Die Bayernwahl, was nun?


Gestern ein denkwürdiger Tag für Bayern. Die Landtagswahlen haben gezeigt, dass die 46-jährige Alleinregierung der CSU nun endlich ein Ende haben wird.

Dass es von der CSU als Fiasko und desaströs gesehen wird, liegt auf der Hand, wenn man so lange gewohnt war die uneingeschränkte „Herrschaft“ im Land auszuüben. Diese für deutsche Bundesländer einmalige Allmacht einer Partei hat deutlich gezeigt, dass sich arrogante Machtansprüche immer mehr verselbständigt haben, weil man glaubte, man könne in jeder Beziehung machen, was man wolle, ohne jemals seine Position zu verlieren.

Für viele Nicht-Bayern mag es zwar unbegreiflich sein, dass die CSU so gescholten wurde, weil ja Bayern im Bundesvergleich am besten abschneidet. Die Wirtschaft ist intakt, man verzeichnet die niedrigste Arbeitslosenquote und selbst bei der Pisa-Studie schnitt man am besten ab.

Von außen betrachtet sieht es so aus, als ob man sich keine bessere Regierung hätte wünschen können, mögen viele Deutsche glauben.

Von innen betrachtet, sieht es jedoch etwas anders aus, selbst wenn die bayerische Bevölkerung von den großen nationalen Problemen verschont wurde, heißt das noch lange nicht, dass damit die Welt in Ordnung sein muss.

Da der Anspruch bekanntlich mit dem Erfolg wächst, hat sich die Bevölkerung mit vielen Dingen nicht mehr zufrieden erklärt, welche für andere Bundesländer nebensächlich erscheinen, weil für sie  andere Probleme wesentlich gravierender sind und primär gelöst werden müssen. Somit ist es ganz offensichtlich, dass die Wahrnehmung der Probleme von den Umständen abhängt und bessere Umstände nicht automatisch volle Zufriedenheit erzeugen.

Ein gutes Beispiel dafür dürfte das Umweltbewusstsein in Bayern sein. Gerade in Oberbayern hat sich die Bevölkerung massiv daran gestoßen, neue Bauprojekte, wie zum Beispiel die zweite Startbahn für den Münchener Flughafen zu akzeptieren. Die Natur geht vor und man möchte sie nicht weiter verschandeln lassen. Dieses Anliegen kann nur Priorität haben, weil man genügend Arbeitsplätze hat.

Genauso gut könnte man den Protest gegen die sogenannten „Lauschangriffe“ der CSU-Sicherheitspolitik nennen, durch die man die eigene Freiheit gefährdet sieht. Dieser Ruf nach Freiheit wird auch erst immer dann laut, wenn die Existenz gesichert ist, denn wer nicht weiß, mit welchen Mitteln er sein Leben bestreiten soll, der denkt nicht an Datenschutz.

Ein weiteres Beispiel ist die Bildungspolitik, die im jetzigen Wahlkampf von knapp 50 % der bayerischen Bevölkerung als wichtigstes Problemthema gesehen wurde. Auch wenn natürlich einiges in den Schulen schief läuft und die Einführung des G8 an Gymnasien zu schnell und zu unausgegoren verlief, konnte Bayern bis jetzt immer noch die beste Bildung in Deutschland vorweisen.

Laut Wahlanalyse hat sich jedoch bestätigt, dass die CSU am meisten Wähler in der Altersgruppe zwischen 30 und 59 Jahren verloren hat, also eben bei den Eltern von Schülern.

Was hat diesen Leuten so sehr gefehlt? Ich würde mal annehmen, dass deren Kinder an erster Stelle schlechte Schulleistungen haben, bzw. sich zumindest sehr anstrengen müssen, um in der Schule mitzukommen. Dies ist die einzig denkbare Grundvoraussetzung für die meisten dieser Altersgruppe, sieht man mal von denen ab, die ihre Kinder unterfordert sehen und von den Lehrern, die sich bessere Arbeitsbedingungen wünschen.

Wer oder was ist also laut Eltern schuld für das Schulversagen?

In der öffentlichen Diskussion wurden vorrangig das Fehlen von Lehrkräften, der Ausfall von Unterricht, zu große Klassen, der Wegfall von kreativen Fächern, zu großer Leistungsdruck, zu wenig Engagement der Lehrer für individuelle Förderung und schließlich der Einsatz von Lehrkräften ohne pädagogische Ausbildung genannt.
Nun darf man aber mal gespannt sein, ob für die Betroffenen das Schulproblem in Zukunft gelöst ist, selbst wenn die genannten Mängel  beseitigt werden. Ich behaupte ganz klar, nein.
Wer sich so wie ich intensiv mit der Schulproblematik beschäftigt hat, konnte längst feststellen, dass die Diskussion ohne Einbezug einer Mitverantwortung seitens der Schüler und der Eltern verlief. Es wurde regelrecht unter den Tisch gekehrt, dass es immer mehr äußerst demotivierte Schüler gibt und dass viele Eltern ihren Erziehungsauftrag vernachlässigt haben, bzw. ihm gar nicht nachgekommen sind, um ihren Kindern Verantwortung beizubringen. Wer sich für die Einzelheiten meiner Analyse interessiert, kann diese jederzeit in meinem eBook „Sackgasse Schule“ nachlesen.

Somit wage ich zu äußern, dass die CSU Regierung in der Bildungspolitik den größten Fehler gemacht hat, indem sie dafür sorgte es den Schülern immer leichter machen zu wollen, um die Wähler zu befriedigen. Dieser Schuss ging total in den Ofen, denn für Lehrer wurde es immer untragbarer schlechte Schüler durchboxen zu müssen, hohe Fehlzeiten von Schülern ohne Entschuldigung konsequenzlos hinnehmen zu müssen und „Null-Bock“ auf Wissen als Gegebenheit von vielen Gymnasiasten akzeptieren zu müssen, wobei man dadurch die wirklich guten Schüler auch noch sträflich vernachlässigen musste, weil sie nur noch unterfordert waren.

Der arrogante und elitäre Anspruch der bayerischen Regierung möglichst viele Abiturienten im Land verbuchen zu können, koste es was es wolle, hat es vielen Eltern leicht gemacht dies auch unabdingbar zu erwarten, ohne selbst Verantwortung übernehmen zu müssen.

Die Realität hat gezeigt, dass es so nicht funktioniert. Hätte die Regierung den Blick für die Schulpraxis nicht verloren, wäre einiges besser, auch wenn man es nie allen Recht machen hätte können.  So hat man es jedoch bei allen Beteiligten „versaut“, weil der Status Quo des Landes wichtiger war und man um keinen Preis zugeben wollte, dass es ausgerechnet in Bayern an Eliteschülern mangelt.Für die CSU Regierung hat sich das Märchen von der uneingeschränkten bayerischen Vormachtsstellung erst mal ausgeträumt.

Jetzt bleibt abzuwarten, wann die Bevölkerung registriert, dass nicht alles automatisch von der Politik gelöst werden kann und dass sie unrealistische Ansprüche gerade in der Bildungspolitik auf den Boden der Tatsachen zurückführen müssen. Um die Situation zu verbessern, müssen Eltern in der Schule mit mehr Regeln und Konsequenzen für Fehlverhalten und mangelnde Motivation von Schülern rechnen und sie müssen sich auch der Verantwortung stellen ihre Kinder dahingehend richtig auf die Schule vorzubereiten. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr und wer sich weiterhin darauf verlässt, dass Lehrer dazu da sind um auch noch frühkindliche Erziehungsmängel auszubaden, der wird nach wie vor Enttäuschungen erleben.

Dies sollte jeder wissen und wenn genau die, die alles Versagen an der Regierung festmachen, sich nicht bald mal an die eigene Nase fassen, wird selbst eine neue Regierungskonstellation nicht dafür sorgen können, dass für einen selbst alles besser wird. Zudem bleibt offen, wie sich die Freien Wähler, die die meisten Stimmen der ehemaligen CSU Anhänger aufgefangen haben, machen werden. Eine Partei, die noch nie im Landtag war, die weder Regierungserfahrung noch ein Programm besitzt und die sich bisher nur um kommunale Themen kümmerte. Gerade in ihr sieht man die Rettung? Oder zeigt es wiederum den Hang zum Träumen, nicht nur bei der CSU, sondern auch bei vielen Wählern?

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