ADS/ADHS – Krankheit oder Volksverdummung?


Statistiken belegen, dass es immer mehr Kinder in Deutschland gibt, bei denen eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung diagnostiziert wird, teilweise auch vom vorwiegend unaufmerksamen Typ, also ohne ausgeprägte Hyperaktivität. Die Zahl der Diagnosen – durch verbesserte Forschung und mehr Wissen bei den Ärzten – hat zugenommen, nicht die Zahl der betroffenen Kinder!

Die Erstellung der Diagnose  setzt einen langwierigen Prozess verschiedenster Untersuchungen voraus und sollte unbedingt von Fachärzten getroffen werden, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben.

Aus medizinischer Sicht handelt es sich bei der Krankheit um eine Hirnstoffwechselstörung, die in der Forschung über bildgebende Verfahren nachgewiesen werden kann. Ein Mangel des Botenstoffes Dopamin ist ursächlich dafür verantwortlich, dass Informationen und äußere Reize nicht richtig verarbeitet werden können, wodurch es zu einer sogenannten Reizüberflutung kommt. Dies wiederum äußert sich bei Betroffenen durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität und träumerisches Verhalten.

Neben psychoedukativen Maßnahmen hat sich die medikamentöse Behandlung, die den Dopaminmangel ausgleicht, in der Praxis sehr gut bewährt, um „normale“ Lebensabläufe zu ermöglichen, bzw. Kindern auch eine erfolgreiche Schullaufbahn zu gewährleisten.

Der am häufigsten verabreichte Wirkstoff Methylphenidat – erstes Präparat war „Ritalin“ –  gehört zu den amphetamin- ähnlichen Substanzen, welches einer besonderen Verschreibungspflicht bedarf, da es in der Liste des Betäubungsmittelgesetzes aufgeführt ist.

Nebenwirkungen sind gering und können durch eine sorgfältige individuelle Dosiereinstellung des Facharztes vermieden oder gering gehalten werden. Insgesamt bietet die Medikamenteneinnahme eine eindeutige Hilfe für Betroffene, wie die Forschung seit 50 Jahren nachweisen kann.

Gleichzeitig wird seit Jahren von verschiedenen Gruppierungen versucht, die Einnahme von „Ritalin“ mit allen Mitteln zu bekämpfen. Zu den massivsten Kritikern gehören Scientologen, Esoteriker und Teile der Anthroposophen, wobei von den  Genannten Alternativtherapien und Alternativerklärungen zum „Krankheitsbild“ der ADS/ADHS angeboten werden.

Diese Kritiker schrecken nicht davor zurück Eltern im höchsten Maße zu diffamieren und zu verunglimpfen , die eine Ritalin-Verabreichung befürworten.

Eigenen Geschäftsinteressen folgend wird verkündet, dass Eltern ihre Kinder mit einer Droge ruhig stellen wollten, nur weil sie nicht fähig oder zu faul wären mit einem aufgeweckten Kind umgehen zu können oder zu wollen.

Generell wird in diesen Kreisen den Betroffenen jeder Anspruch auf Krankheit abgesprochen, denn entweder wäre die Diagnose eine Erfindung der Psychiatrie und der Pharmaindustrie, um sich dadurch zu bereichern, oder es würde sich um ganz besondere Kinder mit überirdischen Eigenschaften und Fähigkeiten handeln, die extra nicht angepasst seien, um die Gesellschaft zu verändern und die damit zur Menschheitsentwicklung beitragen würden.

Leider Gottes haben sich durch diese propagandistischen  Irreführungen immer mehr davon nicht betroffene Menschen und auch Medien indoktrinieren lassen, wodurch regelrechte Hetzkampagnen gegen „Ritalin“- Befürworter entstanden sind, die bereits sowieso durch das Krankheitsbild strapazierte Eltern verunsichern und zusätzlich ungemein belasten.

Es ist  eine Schande, dass man in unserer Gesellschaft so wenig darüber reflektiert, welche Interessen hinter Meinungsbildern stehen. Zudem sieht es so aus, dass man allen ungesicherten und zum Teil irrationalen Äußerungen mehr glauben schenkt, als wissenschaftlich fundierten Studien.

Da jedoch bei dem Thema Kind und Erziehung der Spaß aufhört, sollten sich alle Eltern ermutigt fühlen, die dafür sorgen, dass ihr Nachwuchs die Chance erhält in diesem Leben zurechtzukommen und sich somit auch anerkannt fühlen zu dürfen.

Da es momentan keine erfolgsversprechende Alternative zur medikamentösen Behandlung von ADS/ADHS gibt, sollte jedem das Wohl des eigenen Kindes wichtiger sein, als das verachtende Verhalten von Nutznießern und Anhängern alternativer Angebote, die alles versprechen, jedoch jedes Versagen aus ihrer eigenen Verantwortung ausschließen.

Man kann allen Eltern nur raten, sich allumfassend zu informieren statt sich beirren zu lassen und bei Bedarf qualifizierte Fachärzte  aufzusuchen, um Fehldiagnosen zu vermeiden.

Lesen Sie dazu auch:

Am 09. Dezember 2008 wurde in der Sendung „Das Pharmakartell“ von Frontal 21, bedauerlicherweise sehr einseitig und unseriös über das Thema berichtet. Unter anderem wurde Dr. Klaus Skrodzki, Voritzender der AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V., eine finanzielle Abhängigkeit von der Pharmaindustrie unterstellt.

Lesen Sie selbst, was er dazu zu sagen hat:

Persönliche Stellungnahme von Dr. Klaus Skrodzki, zu der Sendung im ZDF Frontal 21 „Das Pharmakartell“

Liebe Interessierte,

In der oben genannten Sendung versuchen Herr Esser und seine Mitarbeiter die Abhängigkeit meiner ärztlichen Tätigkeit von der Pharmaindustrie zu demonstrieren. Dazu wurden bewusst alle Aussagen geschnitten und weggelassen, die nicht ins gewünschte Bild passen.

  • FALSCH IST, dass „im Prinzip gesunde Kinder, die die Umgebung etwas stören“, behandelt werden.
  • RICHTIG IST, dass es sich bei ADHS um eine schwerwiegende Störung handelt, die langfristige Auswirkungen auf die psychische, soziale und emotionale Entwicklung hat und zu gravierenden Einschränkungen der schulischen und beruflichen Leistungen führt. (Siehe Bundesärztekammer)
  • FALSCH IST, dass wir diese Kinder und Jugendlichen mit „starken Medikamenten behandeln, die schwere Nebenwirkungen haben“.
  • RICHTIG IST, dass wir bei ADHS neben psychoeduktiven Maßnahmen auch Medikamente einsetzen, die seit Jahrzehnten überprüft und wirksam sind und deren Nebenwirkungen überschaubar und gegenüber anderen Medikamenten eher gering sind.
  • FALSCH IST, dass in dem angesprochenen Seminar nur die Nebenwirkung Appetitlosigkeit genannt wurde.
  • FALSCH IST, dass ich von der Pharmaindustrie Geld erhalte, um entsprechende Medikamente zu verordnen oder sie fälschlich positiv zu bewerten.
  • RICHTIG IST dagegen,dass ich wegen meiner langjährigen praktischen Erfahrung mit zahlreichen Patienten und als Vorsitzender der AG ADHS bei mehreren Firmen der forschenden Pharmaindustrie, im Zentralen ADHS Netz, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Bundesärztekammer und weiteren ärztlichen Organisationen beratend tätig bin, um einerseits Pharmaprodukte im Sinne der Patienten zu verbessern, zu verändern oder durch Studien zu überprüfen und andererseits das Verständnis für und den Umgang mit ADHS zu verbessern. Für den Arbeitsausfall in der Praxis und den Praxisvertreter erhalte ich teilweise eine Entschädigung.
  • FALSCH IST, dass der SelbsthilfeverbandADHS Deutschland (und ich als Mitglied und Beisitzer) sich durch Spenden der Pharmaindustrie abhängig machen.
  •  RICHTIG IST, dass der Spendenanteil der Pharmaindustrie nur einen Bruchteil des Etats ausmacht und ausschließlich zweckgebunden akzeptiert und eingesetzt wird für feste Projekte, die mit Pharmakotherapie nicht in Verbindung stehen.

Für Interviews und Stellungnahme für Presse und Fernsehen stelle ich mich immer wieder zur Verfügung, in der Hoffnung, mehr Verständnis in der Öffentlichkeit für das Störungsbild ADHS zu wecken und zu bewirken, dass sachorientiert mit ADHS umgegangen wird und Kindern, Jugendlichen und deren Eltern Unterstützung zuteil wird. Für diese Sendung wurde jedoch journalistisch nicht nur schlecht recherchiert, sondern gewissenlos Meinungsmache über Ausgewogenheit und Sorgfalt gestellt.

Ich lade alle Kollegen ein, an einer unserer Fortbildungen zu ADHS teilzunehmen.

Insbesondere lade ich Interessierte aus allen beteiligten Fachgebieten und dem Kreis der Betroffenen ein, zu unserer nächsten

Tagung und Mitgliederversammlung der AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte e. V. 

nach Lüneburg  zu kommen, wo wir vom 24. – 26. April 2009 über „ADHS – Kaleidoskop der Sichtweisen“ referieren und diskutieren werden. (Die Tagung ist ausschließlich durch Kongressgebühren und Mitgliedsbeiträge finanziert und frei von Pharmasponsoring!) Vielleicht können Sie dann erleben, wie der Umgang mit ADHS interdisziplinär und kritisch im Sinne unserer Patienten optimal zu gestalten ist.

Forchheim, den 17.12.2008   Dr. Klaus Skrodzki

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Ein Gedanke zu “ADS/ADHS – Krankheit oder Volksverdummung?

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    als Eltern von Kindern mit ADS können wir die große Bedeutung von Ritalin nur unterstützen. Wir haben auch lange versucht, ohne Ritalin auszukommen, aber es ist wirklich eine Riesen-Hilfe, wenn es auf der Basis einer sorgfältigen ärztlichen Diagnose gegeben wird. Unser Sohn wurde als nicht geeignet für die weiterführende Schule eingestuft, und nun ist er (mit Ausnahme der Tage, an denen er die Einnahme vergisst) der Klassenbeste.

    Um das Lernen zu unterstützen, haben wir alles an Materialien zusammen getragen, was bei ADS, legasthenie und anderen Leistungsschwächen hilft. Sie finden es unter http://www.spielundlern.de im Internet. Altersgerechtes Lernen leicht gemacht!

    Mit besten Grüßen, Chris

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