Sarah Palin und John McCain, der Amerikanische Wahlkampf


Liebe Leser,

Gibt es in aufgeklärten modernen Industrienationen noch Menschen, außer den Anhängern der Zeugen Jehovas,  die die Bibel wörtlich deuten und die sie als einzig gültige Erklärung des Weltgeschehens gelten lassen? Vielleicht noch dazu mit der absoluten Glaubensannahme, dass die Evolutionstheorie des Charles Darwin keine Existenzberechtigung haben darf, weil sie der Schöpfungsgeschichte der Bibel widerspricht, wenn doch in der Genesis zu lesen ist, dass Gott die Welt und alle Wesen gleichzeitig erschaffen hat und es deswegen keine Entwicklung gegeben haben kann? Gibt es Menschen, die aus genannten Gründen zusätzlich die Vorstellung vertreten, dass die Erde erst wenige tausend Jahre alt ist und dies alles  im Biologieunterricht von Schulen auch gelehrt werden muss, weil es  aufgrund der Zeugnisse aus der Bibel der einzigen Wahrheit entspricht?

Ich bin mir sicher, dass sich die Beschreibung dieses Glaubenskonzeptes für viele wie eine utopische Fiktion liest. Doch weit gefehlt, Menschen, die  so ticken, gibt es heute noch zu Hauf. Eine große Anzahl, die das glauben, finden Sie jedoch nicht im „alten“ Europa, sondern in der Weltmacht der Vereinigten Staaten von Amerika. Man nennt sie „Kreationisten“ und es wird geschätzt, dass sich mehr als 40 % der Amerikaner zu dieser Ideologie bekennen. Berichten zufolge, zogen Bibeltreue in mehr als der Hälfte der amerikanischen Bundesstaaten vor Gericht, um einzuklagen, dass  die göttliche Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht von Schulen gelehrt werden müsse. Mit dem Ergebnis, dass aktuell Schülern in vielen Staaten der Bibelglaube als der Evolutionstheorie gleichwertig vermittelt wird. Kein geringerer als Präsident George W. Bush begrüßt und unterstützt diese Neuerung sehr.

Wenn es jedoch bibeltreuen Eltern in Amerika zu gefährlich erscheint, ihre Kinder überhaupt mit der Evolutionstheorie oder anderen unbiblischen Aspekten in Berührung kommen zu lassen, haben sie das Recht auf „home-schooling“. Das bedeutet, dass sie ihre Kinder zu Hause selbst unterrichten dürfen, natürlich ihrem eigenen Glauben entsprechend, versteht sich.

Was für Europa undenkbar erscheint, ist in den Vereinigten Staaten alltägliche Praxis und man könnte nun annehmen, dass die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen auch hier einige Veränderungen mit sich bringen dürften. Gerade der Aspekt „Change“, den Barack Obama ins Leben gerufen hat, sollte wohl auch für seinen Gegenspieler John McCain und die republikanische Partei gelten, um sich eine Chance auf den Einzug ins Weiße Haus sichern zu können, besonders nachdem jeder weiß, wie sehr die Bush- Regierung und damit die Republikanische Partei Amerika geschadet haben.

Tja, wiederum weit gefehlt, wenn man annimmt, dass es in dieser Partei einen generellen Wandel geben müsse. John McCain zeigt in seiner aktuellen Wahl des Vize-Präsidenten, wie sehr er an konservativen Werten interessiert ist und diese erhalten will. Nominiert als republikanischer Vize-Präsident wurde zwar erstmals eine relativ junge Frau, doch nicht aufgrund hoher politischer Qualifikationen, sondern wegen ihrer herausragenden „Pro-Life“ Gesinnung. Sarah Palin ist bekennende protestantische Evangelikalin, die sich zur Gemeinschaft der „Versammlungen Gottes“ zählt und die damit auch unweigerlich Kreationistin ist. Ihr letztes von fünf Kindern kam erst vor vier Monaten behindert (gewollt behindert, weil während der Schwangerschaft gewusst)  zur Welt und dies verschafft ihr die Qualifikation einer vehementen Abtreibungsgegnerin, die sie ohne jegliche Einschränkung ist. Ferner spricht sie sich gegen die Eheschließung von homosexuellen Paaren aus und unterstützt den Besitz von Waffen als lebenslanges Mitglied der einflußreichen Waffenorganisation „National Rifle Organisation“(NRO). Nebenbei wäre da nur noch zu erwähnen, dass Frau Palin seit zwei Jahren  Gouverneurin von Alaska ist und dass sie sich in ihrem Amt für die Haushaltssanierung des Landes und die Abschaffung korrupter Geschäfte der großen Öl- und Gasindustrien einsetzte. Da Alaska den am wenigsten besiedelten Staat Amerikas verkörpert, ohne Drogen- und Einwanderungsprobleme, ist es nicht verwunderlich, dass Sarah Palin nach ihrem erlernten Beruf als Sportjournalistin und dem Amt der Bürgermeisterin eines 9000 Seelen Ortes, zur Gouverneurin aufsteigen konnte. Somit kannten sie vor ihrer Nominierung zur Vize-Präsidentin weder Europäer, noch Amerikaner und man möchte glauben, dass es John McCain auch nicht viel anders ging.

Nur zu dumm, dass auch wenn Sarah Palin noch gerne jagt und fischt und sie ein Basketball- Fan ist, den sie zusätzlich fördert, es einen richtigen Erklärungsnotstand gibt, wenn man danach fragt, womit es sich rechtfertigen lässt, ihr das zweithöchste Amt in den Vereinigten Staaten zu übertragen. Gar nicht zu reden, von der Tatsache, dass sie beim Ableben von John McCain automatisch Präsidentin werden würde und dies zusätzlich ins Auge gefasst werden muss, wenn man bedenkt, dass McCain bereits 72 Jahre alt ist.

Ich für meinen Teil kann aus dieser Entscheidung nur schließen, dass es sich einzig und allein um den zusätzlichen Stimmenfang von religiös-fanatischen Wählern und männerhassenden Hillary- Clinton- Anhängerinnen handeln kann und dass McCain mit dieser Nominierung  ein persönliches egomanisches Wahlziel  verfolgt und dass es nicht darum geht Amerika zu verbessern.

Ferner würde ich Sarah Palin immer auch unterstellen, dass ihre aufrichtige Akzeptanz der Geburt ihres mongoloiden Kindes nicht so viel wert sein kann, wenn sie sich doch lieber in das Amt des Vize- Präsidenten stürzt, statt ihre Mutterrolle zu erfüllen, wobei ihr viertes Kind auch noch im Vorschulalter ist.

Sich für das Leben unter allen Umständen auszusprechen, ist eine Sache, doch dies erfordert auch lebenslange große Verantwortung, gerade wenn es um behinderte Kinder geht. Da sich nicht jede Frau in einer so priviligierten Lage wie Sarah Palin befindet, ist es von ihr absolut respektlos Abtreibungsbefürworter zu verurteilen. Ferner sollte man sich noch fragen, wie sich ihre „Pro-Life“ Gesinnung und ihr dogmatischer Bibelglaube mit ihrer Waffenliebe vereinbaren lassen, wobei sie dabei nicht nur das Töten von Tieren im Auge hat, sondern auch eine Befürworterin der Todesstrafe und des Irak- Krieges ist.

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