Reaktionen auf die SWR 2 Sendung zum Thema: “Erzieher als Seelenführer?” mit Michael Grandt, Autor des “Schwarzbuch Waldorf” und Henning Kullak-Ublick, Vorstand des “Bundes der Freien Waldorfschulen”


Liebe Leser,

Die Radiosendung wurde heute übertragen und sie lässt sich jederzeit über die folgende Seite  abrufen:

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-forum/-/id=660214/nid=660214/did=4064192/8raujj/index.html

Hier die erste Reaktion auf das Gespräch von dem Zuhörer Gerd Hergenröther (Oberstudienrat):

„Das Gespräch zwischen dem Verfasser des „Schwarzbuchs Waldorf“, Herrn Grandt, und Herrn Kullak-Ublick, dem Vertreter des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ fand ich als Hörer außerordentlich interessant.

Als wichtigster Punkt erschien mir der Zusammenhang zwischen der Lehrerausbildung, die laut verschiedener Aussagen von maßgeblichen Anhängern auf grundlegenden Überzeugungen der Anthroposophie beruht, und der Realität der Unterrichtspraxis, die von Vertretern der Waldorfschule immer wieder in den Vordergrund geschoben wurde. Laut Kullak-Ublick hat beides überhaupt nichts miteinander zu tun.

Wie bitte? Wenn die Grundlage einer Lehrerausbildung der Marxismus-Leninismus wäre, wäre es auch nur im Entfwerntesten denkbar, dass dies ohne die Auswirkungen auf die Unterrichtspraxis bleiben könnte, selbst wenn dieser kein ausdrücklicher Lehrgegenstand wäre?

Jeder Lehrer, der sich eine solche Sicht der Dinge, sei es auf anthroposophischer oder marxistisch-leninistischer Grundlage aneignet (warum tut er das eigentlich? Weil er dieser Grundüberzeugung ist oder weil dies von ihm gefordert wird, damit er eine Anstellung bekommt?), kann gar nicht anders als sie im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung in sein Wesen, damit in seine Lehrerpersönlichkeit und damit natürlich auch zumindest unterschwellig in seine Unterrichtspraxis und sein Menschenbild mit einfließen zu lassen.

Die Schablonisierung von Schülern (Temperamentenlehre usw.) beruht nicht auf rein privaten, ätherischen Feinheiten eigenen Denkens, sondern findet ihre Anwendung in der konkreten Praxis, in der Sicht real-existierender Menschen, auf die diese Schablonen angelegt werden. Laut Kullak-Ublick öffnet dies den Blick des Lehrers auf andere, geistige, transzendentale Aspekte des Menschen. Aber wie könnten ideologische Scheuklappen das tun?

Verengen sie nicht den Blick durch eine ideologiehörige, das Denken in den Bahnen Steiners kanalisierenden Sichtweise? Brauche ich autoritär vorgeprägte Schubladen, in die ich Menschen stecke, damit sich dann die Freiheit meines Blicks weitet? Dieses Denken entlarvt sich doch ungewollt und – hoffentlich – unreflektiert von selbst.

Die in der Sendung angewandte Methode des Vertreters der Freien Waldorf Schulen ist offensichtlich: Niemand distanziert sich von verstiegenen Ansichten des selbststilisierten „Geisteswissenschaftlers“ Steiner, auch Kullak-Ublick nicht, sondern man versucht auf die vorgeblich ideale Unterrichtspraxis zu verweisen, die aber ohne die Eingebungen Steiners keine sinnvolle Zielrichtung mehr haben würde.

Wenn Steiners Anschauungen auf Eingebungen aus der geistigen Welt beruhen, dann erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit seinen Theorien und Phantasmen; dann ergibt sich mit notwendiger Konsequenz: Sie sind aus einer höheren Wirklichkeit geschaut und damit wahr. Dann kann ich nur die Blindheit derer konstatieren, denen diese Schauungen nicht zur Verfügung stehen. Damit wird letzteren, den Unaufgeklärten, nicht Eingeweihten ein gültiges, gleichwertiges Urteil abgesprochen

Damit haben die Illuminaten Zugang zu einer Wahrheit, die anderen verschlossen bleibt. Damit sind Uneingeweihte entweder zu dumm, sich den Wahrheiten Steiners zu öffnen, oder böswillig, weil sie die einzig gültige Wahrheit bekämpfen.

Und das soll keine ideologische Fixierung sein? Und das soll reine Privatsache sein, die für die Unterrichtspraxis keine Rolle spielt? Wenn das so wäre, warum lehrt man dann Steiners Hirngespinste an Einrichtungen, die sich die Ausbildung künftiger Lehrer  zur Aufgabe macht?

Sollte das wirklich als reine Privatsache der Auszubildenden verstanden werden wollen, dann wären die ganzen anthroposophischen Lehrerbildungsanstalten die ersten ihrer Art, die irrelevante Lehrgegenstände dafür heranziehen, dass ihre künftigen Absolventen ihrer Aufgabe in der Unterrichtspraxis besser gewachsen sind.

Warum also distanziert sich Waldorf nicht eindeutig von manchen verschwurbelten, höchst angestaubten bis offen esoterischen Ideen Steiners? Warum belastet man sich mit unwissenschaftlichen, höchst zeitgebundenen Verschrobenheiten des Meisters? Warum besinnt man sich nicht auf eine reformpädagogische Grundlinie und wirft das überholte bis stellenweise offen rassistische Gedankengut (z. B. Physignomik)  über Bord und erhält lediglich das Erhaltenswerte?

Ich fürchte, das geschieht deshalb, weil man das nicht will, weil man letzten Endes uneingeschränkt daran glaubt. Aber wenn ich an etwas glaube, dann bekenne ich mich auch dazu und verstecke mich nicht hinter Nebelkerzen. Wenn ich katholisch bin, bekenne ich mich auch zum apostolischen Glaubensbekenntnis und zum Papst und verstecke mich zur Rechtfertigung nicht hinter den sozial-humanitären Diensten der Caritas.“


WEITERE REAKTIONEN:

Joachim Kortner sagt:

„Also, ich habe mich ja mit dem Thema „Waldorfschule“ noch nicht intensiv befasst. Mehr durch Zufall hörte ich dieses moderierte Streitgespräch, zwischen einem Befürworter und einem Gegner der Waldorfschulausbildung, der zugleich der Autor von „Schwarzbuch Waldorf“ ist.

Der Befürworter konnte fast nur gebetsmühlenartig seine Vorwürfe („schlecht recherchiert“ bzw. „aus dem Zusammenhang gerissen“) wiederholen. Den konkreten Argumenten des kritischen Autors versuchte er mehr oder minder geschickt auszuweichen, konnte sie in keinem einzigen Punkt widerlegen.

Die zum Teil erschreckenden Zitate Rudolf Steiners wirken auf jeden denkenden Menschen verstörend und lassen die Frage unbeantwortet, wie sich diese ganz offensichtliche Sektenmentalität einer unkritischen staatlichen Duldung, ja Förderung erfreuen kann.

Der Moderator war sichtlich um Neutralität bemüht.


Udo Anhaeuser sagt:

„Mir kam das Gespräch mal wieder so vor, wie auch die üblichen Talksendungen im Fernsehen mit unseren politischen Vertretern ablaufen. Reden und reden, aber nichts sagen und immer schön um den „heißen Brei“ drumherum schwätzen.

Dies trifft hier ausschließlich auf Herrn Kullak-Ublick zu, der es zugegeben geschickt verstanden hat den gezielten Fragen des Herrn Grandt auszuweichen, um die Dinge nur aus seiner Sichtweise heraus darzustellen und dem Hörer zu vermitteln (bzw. vermitteln zu wollen).

Mit nachvollziebaren Informationen für den Zuhörer und daher auch mit einer erforderlichen Transparenz für die Sache selbst hatte das jedoch nur sehr wenig zu tun.

An der Diskussion störte mich ferner ungemein, dass auf die Fragen des Herrn Grandt nicht präzise geantwortet wurde, denn beispielsweise die vielen kritischen Äußerungen von (ehemaligen) Waldorfschülern können doch nicht nur alle aus der Luft gegriffen sein oder?

Darauf blieb Herr Kullak-Ublick aber bis zum Ende der Diskussion eine Antwort schuldig.

Auch das „geeiere“ des Herrn Kullak-Ublick auf die Frage des Herrn Grandt, ob nun die anthroposophischen Lehren Rudolf Steiners in den Waldorfschulen „angewandt“ oder „gelehrt“ werden, kann meinen Verdacht nicht ausräumen, dass er (Kullak-Ublick) sich hier um eine klare Darstellung und Aussage über die Praxis an Waldorfschulen eher drücken wollte.

Derartige Wortspielereien des Herrn Kullak-Ublick sind doch für jeden Außenstehenden bzw. Eltern mehr oder weniger „Jacke wie Hose.“ Nach meiner Auffassung ist es doch vollkommen gleich, ob z.B. ein Lehrer in der Schule ein von ihm erlerntes Wissen gegenüber den Schülern anwendet, oder ob er dieses Wissen seinen Schülern lehrt.

Wo ist/soll bitteschön da der Unterschied sein und wie soll hier eigentlich eine Trennung voneinander stattfinden? Viel entscheidender dürfte jedoch die Frage sein, warum wird seitens Herrn Kullak-Ublick so viel Wert auf diesen vermeintlichen Unterschied gelegt? Was hat das denn für einen Hintergrund?

Ich meine am Ende blieben die von Herrn Grandt gestellten Fragen völlig unzureichend beantwortet und es wurde in diesem Zusammenhang eine gute Chance zu mehr Transparenz zum Wohle von Eltern und deren Kindern vergeben.

Man kann Eltern daher nur den Tipp geben, sich mit der Pädagogik der für sie eventuell in Frage kommenden Waldorfschule grundlegend auseinanderzusetzen und gezielt nachzufragen, ob und wie dort mit den anthroposophischen Lehren Steiners umgegangen wird.“


Wenn auch Sie eine Meinung zur Radiosendung äußern möchten, sind Sie herzlich willkommen. Dazu steht Ihnen unser Kommentarformular zur Verfügung oder Sie senden mir Ihren Beitrag per e-mail an elkereihl@googlemail.com


Hier eine Website von Anthroposophen, die das Gespräch auch in einem Beitrag aufgegriffen hat und zur Diskussion stellt:

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