Reine Placebo-Behandlungsmethoden werden heute ungeniert als nachgewiesen wirksam verkauft


Es ist schon lange bekannt, dass die Masse unserer Bevölkerung nicht weiß, was Homöopathie wirklich bedeutet. Der Gros denkt, dass es sich dabei um eine Disziplin der Naturheilkunde handelt, ergo um pflanzliche Medikamente.

Warum das so ist, lässt sich nicht einfach damit beantworten, dass viele Menschen zu uninteressiert oder  ignorant wären. Wer sich im Internet schlau machen möchte, stößt unweigerlich auf unzählige Seiten der Homöopathie-Lobby, die natürlich ein gesteigertes Anliegen daran hat ihre Sache bestmöglich zu verkaufen.

Dass die Darstellung zur Bewerbung eines eigenen Angebotes in der Regel beschönigt wird, ist ein alter Hut, hier wird jedoch frech und frei im Brustton der vollen Überzeugung schlicht gelogen. Anders kann man es nicht ausdrücken und das betrifft natürlich nicht nur die Homöopathie, sondern gilt mittlerweile für den gesamten Markt der alternativen Heilmethoden.

In diesem Sinne, könnte man für den Ausspruch „Wer heilt, hat Recht und dazu braucht man nicht zu wissen, wie es funktioniert“ fast Sympathie entwickeln.

Weit schlimmer empfinde ich die wachsende und dreiste Unverschämtheit, reine Placebo-Behandlungsmethoden als nachgewiesen wirksam zu deklarieren und zu diesem Zweck ist den Anbietern anscheinend jedes Mittel recht geworden.  Ganz in ist es, sich bei der Quantenphysik zu bedienen, bzw. bei populär-pseudowissenschaftlichen Publikationen zum Thema. Wissenschaftler ist eben auch nicht gleich Wissenschaftler  und manch einer dieser Zunft hat die Esoterik-Szene für sich entdeckt, um dort die Anerkennung zu erhalten, die ihm im seriösen Wissenschaftsbetrieb seines Fachbereiches verwehrt blieb. Dass man sich unter Esoterikern schnell und einfach einen Namen machen kann, sobald man ihren Glaubenskonstrukten einen wissenschaftlichen Anstrich verleiht, liegt auf der Hand, denn der Kreis der erleuchteten Besserwisser wünscht sich nichts sehnlicher, als den Schmuddeleckenplatz einer Spinnerfraktion gänzlich zu verlassen.

Pseudowissenschaftliche Erkenntnisse, als leichte Kost verpackt, eignen sich natürlich auch perfekt, um den Otto-normal-Bürger und somit den Laien zu beeindrucken, denn wie käme ein Nicht-Wissenschaftler auf die Frechheit einen Doktor oder Professor vom Fach hinterfragen oder kritisieren zu wollen. Schließlich schmettert man dann noch die Kritik der Fachkollegen des eigenen Protagonisten locker ab, denn diese können ja nur neid- und profitgesteuert sein. Nach dem Motto: neue Errungenschaften waren schon immer in der Gilde der Bewahrer antiquierter Standpunkte unerwünscht und wurden von diesen bekämpft, weil man einen Machtverlust fürchtete.  Als erläuterndes  Beispiel dazu dient ganz selbstverständlich Galileo Galilei, grrrrr …

Wenn man diese Machenschaften so verfolgt, gibt es eigentlich nahezu nichts mehr, an das man glauben müsste, selbst Gerhard Klügl führt für seine Aurachirurgie an, dass ihre Wirkung  im Jahr 2001 im Institut von Prof. Gary Schwartz in Arizona über die Kirlianfotografie erstmalig nachgewiesen werden konnte. Gleiches Prinzip, wie oben beschrieben, ein Pseudowissenschaftler und zusätzlich eine pseudowissenschaftliche Methode eines weiteren unseriösen Kollegen machen es möglich.

Ist es nicht wunderbar schizophren, wie in dieser Szene einerseits mit bemerkenswerter Vorliebe gegen die vorherrschende Wissenschaft und evidenzbasierte Medizin gewettert wird, immer mit dem Nachdruck, dass es schließlich mehr gäbe zwischen Himmel und Erde, wenn Gegenwind kommt, und andererseits ausgerechnet die (Pseudo-)Wissenschaft herhalten muss, um den Humbug optimal zu verkaufen.

Dieser Widerspruch müsste eigentlich jedem auffallen,wobei wir mittlerweile zur Genüge sehen, dass eingefleischte indoktrinierte Heilapostel unglaublich renitent resistent sind, selbst wenn es um die banalsten plausiblen Gegenargumente geht.

Man kann ihnen unter dem Duktus ganzheitlich, alternativ, sanft und natürlich einfach ALLES verkaufen. Grenzen sind dabei wirklich nicht ersichtlich, das sieht man an der Aurachirurgie.

Und trotzdem wird der Glaube deswegen nicht aussterben, denn heute glaubt man eben immer mehr daran, dass die Wirksamkeit von jeglichem Schwachsinn wissenschaftlich nachgewiesen sei 😀

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Ein Gedanke zu “Reine Placebo-Behandlungsmethoden werden heute ungeniert als nachgewiesen wirksam verkauft

  1. Ein Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht und dem ich Wort für Wort nur beipflichten kann. Es ist einfach unglaublich, was man der Menschheit mit pseudowissenschaftlichen Argumenten so alles andrehen und als glaubhaft darstellen kann. Selbst die in Apotheken kostenlos erhältliche Fachzeitschrift „Apotheken
    Umschau“ suggerierte ihren Lesern in der Ausgabe vom Oktober 2009 in einem redaktionellen Beitrag mit dem Titel „Wie Frauen von der sanften Homöopathie profitieren“, dass die Homöopathie eine ernstzunehmende Alternative zur Allopathie sei.

    Ich habe mich dann mit dem Autor dieses Beitrags in Verbindung gesetzt und ihn per E-Mail angefragt, was ihn veranlasst habe, den vor rund 200 Jahren von Samuel Hahnemann postulierten Unfug zu verbreiten. Seine Antwort war ebenso verblüffend wie aufschlussreich. Der Autor wies darauf hin, dass er in seinen gesamten Beitrag nie behauptet hätte, dass die Homöopathie wirke, sondern lediglich im Konjunktiv – die Homöopathie k a n n helfen – formuliert habe.

    Es ist offensichtlich, dass die „Apotheken Umschau“ im redaktionellen Teil mit entsprechenden Artikeln die Produzenten homöopathischer Mittelchen geneigt stimmt, denn auf die Werbeanzeigen aus dieser Lobby will man selbstverständlich nicht verzichten ! Dies nach dem Motto: „Eine Hand wäscht die andere und sei sie noch so schmutzig !“

    Nachstehend Auszüge aus meiner E-Mail an die „Apotheken Umschau“: „Ist die „Apotheken Umschau“ nun ein seriöser Ratgeber oder eine esoterisch verseuchte Werbe-Publikation ? Ich meine, dass in ihrem redaktionellen, akademischen Umfeld doch zumindest einige seriöse Schulmediziner am Werk sind. Weshalb konnte zum Beispiel ihr ständiger fachwissenschaftlicher
    Berater Prof.Dr.med. Wolfam Delius den pseudowissenschaftlichen Nonsens über die H. nicht verhindern ?….Die Vermutung liegt nahe, dass es Ihnen gar nicht darauf ankam, die Verbraucher seriös zu beraten. Ein schwerer Vorwurf, den Sie aber gerne entkräften können. Sie müssen lediglich öffentlich bekennen, dass sie tatsächlich an die Wirkung homöopathischer Mittelchen glauben. Dann könnte und müsste man Ihnen mildernde Umstände zuerkennen ! Ihre medizinische Fachkompetenz und Ihre Glaubwürdigkeit wären dann allerdings dahin !“ – Eine Antwort darauf erhielt ich nicht.

    Es ist offenbar leichter, der Menschheit einen pseudowissenschaftlichen Schwachsinn einzureden als sie mit seriösen, wissenschaftlich begründeten Fakten und Tatsachen zu überzeugen. Daraus ergibt sich die Quintessenz: „Mundus vult decipi, ergo decipiatur ! (Die Menschheit will betrogen sein, also wird sie betrogen !)

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