Warum profitieren Neonazis und Co. von schweren Krisen?


Egal wo man hinschaut, überall findet man nur noch Krisenmeldungen. Wo ist nur die schöne heile Welt geblieben, die einem Geborgenheit und Sicherheitheit vermitteln konnte? Die Welt wird immer komplizierter und die Globalisierung hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass immer neue Probleme auftauchen, die Menschen über die Landesgrenzen hinweg tangieren.

Man fühlt sich schutzlos und ausgeliefert, wodurch ein Bedürfnis der Abgrenzung entsteht. Die Sehnsucht nach Idylle, die man an erster Stelle unter seinesgleichen sucht wächst und damit auch der NationalismusDie Bezeichnung Rassismus erhält eine ganz neue Bedeutung, denn es bedarf keiner anderen Rasse im gängigen Sinne mehr, um Ablehnung zu empfinden.

Mancherorts, wie aktuell in Bayern, kann man beobachten, dass Feindbilder im kleinsten Rahmen entstehen, die an uralte Stammesauseinandersetzung erinnern. Franken gegen Altbayern hieß es vermehrt nach dem Wahldesaster der CSU, die sich auf ihren altbayerischen Ursprung stützt, weswegen sich viele Südbayern durch den Franken Beckstein weder vertreten noch verstanden fühlten. Man hat die Franken damit zutiefst beleidigt, so dass erste Stimmen nach Separation und einem Freistaat Franken laut wurden. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die sich international finden lassen.

Je größer die Welt geworden ist, desto mehr entsteht das Bedürfnis nach engen abgegrenzten Verbindungen im Kleinen, eben wie hier geschildert in der eigenen Landsmannschaft, von der man erwartet, dass sie einen am besten versteht und dadurch Konflikte vermieden werden können. Die Suche nach Harmonie und Sicherheit im Kleinen bietet jedoch auch einen optimalen Nährboden für rechte Organisationen, die von Haus aus an das nationale Zusammengehörigkeitsbedürfnis appellieren. Diese finden sich in Deutschland zur Genüge und ihr Zulauf ist nicht zu unterschätzen, wobei sie in der Regel auch noch unter dem Deckmantel eines Vereins agieren und somit vom Staat mitfinanziert werden. Aktuell versucht man zwar die rechtsextremistische Jugendorganisation „Heimattreue Deutsche Jugend“ zu verbieten, wobei es viele Spekulationen gibt, dass diese längst darauf vorbereitet waren irgendwann untersucht zu werden und somit Vorsorge getroffen haben.

Somit kann man jedem Menschen nur ins Gewissen reden, denn meines Erachtens sind wir nicht mehr so sehr weit weg von einer Ausgangssituation wie in der Weimarer Republik, die einen Diktator Hitler erst möglich machte. Auch wenn uns die Finanzkrise und alle anderen Übel noch so viele Probleme bereiten werden, die Flucht in eine polemisch verkaufte Idylle, wie auch die der Neonationalisten, der Esoteriker, der radikal fundamentalistischen Religiösen oder der Waldorf-Ideologen, wird niemals eine Lösung bringen.

Bleiben Sie standhaft, es hat immer schlechte Zeiten gegeben. Wenn es abwärts geht, geht es auch irgendwann wieder bergauf. Und denken Sie daran, dass die genannten Organisationen sehr wohl Ziele verfolgen, die diesen an erster Stelle selbst Macht verleihen und dass sie im Grunde nicht daran interessiert sind, dass es Ihnen gut geht, sondern nur daran, dass Sie sie bedingungslos unterstützen und Sie damit Ihre demokratische Freiheit aufs Spiel setzen.

2 Gedanken zu “Warum profitieren Neonazis und Co. von schweren Krisen?

  1. Die Beurteilung des „bayrischen“ Problems wie oben beschrieben, na ja. Erste Stimmen werden laut? Diese Forderungen gab es bereits in den 50ger Jahren. Sie werden auch in schöner Regelmäßigkeit immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt, neu oder gar überraschend ist das wirklich nicht. Für Nichtbayern mag sich dieser Eindruck in den letzten Tagen ergeben haben. Diese Auseinandersetzung der Stämme gab es von Anfang an, da wussten wir noch nicht einmal was Globalisierung bedeutet und abgegrenzt hat man sich gegen die „anderen“ schon aus Prinzip. Mir san mir und net die andern.
    Der Freistaat Bayern ist innerhalb Deutschlands das bei weitem heterogenste Bundesland.
    Bayern besteht beileibe nicht nur aus Franken (wobei sich Franken auch noch in jeweils überwiegend katholische und protestantische Teile in Unter-, Mittel- und Oberfranken gliedert, die sich nicht einmal untereinander grün sind wie man schon an den Voten von Mittel- und Unterfranken unschwer ablesen konnte und Altbayern (= der Begriff für Ober- und Niederbayern).
    Nein, da gäbe es dann noch die Schwaben (bayrisch Schwaben – ja, die gehören zu Bayern und nicht zu BW) inklusive der alamannischen Schwaben (= Allgäu), die alle schwäbisch schwätzet und net baoarisch redn sowie die Oberpfälzer, die ebenfalls zu keiner der vorgenannten Gruppen gehören. Die sind alle untereinander so verschieden wie Hessen und Saarland, oder BW und Rheinland, kurz: was gemeinhin als bayrisch beschrieben und verstanden wird, ist nichts anderes als oberbayrisch und das ist der kleinste Teil Bayerns.
    Den Konflikt auf Altbayern-Franken zu beschränken mag gerade in sein. Es reden überhaupt in letzter Zeit sehr viele über Bayern ohne auch nur einen Hauch von Ahnung zu haben (Claudia Roth kommt aus Augsburg und Augsburg gehört zu BW)- ZDF am Wahlabend des 28.9, man höre und staune! Wussten wir bisher gar nicht.
    Grundproblem ist die oberbayrische Arroganz wie sie im Stoiber Wort „Die mehran san die schweran“ (bezogen auf den CSU Bezirk und die Nähe zum Großraum München) zum Ausdruck kommt. Solange diese Arroganz mit soviel Inbrunst gepflegt wird (z.B. Thomas Goppel und seine regelmäßigen Verbalattacken gegen die bayrischen Schwaben – die Quittung hat er bei der Abstimmung über die Nominierung als Ministerpräsident bekommen), wird sich die CSU darauf einstellen müssen, dass die unterschiedlichen landsmannschaftlichen Belange mit größerem Selbstbewusstsein über die Freien Wähler – wie seit Jahren praktiziert – ausgetragen werden. Auch das ist nicht neu und Usus seit Anfang der 90ger Jahre. Ich denke, das war erst der Anfang und hat mit Globalisierung oder Identitätsverlust im Allgemeinen erst mal gar nichts zu tun. Nur bayrisch und katholisch sein alleine reicht halt heut auch für eine Partei in Bayern nicht mehr aus. Diese Erkenntnis ist jetzt in München angekommen. Nur: inzwischen haben alle Blut geleckt und sehen ihre Stunde gekommen. Jeder Stamm versucht das Maximale für die Seinen rauszuschlagen – so einfach ist das. Für diese regionalen Konflikte hat sich nur bisher außerhalb Bayerns niemand interessiert. Die überwiegende Mehrheit weiß ja noch nicht mal, dass Schwaben zu Bayern gehört und nicht zu BW.

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  2. Liebe Frau Hofmann,
    Danke für Ihre Erläuterung. Ich kenne die Zusammenhänge genauso gut wie Sie, denn ich lebe schon immer in Bayern.Ich respektiere Ihre Ansichten, denn jeder macht auch eigene Erfahrungen, die einen Gesamteindruck prägen. Man darf geteilter Meinung sein, denn ich für meinen Teil als Oberfränkin konnte in der Vergangenheit nicht feststellen, von Bayern anderer Herkunft angefrozelt zu werden, weder innerhalb noch außerhalb Frankens. Ganz im Gegenteil, ich habe Freunde aus allen Regierungsbezirken, die sehr wohl heimatbezogen sind und wenn das Thema der individuellen Herkunft angesprochen wurde hat man letztendlich über die Klischees gelacht. Ich habe mich bisher überall wohl gefühlt, ganz egal wo ich war und ich konnte keine ernstzunehmende Voreingenommenheit spüren.
    Ich habe Bayern als Beispiel in meinem Beitrag angeführt, weil der angesprochene Konflikt nach der Wahl plötzlich in den Medien zu einem massiven Thema wurde. Dass der öffentliche Diskurs zwischen Altbayern und Franken ausgetragen wird, liegt eben daran, dass sich einerseits die Altbayern als Gründerväter und Erfolgsträger der CSU sehen und andererseits Herr Beckstein als Franke schuldig gesprochen wird diesen Erfolg verspielt zu haben. Viele Altbayern haben sich daraufhin zu Wort gemeldet und erklärt, dass sie sich von einem Franken weder vertreten noch verstanden fühlen. Für viele Franken lief das Fass damit über, weil man einerseits schließlich Jahrzehnte altbayerische Ministerpräsidenten mit der eigenen Wahlstimme unterstützte und andererseits weil man aktuell wesentlich bessere Wahlergebnisse für die CSU einfahren konnte. Die gravierendsten Verluste erlitt die CSU in Altbayern und nicht in Franken.
    Weil die CSU das Ganze nicht als Lapalie betrachtet, wurde es zur wichtigsten Aufgabe, dass es wieder einen altbayerischen Ministerpräsidenten braucht. Eben Herrn Seehofer, weil er genau diesem Kriterium entspricht, obwohl er vor einem Jahr wegen seiner Affäre und unehelichen Vaterschaft keine Chance für dieses Amt in der christlichen Partei hatte.
    Herr Seehofer wiederum ist sich jedoch bewusst, dass er jetzt diese Stammesauseinandersetzung wieder bereinigen muss und deswegen hat er in Interviews geäußert, dass es sein Anliegen sein wird, führende Positionen innerhalb der Partei mit Vertretern der verschiedenen Landsmannschaften ausgewogen zu besetzen. Er selbst komme aus Ingolstadt, sei somit Oberbayer, wobei seine Heimat sowohl an Franken, Niederbayern, Schwaben und auch an der Oberpfalz grenzt, und damit hätte er schon mal gute Voraussetzungen.
    Herr Georg Schmid wurde überraschend in seinem Amt als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt. Er ist ein Schwabe und er war federführend verantwortlich für das strikte Rauchverbot in Bayern, das Seehofer unbedingt ändern will, weil er sagt, man hätte das Lebensgefühl in Bayern damit verkannt, deswegen gäbe es für ihn nur eines: „Leben und leben lassen“
    Wenn genau die, die für das Wahldesaster mitverantwortlich gemacht werden, gehen müssen ist es schon erstaunlich, dass Schmid bleiben darf oder nicht?
    Dementsprechend, auch wenn es immer innerbayerische Auseinandersetzungen gab, geht es jetzt ernst zur Sache und darüber berichten die Medien. Dass es so ist, machen die Äußerungen von Horst Seehofer auch ganz deutlich.
    Für alle außerhalb Bayerns ist es doch verständlich, dass sie sich solange nicht für Einzelheiten interessieren, bis die Medien darüber berichten. Ich möchte auch nicht wissen, wie viele Bayern es gibt, die keine Ahnung von den neuen Bundesländern haben.
    Wir werden ja alle sehen, wie es weitergeht.

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