Diktatur des Lächelns – Italien unter Berlusconi


„Wir werden die Verantwortung übernehmen unser Land zu regieren; in Gerechtigkeit, Wohlstand und vollkommener Freiheit“

Dieser Satz stammt aus dem Mund von Silvio Berlusconi. Mit dem Wahlslogan hat er es schließlich geschafft wieder Ministerpräsident zu werden. Die Liebe der Italiener zu diesem abgetakelten Möchtegern-Playboy, immerhin ist er bereits 72, scheint ungebrochen.

Könnte man es bei seinen privaten Sex-Eskapaden belassen, wäre es nicht weiter tragisch. Die Korruption, die damit einhergeht und negativen Einfluss auf Politik und Rechtsstaat  gewinnt, ist jedoch so unbegreiflich, dass man es sich niemals hätte träumen lassen, entsprechendes wäre heutzutage innerhalb Europas möglich.

Albert Jörimann schreibt:

[…] „All dies ist für das Land Italien nicht von Furcht erregender Bedeutung. Man fühlt sich bloß erinnert an die seltsamen Cäsaren-Biografien von Sueton, aber auch eben an arabische Scheichs, nicht zuletzt bzw. fast vor allem an den libyschen Staatschef Gaddhaffi, der sich sogar eine Leibwache aus lauteren Frauen hält; im Kern aber ist es die Obsession des Entertainers, immer jemanden auf der Bühne zu haben. Eigentlich erleben wir in Italien so etwas wie eine Paraphrase auf «Limelight» von Charles Chaplin, und dieser Vergleich gefällt mir ganz besonders, weil die Diskrepanz zwischen den beiden Charakteren und damit eben auch zwischen den beiden Epochen nicht größer bzw. nicht schöner herausgearbeitet sein könnte. Im Original haben wir einen echten Variété-Künstler, in seiner Spiegelung im wirklichen Leben haben wir einen Schmierenkomödianten, der es durch Bestechung, Betrug, Lüge und allerlei andere schöne Dinge zum reichsten Mann im Staat geschafft hat, der sich auch noch die Gesetze auf den Leib schneidern lässt, damit seine Bestechungen, Betrügereien, Lügen und allerlei anderen schönen Dinge nicht prozessual gegen ihn verhandelt werden können. Eben: Dass er dazu noch eigene Songs schreibt und sie mit einem befreundeten Gitarristen und Sänger selber aufführt, dass er eigenen Schmuck kreiert, natürlich nur Schmetterlinge und Schildkröten, passt hier wunderbar.“ […]

Es lohnt sich den ganzen Artikel zu lesen, um ein umfängliches Bild von italienischen Gegebenheiten rund um die Machenschaften von Berlusconi  zu erhalten.

Unfassbar bleibt dabei, warum dieser Herr in der Bevölkerung so viel Unterstützung findet. Man müsste glatt annehmen, dass auch in seinen Fans ein kleiner Berlusconi steckt und dies ist schon sehr beängstigend.

Andererseits muss man sich zusätzlich fragen, ob das Phänomen Berlusconi  allein auf seine schillernde Persönlichkeit zurückzuführen ist oder ob es eine neue Tendenz in der Politik darstellt, das Showbiz zu bedienen. Gewisse abgemilderte Züge, lassen sich schließlich auch bei Nicolas Sarkozy kaum übersehen.

Unter dem Titel „Diktatur des Lächelns – Italien unter Berlusconi“ lief ein Fernsehbeitrag zum Thema in Eins Extra.

Einen aufschlussreichen Auszug davon gibt es bei »youtube« hier:

Filmkamera Video Teil 1

Filmkamera Video Teil 2

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