Auf zu neuen Ufern, jetzt kommen die „Katholikalen“


Die anstehende Bundespräsidentenwahl ist in aller Munde und die Aufregung ist nicht gering, wenn es um die Frage geht, wie religiös ein zukünftiger Bundespräsident sein darf. In der säkularen Szene ist man sich relativ einig, dass die Entscheidung eine Wahl des geringeren Übels bedeutet und das obwohl Herr Gauck, im Gegensatz zu Politiker Wulff, evangelischer Pastor ist.

Christian Wulff als geschiedener und wiederverheirateter Katholik und Christdemokrat, hinterlässt bei vielen Ungläubigen den Eindruck, dass für ihn das Thema Religion eine wesentlich tragendere Rolle spielt als für den Pastor, gerade wenn es um den religiösen Einfluss in der Politik geht. Wulffs Mitgliedschaft im Kuratorium von „Pro Christ“, Zitate aus der Rede zum Thema „Interreligiöser Dialog“ und eine Rede vor dem „Arbeitskreis Christlicher Publizisten (ACP)“ liefern dafür den Nährboden.

Seine Nähe zu evangelikalen Strömungen ist damit unumstritten und die Tendenz, dass er es mit Gläubigen aus den verschiedensten Lagern recht gut meint, ist kaum zu übersehen. Es wäre gut möglich, dass es sich dabei um politisches Kalkül handelt, um viele Wählerstimmen generieren zu können. Würde der Bundespräsident vom Volk gewählt werden, hätte er nun genau aus diesem Grund einen Großteil der säkularen Wähler vergrämt.

Dass er als getaufter katholischer Christ trotzdem von einigen Seiten im Netz als Evangelikaler bezeichnet wurde, schien manchem Leser ganz sauer aufzustoßen, denn logischerweise assoziiert man damit einen Protestanten und somit einen Widerspruch in sich. Beschäftigt man sich jedoch etwas intensiver mit dem gesamten Spektrum des Christentums in Deutschland und aktuellen Tendenzen, stellt man sehr schnell fest, dass es ernste Annäherungsbestrebungen untereinander gibt. Gerade die beiden großen Volksreligionen, denen seit Jahren die Schäfchen davonlaufen, öffnen sich zusehends für christliche bibeltreue Charismatiker, die von der Abwanderung auch offensichtlich profitieren. Auch die katholische Kirche scheint ihre Zukunftsperspektive schon länger darin zu sehen, wieder fundamentaler zu werden, denn dies scheint ja gefragt zu sein. Selbst wenn es sich komisch anhört, darf deswegen auch von evangelikalen Katholiken gesprochen werden. Besser wäre es jedoch dieser Strömung endgültig offiziell einen eigenen Namen zu geben und was würde sich da besseres anbieten als der Begriff „katholikal“, der schon ab und an Verwendung findet. Somit gäbe es keine Verwechslungen mehr und man könnte in Zukunft zumindest davon ausgehen, dass sich die Evangelikalen zu den Protestanten zählen, bzw. sich irgendwie unter diesem Deckmantel einreihen, siehe die „Evangelische Allianz“ und dass die Katholikalen getaufte Katholiken sind, die einer „modernen“ katholisch-fundamentalistischen Strömung innerhalb der katholischen Kirche angehören.

(Nicht zu vergleichen mit der Piusbruderschaft, die zu den katholischen Traditionalisten zählt.)

In Kommentaren unter dem Artikel: „Atheisten packt ‚blankes Entsetzen‘ über Kandidat Wulff“ bei Kath.net. findet man schöne Beispiele für Katholikale.

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