“Macht der Gedanken” – SWR Dokuserie Teil III


Der dritte Teil der Dokuserie zum Thema Rückführungen in ein früheres Leben unter dem Titel: „Reise in die Vergangenheit“ war ohne Einschränkungen skandalös. Man kann nur mit dem Kopf schütteln, wie unreflektiert und unkritisch dem Zuschauer Esoterik in höchster Ausformung, als Wahrheit verkauft wurde. Wohlgemerkt, vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Die Vorführung hätte genauso gut in die Uri Geller Show gepasst, denn sie ließ keinen Aspekt der totalen Menschheitsverblödung vermissen.

Ursula Demarmels, eine Rückführungstherapeutin der besonderen Art aus Österreich –  man soll bei ihr zwei Jahre auf einen Termin warten müssen –  gab ihre Künste zum Besten.

Vorweg möchte ich gleich anmerken, dass man in der Sendung über die Gesinnung der Dame nahezu nichts erfahren hat. Dem Zuschauer wurde auch vorenthalten mit welchen Worten bzw. welcher Methode sie ihre Klienten in Trance versetzt.  Somit ist es ganz besonders interessant zu lesen, dass ihre Technik mit Hilfe hoher Lichtführer aus der spirituellen Welt funktioniert und dass sie auch spezielle spirituelle „Zwischenlebens-Rückführungen“ anbietet, wofür sie einen einzigartigen Tiel besitzt: „Certified Life-Between-Lives Spiritual Regression Therapist“ 🙂

Bei einer Reise ins Zwischenleben erhält man Informationen über die eigene Seelengruppe, den persönlichen Lichtführer (Schutz-Engel), den Rat der weisen Seelen und über die eigenen Aufgaben und Aktivitäten in der spirituellen Welt.

Dies und vieles mehr lässt sich auf der Homepage von Demarmels nachlesen. Weil es so ist, würde ich stark davon ausgehen, dass sich von ihrer Arbeit an allererster Stelle Esoteriker angezogen fühlen, die spirituell bewandert und damit bereits reinkarnationgläubig sind.

In großes Erstaunen versetzte mich andererseits die Tatsache, dass Demarmels Workshops und Seminare zusammen mit dem renommierten Medizinbiologen und Buchautor, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Hacker anbietet. Was sollte ausgerechnet jemand wie er mit Geistwesen anfangen können? Bei weiterer Recherche musste ich jedoch feststellen, dass sich der Wissenschaftler mittlerweile mit Elektrosmog und geopathischen Störzonen beschäftigt, bzw. deren Existenz und negative Auswirkungen bestätigt und den Verkauf von sehr teueren Harmonisierungsprodukten, genannt „Geowave“ bewirbt.

Dies ist nicht nur Unfug, sondern widerspricht sämtlichen seriösen Forschungsergebnissen, die es zu Hauf gibt, wobei speziell in Österreich die Uhren etwas anders zu ticken scheinen als andernorts auf der Welt.

Desweiteren hat sich dann noch herausgestellt, dass Prof. Dr. Hacker mit Frau Ursula Demarmels verheiratet ist. Dies lässt sich in seiner Vita unter Familienstatus nachlesen.

Für meinen Geschmack sprechen diese Tatsachen Bände, die keiner weiterführenden Erklärung bedürfen.

Zurück zur Doku:

Natürlich wurde darin ein spektakulärer Fall geschildert.

Für eine Frau, die jahrelang von einem grauen Kleid mit einer weißen Kordel träumte und damit rein gar nichts anfangen konnte, ging die Sinnsuche schließlich zu Ende, denn sie stellte anhand der Rückführung fest, dass sie in einem Vorleben die Heilige Elisabeth war, die vor 800 Jahren in und um Eisenach lebte.

Man konnte miterleben, wie die Frau über ihr damaliges Leben berichtete. Eine berührende Geschichte, die irgendwann dazu führte, dass das Wort Eisenach fiel. Alle anderen Äußerungen ließen viele Interpretationsmöglichkeiten für historische Rückschlüsse vollkommen offen, wenn man genau zuhörte.

Dennoch wurde die Klientin, begleitet von Historikern, mit der Burg Eisenach in der Realität konfrontiert und dort hatte sie ihre „Hallo-Wach“ Erlebnisse, die dazu führten, dass sie die Heilige Elisabeth gewesen sein musste. Die Historiker bestätigten dies mit Erstaunen, weil die Frau gewisse  schwammige Aussagen, gepaart mit intensiven Gefühlsregungen machte, die mit  historischem Wissen vage übereinstimmten.

Da die Frau immer wieder betonte, bzw. schwor, dass sie weder in Eisenach gewesen sei, noch etwas über die Geschichte der Heiligen Elisabeth gesehen oder gelesen hätte, lag es auf der Hand, dass man damit den Beweis für ein Vorleben geliefert  hatte.

Ein verantwortungsbewusster und aufgeklärter Journalist, hätte diesen Eindruck niemals im Raum stehen lassen, denn für den geschilderten Fall gibt es auch eine plausible Erklärung, die ohne jeglichen spirituellen Hintergrund oder die Annahme des vorsätzlichen Betrugs auskommt.

Dazu möchte ich gerne Claudia Coldner zitieren, die sich intensiv mit diesem Thema (Artikel: Karma und Reinkarnation) beschäftigt hat:

[…] „Wiedergeburtserlebnisse haben mithin den Charakter von „Begründungslegenden“, die Unverständliches in der eigenen Existenz erklären; schaffen wir Legenden, um es zu begründen, erzählen wir Geschichten, um es zu erklären. Das Material zu diesen Geschichten, beispielweise der „Erinnerung“ an ein früheres Leben als Hofnarr bei Pippin dem Kurzen, stammt aus Bruchstücken erinnerter Erzählungen, Romane, Bilder, Kinofilme und so weiter, die in Trance zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden und sich zu einem ganzen „Film“ verdichten können. Selbst in oberflächlicher Trance können Gedächnisinhalte reaktiviert werden, die dem Wachbewusstsein nicht mehr zugänglich sind. Für derartige Kryptomnesie liegen mittlerweile zahlreiche Belege vor.“ […]

Die Kryptomnesie (verborgenes Gedächnis) bringt die Wahrheit zutage und liefert damit eine eindeutige Erklärung, denn man weiß, dass auch nie bewusst gewordene Inhalte im Unterbewusstsein gespeichert sind. Ferner kann es  sich  natürlich auch immer um Bewusstseinsinhalte handeln, die vergessen oder verdrängt wurden, die dann aber in einer Trance wieder an die Oberfläche kommen.

Ich möchte jedoch noch eindringlich darauf aufmerksam machen, dass Rückführungen absolut kein Spaß sind, bzw. dass man es niemals so sehen sollte.  Die Neugier, die manchen reizt Entsprechendes auszuprobieren, kann böse enden, denn wer sich darauf einlässt, dass Erlebnisse während einer Trance einem Vorleben entsprechen müssen, dem kann es auch passieren, dass er sich mit schlimmsten Horrorszenarien konfrontiert.

Was würden Sie denn tun, wenn Sie feststellen würden, dass Sie eine Wiedergeburt von Adolf Hitler sind oder dass sie im Vorleben ein großer Inquisitor waren oder dass Sie selbst in  Auschwitz vergast wurden?

Würden Sie damit umgehen können?

Andererseits führt die Suche nach historischen Beweisen aufgrund von Reinkarnationserlebnissen weg vom eigentlichen Leben. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich mit den Lebensgeschichten Verstorbener auseinanderzusetzen, um darin die eigene Identifikation zu suchen und zu finden, denn damit werden weder Probleme gelöst, noch wird damit dafür gesorgt, dass man sich weiterhin in dieses Leben integriert.

Wem sollte die Vorstellung, der Kaiser von China, ein Papst oder Ludwig der XIV gewesen zu sein wohl nutzen?

Ich würde sagen, dass damit lediglich ein gewisser Größenwahn geschürt wird, der ins jetzige Leben übertragen zu unzähligen Enttäuschungen führen muss, weil er der Konfrontation mit der Realität nicht standhalten kann.

Nein danke.

Ich selbst habe eine Ausbildung in einer Rückführungsmethode zur Problemlösung absolviert und damit gearbeitet.  Aus meiner Erfahrung gab es oft nach Sitzungen Gefühle spontaner Erleichterung oder gar eine Besserung von Beschwerden, die jedoch nie von Dauer waren. Entsprechende kurzfristige Erfolge können jedoch leicht dazu führen, dass man nach weiteren Rückführungen süchtig wird, was den Anbietern diverser Methoden nur Recht sein kann, wenn ein wirtschaftliches Interesse im Vordergrund steht.

Wer einen Fachaufsatz zu dem Thema lesen möchte, um jeglicher Verdummung zu entfliehen, dem empfehle ich folgende Datei:

Hier gehts zu den anderen Blog-Beiträgen zur Dokuserie:

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