Vince Ebert: „Mit aller Härte zur sanften Medizin“


Mal was lustiges von Vince Ebert zum Heilquack 🙂

Denken sie selbst
Mit aller Härte zur sanften Medizin

Allergien sind die beliebteste Volkskrankheit der Deutschen. Fast jeder Bundesbürger brüstet sich damit, gegen irgendetwas allergisch zu sein. Sobald die ersten Krokusse sprießen, horcht man in sich hinein und fühlt sich „irgendwie komisch“. Angeblich sind sogar die Dinosaurier wegen Gräserpollenunverträglichkeit ausgestorben.

Deswegen hat man vor einigen Jahren die „Sanfte Medizin“ erfunden. Ein nebeliges Biotop, in dem sich vorwiegend Hypochonder vermehren. Menschen, die zu schwach sind, um sich eine richtige Krankheit holen zu können.

Kinesiologen diagnostizieren Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, indem sie eine Lebensmittel-Liste an die Wand hängen und in Anwesenheit des Patienten mit Dartpfeilen darauf werfen. Bei allen Produkten, auf denen die Pfeile stecken bleiben, drohen beim Klienten allergische Reaktionen. Wenn beide dabei auch noch die Augen zumachen, nennt man das in der Alternativ-Medizin eine Doppelblindstudie.

Huschi-Fuschi-Medizin

Auch der alte Spruch „von nix kommt nix“ gilt bei den sanften Heilern nicht mehr. Homöopathen – die absoluten Popstars der Huschi-Fuschi-Medizin – sehen die Sache ganz anders. Denn die arbeiten mit dem Prinzip der Hochverdünnung: Je dünner die Beweise für die Wirksamkeit der Homöopathie, desto populärer wird sie. Homöopathie ist so, wie wenn man in Frankfurt einen Autoschlüssel in den Main wirft und in Würzburg versucht, mit dem Mainwasser das Fahrzeug zu starten.

Meine Nachbarin Sabine allerdings schwört darauf. Obwohl sie alle Staffeln von „Grey´s Anatomy“ zu Hause hat, verachtet sie im richtigen Leben die Schulmedizin und therapiert sich lieber mit Bachblüten und Bioenergetik. Als ich neulich eine fiebrige Erkältung hatte, steckte sie mir sofort irgendwelche Zuckerkügelchen zu. Ich nahm sie, schmiss sie bei mir zu Hause in den Mülleimer und ging ins Bett. Am nächsten Morgen wachte ich auf und die Erkältung war wie weggeblasen. Als ich ihr ein paar Tage später gestand, dass ich ihre Globuli weggeworfen hatte, sagte sie nur: „Glaubst du mir jetzt? Obwohl der Mülleimer fast sechs Meter von deinem Bett entfernt steht, konnten die Kügelchen das Fieber innerhalb von nur einer Nacht verschwinden lassen!“

Vor einigen Jahren führte die Universität Bern die wohl umfassendste Studie zum Thema Homöopathie durch und heraus kam: Nichts. In den Präparaten ist nicht nur nichts drin, sondern auch nichts dran. Ihre Wirkung ist um keinen Deut besser als die eines Scheinmedikaments.

Schlag mit einer Dachlatte

Das verwundert nicht. Vor allem, wenn man sich mit der angeblichen wissenschaftlichen Grundlage der Homöopathie beschäftigt. Die basiert auf dem sogenannten Simile-Prinzip. Vor etwa 200 Jahren behauptete der deutsche Arzt Samuel Hahnemann, dass man eine Krankheit durch ein Mittel heilen kann, das bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorruft.

Wenn etwa ein Patient unter starken Kopfschmerzen leidet, muss man etwas finden, was bei einem Gesunden genau dieselben Kopfschmerzen verursacht. Zum Beispiel einen wuchtigen Schlag mit einer Dachlatte gegen den Hinterkopf. Natürlich nur in homöopathischen Dosen.

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