Rudolf Steiner Doppelausstellung – Ein Lügen-Kosmos


Täuschen, tricksen, tarnen: Die Rudolf-Steiner-Doppelausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg (von denen die eine  – Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart – mit dem 3. Oktober 2010 zu Ende gegangen ist, die andere – Rudolf Steiner und die Alchemie des Alltags – noch bis zum 21. November 2010 verlängert wird) hat vorgeführt bzw. tut es noch, wie ein öffentlicher Eindruck erzeugt werden kann, der den tatsächlichen Ambitionen und Gegebenheiten nicht im Geringsten entspricht.  Maßgeblich dazu beigetragen hat – entgegen offiziell anderslautender Darstellung – die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland …

Und weiter auf „Steiner im Brett“

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11 Gedanken zu “Rudolf Steiner Doppelausstellung – Ein Lügen-Kosmos

  1. „Und welche Freiheit, welche Kreativität sind gemeint in einer Schulphilosophie [der Waldorfschule], deren Erfinder [Rudolf Steiner] weder als Demokrat, noch als Ästhet hervorgetreten ist, sondern der eine autoritäre Geisteshaltung einnahm und eine naturalistische Schrumpfästhetik bevorzugte?“

    Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien, im Interview:

    „Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein“

    http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/30117

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  2. “Der Begründer der anthroposophischen Bewegung war als Dichter ein stümpernder Epigone, als Mystiker ein Hochstapler, als Philosoph eine Null, als Naturforscher ein Scharlatan und nur als Sektenpriester ein Genie.”

    Gerhard Henschel

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    • Wo ein Hochstapler ist, gibt es auch noch andere …

      Joseph Beuys hat das „Kunststück“ fertig gebracht, Rudolf Steiner zu plagiieren:

      „Gegenteil-Tag, 365 Tage im Jahr – Rudolf Steiner, ‘Denker’ der Waldorfschule

      (…)

      Bei Rudolf Steiner ist Gegenteil-Tag, 365 Tage im Jahr

      Rudolf Steiner erklärt am besten selber, was damit gemeint ist, Zitat Steiner:

      „Nun glaubt die Wissenschaft, daß das Herz eine Art von Pumpe ist. Das ist eine groteske phantastische Vorstellung. Niemals hat der Okkultismus eine solch phantastische Behauptung aufgestellt wie der heutige Materialismus. Das, was die bewegende Kraft des Blutes ist, sind die Gefühle der Seele. Die Seele treibt das Blut, und das Herz bewegt sich, weil es vom Blute getrieben wird. Also genau das Umgekehrte ist wahr von dem, was die materialistische Wissenschaft sagt.“6

      Ausgewählt habe ich, meine Zusammenfassung, „Das Herz ist KEINE Pumpe!“, weil hier vermutlich jeder Leser umdenken muss. Aber das Prinzip, dass Rudolf Steiner jedem bekannte Tatsachen als „falsch“ hinstellt, um das genaue Gegenteil als „richtig“ zu erklären, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Auch hier gilt: selber lesen, selber staunen!

      Vorstellen möchte ich nur noch eine Erkenntnis Rudolf Steiners zu einem Organ, das ähnlich elementar ist wie das „Herz“: der „Kopf“. Elementar wie der Waldorf-Werbeslogan: „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“.

      Und der Leser erfährt ganz nebenbei, warum Joseph Beuys kein origineller Künstler ist, sondern ein dreister Steiner-Plagiator, wenn er mit seinem in die (Kunst-) Geschichte eingegangenen Zitat sagt:

      „Ich denke sowieso mit dem Knie“

      Wie Rudolf Steiner ‘denkt’, erklärt er in seinem Buch „Menschenerkenntnis und Unterrichtsgestaltung“, Pflichtlektüre im „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“7.

      In seinem Vortrag von 1921 appelliert Steiner zunächst an seine Leser – bzw. an die ihm zuhörenden Waldorflehrer –, sich von den „Vorurteilen der Wissenschaft“ frei zu machen:

      „Es handelt sich ja so sehr darum, wenn man wirklich das Wesen des Menschen in der richtigen Weise sich vergegenwärtigen will, dass man Abschied nimmt von mancherlei Vorurteilen, die die neuere wissenschaftliche Weltanschauung schon einmal mit sich heraufgebracht hat.“8;

      Es folgt Steiners anthroposophische Wahrheit über das Denken:

      „Von den logischen Funktionen: Vorstellen, Urteilen, Schließen, ist eigentlich nur das Vorstellen eine wirkliche Kopffunktion. Und dessen sollen wir uns sehr bewußt werden, dass eigentlich nur das Vorstellungen bilden, nicht aber das Urteilen und das Schließen, eine Kopffunktion ist.“9

      Möglichen Einwänden noch ungläubiger Lehrer und Leser begegnet Steiner so:

      „Sie werden sagen: Allmählich wird der Kopf durch die Geisteswissenschaft [Anmerkung: „Geisteswissenschaft“ ist synonym für „Anthroposophie“] ganz außer Gebrauch gesetzt. – Aber das ist tatsächlich etwas, was im tiefsten Sinn der Wirklichkeit entspricht, denn wir haben an unserem Kopf nicht so außerordentlich viel als Menschen im Leben zwischen der Geburt und dem Tode.“10

      Eine wirkliche Funktion hat der Kopf nur im Hinblick auf die nachtodliche – bzw. vorgeburtliche – Existenz des Menschen, „weil er eigentlich ein Abbild ist unserer geistigen Organisation zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Er ist in gewissem Sinn ein Siegelabdruck desjenigen, was wir waren vor unserer Geburt, vor unserer Empfängnis.“11

      Um die anthroposophische Erkenntnis zu vertiefen, benutzt Steiner dann ein eindrucksvolles Bild für den „Kopf“:

      „Er sitzt auf dem Körper wie ein Parasit darauf und benimmt sich auch wie ein Parasit. Es ist schon notwendig, daß man die materialistische Anschauung, als ob wir vom Kopf so außerordentlich viel hätten – wir brauchen ihn als Spiegelungsapparat –, daß man diese Ansicht aufgibt. Das ist schon notwendig. Wir müssen den Kopf ansehen lernen als ein Bild unserer vorgeburtlich geistig-seelischen Organisation.“12

      Wenn wir also nicht ausschließlich mit dem Kopf denken, womit dann? Steiners Antwort:

      „Das Urteilen ist eigentlich an den mittleren Organismus und namentlich an die Arme und Hände gebunden. Wir urteilen eigentlich in Wirklichkeit mit den Armen und Händen. Vorstellen tun wir mit dem Kopf. Wenn wir also also den Inhalt eines Urteils vorstellen, so geht das Urteilen selbst in den Mechanismus der Arme und Hände vor sich, und nur das vorstellungsgemäße Spiegelbild geht im Kopfe vor sich. Sie werden da ja auch innerlich begreifen können und es dann als eine wichtige didaktische Wahrheit durchschauen.“13

      „Das Schließen, das Schlüsse bilden, hängt nun zusammen mit den Beinen und Füßen. Natürlich werden Sie heute ausgelacht, wenn Sie einem Psychologen sagen, man schließt mit den Beinen, mit den Füßen, aber das letztere ist doch die Wahrheit, und würden wir als Mensch nicht auf Beine und Füße hin organisiert sein, würden wir eben nicht Schlüsse bilden können. Die Sache ist so: Vorstellen tun wir mit dem Ätherleib, und der hat seinen Rückhalt an der Hauptesorganisation, aber urteilen tun wir – also in ursprünglicher elementarer Weise – mit dem astralischen Leib, und der hat seinen Rückhalt an Armen und Händen für das Urteilen. Schließen mit den Beinen und Füßen, denn schließen tun wir mit dem Ich, das hat dabei Rückhalt an den Beinen und Füßen.“14

      Wer wollte hier lachen? Joseph Beuys wurde mit Steiners ‘Denken’ berühmt, und Rudolf Steiners Denkschule Waldorfschule erfreut sich größter Beliebtheit.

      zum vollständigen Artikel mit Quellenangaben: http://www.schiebener.net/wordpress/?p=29762

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      • aktueller Anlass für meine Kommentare:

        Anthroposophen werden nicht müde, Ihren Guru Rudolf Steiner auch als Künstler zu verkaufen, u.a. in Japan – hier dazu ein Artikel des „Waldorfblog“:

        „Eklektik, Kitsch und Karma: Steiner-Ausstellung in Tokyo

        10. August 2014, von Deniz Martin

        Im Tokyoter Watari Museum of Contemporary Art (ワタリウム美術館) findet derzeit eine Ausstellung unter dem Titel „Rudolf Steiner – Das Reich der Angeloi“ (ルドルフシュタイナー展 天使の国) statt. Der Gründer des Museums, Shizuko Watari, der 2012 starb, war schon vor 20 Jahren gerührt von Steiners Wandtafelzeichnungen und organisierte im Jahr 1991 eine Joseph Beuys-Ausstellung. Es könnte sich demnach um etwas mehr als eine jener rein kommerziellen Ausstellung handeln, die dieses Museum schon seit seiner Gründung auszeichnen. Aufgrund meines Interesses an den Auswirkungen westlicher Ideengeschichte auf die japanische Gesellschaft und die mir bisher bekannten Abstrusitäten aus der Welt der Anthroposophen beschloss ich, der Tokyoter Ausstellungen einen kleinen Besuch abzustatten. Meine heimliche Hoffnung war, dass auf Steiners Denken und dessen Entwicklung im Laufe seines Lebens eingegangen werden würde, schließlich hatte doch der Museumsgründer seine Affinitäten zu Steiners Wirken und seiner Entourage. Doch es kam nicht ganz wie erwartet.

        Um mich wenigstens ein wenig vorzubereiten, beschloss ich, nach den Stichwörtern „Japan“ und „Anthroposophie“ zu googeln, man weiß ja nie, was einem von den handelsüblichen Esoterikern so aufgetischt werden könnte. Ohne große Umschweife landete ich einen Volltreffer nach der ersten Suchanfrage. Direkt an erster Stelle aufgeführt war eine PDF-Kurzversion von Peter Bierls „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“. Der imposante Titel versprach Großartiges vom Text, und hielt, was er versprach. Darin zitiert Bierl den Artikel des Anthroposophen Yuji Agematsu „Große Prüfung Japans. Die Schwarze Welle“ aus dem Heft „Das Goetheanum, Heft 11/12, März 2011, S. 1ff.“, in welchem letzterer die Ansicht vertritt, dass die nukleare Katastrophe in Fukushima ein karmisches Payback sei. „Das ist das Schicksal Japans. Die materialistische Einstellung des Landes verursacht diese Situation. Was wir erleben, ist ein apokalyptisches Ereignis, das zugleich ein Zeichen zur Verstärkung der Bewusstseinsseele bedeutet“, (zit. n. Bierl, S. 2) heißt es in dem Artikel.

        Ich dachte immer, es hätte alles doch mehr damit zu tun, dass Japan genauso wie Deutschland sein neues Heil in der Restauration und dem Wirtschaftsaufschwung der Nachrkiegszeit suchte. Bürokratie, Politik und Wirtschaft, die neue Dreieinigkeit, wurden aber und natürlich mit einem Erdbeben bezahlt. Bierl führt aus, dass Japaner entsprechend der Wurzelrassentheorie „dekadente Mongolen, die nicht kreativ […] und spirituell nicht entwicklungsfähig“ seien (vgl. z.B. Steiner, GA 11, 42; GA 349, 59), sie seien lediglich imstande, „den westlichen Materialismus“ nachzuahmen, ihre Bewusstseinsseele sei schwach. Ist Fukushima also der Preis dafür? Er scheint jedenfalls relativ gering dafür zu sein, dass Feudalismus und das statische Klassensystem der Edo-Zeit abgeschafft wurden und dann auch noch Bonuspunkte für die Bewusstseinsseele einzukassieren waren. Karma und Erdbeben scheinen sich zu lohnen.

        (…)“

        weiter: http://waldorfblog.wordpress.com/2014/08/10/steiner-ausstellung-in-tokyo/

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  3. Der Gehirneiter, Katastophen wären Reinigungsprozesse um massenhaft schlechtes Karma wegzuputzen, fließt auch außerhalb der Steinerei. Der läuft in der Esoterik dazwischen wie Soße zwischen die Kartoffeln.

    „Melek Metatron: Der Beginn der Reinigung
    Ich weiß, dass Millionen Menschen von den Seebeben und den damit
    verbundenen Folgen schockiert und in ihrem Herzen tief bewegt sind.
    Ihr seht die Bilder der Zerstörung und obwohl es euch von uns vorausgesagt wurde, nehmt ihr
    das als Naturkatastrophe wahr und verfällt in tiefes Mitleid.
    Doch ich, Melek Metatron, der Herr der Heerscharen sage euch: Das ist dem
    Bewusstsein von Lady Gaia nicht dienlich! Es wurde euch bereits in vielen
    Channelings vorausgesagt, dass sich Mutter Erde von alten und negativen
    Gedankenmustern, die die Menschen in
    tausenden von Inkarnationen auf Lady
    Gaia abgeladen haben, befreien muss.
    Stelle dir vor, wenn du die Bilder des Schrecke
    ns siehst, dass diese Seelen zugestimmt haben,
    zu gehen und somit ihren Auftrag erfüllen.
    Manche Seelen haben nur zu diesem einen Zweck in
    karniert und hatten somit einen großen Auftrag.
    Die Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben, fühlen nun Angst und Trauer.
    Doch letztendlich rücken dadurch die Menschen in ihrem Unglück zueinander und
    Feindseligkeiten, wie derzeit gerade in Sri Lanka, werden somit ein Ende nehmen.
    Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, di
    e sich durch dieses Ereignis spirituell
    entwickeln werden und sich so energetisch erhöhen.
    Die Herzen der Menschen werden geöffnet und die Liebe kann fließen.
    Deshalb ist es jetzt so wichtig, keine Gedanken
    des Schreckens zu empfinden, sondern Gedanken der
    Liebe zu erzeugen, vor allem auch für Lady Gaia.
    Was ist genau passiert?
    Mutter Erde hat von Lady Gaia ́s Seele den Impuls erhalten, dass nun die Zeit für die
    erste große Reinigung gekommen ist, wodurch das Sterntetraeder von Mutter Erde
    angehoben wurde.
    In Zusammenarbeit mit den Delphinen konnte dies geschehen.
    Dies war die erste Phase, zwei weitere Phasen werden noch folgen.
    Melek Metatron ruft euch Lichtarbeiter auf: Stellt euch zur Verfügung, denn das
    Zeitenende naht.
    Setzt euren Fokus auf eure Spiritualität.
    Schickt Mutter Erde Erdung und sendet liebevolle Gedanken zu ihr.
    Nehmt den Menschen die Angst und lasst euer Licht leuchten.
    Seid in diesen Zeiten der Leuchtturm, stark und schützend für all diejenigen, die hilfesuchend nach
    euch Ausschau halten.
    Versucht aber auf keinem Fall, das Kommende abzuhalten.
    Lasst zu, dass der planetare Aufstieg vorangeht.
    Aus den Bereichen von El ́Shaddei grüßt euch, Melek Metatron.“
    Quelle: http://www.aufklaerungsgruppe-krokodil.de/SeebebenKryon.pdf

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    • „Katastophen wären Reinigungsprozesse um massenhaft schlechtes Karma wegzuputzen“ ist in der Esoterik ein Allgemeinplatz, da gebe ich dir Recht.

      Was Rudolf Steiners Anthroposophie unterscheidet, ist der grosse gesellschaftliche Einfluss, den sie hat. Hier einige Beispiele, längst nicht vollständig:

      http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/04/Dossier-Esoterik-Esoterisierung/seite-2

      „Die Anthroposophie als Ersatzreligion des Bildungsbürgertums

      (…)

      Die Anthroposophen sind neben den Alternativmedizinern besonders erfolgreich darin, krude Lehren mit akademischen Weihen zu schmücken. Das bizarrste Beispiel findet sich in Kassel, wo der Niederländer Ton Baars bis zum Frühjahr eine Stiftungsprofessur für biologisch-dynamische Landwirtschaft innehatte. Finanziert haben den Lehrstuhl anthroposophisch geprägte Firmen wie der Biolebensmittel-Hersteller Alnatura und die Stiftung der Darmstädter Software AG. Biodynamiker glauben, dass die Mondphasen und im Acker verbuddelte Kuhhörner das Pflanzenwachstum beeinflussen. Eine biodynamische Ernährung soll den Menschen geistig wachsen lassen. In einem seiner Artikel versucht Agrar-Professor Baars sogar die Existenz von Elfen und Klabautermännern zu belegen.

      Solche Thesen kommen aus der am besten vernetzten Esoterikfraktion Deutschlands: Die Anthroposophie ist eine Ersatzreligion des Bildungsbürgertums, ihre Anhänger gehören zur Elite des Landes. Mit der alternativen GLS Bank hat die Anthroposophie ihr eigenes Finanzinstitut. Der Gründer der Drogeriekette dm, Götz Werner, ist nicht nur häufiger Talkshowgast, sondern bekennender Anthroposoph. Konrad Schily, der Bruder des ehemaligen Innenministers Otto Schily, gründete die erste deutsche Privatuniversität Witten/Herdecke mitsamt anthroposophisch geprägter Medizinerausbildung. Die Stiftung der Software AG wiederum rettete die Hochschule 2009 vor dem Untergang.

      Der größte Erfolg der Anthroposophen sind die Waldorfschulen, mehr als 200 gibt es bundesweit. »Sie werden überwiegend von nicht anthroposophischen Eltern gewählt, die sie fälschlicherweise für Schulen der Reformpädagogik halten«, sagt Heiner Ullrich, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Mainz. Dabei sind viele Waldorflehrer nicht einmal Pädagogen, sondern Quereinsteiger mit Erweckungserlebnis, die auf Seminaren in Steiners Lehren geschult werden. Das esoterische Menschenbild fließt in die blumigen Wesenszeugnisse ein, die sie ihren Schülern am Ende des Schuljahres ausstellen. »Diese Beurteilungen sind weder Lernberichte noch psychologische Expertisen, sondern beruhen auf esoterischen Lehren von der Reinkarnation und den Metamorphosen des Ich«, sagt Ullrich. »Und das kann teilweise zu drastischen Verkennungen führen.« So würden Kinder mit frühen intellektuellen Interessen nach Waldorf-Lesart oft vorschnell als entwicklungsgestört etikettiert. Dass nicht das Kind gestört ist, sondern einfach das Menschenbild der Anthroposophen, ist für die Eltern auf den ersten Blick kaum erkennbar.

      Genauso wie es für den Studenten schwer ist, zu erkennen, dass sich sein Professor längst der Pseudowissenschaft verschrieben hat. Oder für den Patienten, dass der Arzt ihm eine Scheintherapie anbietet. Die Esoterik tritt inzwischen mit Amt und Siegel auf.

      In Kassel wollte die Universität das Treiben des Anthroposophen-Professors nach sechs Jahren eigentlich unterbinden: Die Evaluation habe gezeigt, so Hochschulpräsident Rolf-Dieter Postlep, dass die biologisch-dynamische Landwirtschaft nur begrenzt mit universitären Forschungsstandards zu vereinbaren sei. Vernichtender kann ein Urteil kaum ausfallen. Bloß hatten in der Zwischenzeit viele Studenten Gefallen an der Zauberlehre gefunden und zu Protestzügen aufgerufen. Die Universität scheute den Konflikt, man einigte sich: Die biologisch-dynamische Landwirtschaft soll künftig mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter in Forschung und Lehre vertreten bleiben – finanziert aus Mitteln der Hochschule.“

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      • Das kommt sicherlich alles von Steiner bzw. aus der Ecke Blavatzky, von der Steiner ja richtungsweisend geprägt wurde. In der aktuellen Esoterik kann sich das bestens entfalten. In so fern gibt es zwei Bewegungen, aus denen die Gesellschaft beinflusst wird: Zum einen die Anthroposophie als geschlossenes Sektensystem und zum anderen der esoterische Sumpf, der überall herumschwappt. Siehe z.B. bei der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen.

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  4. @ RM

    Du schreibst: „… gibt es zwei Bewegungen, aus denen die Gesellschaft beeinflusst wird: Zum einen die Anthroposophie als geschlossenes Sektensystem und zum anderen der esoterische Sumpf, der überall herumschwappt.“

    Und hier wird es spannend – ich würde nicht trennen:

    hier ist die Sekte („die Bösen“)

    und dort die Gesellschaft (mehr oder weniger „die Guten“)

    Ich betrachte die Anthroposophie als ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft. Und die bürgerliche Gesellschaft erhält ihr Produkt Anthroposophie am Leben –

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    • Allein die Tatsache, dass Rudolf Steiner – „Nicht-Künstler“ par ex­cel­lence – in renommierten Kunstmuseen (Wolfsburg und Stuttgart) gezeigt wurde, beweist, wie eng die Anthroposophie mit der bürgerlichen Welt verflochten ist:

      wer kann da noch deutlich unterscheiden?

      wer will da noch unterscheiden?

      Markus Brüderlin, Direktor des Wolfsburger Kunstmuseum, möchte die Unterscheidung endgültig aufheben, Zitat Brüderlin:

      “Steiner gehört nicht den Anthroposophen allein.”

      Dazu noch ein kurzer Auszug aus dem Artikel von Michael Ibach – „Steiner im Brett“ – der oben vorgestellt wird:

      „Ein Lügen-Kosmos

      (…) Die verbale Generierung von Faszination und Verehrung für Steiner, das Heraufbeschwören eines Universalgenies als Vordenker und Inspirator der Moderne sollte durch das Sprachrohr eines weithin anerkannten Museums mit hervorragendem Ruf als unangreifbar seriös und neutral, mithin vollkommen objektiv erscheinen. Salopp formuliert: Wenn solch vielversprechende Dinge ein ziemlich bekanntes Museum über einen bis dahin im Volke eher unbekannten Geisttribun von sich gibt, dann muss es schon einiges auf sich haben mit seinen Visionen, Fähigkeiten und als epochal hingestellten Auswirkungen seines Tuns. Und schon geht das Hintertürchen zur allgemeinen Anerkennung auf, macht sich ein angesehenes Museum zum willfährigen Steigbügelhalter eines gnadenlosen Esoterikers und selbstgerechten Verkünders geschauter okkulter Wahrheiten. Dabei gewinnt seine Salonfähigkeit und die seiner strammen Gefolgschaft (mehr und mehr auch Kundschaft: dm-Markt, Weleda, Wala, GLS Bank, etc.) natürlich enorm, und mit ihr seine gesamtgesellschaftliche Reputation. (…)“

      http://steinerimbrett.wordpress.com/2010/10/26/ein-lugen-kosmos/

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  5. Zitat aus “Ein Lügen-Kosmos”:

    “Die verbale Generierung von Faszination und Verehrung für Steiner, das Heraufbeschwören eines Universalgenies als Vordenker und Inspirator der Moderne sollte durch das Sprachrohr eines weithin anerkannten Museums mit hervorragendem Ruf als unangreifbar seriös und neutral, mithin vollkommen objektiv erscheinen.”

    Statt anerkanntes “Museum” heisst der neueste Propaganda-Coup der Anthroposophie “Wissenschaft”:

    „Christian Clements ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners (SKA)’: ‘Des Steiners neue Kleider’

    (…)

    Was Clement nun als ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners (SKA)’ abliefert, ist der Versuch, der Öffentlichkeit eine rein anthroposophische Sicht auf Rudolf Steiner als unabhängige Wissenschaft zu verkaufen.

    Wie weit Clement in seiner anthroposophischen Heiligsprechung Rudolf Steiners geht, mit welchen letzten Mitteln er versucht, Steiner als „eigenständig“ darzustellen, überrascht dann aber doch, Peter Staudenmaier:

    „Ein besonders bedauerliches Beispiel illustriert die Unzulänglichkeiten in Clements Herangehensweise. In seiner Diskussion von Steines Aneignung der fiktionalen Figur des ‘Hüters der Schwelle’ schreibt Clement, dass ‘Kritiker’ der Anthroposophie die ‘Anklage’ erhoben hätten, dass Steiner diese Figur aus einem Roman des neunzehnten Jahrhunderts von Edward Bulwer-Lytton übernommen habe. Aber dies hat nichts mit Kritik zu tun, noch viel weniger mit Anklagen; es ist eine einfache Angabe der Quelle Steiners. Es ist zugleich ein sinnvolles Beispiel für Anleihen des Okkultismus aus der fiktionalen Literatur.

    Clement leugnet rundweg all dies, indem er offensichtlich den historischen Kontext ignoriert. Das ist ein sehr seltsamer Standpunkt, da Steiner offen andere Elemente aus Bulwer-Lyttons fiktionaler Literatur auslieh, so wie den Begriff ‘Vril’, und da der fragliche Roman viele unverhohlen okkulte Bestandteile enthält und ein schönes Beispiel des Viktorianischen Revivals von Themen der Rosenkreuzer ist.“16

    Bulwer-Lyttons „Vril“ wird von Steiner als „Lebenskraft“ übernommen, wie auch die „in geringer Höhe über dem Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier“17 in Rudolf Steiners rassistischem Science-Fiction-Trash „Aus der Akasha-Chronik“.“

    zum vollständigen Artikel beim Ratgeber-News-Blog (mit Quellenangaben): https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2015/04/14/christian-clements-kritische-ausgabe-der-schriften-rudolf-steiners-ska-des-steiners-neue-kleider/

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