Werbung für bibeltreue "Homeschooler" bei Maischberger


Artikel via Esowatchblog:

Gestern mal wieder Maischberger.

Thema:“Halt’s Maul, Alter! Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs?“

Eine Mutter, ein Familientherapeut, ein Pädagoge und der umstrittene und in seinen Texten „jugendgefährdende“ Rapper Bushido unterhielten sich über die Jugend heute und Erziehung.

„Meine Mutter ist die höchste Instanz“, sagt der umstrittenste, aber auch erfolgreichste Rapper Deutschlands. Den Vorwurf, mit seinen aggressiven Texten trage er zur Verrohung der Jugend bei, lässt Bushido nicht gelten. „Die Jugend ist schon so krass verkorkst, ich glaube, ich kann da nicht mehr viel kaputt machen“, meint der 31-jährige Berliner …“

Bushido gab in der Sendung den Ton an, er ließ jegliche Kritik an seinen Liedertexten in arroganter Weise an sich abprallen und betonte immer wieder seine private menschliche und konservative Seite und natürlich seine Höflichkeit und Intelligenz. Niemand der anderen Gäste traute sich ihm richtig die Meinung zu sagen, auch nicht Maischberger. Auf jeglichen Versuch in diese Richtung konterte Bushido damit, dass man in ihm eben zu gerne den abgebrühten Bösewicht sehen möchte, der er jedoch nicht sei.

Außer viel Blablabla gab es den einheitlichen Konsens, dass Zuwendung und Dialog die wichtigsten Faktoren in der Erziehung seien, wenn man diese so früh wie möglich beherzigt, würde schon alles gut werden. Auf Einzelheiten der Diskussion möchten wir gar nicht weiter eingehen, die Sendung kann jeder selbst im Netz über die Mediathek abrufen.

Jetzt kommt aber unser Hauptanliegen. Wie so oft, holte Maischberger im letzten Teil der Sendung noch weitere Gäste dazu.:

„Jürgen und Rosemarie Dudek (Schulverweigerer-Ehepaar)
Staatliche Schulen sind für die streng gläubigen Christen Orte der Versuchung und des Lasters. Deshalb entschieden sich Jürgen und Rosemarie Dudek, ihre sieben Kinder, die zwischen zwei und siebzehn Jahre alt sind, selbst zu unterrichten. Leitfaden ihrer Erziehung sei die Bibel. Der Prozess gegen das hessische Schulverweigerer-Ehepaar sorgte im letzten Herbst für Aufsehen. Die Dudeks wurden bereits zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt. Falls die beiden Akademiker ihre Kinder auch weiterhin keiner staatlichen Schule anvertrauen, droht ihnen jedoch die Haft.“

So, so, streng gläubige Christen also. Als solche wurde das Ehepaar im weiteren Verlauf der Sendung auch freundlich und tolerant behandelt. Christen eben, die Nächstenliebe leben, fürsorglich mit ihren Kindern umgehen, ihnen viel Zuwendung und Liebe schenken und natürlich selbstlos handeln, weil sie ihre Kinder selbst unterrichten, statt eigenen Interessen nachzugehen und somit ja auch noch auf viel Geld verzichten, da der Unterricht von sieben Kindern nur noch einen geringen Nebenerwerb des Vaters zulässt.

Auf die Frage, welche Qualifikationen sie denn hätten, um Bildung zu vermitteln, kam von der Mutter ganz selbstbewusst, dass man kein gebildeter Mensch sein müsse, um das zu tun, was sie seit Jahren leicht und mit großem Erfolg meistern, denn für alle Fächer gäbe es Bücher und wenn man den Stoff gemeinsam mit den Kindern durchginge, würde man selbst mitlernen. Oft würden die Kinder auch schneller verstehen und dann bräuchte man weniger zu erklären. Außerdem hätten sie zur generellen Erziehung der Kinder sowieso einen Lehrer, nämlich Jesus Christus. Erziehungsratgeber sei die Bibel, Zitate daraus folgten.

Ein perfekt funktionierendes System, ganz klar. Kein Schulsystem der Welt könnte dieses jemals ersetzen. Die Kinder würden in einem solchen psychisch und physisch leiden, unvorstellbar. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sie zu Hause ganz schnell und konzentriert lernen, Mutter muss dafür angeblich weniger Zeit aufwenden, als damals vor vielen Jahren, als das erste Kind eine christliche Privatschule besuchte und die häusliche Nach- und Hausaufgabenbetreuung länger dauerte, nein auch ganz klar, weil in jeder Art von Schule ihr eigener Glaube weder vermittelt noch gelebt werde. Schließlich sei ein Kind eine sensible Pflanze, die man gegen Gott manipulieren könne, solange das Kind noch nicht gefestigt sei. Es wäre ihre Pflicht und Schuldigkeit diesen Schaden zu verhindern, als Eltern hätten sie dafür die Verantwortung, koste es was es wolle. Fernseher, Radio und Internet gäbe es bei ihnen ja auch nicht.

Nun gut, selbst diese oberflächlichen Äußerungen lassen jemanden, der sich nur etwas mit „streng gläubigen Christen“ auskennt die Zehennägel hochrollen. Selbst die christliche Privatschule war noch zu ungläubig, toll. In der Sendung weit gefehlt. Andächtiges Zuhören und ersichtliche Bewunderung und Respekt ausgerechnet von Rapper Bushido für so viel Aufopferungsbereitschaft, mehr gab es dazu nicht.

Niemand hielt es für nötig unbequeme Fragen zu stellen. Die Gäste kann man da gerade noch in Schutz nehmen, aber Frau Maischberger und die Redaktion sind entweder mit der Thematik total überfordert oder man muss ihnen unterstellen, dass sie absichtlich Leuten eine Werbeplattform für die abartige fundamentalistische christliche Mission bieten.

Dudeks sind bibeltreue Christen, Evangelikale in höchster Ausprägung, auch wenn sie keiner Kirche angehören. Fundis, die ihre Kinder indoktrinieren, mental vergewaltigen und alles dafür tun, dass die Kids nur keinen Kontakt mit der bösen Welt außerhalb der eigenen Parallelwelt erhalten, bevor sie glaubensfest sind und keine Gefahr mehr besteht, dass sie irgendjemand vom einzig rechten Weg abbringen könnte.

Um so schlimmer ist es, wenn in einer solchen Sendung Leute wie die Dudeks Anerkennung finden und kein Wort darüber verloren wird, dass sie ganz konkret die Evolutionslehre und den Sexualkundeunterricht strikt ablehnen, Homosexualität und Abtreibung als Totsünden betrachten und dass sie es als ihre Verpflichtung empfinden, Menschen von ihrem sektiererischen Glauben zu überzeugen, weil alles andere Teufelswerk sei.

Der große Sohn, der mittlerweile eine Tischlerlehre macht, wurde in einem Spiegelartikel genannt und befragt , unter anderem auch, warum er denn nicht ein Gymnasium besuche. Was dabei zu Tage kam verwundert uns nicht:

„Jonathan beendete das Schuljahr als Klassenbester, seine Note: 1,1. Ohne den Sportunterricht wäre sie noch besser gewesen. Zurzeit absolviert Jonathan sein Berufsgrundbildungsjahr, eine Lehrstelle hat er sicher, in einer Tischlerei. Seine Lehrer sagen, er sei ein problemloser, intelligenter, ruhiger Schüler. Auch im Wohnzimmer seiner Eltern sagt Jonathan nicht mehr als nötig. Er sitzt auf einem Stuhl, vorn auf der Kante, ein ernster blonder Junge. Sein Vater, der während des Gesprächs nicht dabei ist, sagt später, Jonathan beantworte nur ungern persönliche Fragen. Schon, ja, sagt Jonathan dann, er habe Freunde, aber nicht viele. Nein, er trinke keinen Alkohol, auch nicht auf Partys, aber das störe ihn nicht, er werde nicht oft auf Partys eingeladen. Er sei halt anders, und darauf sei er auch stolz, irgendwie. Warum er nicht das Gymnasium besuche? Er wolle erst einmal etwas Praktisches lernen. Außerdem sei er sich nicht sicher, dass das Gymnasium so eine gute Sache sei. Da müsse man zum Beispiel Goethes „Faust“ lesen. Sein Vater sei ja der Meinung, mit so einem Buch, in dem der Teufel eine wichtige Rolle spiele, beschäftige man sich besser nicht eingehend“

Alles klar?

Im Internet lässt sich in kürzester Zeit einiges über die Familie Dudek nachlesen, selbst das Plädoyer von Herrn Dudek, das er vor Gericht zur Verteidigung seines Anliegens hielt, ist voll einsehbar. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, es fehlen jedoch jegliche Hinweise darauf, dass der weitere Gerichtsverlauf dazu führen würde, dass seine Kinder von der Schulpflicht befreit werden. Bei Maischberger schien dies jedoch auch niemanden zu interessieren, was die Eltern Dudek dann tun. Man hatte schon eher den Eindruck, dass der Verlauf der Sendung eigentlich dafür sorgen könnte, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen für das Projekt Heimschule einsetzen und engagieren, auch wenn sie selbst nicht persönlich davon betroffen sind. Ganz einfach nur deswegen, weil sich das Ehepaar Dudek so nett präsentieren konnte und man doch dadurch auf den Plan gerufen wird sein Gutmenschentum und seine uneingeschränkte Toleranz zu demonstrieren.

Wahre Hintergründe von Heimbeschulern und welche Konsequenzen eine Aufhebung der Schulpflicht in Deutschland hätte, muss man natürlich nicht kennen, bzw. man muss sich damit auch weiter nicht auseinandersetzen, nein, es reicht doch so, um sich eine Meinung zu bilden, anhand der präsentierten Oberflächlichkeiten. Ganz zu schweigen von dem Aspekt, dass die Familie Dudek ohne die 1500 Euro Kindergeld gar nicht überleben könnte, bzw. nur damit können sie in ihrem Wahnsystem überhaupt existieren. Ansonsten wird jedoch aus politischen Reihen gefordert, dass das Kindergeld den Kindern zukommen müsse und welcher Satz dafür heute erforderlich sei, um nicht als asozial zu gelten. Dass das wiederum anscheinend für Dudek Kinder irrelevant sein soll, ist schon an sich pervers. Ach ja, sie haben ja dafür Jesus. Vielleicht gibt es demnächst Geld für religiöse Indoktrination als Ersatz für materielle Zuwendung.

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