"Neue Medizin" – Schwachsinn pur


Artikel via Quatsch mit brauner Soße:

Der Wahn vom Sinn

Wir hatten bei dem, was wir „Krankheiten” genannt hatten, Fehler von „Mutter Natur” angenommen. Mutter Natur” macht jedoch keine Fehler, es sei denn, absichtliche, scheinbare Fehler, die dann auch einen Sinn haben.
Hamer in seinem “Vermächtnis einer Neuen Medizin Teil 1″, S. 81

Die naive Vorstellung, daß die Natur keine Fehler macht und es immer nur gut mit uns meint, ist das zentrale Dogma in Hamers Heilslehre. Es zieht sich durch alle seine Bücher, bildet den Rahmen seiner Vorträge und war auch immer fester Bestandteil seiner Patientengespräche. Mit Phrasen wie “In der Natur offenbart sich das Göttliche durch die 5 Biologischen Naturgesetze” unterstreicht er die überragende Bedeutung, die er seiner “Entdeckung” beimißt und die ihm einst einen Ehrenplatz auf der himmlischen Tribüne zwischen Väterchen Gott und Mütterchen Natur sichern soll. Als Theologe ist er ja darin geübt, in allem Geschehen das Wirken Gottes zu erkennen, und als Internist verfügt er über einen ausreichend eindrucksvollen Wortschatz, um dem medizinischen Laien dieses nach höherem Plan ablaufende Geschehen glaubhaft zu vermitteln.

Doch wie bringt man den Laien dazu, abnormale organische Veränderungen wie z.B. das Wuchern eines Tumors als planmäßig und sinnvoll anzusehen? Ganz einfach – man verkauft sie ihm als biologisch notwendige Steigerung der normalen Organfunktion!

Ein Krebs der Bauchspeicheldrüse hat demzufolge den biologischen Sinn, “im Pankreas vermehrt Verdauungssaft zu produzieren“. Der Laie weiß ja nicht, daß sich dort nicht die verdauungssaftproduzierenden Zellen vermehren, sondern die des Transportsystems, die Gangzellen. Als Folge des Tumors gelangt also nicht mehr Verdauungssekret in den Zwölffingerdarm, sondern weniger. Auch ein Speiseröhrenkrebs, “dessen biologischer Sinn die vermehrte Produktion von Sekret” sein soll, erfüllt mitnichten diese Funktion. Ebensowenig ein Darmkrebs, der ebenfalls dazu dienen soll, “möglichst viel Verdauungssekret zu produzieren, damit der Brocken abgebaut wird und durchrutschen kann.” Es ist eben kein funktionales Organgewebe, was durch den Tumor gebildet wird, sondern ein Gewebeklumpen.

Bei einem Gebärmutterhalskrebs wird laut Hamer “der Gebärmutterhals innen erweitert, damit das männliche Sperma um so leichter in die Gebärmutter gelangen kann.” Im CervixCentrum der Charité z.B. kann man sich davon überzeugen, daß durch die Wucherungen das Gegenteil der Fall ist. Bildet sich wie bei Olivia ein Tumor an der Niere, so ist das für Hamer ebenfalls sinnvoll, denn er “hilft mit, Urin zu produzieren.” Ähnlich ist es beim Brustkrebs: “Der Biologische Sinn wäre, daß sie durch diesen Brustkrebs mehr Milch für das Kind erzeugt.” Bei 4 von 5 Mammakarzinomen ist es aber nicht das Drüsengewebe, welches wuchert, sondern das des Transportsystems, der Milchgänge. Doch auch bei den 20%, in denen sich Zellen der Drüsenläppchen vermehren, führt das unstrukturierte Wachstum nur zur Bildung einreihiger Tumorzellsträngeund keineswegs zu einer erhöhten Laktation.

Der Sinn hinter den Krankheiten Sinnvollen Biologischen Sonderprogrammen®, den Hamer herausgefunden haben will, erweist sich also schon bei oberflächlicher Betrachtung als gefährlicher Unsinn.  Es verwundert nicht, daß er damit nur medizinische Laien beeindrucken konnte. Doch selbst die sind auf Dauer nicht davor gefeit, sich den einen oder anderen eigenen Gedanken zu des Meisters Worten zu machen. Ihnen fällt zwar nicht auf, daß die behauptete Organfunktionssteigerung nur in Hamers Fantasiezentrum stattfindet, aber sie erkennen immerhin, daß die Geschwindigkeit von Mutter Natur nicht ausreichen kann, um den angeblich krebserzeugenden Konflikt rechtzeitig zu lösen. David Münnich bringt das so zum Ausdruck:

Steht zum Beispiel eine kleine Maus vor einer Katze, dann ist ihr biologisches Bedürfnis nach „am-Leben-bleiben“ in Gefahr. Sie empfindet eine hochakut dramatische Todesangst! Was nun geschieht ist, daß ihre Lungenbläschen ihre Aktivität um ein Vielfaches steigern werden. Die Lungenbläschen sind jener Teil der Lunge, in dem der Sauerstoff in die Blutbahn übergeht. Durch diese Funktionssteigerung ist die Maus nun in der Lage vor der Katze flüchten zu können; durch die gesteigerte Sauerstoffaufnahme wird sie nicht müde werden und kann sehr viel länger als normal davonrennen.

Dadurch, daß die Lungenbläschen dauerhaft an ihrer Maximalkapazität arbeiten, wird sich das Zellgewebe vermehren, um der zu verrichtenden Arbeit gerecht werden zu können. Es wächst ein Tumor (Raumforderung)! Das Wachstum ist ein sehr langsamer Prozess, der erst nach Wochen oder Monaten auffällt, durch den natürlich noch mehr Luft effizienter aufgenommen werden kann, da die Zellen keine bösartigen sind, sondern funktionstüchtige. Dies ist dann einer der Zustände, den der Mensch „Lungenkrebs“ nennt, da nun in der Lunge Tumore (Raumforderungen) auffindbar sind.

Betrachtet man jetzt nun ganz realistisch, wie diese Katze-Maus-Szene in der Natur verläuft, dann wird klar, daß dieser sog. „Lungenkrebs“ nicht entstehen kann, da die Jagd nicht über Wochen oder Monate verläuft. Entweder frißt die Katze die Maus (aus die Maus), oder die Maus kann fliehen und ihr Überlebensbedürfnis wurde erfüllt. In diesem Falle stoppt das Programm der Lungenbläschen, weil es nicht mehr nötig ist. Die Atmung normalisiert sich wieder, und das eventuell minimale Zellwachstum stoppt. Es wird also in keinem Falle zu einem großem Wachstum der Lungenbläschen kommen können, da die Konfliktsituation in der Natur nur sehr kurz sein wird.

Nach diesem kurzen Geistesblitz wurde es allerdings schnell wieder dunkel, denn Herr Münnich kam leider nicht auf die Idee weiterzudenken: Wenn sich das Sinnvolle Biologische Sonderprogramm® schon für die naturverbundene Maus als sinnlos erweist, weil die versprochene Leistungssteigerung zu spät kommen würde und daher ganz ausbleibt, wie sieht es dann mit dem Sinn für uns Menschen aus?

Möglicherweise benötigen die weniger dummen Schäflein der Hamerschen Herde ja wirklich nur noch einen kleinen Impuls, um wieder mit dem eigenständigen Denken zu beginnen. Mit einem Zitat ihres Hirten zu beginnen, macht sich immer gut:

Die zukünftigen Ärzte der Neuen Medizin sind warmherzige Seelsorger, kluge und erfahrene Beobachter des Geschehens, die die Patienten beruhigen, damit Mutter Natur ihr Werk vollenden kann.
Hamer im “Vermächtnis einer Neuen Medizin”, S. 59

Was aber dem Leben Sinn verleiht, gibt auch dem Tod Sinn. Es ist leicht zu sterben, wenn es in der Ordnung der Dinge liegt.
Antoine de Saint-Exupéry in “Wind, Sand und Sterne”

5 Gedanken zu “"Neue Medizin" – Schwachsinn pur

  1. Hey, Björn. Es ist ja nicht so als würde die Neue Medizin was Neues bieten. Die lallen uns normal denkenden Menschen seit 3 Jahrzehnten dieselben Standardphrasen entgegen. Außerdem sind in dem artikel neue Argumente gegen die neumedizinische Denke enthalten. Man müßte ihn nur lesen/verstehen…

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  2. Pingback: Walter Last und die GNM: “Krebs natürlich heilen” – Stellvertreter der gefährlichsten Scharlatanerie! | Ratgeber-News-Blog

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