Abzocke mit "Alternativen Heilmethoden"


Artikel via Kölner Stadt-Anzeiger:

Kaffeefahrt für Kranke

Ähnlich wie bei Kaffeefahrten werden auf manchen Verkaufsveranstaltungen fragwürdige Heilmethoden angepriesen. Die Wirksamkeit ist meist nicht bewiesen. Trotzdem kosten die Behandlungen nicht selten mehrere Tausend Euro.

Ein Vortrag irgendwo im Ruhrgebiet. Der Referent stellt eine vermeintlich hochwirksame, dabei aber vollkommen ungefährliche Behandlungsmethode vor. Es geht um Mineralien und um Spritzen. Als „Beweis“ dient ein sehr langes Video, auf dem ein Patient erzählt, wie er durch diese Methode aus dem Rollstuhl heraus wieder in ein selbstständiges Leben zurückgefunden habe. Weitere Beweise gibt es nicht. Dafür aber eine ganz und gar erstaunliche Vielfalt von Krankheiten, die durch diese Methode geheilt werden könnten: von Rückenschmerzen über Gelenksarthrose, vom Tinnitus bis zur Migräne, von Herzschwäche bis zu Erkrankungen der inneren Organe. Also praktisch eine Behandlung für und gegen alles.
Das müsste die Zuhörer eigentlich misstrauisch werden lassen, aber es kommt keine Kritik auf. Es geht nach sehr kurzer Diskussion nur noch um die Frage, ob die Kasse zahlt. Die Überraschung: Nach Angaben des Referenten zahlen die Privaten alle, die Gesetzlichen manchmal auch – für eine Behandlung, die zumindest dem ersten Anschein nach jeden Nachweis ihrer Wirksamkeit schuldig bleibt. Eine einzige kritische Nachfrage lässt den Referenten schließlich die Beherrschung verlieren: „Sie sind sicherlich Arzt? Ich diskutiere mit Ärzten grundsätzlich nicht mehr. Verlassen Sie bitte den Raum!“ Wobei ich nicht mehr weiß, ob er wirklich „bitte“ gesagt hat.

Man kommt sich vor wie auf der Verkaufsveranstaltung einer Kaffeefahrt (so wie man sie sich vorstellt), nur dass es hier nicht um Rheumadecken oder Wurstpakete geht, sondern um die Behandlung einer Krankheit. Chronisch Kranke, vermutlich verzweifelte Schmerzpatienten werden mit Heilsversprechen geködert. Anders als auf einer Kaffeefahrt geht es aber um sehr viel Geld: Mehrere tausend Euro soll die Behandlung kosten. Der Betrag könne zinsfrei in Raten abbezahlt werden, sollte die Kasse letztlich doch nicht zahlen, sagt der Referent. Man könne also einfach anfangen, der monatliche Betrag sei sehr gering.

Wohlgemerkt: Es ist nichts gegen alternative Heilmethoden einzuwenden. Aber auch sie müssen ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen. Und wenn schon die erste kritische Nachfrage in einem Wutanfall des Referenten mündet, ist es mehr als zweifelhaft, dass überhaupt irgendwelche seriösen Untersuchungen existieren. Man kann nur warnen: Neben der ständigen (und oft berechtigten) Kritik an der Schulmedizin darf man nicht vergessen, dass es auch unter dem Dach der Alternativmedizin Pfusch gibt. Ein weißer Arztkittel allein gibt keine Sicherheit, egal ob er einen Schulmediziner oder einen Alternativmediziner kleidet.

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