“Schwarzbuch Waldorf” – ein Interview mit dem Autor Michael Grandt


Damit ich  für mehr Aufklärung, rund um das Thema Waldorfpädagogik sorgen kann,  hat sich auch der Autor des „Schwarzbuch Waldorf“, von mir interviewen lassen.

Screenshot der Homepage (Startseite) von Michael Grandt

(Screenshot der Website von Michael Grandt)

Das Interview mit dem Autor Michael Grandt vom 29.10.2008

ELKE REIHL:

Herr Grandt, Ihr „Schwarzbuch Waldorf“ hat eine Lawine an Diskussionen ausgelöst. Hätten Sie damit gerechnet?

MICHAEL GRANDT:

Ja, denn fast die selben Reaktionen gab es schon bei meinen anderen Publikationen zum Thema.

REIHL:

Wie gehen Sie mit der Kritik um, dass Ihnen so oft vorgeworfen wird, Ihre journalistische Kompetenz ließe zu wünschen übrig?

GRANDT:

Ich gehe mit Kritik gelassen um. Aus konstruktiver Kritik versuche ich zu lernen. Das, was aber viele Waldorfbefürworter vom Stapel lassen, ist keine Kritik, sondern Verleumdung und Diffamierung. Die meisten scheinen mein Buch gar nicht gelesen zu haben.

Zur journalistischen Kompetenz: Mein Buch wurde von einer Lektorin geprüft und auch noch einer juristischen Prüfung unterzogen.

Der Chefjustitiar des Verlages, Rainer Dresen, äußerte sich aufgrund des Prozesses gegen mein Buch so: „Würden derartig überspannte Anforderungen wie sie das Stuttgarter Gericht vorliegend für das „Schwarzbuch“ aufstellt, auch für andere Sachbücher gelten, könne man sich das Verlegen kritischer Bücher in Zukunft sparen.“

Damit ist alles gesagt.

REIHL:

Beim Lesen von Kommentaren zu Ihrem Buch entstand bei mir der Eindruck, dass zwei Welten aufeinanderprallen, deren Gegensätze unüberwindbar sind und so jede sachliche Auseinandersetzung unmöglich erscheint. Was sagen Sie zu dieser Verhärtung?

GRANDT:

Dieselbe Erfahrung mache ich auch: Es scheint nur Befürworter oder Gegner von Waldorf zu geben. Eine sachliche Auseinandersetzung fehlt, vor allem aber auch, weil sich die Waldorffunktionäre seit über zehn Jahren vehement weigern, sich mit mir an einen Tisch zu setzen und zu diskutieren.

REIHL:

So wie ich es sehe, ist Ihr Hauptanliegen für mehr Transparenz bei Waldorf-Einrichtungen sorgen zu wollen, ist es so?

GRANDT:

Da haben Sie Recht. Die Waldorffunktionäre müssen es einfach transparent machen, dass die okkult-esoterische Anthroposophie die Grundlage ihrer Pädagogik ist und was das im Einzelnen für die Lehrerausbildung und die Kindeseinschätzung an Waldorfschulen bedeutet. Bisher, so habe ich den Eindruck, wird das Ganze vernebelt, so dass die Eltern nicht genau wissen, was das alles zu bedeuten hat. Schließlich gibt es ja in den ersten 8 Jahren auch keine Schulbücher.

REIHL:

Warum hört man in der Öffentlichkeit nichts von Waldorfschulen, die sich offiziell und schriftlich von der Lehre Rudolf Steiners distanzieren? Gibt es diese überhaupt?

GRANDT:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich eine Waldorfschule je von Steiners Lehren distanzieren wird; sie ist ja Grundlage der Waldorfpädagogik. Also ohne Anthroposophie  auch keine Waldorfpädagogik. Es gab zwar eine sogenannte „Stuttgarter Erklärung“, in der sich der „Bund der Freien Waldorfschulen“ von Steiners rassistischen Äußerungen distanziert hat, aber WIE das zu verstehen ist…..siehe Interview: Andreas Lichte.

Sich von der gesamten Lehre zu distanzieren, nein, das wird es nicht geben.

REIHL:

Man hört immer wieder, dass Waldorf ohne Steiner nicht möglich sei. Wie sehen Sie das?

GRANDT:

Rudolf Steiner ist der Namenspatron der Schulen und Gründer der Pädagogik. Die Waldorflehrer müssen sich intensiv mit seinen Schriften auseinandersetzen. Steiners Temperamentenlehre wird an Waldorfschulen angewendet, seine Menschenkunde dient zur Einschätzung des Kindes. Meines Erachtens kann es ohne Steiner überhaupt gar keine Waldorfschulen geben.

REIHL:

Würden Sie mir zustimmen, dass eingefleischte Anthroposophen „steiner- süchtig“ sind?

GRANDT:

Fundamentalisten gibt es überall, die jedes Wort ihres „Guru“ auf die Goldwaage legen.

REIHL:

Für meinen Geschmack ist jeder vehemente Kampf gegen Kritik verdächtig und angstbesetzt. Warum hat es der „Bund der Freien Waldorfschulen“ so nötig, gerichtlich gegen Ihr Buch vorzugehen?

GRANDT:

Das ist eine gute Frage. Aber die Waldörfler gehen ja nicht nur gegen mein Buch vor, auch gegen kritische Fernsehbeiträge, siehe jüngst den Beitrag im RBB.

Man scheint Kritik mit aller Macht verhindern zu wollen, das enttarnt natürlich sehr viel über das „System Waldorf“. Auch Psychogruppen und Sekten versuchen das.

REIHL:

Was halten Sie von der empirischen Studie zu Bildung und Lebensgestaltung ehemaliger Waldorfschüler von Heiner Barz und Dirk Randoll, Professor an der anthroposophischen Alanus Hochschule in Alfter?

GRANDT:

Man sagt, die Studie wäre „waldorfnah“, weil auch die beiden Autoren „waldorfnah“ wären. Welchen Wert hat diese dann?

REIHL:

Sehen Sie einen Unterschied zwischen Waldorfschulen einerseits und Schulen christlicher Träger andererseits, was das Verhältnis von weltanschaulicher Prägung zu Wissensvermittlung angeht?

GRANDT:

In christlichen Schulen ist es für Jedermann klar, dass die Schüler zum christlichen Glauben erzogen werden, dass die Ethik in der Schule christlich ist. Bei den Waldorfschulen ist das nicht der Fall, denn man will ja keine anthroposophische Weltanschauungsschule sein. Das halte ich für problematisch und fordere deshalb mehr Transparenz.

REIHL:

Der folgende Text ist auf der Internetseite des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ nachzulesen. Was halten Sie von diesen Angaben?

[Zitat Beginn] „In Deutschland gibt es derzeit neun Hochschulen und Seminare, alle bieten ein ein- bis zweijähriges Aufbaustudium zum Waldorflehrer an, das ein abgeschlossenes Hochschulstudium voraussetzt.

An der Entwicklung  von Studiengängen , die sowohl für die Lehrertätigkeit an Waldorfschulen als auch an staatlichen Schulen qualifizieren, arbeitet derzeit die Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn.

In Baden-Württemberg wurde bereits vom Wissenschaftsministerium prinzipiell bestätigt, dass die Waldorflehrerausbildung den Abschlussgrad Bachelor und Master of Education erhalten soll. Die genauen Einzelheiten des Supplements werden noch geprüft.“ [Zitat Ende]

GRANDT:

Baden-Württemberg als Bundesland, in dem die erste Waldorfschule gegründet wurde, hat eine sehr seichte Auslegung der Waldorflehrerausbildung gegenüber, die es so in anderen Bundesländern nicht gibt. Das haben meine Befragungen ergeben, die auch im Buch dokumentiert sind.

Josef Kraus, der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, hält die Waldorflehrerausbildung für „höchst fragwürdig“ und sie hätte mit „Wissenschaft und wissenschaftlicher Ausbildung, wie sie im Grundgesetz auch von Lehrern an freien Schulen verlangt wird, nichts zu tun.“

REIHL:

Können Sie eine Aussage darüber treffen, ob Lehrer mit staatlicher Ausbildung ohne ein „Bekenntnis“ zur Lehre Rudolf Steiners an Waldorfschulen unterrichten dürfen?

GRANDT:

Sie sehen ja im Interview mit Herrn Lichte, was er für Erfahrungen gemacht hat. Lichte sagt dazu: Indirekt wurde mir schon die Gretchen-Frage gestellt, siehe „Wunderbare Waldorfpädagogik…“ ,

Zitat: „Das haben Sie ja hervorragend dargestellt.“ „Danke!“ „Aber glauben Sie das auch?!“ „Natürlich!“, antwortet L. und erinnert sich an sein Vorstellungsgespräch. Hatte da nicht jemand gesagt: „Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie Anthroposoph werden…“?

Lehrer müssen sich mit Steiners Schriften, der Anthroposophie und der Anwendung der Anthroposophie beschäftigen. Ich nehme an, ein Lehrer, der Steiner und die anthroposophische Waldorfpädagogik ablehnt, würde an einer Waldorfschule nicht unterrichten können, weil ja die Grundlage fehlen würde.

REIHL:

Ich danke Ihnen recht herzlich für dieses Gespräch und ich wünsche Ihnen, dass Ihr Buch ein Bestseller wird.

GRANDT:

Ich bedanke mich ebenfalls.

Wiederum  möchte ich darauf hinweisen, dass wir diffamierenden und beleidigenden Kommentaren, auf die im Gespräch geäußerten Meinungen, kein Forum bieten. 

Ein weiteres Interview mit Herrn Michael Grandt können Sie hier einsehen:

Die Erfahrungen von Herrn Grandt mit Waldorfbefürwortern sprechen für sich; deshalb sollten sich Interessierte ohne nähere Vorinformationen über das Thema nicht von der negativen Kritik am „Schwarzbuch Waldorf“ (auch bei Amazon.de) abschrecken lassen, sondern sich durch die Lektüre eine eigene Meinung bilden.

Wer an Informationsfreiheit interessiert ist und meint, dass das Buch dazu einen wichtigen Beitrag leistet, sollte sich aufgefordert fühlen auch bei Amazon.de eine Rezension einzustellen, um einer möglichst breiten Leserschaft einen differenzierten Zugang zum Thema zu ermöglichen.

Für weitere Meinungsäußerungen zum „Schwarzbuch Waldorf“steht jedem auch das offene Gästebuch von Herrn Grandt (Hompage unter www-michaelgrandt.de) zur Verfügung:

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