Esoterik gleich Religion – ein Thema für sich


Jeder, der hier in meinem Blog liest, weiß wie sehr ich die Esoterik und die gesamte Szene, die sich in diesem Bereich bewegt, kritisiere. Was mir jedoch auch negativ auffällt, ist eine Haltung, die zwar esoterisch-kritisch auftritt, jedoch gleichzeitig den Spagat versucht, Esoterik von Religion und Glaube zu trennen. Unabhängig davon, dass entsprechende Diskussionen darüber immer genaue Definitionen der Begrifflichkeiten voraussetzen, sehe ich den Versuch, hierbei zu differenzieren als faulen Kompromiss an, der für mich eine zu oberflächliche Betrachtung der gesamten Thematik darstellt. Schließlich nehme ich auch niemanden ernst, der die Homöopathie gut und sachlich kritisiert und gleichzeitig behauptet, dass er seine Wehwehchen jederzeit beim sonntäglichen Gottesdienst mit Hilfe der Glaubensgemeinschaft und des Weihrauchs wegbeten könne.

Erstaunlicherweise erlebt man gerade in der Skeptikerbewegung nicht selten eine Art Tabuisierung, wenn es um die grundlegende Kritik an unseren beiden großen „Volksreligionen“ geht. Die Institution Kirche und deren Missstände und auch seltsame Forderungen, wie zum Beispiel das Kondomverbot des Papstes, dürfen zwar gerne mal verurteilt werden, aber wehe, man wagt es jegliche Gläubigkeit als Wurzel des Übels zu bezeichnen und behauptet, dass genau dies eine tolle Grundvoraussetzung sei, um eigentlich an jeden Scheiß glauben zu können. Schlimmer noch, wenn man sagt, dass derjenige, der an irrationale Wesen glaubt, nicht schon dadurch besser sei, nur weil sein angebetetes fiktives Etwas Gott heißt und nicht Kryon oder Metatron.

Skeptiker, die derart funktionieren, teilen natürlich auch sehr bereitwillig und überzeugt die Kritik an fundamentalistischen christlichen Strömungen wie Opus Dei, der Piusbrüderschaft und den Evangelikalen. Diese religiösen Ausprägungen sind immerhin nicht unter den Begriff „Mainstream“ einzuordnen, im Gegensatz zum generellen, im täglichen Politikgeschäft wirkenden  Protestantismus und Katholizismus.

Macht nun aber die vollkommene Anerkennung der beiden Volkskirchen in unserer Gesellschaft deren gläubige Schäfchen automatisch zu grundlegend anders strukturierten Gläubigen als es bei „Esoterikern und Co“ der Fall ist?

Für mich jedenfalls ist Esoterik gleich Religion und die Katholen und Protestanten haben genau so viel Unsinn in ihren Glaubensbekenntnissen zu bieten, wie die Esoteriker. In allen Fällen lässt sich das Ausmaß der persönlichen Gläubigkeit immer nur in der Auseinandersetzung mit jedem Einzelfall erkennen. Niemand sollte erwarten, dass gerade die eigene Glaubensströmung von Kritik verschont bleiben müsse, wenn allgemein über Glauben und seine Wirkung im Alltag diskutiert wird.

Auch das gängige Gegenargument, dass schließlich Esoteriker im Vergleich zu liberalen „Religiösen“ behaupten würden, dass ihre Theorien und Praktiken wissenschaftlich bewiesen seien und dies ein herausragendes Argument wäre, um zwischen ihnen differenzieren zu müssen, geht mir nicht weit genug.

Die Wurzel des Übels ist und bleibt der Glaube generell und wer dementsprechend irrational veranlagt ist, hat sich bereits in eine Richtung geöffnet, die unendlich viel Skurriles zu bieten hat. Und wer bitte sollte dafür garantieren, dass bestimmte Menschen, die sich in einem geringeren Ausmaß Fiktionen hingeben, ihr Glaubensspektrum nie erweitern, ausdehnen oder verlagern würden?

Man spricht ja schließlich auch von Einstiegsdrogen, die als Gefahrenpotential bezeichnet werden.

Für mich ist es auf alle Fälle weder konsequent noch logisch, wenn in der Öffentlichkeit Leute verkünden, dass sie sich mit Hilfe von Jesus oder dem „christlichen Gott“ aus den Fängen der Esoterik befreien konnten. Ich nenne das immer „vom Regen in die Traufe kommen“ und es bestätigt für mich die Tendenz, dass eben eine gewisse Affinität zu Glauben in der Regel eher von einem Glauben zum anderen führt, als dazu überzugehen, endlich rational zu denken.

Entsprechende Konvertiten von der Esoterik zu den Evangelikalen sind längst bekannt, dazu gibt es schließlich auch ganz gezielte Missionierungsstrategen wie Eckart Haase, die sich auf die Evangelisation von Esoterikern spezialisiert haben. Und hier haben wir aber mal einen „netten“ anderen Fall: vom Esoteriker zum Katholiken. Prost Mahlzeit, quod erat demonstrandum:

„Renate Frommeyer schildert ihren Weg und Verfall in der Esoterik“

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5 Gedanken zu “Esoterik gleich Religion – ein Thema für sich

  1. Meine 0.02 Kitivalha dazu: Wenn man die Glaubensinhalte die jemanden wichtig sind angreift wird man auch in anderen Dingen weniger ernst genommen. Daher verstehe ich schon dass man nicht direkt einen ‚militanten Atheismus‘ verfolgen sollte.

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  2. Hallo Elke,

    besten Dank für die Klarstellung und damit der durchaus berechtigten Gleichschaltung ähnliche selbstverliebt-größenwahnsinnige Ziele verfolgender Glaubenssysteme – mit dem lieben Gott nimmt es Kryon noch allemal auf, und sei es nur, um sich anschließend in Worten zu verlieren, die dem hohlen Pathos der Bibel in nichts nachstehen.

    @ Rejistania

    Warum sollte man nur deswegen (in anderen Dingen) weniger ernst genommen werden, weil man Glaubensinhalte „angreift“, die jemand anderem wichtig sind? Entweder verstehe ich den Ernst dieser Behauptung nicht, oder aber ich stehe schon so sehr auf der Seite der „Angreifer“, daß mir mein „millitanter Atheismus“ gar nicht mehr bewusst ist, mit dem ich weniger auf Glaubens- als vielmehr auf Verstandesinhalte zurückgreife. Tatsache ist: Der Glaube versetzt Berge, das Wissen dagegen nur den Glauben, der schon wieder zu spät gekommen ist: Ist es tatsächlich und wahrhaftig schon 2010…?

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    • Was ich meine ist, dass es Studien gibt die besagen dass wenn man die Ideologie von jemanden versucht zu widerlegen, derjenige einen als wenig vertrauenswuerdig abstempelt. Habe ich mal in den Scienceblogs gelesen. Ich will ja nicht sagen dass der Glaube berechtigt ist, nur dass die condition humaine eine bescheidene ist…

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      • Das ist sie wohl: bescheiden. Also besser gar nicht erst den Versuch machen, Ideologie mit Aufklärung zu begegnen – die Antwort könnte voller unbescheidener Angriffe auf Leib und Leben stecken, wie im millitanten Theismus zum Beispiel…

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  3. Esoterik und Religion (egal welche) unterscheiden sich prinzipiell in keinster Weise. Sowohl die Esoterik als auch die Religionen basieren auf einem durch nichts bewiesenen Glauben. Annahmen und Behauptungen taugen nun mal nicht als Beweise.

    Solange es eine religiöse Dominanz und/oder der Glaube an die diversen esoterischen Disziplinen in unserer Welt gibt, wird sich die Menschheit in philosophischer Hinsicht nicht entscheidend weiterentwickeln können. Die Religionen und die Esoterik sind das entscheidende Hindernis für unabhängiges, wertfreies und durch keine Ideologie eingeschränktes Denken.

    Hinzu kommt, dass die Geschichte der christlichen Kirchen (aber auch des Islam) mit Blut geschrieben wurde. Damit sind diese Institutionen alles andere als eine für alle Menschen verbindliche moralische Instanz. Ihre Glaubwürdigkeit tendiert leider – die Geschichte beweist es – gegen Null.

    Erst eine von jedwelchem religiösem und esoterischem Einfluß befreite Welt kann sich frei von einengenden Traditionen, Mythen, Legenden und eingeübten Ritualen darstellen. Der Glaube an einen nicht bewiesenen Gott und an die verlogene Esoterik verhindert eine Philosophie, die sich sonst unabhängig von irrealen Vorstellungen frei entwickeln könnte. Im Gottglauben dokumentiert sich zudem nur das selbstsüchtige, auf sich selbst fixierte, persönliche Wohlergehen im Dieseits wie im Jenseits, welches sich die Gläubigen zu erkaufen hoffen.

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