Glaubensfreiheit oder falsche Toleranz ?


In letzter Zeit lese ich immer wieder, wenn es um das kritische Hinterfragen von Themen geht, dass alles was nicht der reinen Ratio und der seriösen Wissenschaftlichkeit entspricht und keiner gängigen Religionsgemeinschaft entspringt als esoterisch bezeichnet wird. Dies hat meines Erachtens einerseits eine große Berechtigung, da der Esoterikmarkt anhaltend boomt und vor entsprechenden „Ganzheitlichen Heilverfahren“ zu warnen ist. Aufklärung und der Apell an den gesunden Menschenverstand sind in jeder Beziehung nötiger denn je.

Andererseits möchte ich aber auch zu bedenken geben, dass der Begriff „Positives Denken“ verschiedene Bedeutungen haben kann, die differenziert zu betrachten sind.

Da ich in meinen Büchern viel darüber geschrieben habe, wobei ich mich grundlegend gegen die Esoterik ausspreche, lohnt sich eine eindeutige Erläuterung, welche Unterschiede für mich relevant sind.

Ich beziehe mich schlichtweg auf die Tatsache, dass wir Menschen denken und fühlen und dass jeder einzelne für sich feststellt, dass eine positive Gedankenausrichtung und ein Wohlgefühl das Leben angenehmer machen. Andererseits führen Angst und destruktive Gedanken zum Gegenteil.  Dass unser Geist somit Auswirkungen auf unser körperliches Befinden hat, kann jeder nachvollziehen. Eine positive Ausrichtung wirkt vitalisierend und eine negative zeichnet sich in der Regel auch dadurch aus, dass man sich schlapp und müde fühlt, worunter auch das Immunsystem leidet. Dies sind eben die Gegebenheiten unserer menschlichen Natur, die auch kein Schulmediziner von der Hand weisen würde.

Ein Konzept aufzustellen, das dazu führt, dass jeder Einzelne für sich selbst leichter und somit angenehmer leben kann, ist so lange nicht esoterisch, so lange man keine Gegebenheiten einbaut, die übersinnlicher Natur sind, die von einer menschlichen Bewusstseinsentwicklung und einem Lernprozess sprechen und die zur Folge haben, dass die Geisteshaltung automatisch zur Realität führt ohne etwas dafür tun zu müssen.

Auch wenn ich persönlich auf „The Secret“ von Rhonda Byrne verwiesen habe, die vom Universum spricht, das auf die Wahrnehmung reagiert und somit die gewünschte Realität erzeugt, ging es mir immer um ein ganz witziges bildhaftes Erklärungsbeispiel, wodurch sich jeder eine Vorstellung machen kann, ohne es wörtlich zu nehmen. Deswegen liegt meine Aufmerksamkeit im Gegensatz dazu viel mehr auf individuellen Ergebnissen, die man mit dem Verstand nachvollziehen kann und für die man sehr wohl etwas tun muss. Die positive Grundausrichtung führt in dem Zusammenhang eben nur dazu, dass man dadurch entspannter ist, was sich wiederum positiv auf die eigene Kreativität und den „Einfallsreichtum“ auswirkt. Im Gegensatz dazu führt eine Krisenstimmung leicht zu Panik und dies blockiert wiederum den konstruktiven Gedankenfluss.

Beim Thema Gesundheit bildet eine positive Lebenseinstellung eine gute zusätzliche Prophylaxe und bei Krankheit wirkt sie unterstützend zur schulmedizinischen Behandlung.

Für mich ist dabei das persönliche „Machbarkeitsprinzip“ sehr wichtig; deswegen war es mir auch immer ein Anliegen, jedem zu vermitteln, selbst herauszufinden, welches Ziel für ihn realistisch erscheint. Dies impliziert, dass in der Regel niemand davon ausgehen kann in kürzester Zeit vom Harz IV Empfänger zum Millionär zu werden.

Ich sehe in meinem Ansatz weder ein esoterisches Konstrukt, noch eine  Gefahr, dass Menschen Schaden nehmen würden, weil sie sich auf eine Illusion einlassen, die unerreichbar ist und sich deswegen Schuldgefühle oder Depressionen einstellen müssten, wenn sich Wünsche nicht verwirklichen.

Da sich auch in Europa immer mehr Menschen zu Religionen und Glaubensgemeinschaften hingezogen fühlen, lohnt es sich ganz besonders einen sinnvollen Mittelweg zu erörtern, der mit dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar ist und somit auf völlig irrationale Heilsversprechen verzichten kann.  Zudem lässt sich beobachten, dass durch die zunehmende Vermischung verschiedenster Kulturen auch massive Probleme entstehen, die ein Zusammenleben schwierig gestalten. Daraus erwächst der Anspruch auf staatliche Unterstützung von einzelnen Religionsgemeinschaften, die alle zu ihrem Recht kommen möchten. Religion sollte einzig und allein Privatsache sein; eine Missachtung dieser Maxime kann in einem demokratischen Staatswesen nur zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen führen, wenn  Gleichheitsprinzipien eingefordert werden. Was die einen bekommen, wollen die anderen natürlich auch und das mit Recht.

Leider Gottes gibt es in Europa nur drei Länder, deren Verfassung eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion beinhaltet. Der sogenannte Laizismus besteht in Frankreich, Portugal und der Türkei, wobei die Türkei noch kein Mitglied der europäischen Union ist.

In den anderen Länder in Europa gibt es immer mehr Strömungen, die versuchen religiöse Interessen im Europäischen Parlament in Brüssel geltend zu machen, wobei fundamentalistische Anschauungen dabei eine zunehmende Rolle spielen.

Ich halte es für beängstigend, wenn antiquierte Moralvorstellungen und irrationale Konzepte Einzug in politische Entscheidungen finden. Sollten sich diese Interessen immer mehr durchsetzen, wäre das das Ende der persönlichen Freiheit und der Anfang einer „Verfolgung“ von bekennenden Atheisten, der wir meines Erachtens auf verschiedenen Wegen entgegenwirken sollten.

Arte widmete dem Ganzen einen Themenabend:

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