Maischberger, die sich offenbar dazu berufen fühlte, in dieser Frage keine Klarheit herzustellen, sondern Neutralität walten zu lassen, den Glauben am esoterischen Schwachsinn eher nährt und die Skeptiker an der Esoterik sozusagen als Spielverderber oder Ignoranten erscheinen läßt, die alles ablehnen, was sich nicht beweisen läßt.

    Exakt auf diese Art und Weise funktioniert Volksverdummung, weil die Verfechter esoterischen Humbugs sich nicht verpflichtet fühlen – und in der Sendung auch nicht konsequent dazu aufgefordert wurden – den Beweis für ihre Thesen anzutreten. Das aber wäre die Mindestanforderung gewesen, die man an die Protagonisten und Verkünder esoterischer Lehren hätte stellen müssen.

    Einmal mehr wurde die Chance vertan, rigoros und schonungslos die kriminellen Machenschaften in der Esoterikbranche aufzudecken und die Dinge unmissverständlich beim Namen zu nennen. Der uninformierte (unaufgeklärte) und nach der Wahrheit suchende Zuschauer blieb nach Schluß der Sendung seinen Zweifeln überlassen und musste sich entweder für die eine oder die andere Seite entscheiden.

    Leider hat diese Sendung in keinster Weise dazu beizutragen, den hirnrissigen esoterischen Stumpfsinn in seiner ganzen verbrecherischen Qualität darzustellen. Aufgabe der ARD wäre es jedoch gewesen, diese Aufklärung ohne Wenn und Aber zu liefern. Die Moderation à la Maischberger trug leider in dieser Hinsicht rein gar nichts dazu bei. Verbraucherschutz gegen esoterische Scharlatanerie ist aber nicht nur bei der ARD, sondern auch beim ZDF offensichtlich kein Thema. Die esoterischen Bauernfänger (Astrologen, Vermittler von Engels- und Jenseitskontakten, Partnerrückführungs-Magier, Kartenleger usw.) wissen das bestimmt sehr zu schätzen.

    Es bleibt die Hoffnung, dass sich einige von diesen Eso-Gauklern durch die Sendung dazu angeregt fühlen, sich als „Lichtesser“ zu versuchen. Das könnte auf biologischem Wege dazu führen, dass sich deren Zahl in kürzester Zeit etwas verringert.

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    • Bei aller Hibbeligkeit des Prof.Oberhumer: er hat durchaus die richtigen Fragen gestellt. Goldner sowieso. Mehr ist von einer Maischberger-Sendung nicht zu erwarten. Leider!

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      • Conny, sehe ich eigentlich auch so. Mal ein Physiker, der richtig leidenschaftlich debattierte.

        Oberhummer und Goldner hätten es in diesem Format nicht besser machen können und im Vergleich zur letzten Eso-Sendung bei Maischberger, war das ein echter Lichtblick.

        Maischberger selbst macht sowieso nicht den Eindruck, sich im Vorfeld einer Sendung thematisch zu informieren. Die sieht sich doch nicht einmal die Webseiten ihrer Gäste näher an.

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